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Praktikum Großkanzlei: Bewerbung, Prädikat & Karriere

Junger Praktikant sitzt mit Notizblock am Konferenztisch einer Kanzlei, zwei Anwälte im Gespräch dahinter

Der Bewerbungsschluss für das Sommerpraktikum liegt im Mai. Das Praktikum selbst beginnt im August. Wer im Juni auf die Idee kommt, sich zu bewerben, ist ein Jahr zu spät dran.

Ein Praktikum in der Großkanzlei läuft bei den meisten großen Wirtschaftskanzleien als festes Programm über vier bis fünf Wochen. Angeboten wird es zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Sommer. Lose Einzelplätze vergeben nur wenige. Bewerben musst du dich lange vorher: Die Fristen enden meist drei bis vier Monate vor Beginn, das Bewerbungsfenster öffnet oft schon im Halbjahr davor. Erwartet werden in der Regel das vierte Fachsemester und gute Noten.

Für deine Jura-Karriere ist das die günstigste Gelegenheit, den Betrieb von innen zu sehen, bevor du dich nach dem Examen festlegst. Und der erste Schritt in ein Recruiting, das dich danach nicht mehr aus den Augen lässt.

Auf einen Blick:

  • Dauer: vier bis fünf Wochen, feste Termine im Frühjahr und im Sommer.
  • Bewerbungsschluss: Hengeler Mueller nimmt Bewerbungen fürs Frühjahrspraktikum bis Ende Oktober des Vorjahres, Freshfields fürs Sommerpraktikum bis Anfang Mai.
  • Voraussetzung: meist ab dem vierten Fachsemester, kleiner BGB-Schein plus ein weiterer Schein, abgeschlossene Zwischenprüfung, gute Englischkenntnisse.
  • Vergütung: gezahlt wird freiwillig. Der gesetzliche Mindestlohn greift bei einem vier- bis fünfwöchigen Praktikum nach § 22 Abs. 1 MiLoG gerade nicht.
  • Anrechnung: Die Kanzleistation der praktischen Studienzeit lässt sich damit in vielen Bundesländern abdecken, in Bayern ebenso wie in Nordrhein-Westfalen.

Tipp

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Zeitstrahl: Der Bewerbungsschluss für ein Praktikum in der Großkanzlei liegt drei bis vier Monate vor dem ersten Praktikumstag
Abb. 1: Der Bewerbungsschluss liegt Monate vor dem ersten Praktikumstag.

Was dich im Praktikum in der Großkanzlei erwartet: der Blick hinter die Kulissen

Du sitzt nicht am Kopierer. In einer Großkanzlei arbeiten Praktikanten an echten Mandaten mit: Recherchen zu einer offenen Rechtsfrage, Zuarbeit zu Schriftsätzen und Beratungsschreiben, gelegentlich ein Vermerk, der tatsächlich beim Mandanten landet. Dazu kommen Telefonkonferenzen, manchmal ein Gerichtstermin. Der Umfang hängt stark von der Praxisgruppe ab.

Ein typischer Tag als Praktikant zwischen Recherche und Mandat

Die erste Woche gehört der Orientierung. Bei Latham & Watkins etwa startet das Praktikum mit einem zweitägigen Onboarding samt Vorstellung der Praxisgruppen. Danach bekommt jede und jeder einen Mentor aus der eigenen Gruppe. Hengeler Mueller stellt sogar zwei Tutoren an die Seite.

Der Alltag danach: Ein Associate schickt dir eine Frage, du recherchierst in den juristischen Datenbanken, du schreibst deine Antwort als kurzen Vermerk. Zwei Stunden später sitzt du in einer Besprechung und verstehst die Hälfte. Das ist normal.

Ein Teil der Arbeit läuft auf Englisch, je nach Rechtsgebiet sogar der größere Teil. Bei einem Transaktionsmandat sind Vertragsentwürfe, Datenraum und Mandantenkorrespondenz häufig englisch. Hast du im Studium nie juristisches Englisch angefasst, merkst du das am ersten Tag.

Junge Frau reicht einem sitzenden Kollegen im Großraumbüro ein Dokument und erklärt es ihm

Wie viele Wochen ein Praktikum in der Großkanzlei dauert

Vier bis fünf Wochen sind der Normalfall, und die Termine stehen fest. Freshfields lässt sein Sommerprogramm über fünf Wochen laufen, Gleiss Lutz ebenfalls, Hengeler Mueller bietet daneben ein einmonatiges Frühjahrspraktikum im März. CMS geht mit drei bis vier Wochen etwas kürzer.

