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Diplom-Jurist: Was bringt der Titel nach dem 1. Examen?

Hände füllen an einem hellen Holztisch mit Kugelschreiber ein Formular aus

An manchen juristischen Fakultäten bekommst du nach dem ersten Examen den Grad Diplom-Jurist, an anderen nicht. Die Universität Freiburg musste sich dafür sogar vor Gericht verantworten.

Diplom-Jurist ist ein akademischer Grad, den viele Fakultäten nach bestandener Erster Juristischer Prüfung auf Antrag verleihen. Er belegt einen abgeschlossenen Studiengang. Die Befähigung zum Richteramt ersetzt er nicht, dafür fehlt der zweite Teil aus § 5 Abs. 1 DRiG: Vorbereitungsdienst und zweite Staatsprüfung.

Für Bewerbungen außerhalb der Justiz macht das einen Unterschied: Ohne Grad steht im Lebenslauf eine bestandene Prüfung, mit Grad ein Abschluss.

Auf einen Blick:

  • Der Grad heißt je nach Universität Diplom-Jurist, Diplom-Jurist Univ., Magister iuris oder Master Iuris. Abgekürzt meist Dipl.-Jur.
  • Du bekommst ihn nur auf Antrag, gegen eine Gebühr von rund 30 bis 80 Euro und meist nur, wenn du die letzten beiden Semester vor der Meldung an dieser Universität studiert hast.
  • Anwalt, Richter, Staatsanwalt und Notar bleiben gesperrt. Rechtsabteilung, Compliance, Behörde und Verband stehen offen.
  • Einen Anspruch auf Verleihung gibt es nicht. Das OVG Saarland sah 2001 anders als das VG Freiburg 2013, und Freiburg hat inzwischen selbst eine Diplomordnung.
  • Portaldaten nennen für Diplomjuristen ein Durchschnittsgehalt um 45.800 Euro brutto im Jahr, mit großer Spanne nach Branche.

Tipp

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Flussdiagramm: Nach der Ersten Juristischen Prüfung führt der Antrag zum Diplom-Jurist, das Referendariat zum Volljurist
Abb. 1: Nach der Ersten Juristischen Prüfung trennen sich die Wege. Der Grad kommt von der Universität, die Berufszulassung vom zweiten Examen.

Diplom-Jurist: Was der akademische Grad wirklich bedeutet

Der Diplom-Jurist ist ein Hochschulgrad. Die Erste Juristische Prüfung besteht aus einer universitären Schwerpunktbereichsprüfung und einer staatlichen Pflichtfachprüfung vor dem Justizprüfungsamt des Landes; den akademischen Grad dazu verleiht allein die Universität.

Mit der Ersten Juristischen Prüfung ist das rechtswissenschaftliche Studium abgeschlossen. Weil es damit fertig ist, halten viele Fakultäten es für angemessen, dafür auch einen akademischen Grad zu vergeben. Andere sehen das anders.

Dipl.-Jur. und Diplom-Jurist Univ.: die Abkürzungen im Überblick

Die gängige Abkürzung ist Dipl.-Jur. Seltener findest du Dipl.-Iur. oder Dipl. jur. In Bayern kommt ein Zusatz dazu: Dort lautet die Bezeichnung Diplom-Jurist Univ. beziehungsweise Diplom-Juristin Univ. Das „Univ.“ grenzt den universitären Abschluss von Fachhochschul-Diplomen ab und ist bayerische Tradition, keine bundesweite Regel.

Führen darfst du den Grad erst, wenn er dir verliehen wurde. Die Urkunde ist keine Formalie. Wer sich ohne Verleihung Dipl.-Jur. nennt, führt einen akademischen Grad unbefugt, und das ist nach § 132a StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bedroht.

