Der Hörsaal liegt vier Kilometer außerhalb, mitten im Wald, und der Badestrand der Universität ist zu Fuß erreichbar. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit über Jura in Konstanz. Die andere: Von den Prüflingen am Prüfungsort Konstanz haben im Frühjahr 2025 35,1 Prozent die staatliche Pflichtfachprüfung nicht bestanden, landesweit waren es 21,7 Prozent.
Lohnt sich das Jurastudium an der Universität Konstanz trotzdem? Für viele ja, und die Gründe stehen in keiner Statistik: eine kleine Fakultät mit rund 1.380 Studierenden und 18 Professuren, ein kostenloses Examinatorium mit Klausurenkurs und Probeexamen, seit dem Wintersemester 2025/26 ein integrierter Bachelor of Laws und kein klassischer Numerus Clausus. Betreuung in dieser Dichte bekommst du an großen Fakultäten nicht. Wer sich auf die Uni allein verlässt, wird von den Examenszahlen eingeholt.
Auf einen Blick:
- Zulassung: kein klassischer NC, sondern ein hochschuleigenes Auswahlverfahren. Im Wintersemester 2024/25 lag die Auswahlgrenze zunächst bei 2,9, zugelassen wurden am Ende alle Bewerbungen bis 4,0.
- Studium: straffer Studienplan auf acht Semester plus Prüfungssemester, Zwischenprüfung als Abschlussklausur in jeder wichtigen Vorlesung, seit dem Wintersemester 2025/26 zusätzlich der integrierte Bachelor of Laws.
- Schwerpunkt: acht Schwerpunktbereiche, die Universitätsprüfung zählt 30 Prozent der Endnote der Ersten juristischen Prüfung.
- Examensvorbereitung: Examinatorium der Fakultät, kostenlos, mit Klausurenkurs, Probeexamen, Klausurenklinik und eigenem Angebot für den Zweitversuch.
- Ergebnisse: Prädikatsquote am Prüfungsort Konstanz 7,98 Prozent im Jahr 2024 (Landesschnitt 16,54 Prozent), Misserfolgsquote 42,71 Prozent (Landesschnitt 23,41 Prozent).
- Leben: WG-Zimmer im Schnitt rund 550 Euro, Studierendenwerksbeitrag 115 Euro pro Semester, Bodensee vor der Tür, Nachtleben überschaubar.
Tipp
Wer den Stoff parallel zur Vorlesung systematisch aufbauen will, findet auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen. Der komplette BGB AT ist dauerhaft kostenlos, du kannst also im ersten Semester sofort loslegen.
Jura in Konstanz studieren: Was den Fachbereich Rechtswissenschaft ausmacht
Der Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Konstanz ist einer der kleinsten juristischen Standorte Deutschlands. Das prägt alles: die Betreuung, die Wege, die Prüfungskultur. Wer aus einer Massenfakultät kommt, merkt den Unterschied am ersten Tag.

Die juristische Fakultät in Zahlen
Rund 1.380 Studierende, 18 hauptamtliche Professuren, 12 Honorarprofessuren und 46 wissenschaftliche Mitarbeitende (Stand Mai 2025). Zum Vergleich: In Köln oder München studieren mehrere tausend Menschen Jura. In Konstanz kennt die Professorin nach zwei Semestern die Gesichter in der Vorlesung.
Der Fachbereich gehört zur Sektion Politik, Recht, Wirtschaft. Institute gibt es nicht, die Universität hat bei ihrer Gründung bewusst darauf verzichtet. Vier Richterinnen oder Staatsanwälte sind dauerhaft an die Uni abgeordnet und lehren dort jeweils zwei bis vier Jahre hauptamtlich, dazu kommen Lehrbeauftragte aus Anwaltschaft und Notariat. Der Praxisbezug ist damit nicht nur ein Wort im Leitbild.
Reformuniversität am Bodensee: Ruf und Geschichte
Die Universität Konstanz wurde 1966 als Reformuniversität gegründet, mit rund 200 Studierenden und einer Handvoll Professuren in einem Trakt des Inselhotels. Für Jura war der Anfang bescheiden: Vier Rechts-Professuren gehörten damals zur sozialwissenschaftlichen Fakultät, eine vollständige Juristenausbildung war nicht möglich, Strafrecht war anfangs überhaupt nicht vertreten.