Das ist kürzer, als viele erwarten. Die verbreitete Empfehlung, ein juristisches Praktikum solle mindestens drei Monate dauern, stammt aus dem Pflichtpraktikums-Kontext und passt auf das Programm einer Großkanzlei gerade nicht. Drei Monate am Stück gibt es dort für Studierende praktisch nicht. Wer länger bleiben will, geht danach den Weg über die wissenschaftliche Mitarbeit.

Arbeitszeiten: Was die Kanzlei von dir erwartet und was nicht

Großkanzleien haben einen Ruf. Er stimmt für Associates in der heißen Phase eines Deals, für Praktikanten stimmt er meistens nicht. In einem Erfahrungsbericht aus dem Hamburger Büro von Latham & Watkins heißt es, die Arbeitszeiten seien „sehr human“ gewesen. In der Regel ging es von 9.30 Uhr bis etwa 18 Uhr.

Erwartet wird trotzdem etwas: Verlässlichkeit bei Fristen, saubere Arbeit und Präsenz im Büro. Homeoffice ist im Praktikum unüblich, weil der ganze Sinn darin liegt, dass du Leute triffst. Übrigens ist auch die Kleiderfrage schnell beantwortet, lieber eine Stufe zu formell als eine zu leger.

Wenn du wissen willst, wie der Arbeitsalltag nach dem Examen aussieht, hilft der ausführliche Überblick zu Arbeitsalltag, Karrierestufen und Gehalt in der Großkanzlei. Das Praktikum zeigt davon die freundliche Version.

Voraussetzungen und Möglichkeiten: Ab welchem Semester es klappt

Für ein Praktikum brauchst du keine Bestnote. Aber du musst früh dran sein. Die großen Kanzleien setzen den Einstieg ab dem vierten Fachsemester an: CMS nennt das ausdrücklich, Freshfields verlangt die bestandene Zwischenprüfung. Ein Prädikat im Examen kannst du zu diesem Zeitpunkt naturgemäß nicht vorlegen, deshalb schauen die Kanzleien auf Scheine, Abiturnote und Englisch.

Welche Scheine und Noten die Großkanzleien verlangen

CMS nennt seine Anforderungen ungewöhnlich offen: mindestens viertes Fachsemester, der kleine BGB-Schein und ein weiterer Schein, ein sehr gutes Abitur, gute Englischkenntnisse. Freshfields verlangt die bestandene Zwischenprüfung, nennt darüber hinaus aber keine Notenschwelle. Hengeler Mueller spricht allgemeiner von „fortgeschrittenen Studierenden“.

Bei den Unterlagen taucht ein Punkt auf, der viele überrascht: Das Abiturzeugnis wird mitverlangt, auch im sechsten Semester. Freshfields und Hengeler Mueller führen es ausdrücklich in der Liste.

Brauchst du ein Prädikat für die Chance auf einen Platz?

Für das Praktikum brauchst du kein Prädikatsexamen, du hast ja noch keins. Für die Stelle danach schon eher. Die Kanzleien nutzen das Praktikum als frühen Blick auf Leute, die sie später einstellen wollen, und der Maßstab dort ist bekanntlich hoch.

Was das konkret heißt und ab wie vielen Punkten von einem Prädikat die Rede ist, steht im Detail im Artikel zum Prädikatsexamen und der juristischen Notenskala. Für Praktikantinnen und Praktikanten zählen bei der Bewerbung erst einmal die Zwischenprüfungsnoten. Wer dort im oberen Drittel liegt, hat gute Chancen.

Ich halte das für die faire Seite dieses Verfahrens. Mit 20 Jahren kannst du dich noch nicht über das Examen definieren, und die Kanzlei kann dich nicht danach sortieren. Also entscheidet, was du in vier Wochen zeigst.

Rund 180 Plätze pro Jahr: Wie viele Bewerber sich das teilen

Zahlen dazu sind selten. CMS nennt eine: rund 180 Praktikumsplätze pro Jahr, verteilt auf acht deutsche Standorte. Bei kleineren Programmen liegen die Zahlen deutlich darunter, ein Frühjahrspraktikum an drei Standorten bietet naturgemäß wenig Plätze.