Diplom-Juristinnen und Diplom-Juristen: woher der Grad kommt

Die Rechtsgrundlage steht im Hochschulrahmenrecht. Nach § 18 Abs. 1 HRG dürfen Diplomgrade auch aufgrund staatlicher Prüfungen verliehen werden. Die Einzelheiten regeln das jeweilige Landeshochschulgesetz und die Satzung der Fakultät, und ob sie überhaupt graduiert, entscheidet die Fakultät selbst. Deshalb heißen die einschlägigen Regelwerke fast überall gleich: „Ordnung zur Verleihung des Hochschulgrades Diplom-Juristin oder Diplom-Jurist“.

Der Hintergrund ist praktisch. Wer sich im Ausland oder in einer Branche außerhalb der Justiz bewirbt, steht mit „Erste Juristische Staatsprüfung“ schlecht da, weil niemand das einordnen kann. Ein Diplom ist international lesbar. Der Deutsche Qualifikationsrahmen ordnet den Diplom (Univ.) dem Niveau 7 zu, also derselben Stufe wie den Master.

Der Diplomjurist der DDR und was davon geblieben ist

Der Begriff ist älter als die heutigen Fakultätssatzungen. In der DDR war der Diplomjurist seit den 1960er Jahren der reguläre Abschluss des Jurastudiums. Ein zweites Staatsexamen wie in der Bundesrepublik gab es dort nicht.

Nach der Wiedervereinigung musste der Gesetzgeber entscheiden, was diese Abschlüsse wert sind. Ein Teil dieser Regelungen gilt bis heute. Wer bis zum 9. September 1996 die fachlichen Voraussetzungen für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nach § 4 des DDR-Rechtsanwaltsgesetzes vom 13. September 1990 erfüllt hatte, steht nach § 5 RDGEG einer Person mit Befähigung zum Richteramt gleich. Das betrifft die Vertretungsbefugnis vor den Arbeits-, Sozial-, Verwaltungs- und Finanzgerichten und die Anleitung unentgeltlicher Rechtsdienstleistungen.

Für heutige Absolventen ist das reine Begriffsgeschichte. Der Grad trägt denselben Namen, meint aber etwas anderes.

Welche Universität verleiht den Grad Diplom-Jurist?

Es gibt keine bundesweite Regel und keinen Anspruch. Jede Fakultät entscheidet durch Satzung, ob sie einen Grad vergibt und wie er heißt. Ein Freiburger Student hat genau das gerichtlich angegriffen und verloren: Das VG Freiburg wies seine Klage am 19. Juni 2013 ab (Az. 1 K 543/12) und sprach der Universität ein Satzungsermessen zu. Ein Verstoß gegen Art. 3 und Art. 12 GG liege nicht vor, weil einem akademischen Abschlusstitel auf dem Arbeitsmarkt keine entscheidende Bedeutung zukomme.

Zwölf Jahre früher war eine ähnliche Klage zunächst erfolgreich. Das OVG des Saarlandes hielt es am 29. Januar 2001 für rechtswidrig, dass die Universität des Saarlandes keine Diplomierungsordnung erlassen hatte (Az. 3 R 230/00). Ein Jahr später hob das Bundesverwaltungsgericht dieses Urteil auf: Hochschulen sind bundesrechtlich nicht verpflichtet, den Erlass einer solchen Satzung auch nur zu erwägen, jedenfalls nicht für Absolventen, die ihr Examen längst hinter sich haben (BVerwG, Urteil vom 22. Februar 2002, Az. 6 C 11.01).

Damit ist die Rechtslage klar: Es liegt bei der Fakultät. Bemerkenswert ist der Nachklang trotzdem. Sowohl das Saarland als auch Freiburg graduieren heute, obwohl kein Gericht sie dazu verpflichtet hat.

Diplom-Jurist, Magister iuris oder Master Iuris: die Bezeichnungen

Der Name unterscheidet sich von Fakultät zu Fakultät, der Inhalt kaum. Neben dem Diplom-Jurist findest du den Magister Juris (Konstanz), den Master iuris (Bochum und Münster) und in Bayern das angehängte „Univ.“. Die folgende Übersicht zeigt, was einzelne Fakultäten verlangen. Sie ist ein Ausschnitt, keine vollständige Liste: Prüf immer die Ordnung deiner eigenen Fakultät, sie ändert sich.

