Jedes Jahr bestehen rund 8.000 Menschen das zweite Staatsexamen. Gleichzeitig fehlen der Justiz nach Angaben des Deutschen Richterbundes rund 2.000 Staatsanwälte und Strafrichter. Die Berufsaussichten in Jura sind also gut, nur eben nicht überall gleich gut: Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag 2025 bei 2,6 Prozent, und trotzdem war weit mehr als die Hälfte der arbeitslos gemeldeten Juristinnen und Juristen jünger als 35 Jahre.
Der Engpass liegt am Berufseinstieg und in der Justiz. Du planst dein Jurastudium anders, wenn du weißt, wo wirklich gesucht wird.
Auf einen Blick:
- 444.000 Erwerbstätige in Deutschland haben einen Abschluss in Rechtswissenschaften. Nur rund zwei Drittel arbeiten juristisch.
- Die Arbeitslosenquote liegt bei 2,6 Prozent. Das ist sehr niedrig, sagt aber nichts über die Wartezeit bis zur ersten Stelle.
- Der Mangel ist echt, aber ungleich verteilt: Justiz und Ostdeutschland dringend, Wirtschaftskanzleien selektiv, M&A und Gesellschaftsrecht zurückhaltend.
- Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit einem stabilen Nachwuchspotenzial. Der Mangel stammt aus der Altersstruktur der Justiz, nicht aus einem Einbruch bei den Absolventen.
- Rund 16 Punkte aus beiden Examina zusammen gelten inzwischen als solide Ausgangslage, auch für Großkanzleien.
Tipp
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Jura-Berufsaussichten: Was die Zahlen wirklich zeigen
Die belastbarste Antwort auf diese Frage liefert die Bundesagentur für Arbeit. Sie wertet den Arbeitsmarkt für Akademiker jährlich aus, mit einem eigenen Kapitel zu den Rechtswissenschaften. Schlagzeilen sind dagegen ein schlechter Ratgeber.
Wie viele Juristen in Deutschland arbeiten
Rund 444.000 Erwerbstätige in Deutschland hatten 2025 einen Abschluss der Rechtswissenschaften. Das zeigt der Blickpunkt Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit auf Basis des Mikrozensus. Vor zehn Jahren waren es noch 356.000. Die Zahl ist also deutlich gewachsen.
Spannender als die Gesamtzahl ist die Verteilung. Fast ein Drittel arbeitet als Anwältin, Anwalt oder Notar, das sind 139.000 Menschen. Ein weiteres knappes Drittel steht im Dienst des Staates, rund 135.000 Personen, davon 31.000 als Richter oder Staatsanwälte. Die übrigen 170.000 sind in der freien Wirtschaft tätig.
Nur rund zwei Drittel aller Menschen mit Jura-Abschluss sind überhaupt mit juristischen Aufgabenstellungen betraut. 114.000 arbeiten in der freien Wirtschaft ohne eindeutig juristische Ausrichtung, etwa im Büromanagement, im Personalwesen, in betriebswirtschaftlichen Aufgaben oder in der Geschäftsführung. Ein Jura-Abschluss führt also in sehr unterschiedliche Tätigkeiten, und die wenigsten davon spielen im Gericht.

Warum die Arbeitslosenquote bei 2,6 Prozent liegt
2025 waren im Jahresdurchschnitt 5.600 Juristinnen und Juristen arbeitslos gemeldet, 9 Prozent mehr als im Jahr davor. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote lag trotzdem bei nur 2,6 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeine Arbeitslosenquote in Deutschland bewegt sich seit Jahren im Bereich von 6 Prozent.
Arbeitslosigkeit ist für Juristen also ein Randphänomen. Das ist die gute Nachricht, und sie ist belastbar. Die Bundesagentur formuliert es nüchtern: Insgesamt zeigt sich die Lage am Arbeitsmarkt für Juristinnen und Juristen positiv. Der Anstieg um 9 Prozent gehört trotzdem in die Rechnung, er zeigt, dass sich der Markt gerade eindellt.

Wo der Berufseinstieg trotzdem hakt
Jetzt die Einschränkung. Unter den arbeitslos gemeldeten Juristen war 2025 weit mehr als die Hälfte jünger als 35 Jahre. Die Schwierigkeiten liegen also am Anfang der Laufbahn. Wer einmal drin ist, bleibt in der Regel drin. Der Weg hinein dauert.
