Kaum ein Berufseinstieg in der Juristerei zahlt so viel wie die Großkanzlei. Und kaum einer verlangt so viel zurück. Eine Großkanzlei ist eine große, meist international ausgerichtete Wirtschaftskanzlei mit oft mehr als 100 Berufsträgern, die vor allem Unternehmen in komplexen Rechtsfragen berät. Wer dort als Associate einsteigt, verdient häufig zwischen 100.000 und 180.000 Euro im Jahr, arbeitet dafür aber regelmäßig 50 bis 70 Stunden pro Woche. Für viele ist die Großkanzlei das Ziel, auf das die guten Examensnoten überhaupt hinarbeiten. Ob sie zu dir passt, entscheidet sich an mehr als am Gehalt.
Auf einen Blick
- Eine amtliche Definition gibt es nicht. Üblich ist die Faustregel ab rund 100 Berufsträgern, Maßstab sind die 100 umsatzstärksten Kanzleien (JUVE 100).
- Ganz vorne liegen Freshfields, CMS Hasche Sigle und Hengeler Mueller. Die 100 größten Kanzleien setzten zuletzt zusammen über 10 Milliarden Euro um.
- Klassisch führt der Weg über zwei Prädikatsexamina, doch die Doppel-VB-Hürde bröckelt. Praktika, LL.M. und Sprachen können schwächere Noten ausgleichen.
- Die Laufbahn reicht vom Associate über Counsel und Salary Partner bis zum Equity Partner. Die Gewinnbeteiligung erreichen nur wenige.
- Das Umfeld ist eng: 85 Prozent der Anwältinnen und Anwälte stammen aus privilegierten Familien.
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Was ist eine Großkanzlei?
Eine Großkanzlei ist eine große, meist international tätige Wirtschaftskanzlei, die überwiegend Unternehmen berät, nicht Privatpersonen. Eine amtliche Definition existiert nicht. Üblich ist die Grenze ab etwa 100 Berufsträgern, der Rechtshistoriker Uwe Wesel zog sie schon bei 20 Anwälten. Weder das Statistische Bundesamt noch die Bundesrechtsanwaltskammer erheben die Kanzleigröße offiziell. Der Begriff ist also gebräuchlich, aber unscharf.
Ab wann gilt eine Kanzlei als Großkanzlei?
Es gibt keine feste Zahl. Die gängigste Faustregel nennt rund 100 Berufsträger, viele Großkanzleien beschäftigen an ihren deutschen Standorten mehrere Hundert Anwälte, international sind es oft mehrere Tausend. Praktischer Maßstab ist die jährliche JUVE-100-Liste der umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien. Wer dort steht, gilt in der Branche als Großkanzlei. Genau deshalb solltest du eine einzelne Zahl nie als die Definition ausgeben. Sie ist eine Konvention, kein Gesetz.
Großkanzlei, mittelständische Kanzlei oder Boutique?
Großkanzlei ist nicht gleich Kanzlei. Eine mittelständische Kanzlei beschäftigt grob 20 bis 50 Anwälte, arbeitet oft regional und breiter aufgestellt. Eine Boutique ist klein, meist unter 50 Berufsträgern, dafür auf ein einziges Rechtsgebiet spezialisiert, etwa Kartellrecht oder Wirtschaftsstrafrecht. Die Einzelkanzlei besteht aus einer Anwältin oder einem Anwalt allein. Für den Berufseinstieg heißt das: In der Großkanzlei arbeitest du in großen Teams an Teilaspekten riesiger Mandate, in kleineren Einheiten trägst du früher Verantwortung für den ganzen Fall.
| Kanzleiform | Größe (Berufsträger) | Ausrichtung | Typische Mandanten |
|---|---|---|---|
| Großkanzlei | ab ca. 100, oft mehrere Hundert | international, Wirtschaftsrecht, oft Full-Service | Konzerne, Banken, Investoren |
| Mittelständische Kanzlei | ca. 20 bis 50 | regional, breiter aufgestellt | Mittelstand, Privatpersonen |
| Boutique | meist unter 50 | ein Spezialgebiet, hohe fachliche Tiefe | spezialisierte Mandate |
| Einzelkanzlei | 1 | generalistisch, lokal | Privatpersonen, kleine Unternehmen |
Welche Rechtsgebiete bearbeitet eine Großkanzlei?