UniversitätGradBedingungen
LMU MünchenDiplom-Jurist Univ.Prüfungsort München, 2 Semester an der LMU, 30 Euro
Goethe-Universität FrankfurtDiplom-JuristPrüfung nach hessischem Recht, 2 Semester in Frankfurt, 50 Euro
Universität FreiburgDipl.-Jur.Ordnung seit Oktober 2024, Gebühr 40 bis 80 Euro
Universität des SaarlandesDipl.-Jur.Staatsprüfung ab 1998, 2 Semester immatrikuliert
Ruhr-Universität BochumMaster iuris (M. iur.)Schwerpunktprüfung in Bochum, 2 Semester eingeschrieben
Universität KonstanzMagister Jurisbestandene Erste Juristische Prüfung

Die Rechtsgrundlage ist überall dieselbe. An einer rechtswissenschaftlichen Fakultät beschließt der Fachbereich Rechtswissenschaft eine Ordnung zur Verleihung des Hochschulgrades, das Rektorat bestätigt sie, fertig. Wer den akademischen Grad Diplom-Jurist anstrebt, schaut deshalb früh in die eigene Prüfungsordnung. Ein Wechsel der Universität während des Hauptstudiums kann am Ende darüber entscheiden, ob du einen Grad bekommst.

Diplom-Jurist Univ.: der bayerische Sonderweg

Bayern hat als einziges Land eine landesweite Auffangregelung. Nach § 17 Abs. 2 JAPO darf jede Person, die die Erste Juristische Prüfung bestanden hat, die Bezeichnung „Jurist (Univ.)“ beziehungsweise „Juristin (Univ.)“ führen, soweit die Universität keinen akademischen Grad verleiht.

Das ist eine Auffanglösung, keine Doppelchance. Sobald deine Fakultät dir den Diplom-Jurist Univ. verliehen hat, entfällt die Berechtigung für „Jurist (Univ.)“. Du führst also entweder das eine oder das andere. Praktisch heißt das: In Bayern steht niemand nach der Prüfung ganz ohne Bezeichnung da.

Tipp

Ob du am Ende einen Grad bekommst, entscheidet auch die Schwerpunktbereichsprüfung. Wer sie und die Pflichtfachprüfung parallel stemmen muss, kommt mit einem geordneten Wiederholungssystem weiter: Die Karteikarten auf jurahilfe.de legen dir genau die Fragen wieder vor, bei denen du zuletzt geschwankt hast.

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Nachträgliche Verleihung für frühere Absolventen

Viele Fakultäten graduieren rückwirkend. Freiburg hat das mit der Ordnung von Oktober 2024 ausdrücklich geöffnet, auch für Absolventen des alten Rechts, also für alle, die ihr Examen noch ohne universitäre Schwerpunktbereichsprüfung abgelegt haben. Sie brauchen zusätzlich den Nachweis über die erfolgreiche Teilnahme an einem Seminar.

Der Saarländer Weg ist enger: Dort greift die Ordnung erst bei einer ersten juristischen Staatsprüfung nach dem 31. Dezember 1997. Wenn dein Examen lange zurückliegt, lohnt trotzdem eine Anfrage beim Prüfungsamt deiner alten Fakultät. Die Verleihung ist an keine Frist nach dem Examen gebunden, und die Gebühr bleibt zweistellig.

Diplom-Jurist Ausbildung: Studium, Prüfung und Antrag

Der Weg zum Grad ist kein eigener Studiengang. Du studierst regulär Rechtswissenschaft und musst dafür die Erste Juristische Prüfung ablegen. Die Graduierung ist ein Verwaltungsakt am Ende dieses Wegs.