Daraus folgt eine simple Strategie. Bewirb dich parallel bei mehreren Kanzleien und für beide Termine im Jahr. Und plane die Absage mit ein, sie ist bei diesen Größenordnungen keine Aussage über dich.

Tipp

Bevor du in eine Praxisgruppe gehst, solltest du deren Grundlagen sitzen haben. Für den Einstieg ins Zivilrecht lernst du auf jurahilfe.de den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos, mit Skripten, Karteikarten und Abschlusstest, ohne Zeitlimit.

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Bewerbung: Unterlagen, Fristen und der richtige Standort

Die Bewerbung läuft fast überall über ein Online-Formular auf der Karriereseite der Kanzlei, getrennt nach Standort. Verlangt werden Anschreiben, Lebenslauf und sämtliche Zeugnisse, das Abiturzeugnis eingeschlossen. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Der Bewerbungsschluss liegt regelmäßig drei bis vier Monate vor dem Praktikum.

Diese Unterlagen verlangen die Kanzleien auf ihren Karriereseiten

Der Standardsatz ist überall gleich. Freshfields möchte Anschreiben, Lebenslauf und „relevante Zeugnisse inklusive Abiturzeugnis“, Hengeler Mueller Anschreiben, Lebenslauf sowie alle Zeugnisse mit Abitur und aktueller Notenübersicht. Die Notenübersicht zieht man sich am besten vorher aus dem Campus-System, sie ist erfahrungsgemäß das Dokument, das im letzten Moment fehlt.

Beim Lebenslauf entscheidet die Form mehr, als einem lieb ist. Welche Fehler juristische Personalabteilungen aussortieren lassen, steht im Detail im Artikel zu den fünf häufigsten Fehlern im juristischen Lebenslauf. Für das Praktikum gilt zusätzlich: Nenne deine Sprachkenntnisse ehrlich, das Niveau wird im Gespräch geprüft.

Zwei Personen in Anzügen gehen am Tisch ein ausgefülltes Bewerbungsformular durch

Bewerbungsfristen: Drei bis vier Monate Vorlauf sind das Minimum

An den Fristen scheitern Bewerbungen, bevor sie geschrieben werden. Hengeler Mueller setzt den Bewerbungsschluss für das Frühjahrspraktikum im März auf den 31. Oktober des Vorjahres. Freshfields nimmt Bewerbungen für sein Sommerprogramm im August nur bis Anfang Mai an. Gleiss Lutz öffnet die Bewerbung für den Frühjahrstermin rund vier bis fünf Monate vorher.

Die Programme laufen zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Sommer. Verpasst du den Termin, wartest du ein halbes Jahr auf den nächsten. Setz dir die Fristen als Kalendereintrag, sobald du mit dem dritten Semester anfängst, und bewirb dich möglichst gleich zu Beginn des Bewerbungsfensters.

Der Zeitraum selbst fällt bewusst in die vorlesungsfreie Zeit, und dort konkurriert er mit der Hausarbeit. Wie du beides in einen Plan bekommst, zeigt der Artikel dazu, wie du deine Semesterferien im Jurastudium sinnvoll nutzt. Kurzfassung: Die Hausarbeit kommt zuerst, das Praktikum plant man um sie herum.

Welche Praxisgruppe du im Anschreiben nennen solltest

Die großen Kanzleien fragen im Formular nach einer Wunsch-Praxisgruppe. Nenn eine, auch wenn du dir unsicher bist. Ein Anschreiben ohne Präferenz wirkt beliebig. Zugeteilt wird ohnehin nach Kapazität.

Sinnvoll ist eine Gruppe, zu der du einen echten Anknüpfungspunkt hast: eine Hausarbeit im Gesellschaftsrecht, ein Seminar zum Kartellrecht, ein Nebenjob mit IT-Bezug. Wer nichts davon hat, nennt Gesellschaftsrecht oder Prozessführung, beides sind große Gruppen mit vielen Plätzen.

Der Standort ist die zweite Stellschraube. Frankfurt ist der größte Markt für Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Dort liegen entsprechend viele Plätze. Dort wird auch am häufigsten nach einem Praktikum in einer Großkanzlei gesucht. Freshfields vergibt Plätze in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München, dazu in Brüssel. An kleineren Standorten ist die Konkurrenz oft geringer.