Der Schwerpunkt liegt fast immer im Wirtschaftsrecht, deshalb heißen Großkanzleien auch Wirtschaftskanzleien. Typische Felder sind Gesellschaftsrecht, Mergers and Acquisitions (Unternehmenskäufe, kurz M&A), Kapitalmarktrecht, Kartellrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht und zunehmend Compliance und Wirtschaftsstrafrecht. Viele große Einheiten sind Full-Service-Kanzleien, decken also das gesamte Wirtschaftsrecht ab. Die Mandantschaft besteht aus Konzernen, Banken, Investoren und öffentlichen Stellen. Als Berufseinsteiger spezialisierst du dich früh auf ein Rechtsgebiet, statt generalistisch zu bleiben.
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Die größten Großkanzleien in Deutschland
Die umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien in Deutschland führt jedes Jahr das Fachmagazin JUVE zusammen. Im Geschäftsjahr 2024/25 kamen die 100 größten Kanzleien (die JUVE 100) erstmals auf mehr als 10 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 8,1 Prozent. An der Spitze steht Freshfields mit 573,3 Millionen Euro, gefolgt von CMS Hasche Sigle und Hengeler Mueller. Das ist die Königsklasse des deutschen Rechtsmarkts.
Die umsatzstärksten Wirtschaftskanzleien 2024/25
Ganz oben stehen im Geschäftsjahr 2024/25 Freshfields (573,3 Millionen Euro), CMS Hasche Sigle (425,9 Millionen), Hengeler Mueller (381 Millionen), Hogan Lovells (360 Millionen) und Noerr (330,4 Millionen). Zusammen setzten die 100 größten Kanzleien gut 10,4 Milliarden Euro um, zum 15. Mal in Folge ein Anstieg. Der Umsatz pro Berufsträger kletterte auf einen Rekordwert von 663.000 Euro. Die Namen ändern sich von Jahr zu Jahr nur wenig, die Reihenfolge dahinter dagegen häufig.

Deutsche Einheiten und internationale Kanzleien
Ein großer Teil der Spitze sind Ableger internationaler Kanzleien mit Wurzeln in London oder New York. Sie können höhere Stundensätze durchsetzen als rein deutsche Einheiten, weil in den Metropolen die Honorare für Rechtsberatung insgesamt höher liegen. Den höchsten Umsatz pro Kopf erzielen die US-Kanzleien Milbank und Latham & Watkins mit jeweils über 1,5 Millionen Euro. Diese internationale Prägung ist entscheidend: Wer bei einer US-Kanzlei anfängt, arbeitet in einem angloamerikanisch geprägten System mit entsprechend hohen Gehältern und hohen Erwartungen.
An welchen Standorten sitzen die großen Kanzleien?
Das Zentrum ist Frankfurt am Main, der Finanzplatz zieht die Wirtschaftskanzleien an. Weitere wichtige Standorte sind München, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Köln. Wer gezielt nach einer Großkanzlei an einem bestimmten Ort sucht, findet in den großen Städten die meisten Adressen und die meisten Stellen. Viele Kanzleien haben mehrere deutsche Büros plus Standorte im Ausland, sodass ein Wechsel innerhalb der Kanzlei möglich ist.
Was verdient man in einer Großkanzlei?
In einer Großkanzlei liegt das Einstiegsgehalt für Associates meist zwischen 100.000 und 180.000 Euro brutto im Jahr, im Marktdurchschnitt bei rund 126.000 Euro. Damit zahlt die Großkanzlei deutlich mehr als jeder andere juristische Berufseinstieg. Das hohe Gehalt ist für viele der eigentliche Grund, sich die Belastung überhaupt anzutun.
