Im Schwerpunktbereich schlossen 2024 rund 65 Prozent aller Geprüften mit mindestens „vollbefriedigend“ ab. In der staatlichen Pflichtfachprüfung schafften das knapp 20 Prozent. Im Schwerpunkt sind gute Noten also die Regel, im staatlichen Teil die Ausnahme.
Der Schwerpunktbereich ist das universitäre Wahlstudium innerhalb des Jurastudiums. Er endet mit der Schwerpunktbereichsprüfung, die nach § 5d DRiG bundesweit mit 30 Prozent in die Gesamtnote der ersten juristischen Prüfung einfließt. Welcher Schwerpunkt in Jura ist der beste? Ich empfehle dir Zivilverfahrensrecht oder Steuerrecht.
Die Wahl triffst du Jahre vor dem zweiten Examen. Sie entscheidet trotzdem mit, wie gut du dort vorbereitet bist und womit du dich im Beruf von anderen abhebst.
Auf einen Blick:
- Rechtsgrundlage sind § 5a und § 5d DRiG, die Einzelheiten regeln Landesrecht und die Prüfungsordnung deiner Fakultät.
- Die Schwerpunktbereichsprüfung verlangt mindestens eine schriftliche Leistung; je nach Uni kommen Klausuren, eine Seminararbeit oder eine mündliche Prüfung dazu.
- Sie zählt 30 Prozent, die staatliche Pflichtfachprüfung 70 Prozent der Gesamtnote.
- Zivilverfahrensrecht bereitet dich auf das zweite Examen vor: In NRW, Baden-Württemberg und Niedersachsen stellt das Zivilrecht dort vier von acht Klausuren.
- Steuerrecht gehört nicht zum Pflichtstoff des ersten Examens. Der Schwerpunkt ist oft die einzige Gelegenheit im Studium, es gründlich zu lernen.
Was ist der Schwerpunktbereich im Jura Studium?
Der Schwerpunktbereich ist der Teil des Jurastudiums, in dem du dich neben dem Pflichtstoff auf ein Rechtsgebiet deiner Wahl spezialisierst. Die Universität, genauer der Fachbereich Rechtswissenschaft, prüft ihn selbst in der universitären Schwerpunktbereichsprüfung (SPB). Ihr Ergebnis steht auf dem Zeugnis der ersten Prüfung neben dem staatlichen Teil und zählt 30 Prozent der Gesamtnote.
Die erste juristische Prüfung besteht also aus zwei Teilen. Die staatliche Pflichtfachprüfung nimmt das Justizprüfungsamt ab, den Schwerpunkt deine Fakultät. Wie beide Teile in den Studienverlauf passen, zeigt der Überblick zu Aufbau und Ablauf des Jurastudiums. Übrigens heißt das Ganze an manchen Unis Schwerpunktbereichsstudium, an anderen Schwerpunktstudium; gemeint ist dasselbe.
Rechtsgrundlage: § 5a und § 5d DRiG
Das Deutsche Richtergesetz gibt den Rahmen vor. Nach § 5a DRiG Abs. 2 S. 1 sind Gegenstand des Studiums „Pflichtfächer und Schwerpunktbereiche mit Wahlmöglichkeiten“. Welchen Zweck der Schwerpunkt hat, steht zwei Sätze später:
§ 5a Abs. 2 S. 4 DRiG
„Die Schwerpunktbereiche dienen der Ergänzung des Studiums, der Vertiefung der mit ihnen zusammenhängenden Pflichtfächer sowie der Vermittlung interdisziplinärer und internationaler Bezüge des Rechts.“
Mehr sagt das Bundesrecht zum Inhalt nicht. Der Rest ist Ländersache: „Das Nähere regelt das Landesrecht“, heißt es in § 5a Abs. 4 DRiG. Die Länder setzen den Rahmen in ihren Juristenausbildungsgesetzen, zum Beispiel im JAG NRW. Die Fakultäten füllen ihn in ihren Studien- und Prüfungsordnungen aus. Eine Vorgabe macht der Bund aber doch: In der Schwerpunktbereichsprüfung ist nach § 5d Abs. 2 S. 2 DRiG „mindestens eine schriftliche Leistung zu erbringen“.