Die Erste Juristische Prüfung als Grundlage

Seit der Reform von 2003 zählt die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung etwa 30 Prozent der Gesamtnote, die staatliche Pflichtfachprüfung die übrigen 70 Prozent. Ältere Ordnungen sprechen noch von der Ersten Juristischen Staatsprüfung. Beide Begriffe meinen im Rahmen der Diplomordnungen dasselbe Ereignis: den erfolgreichen Studienabschluss.

Manche Fakultäten knüpfen dabei an die Schwerpunktbereichsprüfung an, nicht an die staatliche Pflichtfachprüfung. In Bochum zählen die beiden letzten Semester vor der Meldung zur universitären Schwerpunktbereichsprüfung. Wer den Schwerpunkt früh schreibt und danach wechselt, kann den Grad also trotzdem bekommen.

Die Semester-Regel an der verleihenden Universität

Fast alle Ordnungen verlangen eine Mindestbindung an die Fakultät. Die typische Formel lautet: Einschreibung als ordentliche Studierende oder ordentlicher Studierender in mindestens den beiden Semestern unmittelbar vor der Meldung zur Prüfung. Das ist der Grund, warum Fakultäten den Grad überhaupt vergeben dürfen. Sie bescheinigen einen bei ihnen erworbenen Abschluss. Für die meisten Studierenden ist das unproblematisch, weil sie ihr Examen dort schreiben, wo sie auch studiert haben.

Für dich heißt das zweierlei. Ein Wechsel kurz vor dem Examen kann den Grad kosten. Und wenn du an einer Fakultät ohne Diplomordnung studierst, hilft ein später Wechsel nicht mehr weiter.

Antrag, Urkunde und Gebühr

Niemand schickt dir die Urkunde von selbst. Der Grad wird ausschließlich auf Antrag verliehen, und der Antrag ist Papierkram. Bitte rechne mit diesen Unterlagen:

  • ausgefülltes Antragsformular der Fakultät
  • beglaubigte Kopie des Prüfungszeugnisses des Justizprüfungsamts
  • Nachweis über die Immatrikulation in den maßgeblichen Semestern
  • Nachweis über die gezahlte Gebühr
  • je nach Fakultät ein frankierter Rückumschlag und eine Erklärung, dass du keinen vergleichbaren Grad bereits führst

Die Bearbeitung dauert an der LMU rund zwei Wochen. Erst mit der Urkunde darfst du den Grad führen.

Kennzahlen: 30 bis 80 Euro Gebühr, zwei Semester an der verleihenden Universität, rund zwei Wochen Bearbeitung, vier Gradbezeichnungen
Abb. 2: Der Antrag in Zahlen. Verliehen wird der Grad nie automatisch.

Wer darf sich Diplomjurist nennen?

Diplom-Jurist darf nur nennen, wem eine Universität den Grad durch Urkunde verliehen hat. Die bestandene Erste Juristische Prüfung allein genügt nicht. Studierst du an einer Fakultät ohne Diplomordnung, gibt es für dich keinen Grad, und nur in Bayern greift dann die Auffangbezeichnung Jurist (Univ.).

Die Schreibweise ist übrigens beides: In den Urkunden steht meist „Diplom-Jurist“ mit Bindestrich, im Sprachgebrauch und in Stellenanzeigen liest man „Diplomjurist“ zusammen. Gemeint ist dasselbe.

Wer den Grad ohne Verleihung im Lebenslauf oder in der Signatur führt, riskiert mehr als eine Peinlichkeit. Das unbefugte Führen eines akademischen Grades ist eine Straftat, und Arbeitgeber prüfen bei juristischen Stellen die Urkunden.

Was darf ein Diplom-Jurist? Die Unterschiede zu Volljuristen

Der Grad ändert an deinen Berechtigungen nichts. Er dokumentiert einen Studienabschluss, er verleiht keine Befugnis. Alle klassischen juristischen Berufe hängen an der Befähigung zum Richteramt, und die bekommst du erst nach dem Rechtsreferendariat und der zweiten Staatsprüfung. Wer sie hat, heißt Volljurist.