Tipp

Im Bewerbungsgespräch fragt niemand nach Definitionen, aber im Praktikum brauchst du sie. Mit den Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de hältst du die Grundlagen aus dem Grundstudium präsent, ohne dafür ganze Abende zu opfern.

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Was das Praktikantenprogramm einer Großkanzlei bietet: Workshops, Fallstudie, Mentor

Ein Praktikantenprogramm ist mehr als ein Schreibtisch. Zum festen Rahmen gehören Einführungs- und Abschlussveranstaltung, ein Mentor aus der Praxisgruppe, Fachvorträge und ein Legal-English-Kurs. Oft kommt eine Fallstudie dazu. Die bearbeitest du in der Gruppe. Dazu kommen Events, bei denen du die Kanzlei außerhalb der Arbeit erlebst.

Freshfields, Hengeler Mueller, Gleiss Lutz und CMS im Vergleich

Die Programme der Top-Kanzleien ähneln sich. Stärker, als das Marketing vermuten lässt. Hengeler Mueller kombiniert zwei Tutoren mit einer Fallstudie samt Coaching, dazu Fortbildungen, einen Legal-English-Kurs und ein Bewerbungstraining. Gleiss Lutz setzt ebenfalls auf Fachvorträge, Englischkurse und eine Case Study. Freshfields bindet Praktikanten in internationale Mandate ein und lässt sie an Schriftsätzen, Beratungsschreiben und Publikationen mitarbeiten.

Die vier Programme im direkten Vergleich, mit den Terminen und Fristen, die die Kanzleien selbst nennen:

KanzleiDauerTerminBewerbungsschluss
Freshfields5 WochenSommer, ab AugustAnfang Mai
Hengeler Mueller1 MonatFrühjahr, im März31. Oktober des Vorjahres
Gleiss Lutz5 WochenFrühjahr und SommerBewerbung ab Oktober
CMS3 bis 4 Wochenlaufend, acht Standortekeine feste Frist

CMS fällt aus dem Muster: kürzere Praktika von drei bis vier Wochen, dafür rund 180 Plätze im Jahr an acht Standorten und in Hamburg und Leipzig sogar Einzelpraktika nach Absprache. Brauchst du flexible Termine, hast du dort die größte Auswahl.

Was in keiner Broschüre steht: Wichtiger als jedes Programmheft ist dein Team. Zwei Praktikanten in derselben Kanzlei berichten regelmäßig völlig unterschiedliche Erfahrungen, je nachdem, wie viel Zeit die Associates gerade haben.

Einzelpraktikum und Programm: Wann was besser zu dir passt

Das feste Programm hat einen Nachteil. Es passt nur, wenn dein Semesterrhythmus dazu passt. Ein Einzelpraktikum nach Absprache lässt sich dagegen legen, wie du es brauchst, und es lässt sich leichter auf die volle Länge der praktischen Studienzeit strecken.

Dafür bekommst du weniger: keine Fallstudie, keinen Kurs, keine Praktikantengruppe. Gerade die Gruppe ist der unterschätzte Teil, weil du dort Leute triffst, die in zwei Jahren mit dir im Referendariat sitzen. Falls du die Wahl hast, nimm das Programm.

Spalten-Vergleich: Das Praktikantenprogramm der Großkanzlei dauert vier bis fünf Wochen, ein Einzelpraktikum bis zu drei Monate
Abb. 4: Programm und Einzelpraktikum im Vergleich.

Vergütung: Was du im Praktikum in der Großkanzlei verdienst

Bezahlt wird, aber freiwillig. Ein vier- bis fünfwöchiges Praktikum fällt unter keine Mindestlohn-Pflicht, weder als Pflichtpraktikum noch als kurzes freiwilliges Praktikum. Die Kanzleien zahlen trotzdem. Sie konkurrieren um dieselben Studierenden. Veröffentlicht werden die Sätze allerdings fast nie.

Wann der Mindestlohn im Praktikum gilt und wann nicht

Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Anfang des Jahres bei 13,90 Euro je Stunde. Im Folgejahr steigt er auf 14,60 Euro. Für Praktika gilt er nur eingeschränkt. § 22 Abs. 1 MiLoG nimmt vier Fälle aus: das nach Studien- oder Prüfungsordnung verpflichtende Praktikum, das Orientierungspraktikum bis zu drei Monaten, das freiwillige studienbegleitende Praktikum bis zu drei Monaten und die Einstiegsqualifizierung.