Einstiegsgehalt in der Großkanzlei
Das durchschnittliche Einstiegsgehalt in der Großkanzlei liegt bei rund 126.000 Euro im Jahr (Talent-Rocket-Gehaltsreport 2025). Die Spanne ist groß: Sie reicht im ersten Berufsjahr grob von 72.000 bis 180.000 Euro. Die internationalen Top-Kanzleien in Frankfurt, München und Düsseldorf zahlen die Spitzenwerte bis 180.000 Euro. Nach oben ging es zuletzt kräftig, laut der azur-Associate-Umfrage stieg das durchschnittliche Fixgehalt von etwa 101.600 Euro (2016) auf rund 137.300 Euro (2025), ein Plus von rund 35 Prozent in zehn Jahren. In den ersten Jahren wächst dein Gehalt meist um 5.000 bis 10.000 Euro pro Jahr. Wie sich das Anwaltsgehalt insgesamt zusammensetzt und wie viel netto übrig bleibt, liest du im ausführlichen Überblick zum Anwaltsgehalt.
Gehalt nach Karrierestufe: vom Associate zum Partner
Mit jeder Stufe steigt die Vergütung deutlich. Als grobe Orientierung, je nach Kanzlei stark schwankend: Ein Senior Associate kommt auf rund 130.000 bis 180.000 Euro, ein Counsel auf etwa 180.000 bis 300.000 Euro. Ein Salary Partner verdient häufig zwischen 250.000 und 500.000 Euro. Der Equity Partner schließlich, der am Gewinn beteiligt ist, liegt im Schnitt weit über 300.000 Euro, an der Spitze der internationalen Kanzleien auch bei mehreren Millionen. Feste Gehaltstabellen gibt es dabei nicht. Alles ist Verhandlungssache und stark leistungsabhängig.
Boni, regionale Unterschiede und der Preis des Geldes
Zum festen Gehalt kommen Boni, oft umsatz- oder leistungsabhängig und in den internationalen Einheiten besonders hoch. Regional zahlen Frankfurt, München und Düsseldorf am besten, weil dort die großen Mandate sitzen. Doch das Geld hat einen Preis. Die hohen Gehälter sind kein Geschenk, sondern die Gegenleistung für eine Arbeitsbelastung, die weit über dem liegt, was in anderen juristischen Berufen üblich ist. Genau dieser Punkt entscheidet oft mehr über die Zufriedenheit als die Zahl auf dem Vertrag.
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Arbeit in einer Großkanzlei: Alltag und Arbeitszeiten
Die Arbeit in einer Großkanzlei ist anspruchsvolle Mandatsarbeit für Unternehmen, meist in spezialisierten Teams und oft unter hohem Zeitdruck. Der Alltag besteht aus Vertragsgestaltung, Prüfung von Unterlagen, Schriftsätzen und Abstimmung mit Mandanten. Wie viel du arbeitest, hängt stark vom Rechtsgebiet ab: Das Transaktionsgeschäft gilt als besonders intensiv.
Wie sieht der Kanzleialltag aus?
Als Associate bearbeitest du selten ein Mandat allein. Du bist Teil eines Teams, das an einem großen Mandat einen Teilaspekt übernimmt, etwa die Prüfung von Verträgen bei einem Unternehmenskauf (Due Diligence) oder einen bestimmten Schriftsatz. Dazu kommen Recherche, Telefonate mit dem Mandanten und Abstimmung mit Partnern. Unterstützt wirst du von Sekretariaten und wissenschaftlichen Mitarbeitern. Vieles läuft international und auf Englisch, weil die Mandate grenzüberschreitend sind. Der Reiz liegt in der Größe und Komplexität der Fälle, der Preis in der Taktung.
Wie viele Stunden arbeitet man wirklich?
