Zwei von drei Jura-Absolventen würden das Studium in seiner jetzigen Form niemandem empfehlen. Bei einer Sache sind sie sich trotzdem einig. Die sechste bundesweite Absolvent:innenbefragung des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften hat 1.835 Menschen nach dem Examen gefragt, was sie am Jurastudium ändern würden. Am Ende durften alle in ein Freifeld schreiben, welche Tipps sie fürs Jurastudium geben würden. Ganz oben steht dort: früh und kontinuierlich lernen, mit Klausurpraxis statt Auswendiglernen von Streitständen. Und sie haben danach gehandelt. Gefragt, womit sie sich aufs Examen vorbereitet haben, nannten 70,64 Prozent den regelmäßigen Besuch des universitären Klausurenkurses. Das sind rund 1.300 Befragte. Häufiger als das kommerzielle Repetitorium.
Diese Erfahrungen im Jura Studium bekommst du sonst nur in Bruchstücken, verteilt auf Foren, Reddit und einzelne Erfahrungsberichte. Hier stehen sie als Zahlen, mit dem, was daraus für dein eigenes Studium folgt.
Auf einen Blick:
- 66,27 Prozent der Befragten würden das Jurastudium nicht weiterempfehlen. 2022 waren es 43,93 Prozent, der Wert ist in zwei Jahren um über 20 Prozentpunkte gestiegen.
- Der meistgenannte Rat im Freitextfeld: früh und kontinuierlich lernen, mit Klausurpraxis statt Auswendiglernen.
- Meistgewählte Vorbereitungsform: der regelmäßige Uni-Klausurenkurs mit 70,64 Prozent, vor dem kommerziellen Repetitorium mit 66,50 Prozent.
- 43,76 Prozent würden trotzdem noch einmal Jura studieren.
- Drei Viertel wollen, dass das Studium von Anfang an stärker auf die Examensklausuren ausgerichtet wird.
- Den Freischuss nutzen 93,61 Prozent der Berechtigten, den Verbesserungsversuch danach nur 23,90 Prozent.
- Nur 25 Prozent waren im Ausland. Von denen, die es gemacht haben, empfehlen es 94,68 Prozent weiter.
Tipp
Der häufigste Rat der Absolventen läuft auf frühes Üben am Fall hinaus. Dafür gibt es auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen: erst verstehen, dann abrufen, dann am Sachverhalt testen.
Jurastudium Erfahrungen: Was 1.835 Absolventen nach dem Examen sagen
Die Befragung ist die einzige größere Erhebung, die Jurastudierende nach dem Examen systematisch nach ihrem Rückblick fragt. Sie ist keine Stimmungsumfrage unter Studienanfängern. Die Teilnehmenden hatten die Aufsichtsarbeiten hinter sich. Sie wussten, wovon sie sprechen. Andere Erhebungen befragen fertige Juristen im Beruf, da liegt das Studium schon Jahre zurück.
Woher die Zahlen stammen
Der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften vertritt rund 120.000 Jurastudierende und befragt seit 2014 regelmäßig Absolventen der ersten juristischen Prüfung. Die sechste Runde lief vom 29. Februar bis zum 30. September 2024 und wurde im Oktober 2025 veröffentlicht. Teilnehmen durfte, wer seit dem 1. Januar 2022 die Examensklausuren geschrieben hatte, unabhängig vom Ergebnis. 1.835 Personen machten mit, rund 150 Fragen lang. Das Thema war dabei nicht auf die Prüfungen beschränkt: Gefragt wurde vom Beginn des Studiums über den Schwerpunktbereich bis zum Referendariat.
82,02 Prozent von ihnen hatten die staatliche Pflichtfachprüfung bestanden, 5,23 Prozent waren durchgefallen und planten einen zweiten Anlauf, 1,31 Prozent endgültig gescheitert. Das Durchschnittsalter lag bei 25,91 Jahren. Der Verband weist selbst darauf hin, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sind: Bei einer Online-Befragung wählen sich die Teilnehmenden selbst aus. Stark Unzufriedene antworten erfahrungsgemäß häufiger. Die Größenordnungen sind trotzdem aussagekräftig, weil sich dieselben Fragen über sechs Erhebungen hinweg vergleichen lassen.