Spaltenvergleich: Diplom-Juristen arbeiten in Rechtsabteilung, Compliance und Behörde, Anwalt, Richter und Notar bleiben Volljuristen vorbehalten
Abb. 3: Was mit dem ersten Abschluss geht und wofür es das zweite Examen braucht.

Anwalt, Richter, Staatsanwalt und Notar: die gesperrten Berufe

Vier Berufe sind für Diplom-Juristen kraft Gesetzes verschlossen:

  • Rechtsanwalt: Die Zulassung setzt nach § 4 BRAO die Befähigung zum Richteramt voraus.
  • Richter: Dieselbe Voraussetzung ergibt sich aus § 5 Abs. 1 DRiG.
  • Staatsanwalt: Nach § 122 Abs. 1 DRiG kann nur ernannt werden, wer die Befähigung zum Richteramt besitzt.
  • Notar: § 5 Abs. 5 BNotO verlangt für die fachliche Eignung ebenfalls die Befähigung zum Richteramt.

Diese vier Türen öffnet keine Fakultätssatzung. Wie der Weg dorthin aussieht, steht im Überblick zu Anwalt, Richter und Staatsanwalt werden.

Rechtsberatung ohne Zulassung: was das RDG erlaubt

Hier wird es feiner. Das Rechtsdienstleistungsgesetz erfasst nur die Beratung in fremden Angelegenheiten. Wer in der Rechtsabteilung eines Unternehmens arbeitet, berät den eigenen Arbeitgeber. Das ist eine eigene Angelegenheit und keine Rechtsdienstleistung im Sinn von § 2 Abs. 1 RDG. Deshalb darf ein Diplom-Jurist als Unternehmensjurist ohne jede Zulassung Verträge prüfen, verhandeln und Risiken bewerten.

Anders sieht es bei unentgeltlicher Hilfe für Dritte aus. § 6 Abs. 2 RDG verlangt außerhalb familiärer oder nachbarschaftlicher Beziehungen, dass die Rechtsdienstleistung durch eine Person mit Befähigung zum Richteramt oder unter deren Anleitung erfolgt. In der Rechtsberatung einer Hochschulgruppe brauchst du also einen Volljuristen im Rücken.

Hinweis

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Diplom-Juristen und Volljuristen im direkten Vergleich

Die folgende Übersicht stellt gegenüber, was mit dem ersten Abschluss geht und wofür es das zweite Examen braucht.

TätigkeitDiplom-JuristVolljurist
Anwaltszulassungneinja
Richter, Staatsanwalt, Notarneinja
Syndikusrechtsanwaltneinja
Rechtsabteilung im Unternehmenjaja
Compliance und Datenschutzjaja
Verwaltung, gehobener Dienstjaja
Prozessvertretung vor dem Verwaltungsgerichtneinja
Promotion in Rechtswissenschaftjaja

Ein Punkt daraus verdient Aufmerksamkeit: Der Syndikusrechtsanwalt ist keine Alternative für Diplom-Juristen. Die Zulassung als Syndikus setzt die Anwaltszulassung voraus, und die hängt wieder an der Befähigung zum Richteramt. Im Unternehmen arbeiten darfst du trotzdem, nur eben als Justiziar ohne Kammermitgliedschaft.

Welche Berufe und weitere Möglichkeiten hat ein Diplom-Jurist?

Die Frage klingt nach Notlösung, ist aber für viele die bewusste Entscheidung. Wer nach dem ersten Examen aufhört, spart zwei Jahre Vorbereitungsdienst und startet früher mit einem Gehalt. Der Markt für juristisch geschulte Fachkräfte ohne Anwaltszulassung ist größer, als das Studium vermuten lässt.