Internationale Kanzleien erwarten oft 1.600 bis 2.000 abrechenbare Stunden (Billable Hours) im Jahr. Weil längst nicht jede Arbeitsstunde abrechenbar ist, bedeutet das faktisch deutlich mehr Anwesenheit. 60-Stunden-Wochen und Wochenendarbeit sind besonders am Anfang und im Transaktionsgeschäft keine Seltenheit. Wie viel du wirklich arbeitest, schwankt mit dem Mandat: In ruhigen Phasen ist eine normale Woche möglich, bei einem laufenden Deal kann es tief in die Nacht gehen. Die Bundesrechtsanwaltskammer hat klargestellt, dass die gesetzliche Arbeitszeiterfassung auch für Associates in Großkanzleien gilt, ein Zeichen, dass die Extremzeiten unter Druck geraten.
Work-Life-Balance zwischen Anspruch und Realität
Kaum eine Kanzlei wirbt heute ohne Work-Life-Balance. Die Realität sieht oft anders aus als die Broschüre. In vielen Einheiten arbeiten nur 10 bis 15 Prozent der Associates in Teilzeit, und wer ein 60-Prozent-Modell wählt, kommt während eines Deals trotzdem schnell auf 40 bis 42 Stunden. Associates berichten, dass am Ende doch die abrechenbaren Stunden zählen, nicht selten wird belohnt, wer bis Mitternacht bleibt, auch wenn die Arbeit anderer besser ist. Zugleich ändert sich etwas: Teilzeit und flexible Modelle setzen sich langsam durch, und bei Counsel-Positionen arbeiten in manchen Kanzleien fast die Hälfte reduziert. Der Wandel ist echt, aber noch nicht überall angekommen.
Karriere in einer Großkanzlei: vom Associate zum Equity Partner
Die Karriere in einer Großkanzlei folgt einer klaren Leiter, die aber breiter geworden ist als früher. Zwischen dem Einstieg als Associate und der Partnerschaft liegen heute mehrere Zwischenstufen. Ob und wann du die nächste erreichst, hängt von Leistung, Auslastung und der Struktur der Kanzlei ab.
Die Karrierestufen im Überblick
Du steigst als Associate ein und wirst nach einigen Jahren zum Senior Associate. Danach gibt es zwei Wege: den Counsel, eine dauerhafte Fachexperten-Position ohne Partnerdruck, und den Weg über den Salary Partner Richtung Equity Partner. Der Equity Partner ist Gesellschafter der Kanzlei und am Gewinn beteiligt, das eigentliche Ziel der klassischen Laufbahn. Die alte Zweiteilung in nur Associates und Partner gibt es kaum noch, dazwischen liegen mehrere Stufen mit eigenen Rollen und Gehältern.
| Karrierestufe | Rolle | Typisches Jahresgehalt |
|---|---|---|
| Associate | Berufseinstieg, Arbeit im Team | 100.000 bis 180.000 € |
| Senior Associate | erfahren, mehr Eigenverantwortung | 130.000 bis 180.000 € |
| Counsel | Fachexperte ohne Partnerdruck | 180.000 bis 300.000 € |
| Salary Partner | Partnertitel, aber angestellt | 250.000 bis 500.000 € |
| Equity Partner | Gesellschafter mit Gewinnbeteiligung | meist über 300.000 €, Spitze Millionen |
Was ist ein Salary Partner?
Ein Salary Partner ist ein Partner dem Titel nach, aber weiter angestellt. Er trägt den Partnertitel nach außen, bekommt in aller Regel ein festes Gehalt plus Boni und ist nicht am Gewinn der Kanzlei beteiligt. Andere Namen für dieselbe Stufe sind Local Partner, Junior Partner, Fixed-Share-Partner oder assoziierter Partner. Meist ist es eine Vorstufe zum Equity Partner, dem echten Gesellschafter. Der Unterschied ist wirtschaftlich groß: Der Equity Partner teilt sich Gewinn und Risiko der Kanzlei, der Salary Partner bekommt ein kalkulierbares, festes Gehalt.
Wie realistisch ist die Partnerschaft?