Für dich heißt das zweierlei. Absolvierst du das Praktikum als Teil der praktischen Studienzeit, greift die erste Ausnahme, unabhängig von der Dauer. Machst du es freiwillig, bleibt es mindestlohnfrei, solange es drei Monate nicht überschreitet und du bei derselben Kanzlei nicht schon einmal ein solches Praktikum gemacht hast. Wird die Drei-Monats-Grenze gerissen, besteht ein Anspruch auf den Mindestlohn. Ob er rückwirkend für die gesamte Zeit gilt oder erst ab dem Tag der Überschreitung, ist offen. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat die Frage ausdrücklich unbeantwortet gelassen. Auch das Bundesarbeitsgericht musste sie in seiner Entscheidung vom 30. Januar 2019 (5 AZR 556/17) nicht klären.

Entscheidungsbaum: Ein Praktikum bis drei Monate löst nach § 22 Abs. 1 MiLoG keinen Anspruch auf den Mindestlohn von 13,90 Euro aus
Abb. 2: Wann im Praktikum ein Anspruch auf den Mindestlohn entsteht.

Was die Kanzleien freiwillig zahlen

Belastbare, aktuelle Zahlen sind rar, weil kaum eine Kanzlei ihre Praktikumsvergütung auf der Karriereseite nennt. Die bekannteste dokumentierte Angabe ist alt. e-fellows nannte 2018 für das Programm von Clifford Chance 250 Euro pro Woche vor dem ersten Staatsexamen und 500 Euro pro Woche danach. Was heute gezahlt wird, ist öffentlich nicht belegt. Nimm die Zahl deshalb als historischen Anhaltspunkt und nicht als Erwartung.

Frag im Bewerbungsprozess einfach nach. Das ist üblich, und die Recruiting-Teams beantworten solchen Fragen gerne, weil sie ohnehin ständig gestellt werden. Natürlich rechnest du den Betrag gegen die Lebenshaltungskosten am Standort: Ein Praktikum in Frankfurt mit Wochenpendeln aus Marburg kostet dich unter Umständen mehr, als es einbringt. Manche Kanzleien beteiligen sich an Fahrt- oder Unterkunftskosten, gefragt werden muss danach in der Regel selbst.

Wer dauerhaft Geld verdienen will, ist mit einer Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin besser bedient als mit dem nächsten Praktikum. Was in einem Nebenjob neben dem Jurastudium realistisch drin ist und was er kostet, steht dort im Detail.

Zählt das Praktikum als Pflichtpraktikum im Jurastudium?

In der Regel ja. Die praktische Studienzeit umfasst in den meisten Bundesländern drei Monate, und die Station bei einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt ist überall vorgesehen. Eine Großkanzlei ist eine Rechtsanwaltskanzlei wie jede andere, also lässt sich diese Station dort ableisten. Die Bedingungen dafür setzt dein Landesrecht.

Was die praktische Studienzeit in Bayern und NRW verlangt

Zwei Beispiele zeigen die Bandbreite. In Bayern regelt § 25 JAPO drei Monate praktische Studienzeit, die sich in bis zu drei Abschnitte von je mindestens einem Monat aufteilen lassen. Die Rechtsanwaltskanzlei ist ausdrücklich als Ausbildungsstelle genannt, frühestens gehen darf es nach Vorlesungsschluss des zweiten Semesters, und abgedeckt sein müssen mindestens zwei der drei Rechtsgebiete.

Nordrhein-Westfalen ist strenger aufgeteilt. Nach § 8 JAG NRW dauert die praktische Studienzeit zwölf Wochen in zwei bis drei Teilen, davon mindestens vier Wochen in der Rechtspflege, mindestens vier Wochen in der Verwaltung und höchstens vier Wochen als Wahlpraktikum. Die Anwaltsstation zählt zur Rechtspflege.