30 Prozent der Gesamtnote der ersten juristischen Prüfung
Das Zeugnis über die erste Prüfung weist beide Ergebnisse getrennt aus und zusätzlich eine Gesamtnote. In diese fließt nach § 5d Abs. 2 S. 4 DRiG die staatliche Pflichtfachprüfung mit 70 Prozent und die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung mit 30 Prozent ein. Das ist Bundesrecht und gilt in jedem Land gleich. Kein Land kann den Schwerpunkt stärker oder schwächer gewichten.

Erteilt wird das Zeugnis in dem Land, in dem du die staatliche Pflichtfachprüfung bestanden hast. Weil beide Einzelnoten auf dem Zeugnis stehen, sieht jeder Leser, wie deine Gesamtnote zustande kam.
Schwerpunktstudium an der Universität: Anmeldung, Ablauf und Inhalt
Das Schwerpunktstudium besteht aus Lehrveranstaltungen im gewählten Bereich und der anschließenden Prüfung. Umfang, Reihenfolge und Prüfungsform legt deine Fakultät fest. In Passau etwa umfasst ein Schwerpunktbereich 12 bis 14 Semesterwochenstunden (SWS), verteilt auf zwei Semester. Andere Unis rechnen anders, deshalb ist die Prüfungsordnung deine wichtigste Quelle.
Anmeldung zum Schwerpunkt: wann und wie?
Die Anmeldefristen werden vom Prüfungsamt deiner Fakultät bekannt gegeben. Teils gibt es getrennte Fristen, eine für die Wahl des Schwerpunktbereichs und weitere für die einzelnen Prüfungsleistungen wie Seminararbeit oder Klausur. Eine verpasste Anmeldung kann dich ein ganzes Semester kosten.
Drei Dinge solltest du deshalb früh beachten. Startet dein Wunsch-Schwerpunkt im Wintersemester, im Sommersemester oder in beiden? Beginnt er nur zum Sommersemester und du verpasst den Termin, wartest du ein Jahr. Welche Scheine oder Bescheinigungen brauchst du für die Zulassung? Und bis wann musst du dich für das Seminar eintragen? Alle Informationen finden sich auf den Seiten der jeweiligen Fakultät, meist unter Schwerpunktbereiche oder Prüfungsamt.
Seminararbeit, Klausur und mündliche Prüfung
Das DRiG verlangt nur eine schriftliche Leistung. Was die Fakultäten daraus machen, unterscheidet sich stark, wie drei Beispiele zeigen:
| Universität | Prüfungsleistungen im Schwerpunkt |
|---|---|
| Bonn | drei Klausuren zu Vorlesungen des Schwerpunktbereichs und ein Seminar |
| Hamburg | Schwerpunktarbeit (vier Wochen, höchstens 50.000 Zeichen), eine fünfstündige Klausur und eine mündliche Gruppenprüfung |
| Passau | Seminararbeit und mündliche Prüfung, keine Klausur |
Die Seminararbeit verlangt mehr als eine Hausarbeit: ein eigenes Thema, eigene Literaturrecherche und oft zusätzlich einen Vortrag, wie in Bonn. Wie du sie aufbaust, erklärt der Leitfaden zur Seminararbeit in Jura. Steht am Ende eine mündliche Prüfung an, hilft dir der Beitrag zur mündlichen Prüfung in Jura, auch wenn er auf das Staatsexamen zielt.

Für deine Wahl heißt das: Schau dir die Prüfungsform genauso genau an wie das Rechtsgebiet. Schreibst du lieber in Ruhe als unter Zeitdruck, liegt dir eine Seminararbeit eher als drei Klausuren.
Schwerpunkt vor oder nach dem Staatsexamen?
Die Reihenfolge ist in fast allen Ländern frei. Laut Ausbildungsstatistik des Bundesamts für Justiz setzt die Zulassung zur staatlichen Pflichtfachprüfung das Bestehen des Schwerpunkts nicht voraus. Du kannst sie vor, während oder nach der Schwerpunktbereichsprüfung ablegen. Eine Ausnahme macht Hamburg.
Liegt der Schwerpunkt vor der Examensvorbereitung, läuft das Repetitorium danach ungestört. Achte dabei auf die Fristen für den Freischuss: Das Schwerpunktstudium kostet Semester, die dir am Ende für den Freiversuch fehlen können. Manche Fakultäten erlauben außerdem, die Schwerpunktbereichsprüfung zur Notenverbesserung zu wiederholen, die Uni Gießen etwa unter den Voraussetzungen des Freiversuchs.