Ehrlich gesagt: für die meisten nicht. Der Weg zur Equity-Partnerschaft ist lang, oft zehn Jahre und mehr, und viele steigen vorher aus, freiwillig oder nach dem Prinzip up or out. Die Vergütung der Partner wird über zwei Systeme bestimmt, das Lockstep-System nach Alter und Rang und das leistungsorientierte Merit-System, meist eine Mischung. Wer die Partnerschaft nicht anstrebt oder nicht erreicht, wechselt häufig ins Unternehmen, in eine kleinere Kanzlei oder in den Staatsdienst. Der Ausstieg ist keine Niederlage, sondern für viele der geplante Weg, nach ein paar intensiven Jahren mit gutem Lebenslauf weiterzuziehen.
Wie kommt man in eine Großkanzlei?
Der klassische Weg in die Großkanzlei führt über zwei Prädikatsexamina, also mindestens vollbefriedigende Noten in beiden Staatsexamina. Diese Hürde ist hoch, aber sie bröckelt. Wer sie nicht ganz erreicht, kann mit Praktika, Auslandserfahrung, Sprachen und einem LL.M. viel wettmachen.
Welche Noten braucht man wirklich?
Als Faustregel gilt das Doppelprädikat, also zwei Examina mit mindestens 9 Punkten (vollbefriedigend). Manche Top-Kanzleien wie Freshfields oder Clifford Chance verlangen es strikt, viele andere behandeln es als erwünscht, nicht als Bedingung. Konkret arbeiten einige Kanzleien mit Punktegrenzen: K&L Gates etwa mit mindestens 17 Punkten gesamt und mindestens 8 je Examen, US-Kanzleien wie Goodwin oder Reed Smith teils schon mit 16 Punkten zusammen. Verbreitet ist die Zwei-von-vier-Regel: Wer in einem Examen ein Prädikat hat und das andere knapp verpasst, gleicht das über eine Promotion oder einen LL.M. aus. Insgesamt gibt es einen schleichenden Abschied vom Doppel-VB, weil gute Praktikumszeugnisse und internationale Erfahrung an Gewicht gewinnen. Was ein Prädikatsexamen genau ist und wie die juristische Notenskala funktioniert, kannst du im Detail nachlesen.
Einstiegswege: Praktikum, Referendariat und wissenschaftliche Mitarbeit
In die Großkanzlei kommst du selten mit einer kalten Bewerbung nach dem zweiten Examen. Der übliche Weg beginnt früher. Viele machen im Studium ein Praktikum in einer Großkanzlei, arbeiten später als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter und absolvieren eine Wahlstation im Referendariat dort. So knüpfst du Kontakte und zeigst, was du kannst, bevor die Examensnoten feststehen. Ehemalige Referendare und Praktikanten haben klar die besseren Karten, manche Kanzleien wie Latham & Watkins bieten vielversprechenden Referendaren eine Associate-Stelle sogar an, bevor die Note des zweiten Examens feststeht.
Auswahlverfahren, LL.M. und Zusatzqualifikationen
Neben den Noten zählen Zusatzqualifikationen. Ein LL.M., besonders aus dem angloamerikanischen Raum, und eine Promotion sind gern gesehen und können ein schwächeres Examen ausgleichen. Verhandlungssicheres Englisch ist bei internationalen Mandaten faktisch Voraussetzung. Im Bewerbungsverfahren erwarten dich meist mehrere Gespräche, oft mit Fachfragen und Fallbezug. Manche international geprägte Kanzleien setzen zusätzlich Tests zum kritischen Denken ein, etwa den Watson-Glaser-Test. Verbreitet ist das nicht flächendeckend, eher bei den stark angloamerikanisch geprägten Einheiten.
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Wie elitär sind Großkanzleien wirklich?
Großkanzleien sind sozial außergewöhnlich exklusiv, exklusiver sogar als andere Eliteberufe. Das zeigt eine große Studie über die Herkunft deutscher Wirtschaftsanwälte. Für den Berufseinstieg ist das eine ehrliche Vorwarnung, wie das Umfeld tickt, in das du kommst.