Rechtsabteilung, Compliance und Versicherung

Die Rechtsabteilung ist der klassische Einstieg. Vertragsmanagement, Datenschutz, Arbeitsrecht und Lieferantenverträge laufen dort täglich über den Tisch, und für diese Tätigkeiten braucht niemand eine Kammerzulassung. Compliance ist der zweite große Block: Hinweisgebersysteme, Geldwäscheprävention, Lieferkettenpflichten. Versicherer wiederum suchen Juristen für die Schadensbearbeitung und die Regressabteilung.

Was dir dort hilft, ist selten das Examensprädikat. Es ist ein Profil: ein passender Schwerpunktbereich, eine zweite Sprache, IT-Kenntnisse oder eine Branche, die du wirklich verstehst.

Öffentlicher Dienst und Verbände

Behörden beschäftigen sehr viele Juristen ohne zweites Examen, vor allem in Widerspruchsstellen, Rechtsämtern, Aufsichts- und Regulierungsbehörden. Die Bundesagentur für Arbeit gehört ebenso dazu wie Kommunen und Sozialversicherungsträger. Die Einstufung richtet sich dabei nach dem Tarifrecht und der ausgeschriebenen Stelle.

Verbände, Kammern und Gewerkschaften sind der zweite Bereich. Dort geht es um Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen, Mitgliederberatung im Rahmen des Verbandszwecks und Gremienarbeit. Genau diese Arbeit ist inhaltlich anspruchsvoll und wird trotzdem selten ausgeschrieben.

Die Universität bleibt offen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl oder in einer Kanzlei arbeitest du mit dem ersten Examen, und die Promotion in Rechtswissenschaft setzt kein zweites Staatsexamen voraus. Ein Doktortitel wiegt auf dem Markt oft schwerer als der Diplomgrad.

Legal Tech ist der jüngere Weg. Legal Engineering, Vertragsautomatisierung, juristische Redaktion und Produktmanagement in Rechtsprodukten suchen Menschen, die Normen lesen und Prozesse bauen können. Selbstständig geht ebenfalls einiges, solange du keine Rechtsdienstleistung für Dritte erbringst: Recherche, Fachredaktion, Schulungen, Datenschutzberatung nach Art. 37 DSGVO.

Tipp

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Diplom Jurist Gehalt: Was ohne zweites Examen drin ist

Vorweg die Einordnung: Für Diplomjuristen gibt es keine amtliche Gehaltsstatistik. Die kursierenden Zahlen stammen aus Gehaltsportalen, beruhen auf Selbstauskünften und schwanken stark. Nimm sie als Größenordnung.

Einstiegsgehalt nach Branche und Bundesland

Talentrocket weist auf Basis von Stepstone-Daten (Stand 2025) ein Durchschnittsgehalt von rund 45.800 Euro brutto im Jahr aus. Die Einstiegswerte liegen in den großen Städten darüber: Berlin rund 55.000 Euro, Frankfurt 53.000 Euro, Hamburg 51.000 Euro, München rund 50.000 Euro.

Aufschlussreicher ist die Spreizung nach Einsatzfeld. In Rechtsabteilungen von Unternehmen nennt die Auswertung eine Spanne von 57.900 bis 78.300 Euro, im öffentlichen Dienst 36.630 bis 58.750 Euro. Mit Berufserfahrung wächst der Wert eher gemächlich: von rund 42.000 Euro im ersten Jahr auf gut 51.000 Euro nach über 25 Jahren.

Die Bundesland-Auswertungen desselben Portals sind mit Vorsicht zu lesen, einzelne Werte liegen offensichtlich neben der Realität. Als Faustregel bleibt: Branche und Unternehmensgröße bewegen dein Gehalt stärker als die Postleitzahl.

Balkendiagramm: Einstiegsgehalt für Diplomjuristen von 50.000 Euro in München bis 55.000 Euro in Berlin, Durchschnitt 45.800 Euro
Abb. 4: Einstiegsgehalt nach Stadt, Portalangaben ohne amtliche Grundlage.