In Hamburg und Hessen zählt die Schwerpunktarbeit inzwischen zusätzlich für einen integrierten Bachelor. Willst du ihn mitnehmen, lies die Anforderungen vor der Anmeldung zum Schwerpunkt. Sie stehen in der Prüfungsordnung.
Welche Schwerpunktbereiche gibt es?
Jede Fakultät stellt ihr eigenes Angebot zusammen. Heidelberg und Bonn bieten je zwölf Schwerpunktbereiche an, Passau 26. Zwischen den Schwerpunktbereichen verschiedener Unis ähneln sich die Themenfelder trotzdem, nur Namen und Zuschnitte unterscheiden sich.
Typische Schwerpunkte im Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichen Recht
Im Zivilrecht und Wirtschaftsrecht findest du Schwerpunkte wie Zivilverfahrensrecht und Streitbeilegung, Familien- und Erbrecht, Unternehmensrecht mit Gesellschaftsrecht und Kapitalmarktrecht, Arbeitsrecht sowie Insolvenzrecht. Das Steuerrecht steht in Heidelberg als eigener Bereich, in Bonn ist es mit Unternehmen und Bilanzen kombiniert. Bonn verbindet außerdem Wirtschaftsrecht mit Wettbewerbs- und Datenrecht, Heidelberg bietet den Bereich „Europäisches Wirtschaftsrecht und digitaler Binnenmarkt“ an.
Das Strafrecht bündeln Heidelberg und Bonn unter dem Namen Kriminalwissenschaften, dem Sammelbegriff für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie; an manchen Unis gehört auch Wirtschaftsstrafrecht dazu. Im öffentlichen Recht reicht das Angebot vom deutschen und europäischen Verwaltungsrecht über Verfassungsrecht bis zum Völkerrecht. Dazu kommen internationale Schwerpunkte mit Internationalem Privatrecht und Europarecht und die Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte.
So heißen die Schwerpunkte an vier Universitäten
Zivilverfahrensrecht und Steuerrecht verstecken sich oft hinter anderen Namen. Ein genauer Blick ins Modulhandbuch lohnt sich. Die folgende Übersicht zeigt, unter welchem Namen die beiden Bereiche an vier Fakultäten laufen:
| Uni | Zivilverfahrensrecht | Steuerrecht |
|---|---|---|
| Bonn | Streitbeilegung in Zivil- und Handelssachen | Unternehmen, Steuern und Bilanzen |
| Heidelberg | kein eigener Bereich; nah dran: Insolvenz- und Sanierungsrecht | Steuerrecht |
| Kiel | Zivilrechtspflege mit Ausrichtung auf Zivilverfahrensrecht | Wirtschaftsrecht mit Ausrichtung auf Steuerrecht |
| Passau | Zivilprozess- und Insolvenzrecht | Finanz- und Steuerrecht |
Such im Modulhandbuch deiner Uni also nach Stichworten wie „Zivilrechtspflege“, „Streitbeilegung“ oder „Zivilprozess“ für das Verfahrensrecht und nach „Steuern“ oder „Finanz“ für das Steuerrecht. Wie das Angebot an einer einzelnen Fakultät aussieht, zeigt zum Beispiel der Ortsführer zur Uni Bonn.
Tipp
Plane den Pflichtstoff fürs Examen neben dem Schwerpunkt mit ein, damit er nicht liegen bleibt. Die 34 kostenlosen Lernpläne von jurahilfe.de gibt es als PDF für jede Studienphase und für die einzelnen Rechtsgebiete.
Welcher Schwerpunkt ist der beste? Meine Empfehlung
Ich empfehle Zivilverfahrensrecht oder Steuerrecht. Zivilverfahrensrecht, weil das Zivilrecht im zweiten Staatsexamen die Hälfte der Klausuren stellt und jede davon prozessuales Handwerk verlangt. Steuerrecht, weil es im Pflichtstoff fehlt, dir im Berufsleben aber ständig begegnet. Beide Schwerpunkte nützen dir damit über das erste Examen hinaus.