Dazu passt eine zweite Zahl. Die bei der Arbeitsagentur gemeldeten neuen Stellenangebote für Juristen lagen 2025 bei 5.100 und damit 3 Prozent unter dem Vorjahr. Im Bestand standen im Jahresdurchschnitt nur 1.500 gemeldete Stellen zur Besetzung bereit. Diese Statistik bildet den Markt nur ausschnittweise ab, Richter- und Staatsanwaltsstellen tauchen dort gar nicht auf. Als Trendsignal taugt sie trotzdem, und der Trend zeigt nach unten.

Meiner Erfahrung nach unterschätzen viele Studierende genau diesen Punkt. Sie hören „Juristenmangel“ und planen mit einer Zusage im ersten Bewerbungsmonat. Realistisch sind mehrere Bewerbungen und mehrere Wochen Wartezeit, gerade in der aktuellen Wirtschaftslage.
Juristenmangel oder Juristenschwemme: Was stimmt?
Beide Erzählungen kursieren, und beide stimmen ein Stück weit. Einfach ist die Lage also nicht. Der Juristenmangel ist real, er betrifft aber nur bestimmte Bereiche und hat eine klare Ursache. Die Rede von der Juristenschwemme stammt aus den Neunzigern und beschreibt einen Markt, den es so nicht mehr gibt.
Was die Pensionierungswelle für die Justiz bedeutet
Der Deutsche Richterbund beschreibt die Lage seit Jahren in klaren Worten. Bundesweit fehlen rund 2.000 Staatsanwälte und Strafrichter. Die Zahl der offenen Verfahren bei den Staatsanwaltschaften ist 2025 erstmals auf über eine Million gestiegen, Gerichtsverfahren dauern länger.
Und es wird enger. Zahlreiche Juristen scheiden bundesweit bis 2033 aus dem Dienst aus. Nach einer Studie des Richterbundes zur Zukunftsfähigkeit der Justiz sind allein in den neuen Bundesländern rund 60 Prozent aller Juristinnen und Juristen in Gerichten und Staatsanwaltschaften zu ersetzen.
Die gemessene Grundlage dafür steht in der Arbeitsmarktstatistik: 28 Prozent der erwerbstätigen Juristen sind 55 Jahre und älter. Bund und Länder haben darauf mit der Neuauflage des Pakts für den Rechtsstaat reagiert und neue Stellen zugesagt.

Wie sich die Zahl der Absolventen entwickelt hat
2024 haben 8.084 Kandidatinnen und Kandidaten die zweite juristische Staatsprüfung bestanden, das waren 87,5 Prozent aller Prüfungsteilnehmenden. Im selben Jahr haben 17.000 Menschen ein rechtswissenschaftliches Studium erfolgreich abgeschlossen, geringfügig mehr als im Jahr davor.
Auch die Studierendenzahlen geben den Einbruch nicht her. 2024/25 waren rund 137.000 Frauen und Männer in einem rechtswissenschaftlichen Studiengang eingeschrieben, 1 Prozent mehr als im Vorjahr und 6 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Die Bundesagentur zieht daraus einen klaren Schluss: Weiterhin hohe Studierendenzahlen dürften in den nächsten Jahren zu einem stabilen Nachwuchspotenzial beitragen.
Damit lässt sich die Erzählung vom Juristenmangel präzisieren. Der Nachwuchs versiegt nicht. Er verteilt sich nur anders, und er kommt für die Justiz mit Verzögerung an: Zwischen Studienbeginn und fertigem Volljuristen liegen mit Referendariat rund sieben Jahre.
Warum der Mangel regional sehr unterschiedlich ist
Der Mangel verteilt sich sehr ungleich über die Bundesländer. Im Osten trifft die Pensionierungswelle auf einen kleineren Bewerberpool. Dort wurden nach 1990 in kurzer Zeit ganze Jahrgänge gleichzeitig eingestellt. Sachsen-Anhalt hat die geforderte Examenspunktzahl für den Justizdienst deshalb bereits gesenkt.
In Bayern, Hamburg oder Frankfurt sieht der Markt anders aus. Dort konkurrieren Justiz, Verwaltung und Wirtschaftskanzleien um dieselben Absolventinnen und Absolventen, und die Notengrenzen bleiben hoch. Wenn du flexibel bist, ist das eine echte Karriere-Option: Dieselbe Note öffnet dir in Schwerin Türen, die in München verschlossen bleiben.