Wie viel Volljuristen mehr verdienen

Der Abstand ist erheblich, besonders am oberen Ende. Für Justiziare in Unternehmen nennt gehalt.de einen Median von rund 7.500 Euro brutto im Monat, und die Einstiegsgehälter in der Großkanzlei liegen noch einmal deutlich darüber. Diese Gehälter hängen an der Anwaltszulassung und damit am zweiten Examen.

Rechne aber ehrlich gegen. Zwei Jahre Referendariat bedeuten zwei Jahre Unterhaltsbeihilfe statt Vollgehalt, dazu das Risiko, das zweite Examen nicht im ersten Anlauf zu bestehen. Wer mit dem ersten Examen direkt einsteigt, hat rund zwei Jahre Berufserfahrung, wenn der Volljurist sein zweites Examen in der Hand hält. Welcher Weg finanziell aufgeht, hängt an der Branche und an deiner Note. Zur Einordnung deiner Punktzahl hilft die Jura Notenskala.

Lohnt sich der Diplom-Jurist? Alternativen und Einordnung

Meine Einschätzung nach allem, was oben steht: Der Antrag lohnt fast immer, der Grad ist trotzdem kein Karriereschlüssel. Für 30 bis 80 Euro und ein Formular bekommst du einen Abschluss, den Personalabteilungen außerhalb der Justiz sofort einordnen können. Das ist ein gutes Geschäft. Es ersetzt nur nichts.

Was der Grad im Lebenslauf bringt

Der praktische Nutzen liegt in der Lesbarkeit. „Erste Juristische Prüfung, Note 8,2 Punkte“ sagt einer Recruiterin im Maschinenbau wenig. „Diplom-Jurist (Univ.)“ ordnet sie sofort auf Masterniveau ein. Im Ausland gilt dasselbe verstärkt, weil das deutsche Staatsexamen dort kein bekanntes Format ist.

Genau an dieser Stelle überzeugt mich die Begründung des VG Freiburg nicht, ein akademischer Abschlusstitel habe auf dem Arbeitsmarkt keine entscheidende Bedeutung. Für die Justiz stimmt das. Für den Rest des Arbeitsmarkts sieht es anders aus, und die Fakultäten, die inzwischen graduieren, bestätigen das. Was in deiner Bewerbung sonst noch zählt, steht im Beitrag zum Lebenslauf für Juristen.

Master, Referendariat oder eine Ausbildung: die Alternativen

Wenn dir der Grad allein zu dünn ist, gibt es drei ernsthafte Wege. Der LL.M. schärft ein Fachgebiet und ist international lesbar, kostet aber ein bis zwei Jahre und Geld. Das Referendariat führt zum vollen Berufsspektrum und bleibt der einzige Weg in die klassischen Berufe. Die Promotion passt, wenn Wissenschaft oder ein forschungsnahes Umfeld dich reizt.

Und wenn dein Examen knapp ausgefallen ist, prüf vor allem eines: Ein Verbesserungsversuch ist in den meisten Ländern möglich und verändert deine Ausgangslage stärker als jeder Zusatztitel.

Wann sich der Antrag nicht lohnt

Zwei Fälle. Erstens: Du gehst ohnehin ins Referendariat und danach in Justiz oder Kanzlei. Dort interessiert der Grad niemanden, das zweite Examen überschreibt ihn. Zweitens: Deine Fakultät hat keine Diplomordnung und du müsstest für die Urkunde die Universität wechseln. Dieser Aufwand steht in keinem Verhältnis.

In allen anderen Fällen: Formular ausfüllen, Gebühr überweisen, Urkunde einheften. Und dann weiterlernen, denn im Beruf zählt das Fachwissen mehr als die Zeile im Lebenslauf. Wer den Stoff dauerhaft griffbereit halten will, findet auf jurahilfe.de interaktive Skripten mit verlinkten Definitionen und Streitständen.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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