Die Eckdaten der Erhebung auf einen Blick:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Teilnehmende | 1.835 |
| Befragungszeitraum | Februar bis September 2024 |
| Pflichtfachprüfung bestanden | 82,02 Prozent |
| Würden das Studium nicht weiterempfehlen | 66,27 Prozent |
| Würden wieder Jura studieren | 43,76 Prozent |
| Prüfungsdruck 9,5 bis 10 von 10 | 66,02 Prozent |
| Examensvorbereitung im Schnitt | 16,37 Monate |
| Uni-Klausurenkurs regelmäßig besucht | 70,64 Prozent |
Zwei Drittel würden das Jurastudium nicht weiterempfehlen
66,27 Prozent der Befragten würden das Jurastudium in seiner jetzigen Form nicht weiterempfehlen. Davon 41,31 Prozent „eher nicht“, 24,96 Prozent „gar nicht“. Nur 5,12 Prozent sprechen eine uneingeschränkte Empfehlung aus.
Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit. 2022 lag die Ablehnung noch bei 43,93 Prozent, zwei Jahre später bei 66,27 Prozent. Ein Sprung von über 20 Prozentpunkten zwischen zwei Erhebungen ist in solchen Reihen selten.
Die Begründungen in den offenen Antworten sind erstaunlich einheitlich. Genannt werden der psychische Druck und die Prüfungsstruktur. Dazu der Umstand, dass es nach durchschnittlich elf Semestern gar keinen Abschluss gibt, wenn die Prüfung nicht klappt. 66,02 Prozent bewerteten den Prüfungsdruck auf einer Skala von eins bis zehn mit 9,5 bis 10, weitere 16,37 Prozent mit 8,5 bis 9,4. Außerdem taucht in den Freitexten immer wieder derselbe Reformwunsch auf: kleinere, gestaffelte Prüfungen statt einer einzigen Entscheidung am Ende. Das Fach selbst kommt in denselben Antworten gut weg: Logik, Systematik und die intellektuelle Herausforderung werden ausdrücklich gelobt. Die Kritik richtet sich auf den Aufbau der Ausbildung.

Warum trotzdem 43,76 Prozent noch einmal Jura studieren würden
Auf die direkte Frage, ob sie sich noch einmal für Jura entscheiden würden, sagen 43,76 Prozent ja. 29,16 Prozent sagen nein, 26,81 Prozent wissen es nicht. Aus der Weiterempfehlungs-Zahl allein hätte man das nicht geschlossen.
Der Unterschied zwischen beiden Fragen ist aufschlussreich. Niemandem einen Studiengang zu empfehlen, dessen Prüfungssystem man für kaputt hält, ist etwas anderes, als die eigene Entscheidung zu bereuen. Viele Befragte schreiben sinngemäß, sie würden es wieder tun, aber unter anderen Rahmenbedingungen. Übrigens taucht in den Antworten auch das Gegenteil von Reue auf: Ein Teil beschreibt gerade die Härte des Studiums als persönliche Reifung.
Für dich heißt das: Nimm die 66 Prozent ernst, aber lies sie richtig. Sie sind kein Urteil über das Fach und keine Prognose für dein Studium. Sie sind eine Sammelbeschwerde über ein Prüfungssystem, das du nicht ändern kannst, und über Rahmenbedingungen, an denen du sehr wohl etwas ändern kannst.
Tipp
Wenn dich die Zahlen zum Druck beschäftigen: Es hilft, den Stoff in kleine, abschließbare Einheiten zu zerlegen, statt vor dem ganzen Berg zu stehen. Auf jurahilfe.de sind die Lernpfade so geschnitten, dass eine Einheit in eine kurze Session passt.
Wie jurahilfe.de dir zu einem erfolgreichen Jurastudium hilft
Zwei der Befunde von oben lassen sich mit einem Lernsystem angehen. Das fehlende Systemverständnis, das die meisten Befragten erst beim Repetitor aufgebaut haben. Und die Lücke zwischen Lesen und Abrufen, die in der Klausur zuerst auffällt. Beides ist der Ausgangspunkt von jurahilfe.de.
Systemverständnis von Anfang an
Der Stoff liegt auf jurahilfe.de vernetzt vor. Definitionen, Streitstände und Begleitwissen holst du dir per Klick direkt im Text, ohne in mehreren Büchern zu blättern, und siehst beim Lesen, an welcher Stelle im Aufbau ein Problem auftaucht. Jedes Thema gibt es in zwei Fassungen. Kompakt zum schnellen Wiederholen vor der Klausur. Ausführlich, wenn du es von Grund auf verstehen willst. Über 2.200 Lernelemente decken den Pflichtstoff vom ersten Semester bis zum Examen ab, modular aufgebaut und untereinander verlinkt, damit du dasselbe nicht zweimal lernst.