Tipp
Ob dir eine Note reicht, entscheidet sich Jahre vorher an deiner Klausurtechnik. Mit den Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de trainierst du an hunderten kleinen Sachverhalten genau das, was in der Klausur zählt: Signalwörter erkennen und sauber subsumieren.
Berufsaussichten Jura, Wirtschaftsrecht und LL.B. im Vergleich
Nicht jeder juristische Abschluss führt auf denselben Markt. Für die Berufsaussichten in Jura zählt vor allem eines: welche Türen dein Abschluss öffnet und welche verschlossen bleiben.
Was das Jurastudium mit Staatsexamen voraushat
Der Unterschied lässt sich auf einen Begriff bringen: Befähigung zum Richteramt. Wer beide Staatsexamen bestanden hat, ist Volljurist im Sinne des § 5 DRiG. Erst damit stehen vier reglementierte Berufe offen: Rechtsanwalt, Richterin, Staatsanwalt und Notarin.
Alle anderen juristischen Abschlüsse führen an diesen vier Berufen vorbei. Sie führen dafür schneller in andere Tätigkeiten. Ein Bachelor of Laws qualifiziert für Rechtsabteilungen, Compliance und Verwaltung, aber nicht für die Anwaltszulassung.
| Abschluss | Dauer | Öffnet | Bleibt zu |
|---|---|---|---|
| Zwei Staatsexamen | ca. 7 Jahre | Anwaltschaft, Justiz, Notariat, höherer Dienst, Wirtschaft | nichts |
| Erstes Staatsexamen | ca. 5 Jahre | Rechtsabteilung, Compliance, Verbände, Wissenschaft | die vier reglementierten Berufe |
| LL.B. Wirtschaftsrecht | 3 bis 4 Jahre | Vertragsmanagement, Compliance, Personal, Datenschutz | Anwaltszulassung, Justiz, Notariat |
| LL.M. | 1 bis 2 Jahre | Spezialisierung, internationale Kanzleien | ersetzt kein Staatsexamen |
Wann sich ein Bachelor of Laws lohnt
Das Wirtschaftsrecht-Studium ist kürzer, planbarer und endet nicht in einem Examen mit hoher Durchfallquote. Der Preis dafür steht in der Tabelle: Die vier klassischen Berufe fallen weg. Für eine Stelle als Justiziar im Unternehmen reicht er trotzdem. Diese Position setzt keine Anwaltszulassung voraus.
Meine Empfehlung: Wenn dein Traum Richterin, Staatsanwalt oder Anwältin heißt, führt kein Weg am Staatsexamen vorbei. Wenn du in eine Rechtsabteilung möchtest, ist der kürzere Weg oft der klügere. Beides ist eine Entscheidung über sieben Jahre Lebenszeit, und sie sollte nicht am Prestige hängen.
Justiz und öffentlicher Dienst als Arbeitgeber
Wenn irgendwo im deutschen Rechtsmarkt gesucht wird, dann hier. Rund 135.000 Juristen arbeiten für den Staat, und dieser Bereich altert am schnellsten.
Richter und Staatsanwalt: Wie sich die Notengrenzen bewegen
31.000 Menschen arbeiten in Deutschland als Richterin oder Staatsanwalt. Die Personalstandstatistik des öffentlichen Dienstes kam 2024 auf rund 32.000, etwa ebenso viele wie im Jahr davor. Die Zahl bleibt also stabil, während die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen.

Für den Einstieg zählt traditionell die Note im zweiten Examen, und die Anforderungen unterscheiden sich stark nach Bundesland. Der Trend geht nach unten, wo der Nachwuchs fehlt. Details zu den Wegen und den Notengrenzen je Land stehen im Artikel dazu, wie man Richter, Staatsanwalt oder Anwalt wird. Was du verdienst, richtet sich nach der R-Besoldung, nachzulesen beim Richtergehalt und beim Staatsanwaltsgehalt.
Die Justiz stellt nicht nur ein, sie bildet auch aus. Referendarstellen sind deshalb eine Kontaktfläche, und die Unterhaltsbeihilfe im Referendariat unterscheidet sich je nach Land um mehrere hundert Euro im Monat.