Wie unterschiedlich die Länder das regeln, zeigt der Vergleich der beiden größten:

LandDauerAufteilungKanzlei
Bayern, § 25 JAPO3 Monatebis zu drei Abschnitte, je mindestens ein Monatausdrücklich als Ausbildungsstelle genannt
Nordrhein-Westfalen, § 8 JAG12 Wochenzwei bis drei Teile, mindestens vier Wochen Rechtspflege und vier Wochen Verwaltungzählt zur Rechtspflege

Das passt erstaunlich gut: Ein Programm von vier bis fünf Wochen deckt in NRW genau den Rechtspflege-Teil ab und liegt ohnehin in der vorlesungsfreien Zeit, wie es das Gesetz verlangt. In Bayern deckt es einen der drei Monatsabschnitte. Ein Monat weniger als die geforderte Mindestdauer eines Abschnitts wäre allerdings ein Problem, deshalb lohnt der Blick auf die genauen Kalendertage des Programms.

Ein Punkt bleibt: Jedes Bundesland formuliert das eigenständig, und die Ausführungsbestimmungen ändern sich. Zieh vor der Zusage die Merkblätter deines Justizprüfungsamts heran. Wenn du wissen willst, an welcher Stelle des Studiums die praktische Studienzeit überhaupt sitzt, hilft der Überblick zum Aufbau und Ablauf des Jurastudiums.

Die Praktikumsbescheinigung klären, bevor du anfängst

Die Bescheinigung ist Formsache und geht trotzdem regelmäßig schief. Die nordrhein-westfälischen Justizprüfungsämter geben ein Muster vor und verlangen, dass die Ausbildungsstelle aus Stempel oder Dienstsiegel erkennbar ist. Eine Unterschrift allein reicht dort nicht. Eine formlose Mail der Personalabteilung erst recht nicht. Andere Länder sind formloser, Bayern etwa verlangt nur bestimmte Mindestangaben.

Nimm das Formular deines Prüfungsamts also mit, am besten schon in der ersten Woche, und sprich es direkt mit deinem Mentor oder der Recruiting-Ansprechpartnerin ab. Große Kanzleien kennen das Thema, aber sie kennen nicht die 16 verschiedenen Landesformulare.

Hinweis

Wer sich vor dem Praktikum in ein neues Rechtsgebiet einlesen muss, kann sich denselben Stoff auf jurahilfe.de wahlweise als kompaktes oder als ausführliches Skript anzeigen lassen: kompakt für den schnellen Überblick, ausführlich, wenn du es von Grund auf verstehen willst.

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So nutzt du deine Chance im Praktikum: Vorbereitung und die richtigen Fragen

Vier Wochen sind kurz. Ob sich hinterher jemand an dich erinnert, entscheidet sich in den ersten Tagen. Es geht dabei weniger um Fachwissen als um Verlässlichkeit, Nachfragen und Sichtbarkeit.

Was du vor dem ersten Tag wiederholen solltest

Zwei Bereiche lohnen sich fast immer: die Grundzüge des Gesellschaftsrechts und des Prozessrechts. Beide tauchen in fast jeder wirtschaftsrechtlichen Praxisgruppe auf. Und beide liest man im Studium oft erst spät.

Der dritte Bereich ist juristisches Englisch. Sieh dir dafür einmal einen englischen Vertrag an und lerne die Standardklauseln kennen. Schlag außerdem kurz die Normen nach, mit denen deine Wunsch-Praxisgruppe arbeitet. Übrigens schauen auch Anwälte mit zehn Jahren Berufserfahrung ständig ins Gesetz, das ist kein Zeichen von Unwissen.

Was du nicht brauchst: ein Repetitorium in vier Wochen. Wer den Stoff aus dem Grundstudium sicher abrufen kann, ist gut vorbereitet. Wie du diese Abrufsicherheit systematisch aufbaust, zeigt der Artikel dazu, wie du deine Noten in Jura-Klausuren verbesserst.

Hilfe anbieten, wenn gerade wenig zu tun ist

Es gibt in jedem Praktikum Leerlauf. Ein Mandat verzögert sich, dein Betreuer sitzt im Termin, und du sitzt vor einem leeren Bildschirm. Die falsche Reaktion ist, das auszusitzen.

Frag stattdessen aktiv im Team nach, ob jemand Zuarbeit brauchen kann. Zwei Sätze reichen: „Ich habe gerade Kapazität, kann ich bei etwas helfen?“ Das kostet dich nichts und verschafft dir Einblicke in mehrere Mandate. Viele Kanzleien bieten während des Praktikums außerdem interne Webinare und Fachvorträge an, die offen für alle sind.