Vom Lesen zum aktiven Abrufen
Der Testeffekt aus dem vorigen Abschnitt ist im System eingebaut. Zu jedem gelesenen Thema gehören Karteikarten in einem Wiederholungssystem, das den Abstand zwischen zwei Durchgängen nach deinem Stand taktet. Über 7.000 Karten stehen bereit. Wo eine Lücke ist, merkst du es beim Abrufen und nicht erst am Klausurtag.
Am Fall testen, bevor es die Klausur tut
Die dritte Stufe sind Multiple-Choice-Aufgaben mit kleinen Sachverhalten. Sie trainieren, Signalwörter im Sachverhalt zu erkennen und zu entscheiden, welche Anspruchsgrundlage überhaupt in Betracht kommt. Die falschen Antwortoptionen bilden Denkfehler ab, die in echten Klausuren passieren; jede Erläuterung sagt dir, warum eine Antwort daneben liegt. Am Ende eines Lernpfads steht ein Abschlusstest mit Note, die sich durch Wiederholen verbessern lässt.
Was die Plattform nicht abnimmt
Die fünfstündige Klausur schreibt dir niemand ab. Und die Rückmeldung eines Korrektors ersetzt kein Lernsystem. Der Uni-Klausurenkurs bleibt der wichtigste Baustein, und das ist ja auch der Rat, den die Absolventen selbst geben. Was ein Lernsystem leisten kann, ist der Unterbau: dass du mit geordnetem Stoff in die Klausur gehst und nicht mit einer Sammlung von Einzelwissen.
Ausprobieren kostet nichts. Der gesamte Allgemeine Teil des BGB ist dauerhaft und ohne Zeitlimit kostenlos nutzbar, mit Skripten, Karteikarten, Multiple-Choice-Aufgaben und Abschlusstest.
Tipp
Ob das zu deinem Lerntyp passt, merkst du am schnellsten an einem ganzen Lernpfad: den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos lernen, ohne Zahlung und ohne Zeitlimit.
Was Absolventen raten: früher und regelmäßiger Klausuren schreiben
Zum Schluss der Befragung gab es ein Freifeld mit der Frage, welche Tipps man fürs Jurastudium geben würde. Der Abschlussbericht fasst die Antworten qualitativ zusammen, ohne Prozentzahlen. An erster Stelle steht dort, früh und kontinuierlich zu lernen und Klausurpraxis sowie juristische Methodik höher zu gewichten als das Auswendiglernen von Streitständen. Gleich danach kommen zwei Punkte, die man in Ratgebern selten so deutlich liest. Die psychische Gesundheit ernst nehmen. Und die Lernmethode wählen, die zum eigenen Typ passt, statt der, die alle anderen benutzen.
Warum 70,64 Prozent in den Uni-Klausurenkurs gingen
Neben dem Freitext-Rat steht eine harte Zahl aus derselben Erhebung. Gefragt, womit sie sich auf die staatliche Pflichtfachprüfung vorbereitet haben, nannten 70,64 Prozent den regelmäßigen Besuch des universitären Klausurenkurses. Das sind rund 1.300 von 1.835 Absolventen und damit mehr als beim kommerziellen Repetitorium, das 66,50 Prozent regelmäßig besuchten. Der meistgegebene Rat und die meistgewählte Vorbereitungsform zeigen also in dieselbe Richtung.
Das ist deshalb erstaunlich, weil der Klausurenkurs die unbequemste Empfehlung ist, die man geben kann. Ein Skript kann man abends im Bett lesen. Eine fünfstündige Klausur muss man schreiben, abgeben und benotet zurückbekommen. Deshalb schieben ihn viele auf, bis die Examensvorbereitung beginnt.
Dazu passt eine zweite Zahl aus derselben Erhebung: Online-Klausurenkurse gehören mit 42,18 Prozent zu den meistgenutzten digitalen Angeboten der Universitäten, direkt hinter Vorlesungsaufzeichnungen und Lernmaterialien. Die Nachfrage ist also da, sobald die Hürde sinkt.