Verwaltung, Ministerien und Behörden
Neben den 31.000 Richtern und Staatsanwälten arbeiten rund 104.000 weitere Juristen im öffentlichen Dienst. 81.000 von ihnen mit juristischem Schwerpunkt oder in der Rechtspflege, rund 23.000 in Sachbearbeitung, Referaten und Führungsaufgaben. Juristinnen im höheren Dienst finden sich in Ministerien, Kommunen, Aufsichtsbehörden, bei Sozialversicherungsträgern und in Hochschulverwaltungen.
Für Juristen und Juristinnen mit Interesse an Verwaltungsarbeit liegt hier ein großer Teil des Marktes. Diese Stellen tauchen in kaum einer Karrieremesse auf. Das macht sie interessant. Die Konkurrenz ist kleiner als bei den prestigeträchtigen Kanzleiplätzen, die Arbeitszeiten sind planbarer, und die Behörden spüren den Generationswechsel genauso wie die Gerichte.
Notariat: kleiner Markt, hoher Bedarf
Nach Angaben der Bundesnotarkammer gibt es in Deutschland rund 1.700 hauptamtliche Notare. Das ist ein winziger Markt, der aber denselben demografischen Druck kennt. Der Weg dorthin ist lang und formalisiert, beschrieben im Artikel dazu, wie man Notar wird. Wer ihn geht, landet in einem der wenigen juristischen Berufe, in denen die Nachfrage die Zahl der Bewerber zuverlässig übersteigt.
Tipp
Für Justiz und Verwaltung zählt am Ende die Examensnote, und die entsteht aus Wiederholung. Das intelligente Wiederholungssystem mit Karteikarten auf jurahilfe.de sorgt dafür, dass du Gelerntes im richtigen Moment wieder auf den Tisch bekommst statt kurz vor der Klausur alles neu zu lernen.
Chancen in der Kanzlei: Wo Anwälte gesucht werden
Die Anwaltschaft ist mit 139.000 Menschen das größte einheitliche Berufsfeld für Juristen. Sie wächst kaum noch, verändert aber ihre Struktur, und darin stecken die eigentlichen Chancen.
Großkanzlei, Mittelstand und Boutique
Zum 1. Januar 2026 zählten die 28 Rechtsanwaltskammern 173.504 Mitglieder, davon 167.547 zugelassene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Das ist ein Plus von 0,63 Prozent. Aufschlussreicher ist die Gegenbewegung darunter: Die Zahl der Einzelzulassungen ist erneut gesunken, auf 138.420. Dieser Abwärtstrend hält seit 2017 an, während die Syndikuszulassungen zunehmen.
Übersetzt heißt das: Die klassische kleine Kanzlei verliert an Boden, Unternehmen und größere Einheiten gewinnen. Für dich als Berufseinsteiger verschiebt das die Landkarte. Die Großkanzlei zahlt Einstiegsgehälter bis 180.000 Euro und verlangt dafür Noten und Belastbarkeit, die Boutique-Kanzlei spezialisiert sich früh, und der klassische Mittelstand sucht Generalisten mit Mandantennähe.
In welchen Rechtsgebieten neue Stellen entstehen
Saskia Kummerow, Legal Talent Specialist in der juristischen Personalberatung, hat den Markt Ende 2025 im Interview mit LTO Karriere so beschrieben: Konstant eingestellt wird im Arbeitsrecht, weil arbeitsrechtliche Streitigkeiten unabhängig von der Konjunktur anfallen. Gut läuft es außerdem im Immobilienrecht, im privaten Baurecht, im Datenschutzrecht sowie in Insolvenzrecht und Restrukturierung. Dazu kommt alles rund um Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Legal Tech.
Schwächer läuft es bei Massenverfahren, im Gesellschaftsrecht und bei M&A. Auch im Strafrecht war der Einstellungsmarkt nie besonders aufnahmefähig, obwohl gerade dort die Justiz händeringend sucht. Der Staat sucht vor allem Strafrichter und Staatsanwälte, Kanzleien stellen im Strafrecht dagegen kaum ein. Mehr dazu steht im Berufsbild Strafverteidiger werden.