Das heißt nicht, dass jede andere Wahl falsch ist. Weißt du schon, dass du Strafverteidiger werden oder im Völkerrecht arbeiten willst, fährst du mit dem passenden Spezialgebiet gut. Für alle, die noch offen sind, bringen die beiden Empfehlungen aber den größten Nutzen.
Zivilverfahrensrecht: Vorsprung fürs zweite Examen
Aber wie groß ist der Anteil des Zivilrechts im zweiten Examen wirklich? Ein Blick in die Prüfungsordnungen der vier großen Länder zeigt es:
| Land | Klausuren | Zivilrecht | Grundlage |
|---|---|---|---|
| NRW | 8 | 4 | § 51 JAG NRW |
| Bayern | 9 | 4 | § 62 JAPO |
| Baden-Württemberg | 8 | 4 | § 55 JAPrO |
| Niedersachsen | 8 | 4 | § 37 NJAVO |
In drei der vier Länder ist also jede zweite Klausur zivilrechtlich, in Bayern vier von neun. In diesen Klausuren schreibst du ein Urteil, einen Anwaltsschriftsatz oder eine Entscheidung in der Zwangsvollstreckung. NRW etwa verlangt ausdrücklich Aufgaben aus dem Erkenntnis- und dem Vollstreckungsverfahren. Ohne sichere Kenntnisse im Zivilprozessrecht kommst du dort nicht weit. Zulässigkeit, Tenor, Kostenentscheidung und vorläufige Vollstreckbarkeit gehören in jedes Urteil. Bei streitigen Tatsachen kommt die Beweiswürdigung dazu.

Zum Pflichtstoff des ersten Examens gehört das Zivilprozessrecht zwar auch, in NRW etwa das Verfahren im ersten Rechtszug und die Grundzüge der Zwangsvollstreckung (§ 11 Abs. 2 Nr. 5 JAG NRW). Im Schwerpunkt Zivilverfahrensrecht gehst du aber deutlich tiefer, von der Rechtshängigkeit über die freie Beweiswürdigung nach § 286 ZPO bis zur Zwangsvollstreckung. Im Referendariat startest du damit mit einem echten Vorsprung, statt die ZPO neben der Stationsarbeit von Grund auf zu lernen.
Welches der beiden Examen am Ende schwerer wiegt, klärt der Vergleich erstes oder zweites Staatsexamen.
Steuerrecht: das unterschätzte Rechtsgebiet
Steuerrecht gehört nicht zu den Pflichtfächern der staatlichen Prüfung. § 11 Abs. 2 JAG NRW zum Beispiel zählt die Pflichtfächer einzeln auf, Steuerrecht ist nicht dabei. Ohne passenden Schwerpunkt kann es dir passieren, dass du im ganzen Studium keine Steuerrechtsvorlesung besuchst.
Dabei hat fast jede juristische Gestaltung eine steuerliche Seite. Ob Erbfall, Unternehmenskauf, Abfindung im Arbeitsrecht oder Scheidungsfolgenvereinbarung: Irgendwann fragt der Mandant, was davon beim Finanzamt ankommt. Mit Steuern hat später praktisch jeder zu tun, mit Strafrecht die wenigsten. Das ist der Kern meiner Empfehlung.

Auch im zweiten Examen kann sich das Wissen auszahlen. In Bayern muss nach § 62 JAPO mindestens eine der drei öffentlich-rechtlichen Klausuren Steuerrecht enthalten. Und beruflich öffnet der Schwerpunkt mehrere Türen:
- Fachanwalt für Steuerrecht: Zum 1. Januar 2026 zählte die Bundesrechtsanwaltskammer 4.584 von ihnen. Wie der Weg dorthin aussieht, erklärt der Beitrag zum Fachanwalt.
- Steuerberater: Nach § 36 StBerG wirst du mit abgeschlossenem Jurastudium nach zwei Jahren praktischer Tätigkeit zur Steuerberaterprüfung zugelassen, wenn diese Tätigkeit mindestens 16 Wochenstunden Steuerrecht umfasst.
- Wahlstation im Referendariat, etwa beim Finanzamt.
Und Strafrecht?