Was regelmäßiges Klausurentraining wirklich bringt
Der Effekt hat einen Namen. In der Lernforschung heißt er Testeffekt: Aktives Abrufen schlägt erneutes Lesen, und zwar messbar. Henry Roediger und Jeffrey Karpicke zeigten das 2006 in Psychological Science. Nach einer Woche behielt die Testgruppe 56 Prozent des Stoffs. Die Gruppe, die denselben Text nur wiederholt gelesen hatte, kam auf 42 Prozent. Eine Klausur ist nichts anderes als ein sehr langer, sehr unbequemer Abruftest.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der spezifisch juristisch ist. Eine Klausur prüft zweierlei. Dein Wissen. Und deine Fähigkeit, in fünf Stunden unter Zeitdruck zu entscheiden, was wegbleibt. Diese Fähigkeit lässt sich nicht lesen, nur üben. Trainierst du sie erst in der Examensvorbereitung, verlierst du die ersten Monate. Im Grundstudium wäre dasselbe billiger zu haben gewesen.
Die Absolventen selbst beschreiben das drastischer. Eine Absolventin fasst es in ihrem Rückblick so zusammen: mehr Probeklausuren, bessere Examensnoten. Jura sei zu einem großen Teil Fleißarbeit. Belegt ist das nicht, es bleibt eine Einzelbeobachtung. Sie deckt sich aber mit dem, was 1.300 Befragte angekreuzt haben.
Wie du schon im Grundstudium damit anfängst
Der Klausurenkurs deiner Fakultät ist der offensichtliche Weg, und er kostet nichts. Wenn er erst im Hauptstudium beginnt, gibt es drei kleinere Einstiege, die schon in den ersten vier Semestern funktionieren.
Am einfachsten sind Altklausuren mit Lösungen. Sie liegen bei vielen Lehrstühlen und Fachschaften offen herum, und du findest zusätzliche Quellen für Jura-Klausuren mit Lösungen auch online. Dazu die Übungsklausuren der Anfängerübungen, die sich als Pflichtscheine abhaken lassen oder eben ernst nehmen. Und wenn beides gerade nicht ansteht: eine kurze Falllösung unter Zeitnahme, zwanzig Minuten für einen kleinen Sachverhalt, handschriftlich. Ein vollwertiger Ersatz ist das nicht. Die Entscheidung unter Zeitdruck trainiert es trotzdem.
Was dabei wirkt, ist die Nachbereitung, nicht das Schreiben allein. Eine korrigierte Klausur, die du nur überfliegst, bringt wenig. Die Klausurtaktik unter Zeitdruck und die typischen Fehler in Jura-Klausuren lernst du erst, wenn du deine eigenen Fehler zweimal ansiehst.

Tipp
Zwischen zwei Klausuren brauchst du Stoff, den du aktiv abrufen kannst. Die Karteikarten im Wiederholungssystem auf jurahilfe.de fragen die Inhalte ab, die du davor gelesen hast, und zeigen dir sofort, wo eine Lücke ist.
Systemverständnis zu spät: was Absolventen am Aufbau ändern würden
Die zweite große Linie der Befragung betrifft den Aufbau des Studiums selbst. Es geht um eine strukturelle Lücke. Du solltest sie kennen, denn füllen musst du sie am Ende selbst.
Drei Viertel wollen das Studium früher aufs Examen ausrichten
Drei Viertel der Befragten wollen das Jurastudium von Anfang an stärker auf das Examen ausrichten. Gemeint sind vor allem dessen Klausuren. Etwa 55 Prozent gehen weiter und wollen das Studium ausdrücklich klausurlastiger, notfalls auf Kosten der Hausarbeiten.
Das ist eine ausbildungspolitische Forderung, und sie ist umstritten. Hausarbeiten trainieren wissenschaftliches Arbeiten. 69,75 Prozent der Befragten nennen es als Kompetenz, die sie im Studium erworben haben. Eine Streichung kostet also auch etwas. Für deine Praxis ist die Zahl trotzdem nützlich: Sie sagt dir, dass die Mehrheit derer, die durch sind, den Schwerpunkt anders gesetzt hätte.
Warum der Repetitor erklärt, was im Studium fehlt
Ein Satz aus der LTO-Auswertung bleibt hängen. Das Studium vermittle kaum Systemverständnis, das hätten die meisten Befragten erst so richtig vom Repetitor gelernt. Im Abschlussbericht selbst steht dieser Punkt in den Freitextantworten, nicht als eigene Quote. Dazu passt, dass 48,23 Prozent angeben, es habe an ihrer Universität nicht genug Veranstaltungen zur juristischen Methodenlehre gegeben. 2022 waren es 40,75 Prozent, der Anteil steigt also.