Was Kanzleien heute von Bewerbern erwarten
Das Doppelprädikat ist nicht mehr die einzige Eintrittskarte. Nach Kummerows Einschätzung hat man mit insgesamt 16 Punkten aus beiden Examina inzwischen solide Chancen, besonders mit einem LL.M. und in einem nachgefragten Rechtsgebiet wie Insolvenz- oder Steuerrecht. Was das Prädikatsexamen wirklich öffnet, ist damit enger geworden als der Ruf, der ihm vorauseilt.
Gleichzeitig sind andere Faktoren wichtiger geworden: ob du ins Team passt, wie du mit Kritik umgehst und ob du geübt im Umgang mit KI-Werkzeugen bist. Das gehört mittlerweile einfach dazu. Zwei Praktika im Jurastudium und ein sauberer Lebenslauf als Jurist bringen dich oft weiter als ein halber Punkt mehr im Examen.

Ein Wort zum Bewerbungsprozess: Rechne mit vier bis sechs Wochen Funkstille. Das ist ärgerlich, aber verbreitet, und es ist kein Signal gegen dich.
Tipp
Wenn dir im Bewerbungsgespräch ein Rechtsgebiet begegnet, das du im Studium nur gestreift hast, kannst du es auf jurahilfe.de wahlweise kompakt oder ausführlich nachlesen: kompakt zum schnellen Wiederholen, ausführlich, wenn du es von Grund auf verstehen willst.
Welche Möglichkeiten Juristen in der freien Wirtschaft haben
170.000 Menschen mit Jura-Abschluss arbeiten weder in einer Kanzlei noch in einer Behörde. Das ist der größte der drei Blöcke und zugleich der am schlechtesten beschriebene, weil er keinen einheitlichen Berufsnamen hat.
Unternehmensjurist, Compliance und Legal Counsel
Rund 56.000 dieser Juristen üben vorrangig juristische Aufgaben aus, etwa als Wirtschaftsjurist, Vertragsberaterin oder Justiziar. Wer zusätzlich zur Anwaltschaft zugelassen ist und im Unternehmen arbeitet, ist Syndikusanwalt. Diese Gruppe wächst. Sie ist der Grund für den Zuwachs in der BRAK-Statistik.

Neue Berufsbilder kommen dazu. Der Legal Engineer arbeitet an der Schnittstelle von Recht und Technik und wird gesucht, obwohl es dafür bis vor wenigen Jahren gar keine Stellenbezeichnung gab. Datenschutz, Compliance und Vergaberecht sind ähnliche Wachstumsfelder.
Alternative Jobs ohne zweites Staatsexamen
Ein großer Teil dieses Feldes steht Absolventen und Absolventinnen offen, die nur das erste Examen haben. Welche Wege das konkret sind, steht im Artikel dazu, was man mit dem ersten Staatsexamen machen kann. Der akademische Grad dazu heißt je nach Universität Diplom-Jurist und wird meist nur auf Antrag verliehen.
Beispielsweise arbeiten Juristen ohne zweites Examen in Rechtsabteilungen, bei Versicherungen, in Verbänden, bei den großen Prüfungsgesellschaften oder in der Wissenschaft. Der Verzicht auf das Referendariat kostet dich die vier reglementierten Berufe, sonst wenig.
Wenn Juristen ganz ohne juristische Tätigkeit arbeiten
114.000 Menschen mit Jura-Abschluss arbeiten in der freien Wirtschaft in Aufgaben ohne eindeutig juristische Ausrichtung: Büromanagement, betriebswirtschaftliche Aufgaben, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Personalwesen, Hochschullehre und Forschung, Geschäftsführung. Das ist rund ein Viertel aller Juristen im Land.
Vielleicht überrascht diese Zahl. Sie lässt sich als Umweg lesen oder als Beleg dafür, dass juristisches Denken über den Beruf hinaus gefragt ist. Wer strukturiert argumentiert, Sachverhalte zerlegt und mit Verantwortung umgeht, ist auch in einer Geschäftsführung gut aufgehoben. In der Arbeitsmarktstatistik bleibt offen, wie viel Jura dort jeweils steckt. Klar ist nur: Ein Jura-Abschluss endet nicht zwangsläufig in einem Gerichtssaal.
Was du im Jurastudium für gute Jobs tun kannst
Die Berufsaussichten in Jura entstehen nicht am Tag der Bewerbung. Sie entstehen über fünf Jahre Studium der Rechtswissenschaften, und drei Dinge davon kannst du selbst steuern.