Strafrecht ist für viele das spannendste Rechtsgebiet im Studium, und die Kriminalwissenschaften sind entsprechend ein naheliegender Schwerpunkt. Ich rate trotzdem nur dann dazu, wenn du wirklich in die Strafjustiz oder die Strafverteidigung willst. Für diesen Weg ist der Schwerpunkt ideal; mehr dazu in den Beiträgen zum Strafverteidiger und zum Staatsanwalt.
Für alle anderen gilt: Strafrecht lernst du ohnehin für beide Examen. Im zweiten Examen stellt es in NRW, Bayern und Baden-Württemberg zwei Klausuren. Der Schwerpunkt vertieft also Pflichtstoff. Im zweiten Examen hilft er dir damit in zwei Klausuren. Zivilverfahrensrecht hilft dir in vier.
In der folgenden Übersicht stehen die gängigen Schwerpunkte nebeneinander:
| Schwerpunkt | Nutzen im 2. Examen | Passt, wenn du … |
|---|---|---|
| Zivilverfahrensrecht | hoch: vier Zivilrechtsklausuren | noch offen bist oder in die Justiz willst |
| Steuerrecht | gering, in Bayern eine Klausur | beraten willst, in Kanzlei oder als Steuerberater |
| Arbeitsrecht | mittel: in Bayern mindestens eine Zivilrechtsklausur mit Arbeitsrecht | Arbeitnehmer oder Unternehmen vertreten willst |
| Unternehmensrecht | gering | in eine Wirtschaftskanzlei oder ein Unternehmen willst |
| Kriminalwissenschaften | mittel: bis zu zwei Strafrechtsklausuren | Strafverteidiger, Staatsanwalt oder Strafrichter werden willst |
| Öffentliches Recht | mittel: zwei bis drei Klausuren | in die Verwaltung oder in eine Behörde willst |
| Internationales Recht | gering | im Ausland oder in internationalen Organisationen arbeiten willst |
| Grundlagen des Rechts | gering | wissenschaftlich arbeiten oder promovieren willst |
Noten im Schwerpunkt: Was die Statistik zeigt
Der Schwerpunkt wird deutlich besser benotet als der staatliche Teil. Laut Ausbildungsstatistik des Bundesamts für Justiz erreichten 2024 im Schwerpunkt 65,1 Prozent der Geprüften mindestens „vollbefriedigend“, in der staatlichen Pflichtfachprüfung 19,5 Prozent. Durchgefallen sind im Schwerpunkt 3,5 Prozent, im staatlichen Teil 27,4 Prozent.
Schwerpunktbereichsprüfung und Pflichtfachprüfung im Vergleich
Die Tabelle zeigt die Notenverteilung beider Prüfungsteile für 2024, jeweils bezogen auf alle Geprüften. Im Schwerpunkt waren das 9.015 Kandidatinnen und Kandidaten, in der staatlichen Pflichtfachprüfung 13.427.
| Note | Schwerpunkt | Staatlicher Teil |
|---|---|---|
| sehr gut | 7,6 % | 0,3 % |
| gut | 24,2 % | 3,8 % |
| vollbefriedigend | 33,3 % | 15,4 % |
| befriedigend | 22,9 % | 29,3 % |
| ausreichend | 8,5 % | 23,7 % |
| nicht bestanden | 3,5 % | 27,4 % |
Quelle: Bundesamt für Justiz, Ausbildungsstatistik 2024.

Für die Gesamtnote der ersten Prüfung ergibt sich daraus ein Mittelweg: 36,7 Prozent der erfolgreichen Kandidaten schlossen 2024 mit mindestens „vollbefriedigend“ ab. Im Schnitt hebt der Schwerpunkt die Gesamtnote damit an. Pro Punkt wiegt der staatliche Teil trotzdem mehr als doppelt so schwer. Warum „vollbefriedigend“ die entscheidende Schwelle ist, erklärt der Beitrag zum Prädikatsexamen.
So rechnest du deine Gesamtnote
Die Formel ist einfach: 0,7 mal Punkte im staatlichen Teil plus 0,3 mal Punkte im Schwerpunkt. Gerundet wird dabei nicht. Nach § 2 der Verordnung über die Noten- und Punkteskala wird die Gesamtnote auf zwei Dezimalstellen genau berechnet. Ab 9,00 Punkten lautet sie „vollbefriedigend“.