Aber was ist mit Systemverständnis eigentlich gemeint? Gemeint ist die Fähigkeit, ein unbekanntes Problem in eine bekannte Struktur einzuordnen: Welche Anspruchsgrundlage, welche Ebene, welcher Streit gehört wohin. Detailwissen ist etwas anderes. Mit diesem Gerüst bearbeitest du auch eine Klausur, deren konkretes Problem du noch nie gesehen hast.
Der Punkt für dich ist unangenehm einfach. Die Mehrheit derer, die vor dir fertig geworden sind, hat dieses Verständnis erst im letzten Jahr aufgebaut. Dort liegt deine Chance, früher anzusetzen. Und zwar über die Sortierung des Stoffs, den du ohnehin liest. Mehr Seiten braucht es dafür nicht.
Was du dir selbst früher aufbauen kannst
Dafür reichen ein paar Gewohnheiten, die wenig Zeit kosten. Ein eigenes Ordnungsraster pro Rechtsgebiet, in das jedes neue Problem einsortiert wird, statt einer Sammlung loser Einzelfälle. Nach jedem gelesenen Streitstand notieren, an welcher Stelle im Aufbau er auftaucht. Ein knappes Prüfungsschema pro Anspruchsgrundlage, selbst formuliert und nicht abgetippt.
Ein Repetitor verkauft dieselbe Arbeit später teuer. Der Unterschied ist der Zeitpunkt. Läuft es ab dem dritten Semester nebenbei mit, steht zu Beginn der Examensvorbereitung ein Skelett. Daran hängt sich der Stoff. Wie du den Pflichtstoff dafür sinnvoll eingrenzt, steht ausführlich im Artikel zur Stoffmenge im Jurastudium, und die Reihenfolge der Lernschritte im Überblick zu den Jura-Lernphasen.

Tipp
Systemverständnis entsteht durch Querverweise, nicht durch mehr Seiten. Auf jurahilfe.de sind Definitionen, Streitstände und Begleitwissen per Klick direkt im Text verlinkt, sodass du beim Lesen siehst, wie ein Problem im System hängt.
Rep, Uni-Rep oder allein: Erfahrungen im Jura Studium zur Examensvorbereitung
Bei der Examensvorbereitung liefert die Befragung belastbare Zahlen. Sonst wird diese Frage am Küchentisch entschieden. Die Antwort ist weniger eindeutig, als beide Lager behaupten.
66,50 Prozent besuchen ein kommerzielles Repetitorium
66,50 Prozent der Befragten haben regelmäßig ein kommerzielles Repetitorium besucht. 2022 waren es 68,35 Prozent. Der Rückgang ist klein, aber er setzt einen längeren Trend fort: In den Erhebungen davor lagen die Werte bei rund 74 Prozent (2016) und 72 Prozent (2018).
Erklären lässt sich das mit dem Ausbau der universitären Programme. Eine Bestandsaufnahme in der Zeitschrift Rechtsempirie (Czerny, Steffahn und Schindler, 2024) fand an allen 43 untersuchten Fakultäten einen Klausurenkurs. Einen Hauptkurs gab es an 42. Die einzige Ausnahme ist die FernUniversität in Hagen. Das Uni-Rep gibt es damit flächendeckend. Ob es allein reicht, ist eine andere Frage; die Details stehen im Artikel dazu, ob das Uni-Rep fürs Examen reicht.
Warum 81,64 Prozent der Abbrecher den Druck nennen
Eine Zahl aus einer Nebenfrage sagt am meisten über die Rep-Entscheidung. Von denjenigen, die ihr zuerst gewähltes Repetitorium abgebrochen haben, kommerzielle wie universitäre, nannten 81,64 Prozent als Grund den Druck durch die Repetitoren.
Vier von fünf. Bei dieser Größenordnung liegt Zufall fern. Ein Rep verkauft Struktur, und die hilft, solange das Tempo passt. Bleibt jemand zurück, wird dieselbe Struktur zum Taktgeber, den er nicht mehr einholt. Ich empfehle deshalb, bei der Rep-Entscheidung weniger auf den Ruf des Anbieters zu achten als auf die eigene Reaktion auf Tempo. Blühst du unter Fremdtaktung auf, bist du im Rep richtig. Machst du darunter dicht, zahlst du für etwas, das dich bremst.