Warum das Prädikat weiter zählt, aber nicht alles ist
2024 haben 21,7 Prozent der Kandidaten das zweite Examen mit vollbefriedigend oder besser abgeschlossen. Im ersten Examen lag die Prädikatsquote bei 19,57 Prozent der Teilnehmenden an der staatlichen Pflichtfachprüfung. Vier von fünf Absolventen und Absolventinnen haben also kein Prädikat, und die allermeisten von ihnen arbeiten trotzdem als Juristen.
Noten aus dem Bereich zwischen 6 und 8 Punkten schließen die Justiz in Mangelregionen nicht aus, sie schließen Großkanzleien in München eher aus. Das ist ein Unterschied, den viele erst im Referendariat verstehen. Wenn du deinen Schnitt heben willst, hilft ein systematischer Blick auf die eigenen Fehler mehr als noch mehr Stoff: Wie du dabei vorgehst, steht im Artikel zum Thema Jura-Noten verbessern.
Praktika, Schwerpunkt und neue Zusatzqualifikationen
Praktika im Jura-Studium sind die billigste Form von Marktkenntnis, die du bekommen kannst. Ein Praktikum in der Großkanzlei zeigt dir in vier Wochen, ob dieser Arbeitsalltag zu dir passt. Das ist die Frage, die dich später davor bewahrt, im falschen Beruf zu landen.
Beim Schwerpunkt gilt: Er entscheidet nicht über deine Berufsaussichten, aber er verschafft dir Gesprächsstoff und ein Feld, in dem du mehr weißt als der Rest des durchschnittlichen Bewerberfelds. Für Stellen im oberen Notenbereich entscheidet das manchmal. Eine Promotion in Jura lohnt sich vor allem für Wissenschaft, Großkanzlei und bestimmte Behörden, nicht als allgemeiner Karriere-Turbo. Ein LL.M. wirkt ähnlich gezielt.
Alternative Wege: Verändert KI die Anforderungen an Juristen?
Kurz gesagt: Sie verändert die Anforderungen. Am Bedarf an Juristen hat sie bislang wenig geändert. In Kanzleien übernimmt KI heute beispielsweise Dokumentenerstellung, erste Vertragsprüfungen und Recherche-Vorarbeit. Das erhöht den Produktivitätsdruck, weil Mandanten weniger Verständnis dafür haben, viele abrechenbare Stunden zu bezahlen, wenn sie eine erste Antwort in Minuten selbst bekommen.
Verlässlich ist diese erste Antwort natürlich nicht. Sprachmodelle erfinden Fundstellen, verwechseln Gesetzesfassungen und liefern keine belastbare Subsumtion. Für dich heißt das zweierlei. Du musst mit den Werkzeugen umgehen können, das erwarten Arbeitgeber inzwischen. Und du musst gut genug sein, um zu erkennen, wo das Werkzeug falsch liegt, denn genau dafür wird deine Generation bezahlt.
Tipp
Prüfungsnähe trainierst du am besten am Fall. Das Falltraining auf jurahilfe.de führt dich Schritt für Schritt durch die Lösung, statt dir nur das Ergebnis hinzustellen.
Fazit: Gefragt, aber nicht überall
Die Berufsaussichten in Jura sind besser als ihr Ruf und differenzierter als die Schlagzeile vom Juristenmangel. 2,6 Prozent Arbeitslosigkeit, 444.000 Erwerbstätige und eine Justiz, die bis 2033 einen erheblichen Teil ihres Personals ersetzen muss, sprechen für dich. Rückläufige gemeldete Stellen, eine zurückhaltende Wirtschaft und ein zäher Berufseinstieg sprechen dafür, früh und gezielt zu planen.
Wer flexibel ist beim Ort, offen für den öffentlichen Dienst und bereit, sich in ein wachsendes Rechtsgebiet einzuarbeiten, findet in diesem Markt sehr gut eine Stelle. Und wer im Studium schon sauber arbeitet statt erst im Examen anzufangen, hat am Ende die Wahl. Dafür ist der komplette BGB AT auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos, mit Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben: Du kannst sofort loslegen und selbst sehen, ob dir dieses Lernen liegt.
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- Erstes und zweites Staatsexamen im Vergleich: Welche Note bei welcher Bewerbung zählt und warum das zweite Examen oft unterschätzt wird.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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