Stell dir vor, du schreibst im staatlichen Teil 7,00 Punkte und im Schwerpunkt 12,00. Dann ergibt sich 4,90 plus 3,60, also 8,50 Punkte: „befriedigend“. Mit 8,00 Punkten im staatlichen Teil und 12,50 im Schwerpunkt landest du bei 5,60 plus 3,75 gleich 9,35 Punkten und damit im Prädikat.
Das Beispiel zeigt auch die Grenze. Ein Punkt mehr im staatlichen Teil bringt 0,7 Punkte Gesamtnote, ein Punkt mehr im Schwerpunkt nur 0,3. Der Schwerpunkt kann eine gute Note veredeln, eine schwache staatliche Prüfung aber nicht ausgleichen. Alle Notenstufen findest du in der Übersicht zur Notenskala in Jura.
Schwerpunkt wählen: Kriterien für deine Entscheidung
Neben meiner Empfehlung zählen vier Dinge: dein Interesse, die Prüfungsform, der Lehrstuhl und dein Berufsziel. Wie du sie gewichtest, hängt davon ab, wie klar dein Berufsziel schon ist.
Interesse, Prüfungsform und Lehrstuhl
Du verbringst mehrere Semester mit deinem Schwerpunkt und schreibst meist eine längere Arbeit darin. Ohne echtes Interesse wird das zäh. Besuch deshalb vor der Wahl eine Vorlesung aus dem Bereich oder lies eine Seminarliste durch: Welche Themen reizen dich?

Die Prüfungsform hast du oben schon gesehen, sie unterscheidet sich von Uni zu Uni stark. Dazu kommt der Lehrstuhl. Frag die Studierenden höherer Semester oder die Fachschaft, wie die Betreuung im Seminar läuft und ob es eine Notenstatistik je Schwerpunkt gibt. Planst du ein Auslandssemester, stimm es früh mit dem Schwerpunkt ab, denn nicht jede Leistung aus dem Ausland wird angerechnet. Mehr dazu im Beitrag zum Auslandssemester in Jura.
Berufsziel und juristische Karriere
Weißt du schon, wohin es gehen soll, gibt das Berufsziel oft den Ausschlag. Für die Justiz und für Prozessanwälte liegt Zivilverfahrensrecht nahe. Wirtschaftskanzleien arbeiten viel mit Gesellschaftsrecht, Kapitalmarktrecht und Steuern; einen Eindruck davon bekommst du bei einem Praktikum in der Großkanzlei. Interessierst du dich schon früh fürs Wirtschaftsrecht, findest du einen Vergleich im Beitrag zum Wirtschaftsrecht-Studium.
Überbewerten solltest du die Wahl aber nicht. Der Schwerpunkt legt dich beruflich nicht fest. Einen Fachanwaltstitel erwirbst du ohnehin erst nach dem Studium. Wie der Arbeitsmarkt für Juristen insgesamt aussieht, zeigt der Überblick zu den Berufsaussichten in Jura.
Fazit: Schwerpunkt mit Blick aufs zweite Examen wählen
Der Schwerpunktbereich zählt 30 Prozent der Gesamtnote. Im Schnitt wird er deutlich besser bewertet als der staatliche Teil. Welches Rechtsgebiet du wählst, entscheidet trotzdem nicht nur über diese 30 Prozent. Zivilverfahrensrecht verschafft dir einen Vorsprung für die Hälfte der Klausuren im zweiten Examen. Steuerrecht schließt eine Lücke, die das Pflichtstudium offen lässt, und begegnet dir später fast überall.
Klär vor der Anmeldung Prüfungsform, Fristen und Freischuss-Planung, dann steht der Wahl nichts im Weg. Und damit der Pflichtstoff währenddessen nicht verblasst, kannst du ihn nebenbei mit den Karteikarten auf Jurahilfe.de wiederholen.
Weiterlesen
- Examensvorbereitung in Jura: Wie lange brauchst du wirklich?: Hilft dir, den Schwerpunkt zeitlich vor oder neben die Examensvorbereitung zu legen.
- Jura Noten verbessern: Was du tun kannst, wenn der staatliche Teil hinter dem Schwerpunkt zurückbleibt.
- Was kann man mit dem ersten Staatsexamen machen?: Welche Wege dir schon nach der ersten Prüfung offen stehen.
- Jurastudium Erfahrungen: Was Absolventen im Rückblick anders machen würden.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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