Die Alternativen sind dokumentiert: das Repetitorium mit Kosten und Alternativen im Vergleich, und für den Weg ohne kommerziellen Kurs der Artikel zum Examen ohne Repetitorium.
Wie lange die Examensvorbereitung im Schnitt dauert
Die durchschnittliche Vorbereitungszeit lag bei 16,37 Monaten. Die größte Einzelgruppe, 28,23 Prozent, bereitete sich 18 Monate lang vor. 79,07 Prozent waren mit der von ihnen gewählten Form der Vorbereitung zufrieden.
Diese letzte Zahl wird gern überlesen. Vier von fünf sind mit ihrer Vorbereitungsform zufrieden, während zwei Drittel den Studiengang nicht empfehlen. Die Unzufriedenheit richtet sich also auf das Prüfungssystem, kaum auf die Art, wie man sich darauf vorbereitet. Eine einmal passende Form wird in der Regel beibehalten. Wie lange du selbst rechnen solltest, hängt vom Stand ab; die Spannen stehen im Artikel zu der Frage, wie lange die Examensvorbereitung in Jura dauert.

Freischuss und Verbesserungsversuch: die unterschätzten Stellschrauben
Hier liegt die größte Lücke zwischen dem, was möglich ist, und dem, was tatsächlich genutzt wird. Und anders als beim Prüfungssystem kannst du an dieser Stelle selbst entscheiden.
93,61 Prozent der Berechtigten nutzen den Freischuss
Die Freischussregelung nach § 5d DRiG befürworten 86,43 Prozent der Befragten, und 93,61 Prozent der Berechtigten haben sie auch genutzt. Wer den Freiversuch besteht, hat bestanden; wer ihn nicht besteht, hat weiterhin zwei reguläre Versuche.
Kritik gibt es trotzdem, und sie ist berechtigt. Viele Befragte halten die Regelung für sozial ungerecht, weil sie stabile Lebensverhältnisse und eine gesicherte Finanzierung voraussetzt. Neben einem Job ist die Semestergrenze schwerer zu halten. Die Ausgestaltung ist Landesrecht und unterscheidet sich erheblich; der Überblick steht im Artikel zu Freischuss, Freiversuch und Abschichten in den 16 Bundesländern.
Was ein Verbesserungsversuch im Durchschnitt bringt
Die nächste Zahl fällt im Rückblick auf. Nur 23,90 Prozent derjenigen, die den Freiversuch genutzt hatten, sind danach zum Verbesserungsversuch angetreten. 56,34 Prozent verzichteten darauf. Bei denen ohne vorherigen Freischuss verzichteten sogar 68,03 Prozent.
Von denen, die es versucht haben, verbesserten sich 47,45 Prozent. Die durchschnittliche Steigerung lag bei 1,67 Punkten.
Ein Punkt im Examen ist viel. Er kann über den Zugang zur Justiz entscheiden, über die Bewerbungschance in einer Großkanzlei und über die Frage, ob am Ende ein Prädikatsexamen auf dem Zeugnis steht. Eine Entscheidung in Kenntnis dieser Quote ist eine gute Entscheidung, in welche Richtung auch immer. Aus Erschöpfung und ohne die Zahl zu kennen entscheidet man dagegen auf dünner Grundlage.

Wann der zweite Anlauf keinen Sinn ergibt
Die Kehrseite gehört dazu. Gut die Hälfte derer, die antraten, verbesserte sich nicht. Ein Verbesserungsversuch kostet Monate, in denen andere ins Referendariat starten, und die alte Note bleibt in jedem Fall erhalten.
Gegen den zweiten Anlauf spricht vor allem eines: eine erste Prüfung, die an der eigenen Verfassung gescheitert ist. War jemand im Freiversuch krank, erschöpft oder in einer akuten Krise, liegt das Problem nicht bei einer Wissenslücke. Ein zweiter Durchgang löst es nicht. Dann ist der Weg über eine Remonstration oder über Erholung der bessere. Die Notenskala und was die Punkte praktisch bedeuten, steht in der Übersicht zur Jura-Notenskala.
Hinweis
Für einen Verbesserungsversuch kommt es vor allem darauf an, wie schnell du den alten Stoff abrufst. Die Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de trainieren genau das am kleinen Sachverhalt, mit ausführlicher Erläuterung zu jeder Antwortoption.