85 Prozent aus privilegierten Familien
85 Prozent der Anwältinnen und Anwälte in deutschen Großkanzleien stammen aus der höchsten sozialen Klasse. Aus der Mittelschicht kommen nur 8 Prozent, aus Arbeiterfamilien 7 Prozent. Das ist der Befund einer Befragung von über 3.500 Juristinnen und Juristen aus den 100 umsatzstärksten Kanzleien, die der Soziologe Asif Butt an der London School of Economics zusammen mit dem Magazin JUVE ausgewertet hat. Zum Vergleich: In anderen Eliteberufen wie bei Ärzten oder höheren Beamten stammen rund 46 Prozent aus der Mittelschicht, also fast sechsmal so viele. Auffällig ist auch die Vererbung: Jeder fünfte Anwalt hat mindestens ein juristisch ausgebildetes Elternteil, bei den Equity-Partnern sind es 23 Prozent. Die soziale Herkunft wirkt damit als Filter, stärker als in vergleichbaren Berufen.

Warum die Vielfalt mit jeder Karrierestufe abnimmt
Je höher es auf der Leiter geht, desto homogener wird das Bild. Unter den Associates sind noch 45 Prozent Frauen, unter den Equity-Partnern nur noch 13 Prozent. Der Anteil von Juristinnen und Juristen mit Migrationshintergrund sinkt von rund 20 Prozent auf Associate-Ebene auf etwa 10 Prozent auf Partner-Ebene. Dazu kommt ein Generationenkonflikt: Die Partnerschaft stammt überwiegend aus Babyboomern und der Generation X, für die Karriere mit nahezu unbegrenzter Verfügbarkeit verbunden war. Die jüngeren Associates aus den Millennials und der Generation Z erwarten Work-Life-Balance, Feedback und Sinn. Dieser Wandel setzt die klassische Erwartung der Totalverfügbarkeit zunehmend unter Druck, und einige Kanzleien beginnen, breiter zu rekrutieren.
Für wen lohnt sich die Großkanzlei?
Die Großkanzlei lohnt sich für Juristinnen und Juristen, die Spitzengehälter, große internationale Mandate und eine erstklassige Ausbildung wollen und bereit sind, dafür viel Zeit und Energie zu geben. Wer früh Verantwortung für ganze Fälle oder eine gute Work-Life-Balance sucht, ist woanders besser aufgehoben.
Vorteile und Nachteile im Überblick
Die Vorteile sind handfest: das höchste Einstiegsgehalt im Beruf, Arbeit an den größten und komplexesten Mandaten, eine intensive Ausbildung, ein starkes Netzwerk und ein Lebenslauf, der später fast alle Türen öffnet. Die Nachteile sind ebenso handfest: eine hohe Arbeitsbelastung, eine steile Hierarchie, harte Konkurrenz um die wenigen Partnerstellen und eine frühe, enge Spezialisierung. Kurz gesagt: Du bekommst viel und gibst viel. Ob das Verhältnis für dich stimmt, entscheidest du selbst. Die Zahl auf dem Vertrag allein sagt es dir nicht.
Alternativen: Boutique, mittelständische Kanzlei oder Inhouse
Es muss nicht die Großkanzlei sein. Eine Boutique bietet dieselbe fachliche Tiefe in einem Spezialgebiet, oft mit früherer Verantwortung und flacheren Hierarchien. Eine mittelständische Kanzlei arbeitet breiter, regionaler und meist mit ausgewogeneren Arbeitszeiten. Als Syndikusanwältin oder Syndikusanwalt im Unternehmen (Inhouse) berätst du von innen, oft mit besserer Work-Life-Balance und ohne Billable Hours. Und im Staatsdienst locken sichere Bezüge und Pension, etwa als Richterin oder Richter oder als Notarin oder Notar. Welcher Weg der richtige ist, hängt weniger vom Gehalt ab als davon, wie du arbeiten und leben willst. Wer den Stoff dafür sicher beherrschen will, trainiert das Falllösen am besten mit den interaktiven Aufgaben auf jurahilfe.de.
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Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Volljurist, Autor, Unternehmer und aktiver junger Familienvater mit vielseitigen Interessen und seit 2017 als Repetitor im Bereich der Individualnachhilfe tätig.
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