Eine Frage, die viele nicht stellen, obwohl sie erwünscht ist: nach Rückmeldung zur eigenen Arbeit. Bitte am Ende einer Aufgabe um kurzes Feedback zu deinen Vermerken. Du lernst mehr daraus als aus der nächsten Recherche.

Kontakte knüpfen, ohne dich zu verbiegen

Die wertvolle Währung des Praktikums sind Kontakte, und sie entstehen nicht am Schreibtisch. Geh zwei- bis dreimal pro Woche mit Kolleginnen und Kollegen essen, auch wenn du lieber in Ruhe dein mitgebrachtes Brot essen würdest. Die Mittagspause ist der einzige Ort, an dem du Leute außerhalb deiner Praxisgruppe triffst.

Halt dich dabei aus Interna heraus. Wer in der zweiten Woche über die Stimmung im Team spricht, gilt schnell als schwierig, und Großkanzleien sind kleine Dörfer. Merk dir stattdessen Namen und schreib nach dem Praktikum eine kurze Dankesmail an die Leute, mit denen du wirklich gearbeitet hast. Das ist schlicht höflich.

Drei Kolleginnen und Kollegen stehen mit Kaffeebechern in der Büroküche und unterhalten sich

Deine Perspektive nach dem Praktikum: Wo die Karriere beginnt

Dein Praktikum ist selten das Ende der Beziehung. Aus einem guten Praktikum entsteht typischerweise das Angebot einer Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter, danach die Anwaltsstation im Referendariat und am Ende ein Einstiegsangebot. Diese Kette ist der eigentliche Grund, warum Kanzleien den Aufwand betreiben.

Wissenschaftliche Mitarbeit als nächster Schritt

Anders als das Praktikum ist die wissenschaftliche Mitarbeit ein echter Nebenjob, und sie ist ordentlich bezahlt. Der Umfang schwankt stark, von einem festen Arbeitstag pro Woche bis zu mehreren, und abgerechnet wird mal nach Stunden, mal nach Wochenarbeitstagen. Die azur-Gehaltsübersicht listet für die Zeit vor dem ersten Examen Stundensätze von rund 13,86 Euro bis 20,00 Euro, über mehr als hundert Kanzleien hinweg. A&O Shearman zahlt 18,75 Euro.

Inhaltlich liegt der Unterschied zur studentischen Hilfskraft im Kern der Arbeit: Recherche und Zuarbeit im Mandat. Wer diese Stelle bekommt, arbeitet über Monate mit denselben Juristen und wird für sie kalkulierbar. Ein einzelnes Praktikum leistet das nicht.

Balkendiagramm: Stundenlöhne wissenschaftlicher Hilfskräfte in Kanzleien vor dem ersten Examen reichen von 13,86 bis 20,00 Euro
Abb. 3: Stundensätze für wissenschaftliche Hilfskräfte vor dem ersten Examen.

Von der Referendarstation zum Einstieg in die Großkanzlei

Der nächste Berührungspunkt ist die Anwaltsstation im Referendariat, oft ergänzt um die Wahlstation. Wie das Referendariat aufgebaut ist und wann diese Stationen liegen, steht im Artikel zum Ablauf des Rechtsreferendariats. Für Großkanzleien ist die Station der letzte lange Blick auf dich vor dem Einstellungsangebot.

Wie es danach weitergeht, mit Gehalt, Karrierestufen und Arbeitsbelastung, ist ein eigenes Thema. Der Überblick zum Verdienst von Anwältinnen und Anwälten ordnet die Zahlen ein, die man sich als Praktikantin oder Praktikant erzählt.

Ein Praktikum in der Großkanzlei entscheidet nicht über deine Zukunft. Es beantwortet eine Frage, die du sonst erst mit 28 beantwortest, nämlich ob dir diese Art zu arbeiten liegt. Manche kommen zurück und wissen, dass sie das nie wieder wollen. Auch solche Erfahrungen sind brauchbar. Die beste Vorbereitung bleibt die unspektakuläre. Beherrsche den Stoff so sicher, dass du im Gespräch nicht ins Schwimmen kommst, etwa mit den Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de, die kleine Sachverhalte am Fall abfragen.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

  • Zivilrecht
  • Strafrecht
  • Öffentliches Recht
  • Jurastudium
  • Examensvorbereitung
  • juristische Didaktik
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