Ausland, Praktika und Schlüsselqualifikationen: die Tipps neben dem Stoff
Neben Klausuren und Examen gibt es einen dritten Block, bei dem die Absolventen im Rückblick klar Position beziehen. Er kostet wenig und wird oft ganz weggelassen.
Nur 25 Prozent gehen ins Ausland, fast alle empfehlen es
74,55 Prozent der Befragten waren während des Studiums kein einziges Mal im Ausland. Von denen, die es gemacht haben, würden 94,68 Prozent es weiterempfehlen, davon 87,23 Prozent mit „Ja, sehr“. Eine so einseitige Zustimmung ist in dieser Erhebung sonst nirgends zu finden.
Die Gründe für das Nein sind nachvollziehbar: fehlendes Geld, fehlende Anrechnung, die Sorge, das ohnehin lange Studium zu verlängern, und die Befürchtung, in der Zeit Stoff zu verlieren. Aufschlussreich ist, was die Rückkehrer als Gewinn nennen. Vor allem Selbstständigkeit, Sprache und den Abstand zu einem sehr theorielastigen Studium. Das fremde Recht steht dahinter. Am häufigsten dauerte der Aufenthalt sechs Monate, beliebtestes Ziel war Frankreich mit 17,05 Prozent. Wie sich das mit dem Freiversuch verträgt, steht im Artikel zum Jura-Auslandssemester.
Welche Praktika Absolventen für sinnvoll halten
Bei den Praktika ist die Rangfolge eindeutig. 78,31 Prozent halten das Anwaltspraktikum für sinnvoll, 70,19 Prozent das Gerichtspraktikum, 43,76 Prozent das Verwaltungspraktikum und 42,40 Prozent das Praktikum in der Rechtspflege.
Die Begründungen sind aufschlussreicher als die Reihenfolge. Kritisiert wird der geringe Lerngewinn. Zusehen statt mitarbeiten. Gruppenpraktika ohne inhaltliche Tiefe. Termine in der vorlesungsfreien Zeit, die mit Hausarbeiten kollidieren. Mit echter Einbindung fällt das Urteil über dieselbe Station völlig anders aus. Daraus folgt ein praktischer Rat: Frag vor der Zusage, was du konkret machen wirst. Was dich formal erwartet, steht im Überblick zum Praktikum im Jurastudium.

Warum fast ein Viertel keine Schlüsselqualifikation erlernt hat
23,81 Prozent der Befragten geben an, im Studium keine der Schlüsselqualifikationen erlernt zu haben, die § 5a Abs. 3 DRiG ausdrücklich vorsieht. Rhetorik nennen 25,61 Prozent, Mediation 17,55 Prozent, Verhandlungsmanagement 13,02 Prozent, Vernehmungslehre 5,01 Prozent.
Die Erklärung liefert dieselbe Befragung. Die Teilnehmenden bewerten die Kurse überwiegend positiv, 55,75 Prozent waren zufrieden. Viele erfuhren aber kaum von ihnen und entdeckten sie zufällig. Beliebte Kurse sind schnell ausgebucht. Es ist also weniger ein Qualitäts- als ein Sichtbarkeitsproblem, und das kannst du für dich lösen, indem du früh im Semester nachsiehst, statt auf eine Ankündigung zu warten.
Ein zweiter Befund gehört daneben. Gefragt, welche Kompetenzen sie im Studium erworben haben, nennen die Befragten juristische Methodik (77 Prozent), strukturelles Denken (74,77 Prozent) und Selbstdisziplin (72,81 Prozent) ganz oben. Ganz unten stehen Gesprächsführung (18,64 Prozent) und Mediation (9,37 Prozent). Das Jurastudium macht aus dir jemanden, der strukturiert denkt und sich selbst organisiert. Reden, verhandeln und schlichten lernst du woanders. Für Juristen im Beruf ist das eine Lücke, die spätestens im Referendariat auffällt.

Tipp
Wer neben Praktika und Kursen wenig Zeit für den Stoff hat, kommt mit kurzen Einheiten weiter als mit langen Blöcken. Auf jurahilfe.de kannst du den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos lernen, ohne Zeitlimit und ohne Zahlung.
Ist das Jurastudium den Aufwand wert? Meine Einschätzung
Bis hierhin standen Zahlen. Jetzt die Einordnung, und die ist notgedrungen eine Meinung.
Was die Zahlen zum Prüfungsdruck zeigen
Der Prüfungsdruck ist der Kern des Problems, und er ist gemessen. 66,02 Prozent bewerteten ihn mit 9,5 bis 10 von 10. Das ist kein Rauschen, das ist eine Verteilung, die am oberen Anschlag klebt.
Der strukturelle Grund dafür steht in derselben Erhebung: Nach durchschnittlich elf Semestern steht am Ende gar kein Abschluss, wenn die staatliche Pflichtfachprüfung nicht klappt. 85,83 Prozent der Befragten erwarten, dass ein integrierter Bachelor diesen Druck senken würde. Gleichzeitig sagen 91,01 Prozent, sie hätten sich trotzdem genauso aufs Examen vorbereitet. Der Bachelor wirkt also als Sicherheitsnetz, nicht als Ausstieg.
Der Druck kommt nicht daher, dass der Stoff zu schwer wäre, sondern daher, dass zu wenig gesichert ist. Beides fühlt sich beim Lernen gleich an, aber nur eines lässt sich mit mehr Fleiß beantworten.
Meine Erfahrungen aus dem Unterricht mit Examenskandidaten
In meinem Unterricht sehe ich seit Jahren dasselbe Muster, und es deckt sich mit den Zahlen. Zu wenig gelesen hat dabei fast niemand. Meist konnte die Person den Stoff sogar erstaunlich gut wiedergeben und scheiterte trotzdem an der Klausur.
Gefehlt hat meistens dasselbe. Der Stoff lag als Sammlung von Einzelwissen vor, ohne Ordnung dahinter. Es fehlte die Übung darin, unter Zeitdruck zu entscheiden, was wegbleibt. Und es fehlte eine ehrliche Rückmeldung, weil kaum jemand die eigenen Klausuren ein zweites Mal ansieht. Bei den meisten konnte ich das an einer einzigen durchgesprochenen Klausur zeigen. Ein paar Wochen später konnte dieselbe Person denselben Fall klar gliedern, ohne dass sie in der Zwischenzeit ein neues Lehrbuch gelesen hätte.
Deshalb finde ich die 70,64 Prozent so bemerkenswert. Die größte Gruppe hat auf genau die Maßnahme gesetzt, die aus meiner Sicht am zuverlässigsten wirkt, und sie kostet nichts. Wenig elegant finde ich dagegen, wie spät das Studium diese Rückmeldung anbietet. An vielen Fakultäten schreibst du die erste ernsthaft korrigierte Klausur im dritten oder vierten Semester, und danach lange keine mehr.

Was du aus dem Rückblick der Absolventen mitnimmst
Von allem, was in dieser Befragung kritisiert wird, kannst du das meiste nicht ändern. Die verdeckte Zweitkorrektur, den integrierten Bachelor, den Pflichtfachkatalog: das sind ausbildungspolitische Fragen, die dich nichts kosten außer Ärger.
Was du ändern kannst, ist überschaubar. Sortiert nach Wirkung:
- Früher und regelmäßiger unter Klausurbedingungen schreiben, mit ernsthafter Nachbereitung.
- Den Stoff von Anfang an einsortieren, statt Einzelwissen zu sammeln.
- Den Freischuss nutzen, wenn deine Lebensumstände es zulassen.
- Den Verbesserungsversuch bewusst entscheiden und ihn nicht aus Erschöpfung liegen lassen.
- Ein Auslandssemester einplanen, solange es noch geht.
- Dir früh eine Rückmeldung organisieren, die nicht von dir selbst kommt.
Ist es den Aufwand wert? Für die einen ja, für die anderen nicht, und die Befragung bildet genau das ab: 43,76 Prozent würden wieder Jura studieren, 29,16 Prozent nicht, der Rest ist unentschieden. Die Befragung ist von Studierenden für künftige Juristinnen und Juristen gemacht, und so liest man sie am besten: als Erfahrungsbericht, nicht als Prognose. Am Ende hängt es daran, ob dich juristische Fragen beschäftigen, wenn niemand zusieht. Wenn ja, ist der Rest Handwerk und Wiederholung, und dabei helfen dir die aufeinander aufbauenden Lernpfade auf jurahilfe.de vom ersten Semester bis zum Examen.
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- Durchfallquote im Staatsexamen: Die offizielle Statistik zum ersten und zweiten Examen, mit den Unterschieden zwischen den Bundesländern.
- Lerngruppe im Jurastudium: Wie du die Rückmeldung organisierst, die dir im Selbststudium fehlt.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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