Von Anfang der 1970er bis 1984 gehörte Konstanz zu den neun deutschen Hochschulen, die die zweistufige Juristenausbildung abschafften und ein einstufiges Modell erprobten: Studium und Referendariat verzahnt, mehr Freiraum, forschendes Lernen. Das Experiment wurde bundesweit beendet, die Haltung dahinter ist geblieben. Der starke Praxisanteil und die Gerichtsbesuche mit Originalakten stammen aus dieser Zeit.
Heute gilt die Uni Konstanz als forschungsstark, sie war in allen drei Förderlinien der Exzellenzinitiative erfolgreich. Zum Fachbereich Jura sagt das allerdings nichts: Die Rechtswissenschaft hat zu dieser Auszeichnung nicht beigetragen.

Ein echtes Pfund ist dagegen die Universitätsbibliothek. Sie ist von 8 bis 23 Uhr geöffnet, gilt als eine der besten Bibliotheken des Landes und wurde 2010 als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet. Für ein Fach, in dem man Jahre am Schreibtisch verbringt, ist das kein Detail.
Wer an der Universität Konstanz Jura lehrt
Bei 18 Professuren kennst du nach vier Semestern fast alle. Überregional bekannt ist vor allem Daniel Thym, dessen Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht das Migrationsrecht abdeckt; er wird regelmäßig als Sachverständiger gehört. Michael Stürner steht für Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht sowie Rechtsvergleichung, Hans Theile für Wirtschaftsstrafrecht und Kriminologie, Hans Christian Röhl für Staats- und Verwaltungsrecht.
Praktisch wichtiger als Prominenz ist die Erreichbarkeit. Die Uni wirbt mit flachen Hierarchien und einer „Kultur der offenen Türen“, und in einem Fachbereich dieser Größe ist das mehr als Marketing: Sprechstunden sind nicht überlaufen, Hausarbeitsthemen lassen sich besprechen, wissenschaftliche Hilfskraftstellen sind erreichbar.
NC und Bewerbung: So kommst du an einen Studienplatz
Konstanz hat keinen klassischen Numerus Clausus. Der Fachbereich vergibt seine Studienplätze über ein hochschuleigenes Auswahlverfahren, in das die Abiturnote einfließt, und veröffentlicht vorab eine Auswahlgrenze. Wer darüber liegt, bekommt eine Zusage, sofern er das Verfahren korrekt durchläuft.
Wie hoch ist der NC für Jura an der Uni Konstanz?
Im Wintersemester 2024/25 wurde die Grenze zunächst auf 2,9 festgesetzt. Zugelassen wurden am Ende Bewerbungen bis 4,0, weil über Aufrück- und Losverfahren nachbesetzt wurde. Diese Spanne ist die eigentliche Information. Die veröffentlichte Zahl ist eine Startlinie, über Aufrück- und Losverfahren rückt die tatsächliche Zulassungsgrenze danach weit nach unten.
| Semester | Auswahlgrenze | Tatsächlich zugelassen |
|---|---|---|
| WS 2024/25 | 2,9 | bis 4,0 (Aufrücken, Losverfahren) |
| WS 2023/24 | kein klassischer NC | Auswahlverfahren der Hochschule |
| Grundsatz | je Zyklus neu festgesetzt | Vorabzusage ab bestimmter Note |
Verlass dich nicht auf Vorjahreswerte. Die Grenze wird für jeden Bewerbungszyklus neu bestimmt und hängt daran, wie viele Menschen sich bewerben. Wie sich NC-Werte bundesweit unterscheiden und was ein Wert überhaupt aussagt, steht im Überblick zum NC im Jurastudium.
Bewerbung über hochschulstart.de und ZEuS
Die Bewerbung läuft zweigleisig, und beide Schritte sind Pflicht. Zuerst registrierst du dich im dialogorientierten Serviceverfahren auf hochschulstart.de und priorisierst dort Konstanz. Danach bewirbst du dich zusätzlich örtlich über das Portal ZEuS der Universität. Wer den zweiten Schritt vergisst, ist raus, egal wie gut die Abiturnote ist.
Fristen sind die üblichen: 15. Juli für das Wintersemester bei Erstsemesterbewerbungen. Die aktuellen Termine und alle Informationen zum Verfahren finden Studieninteressierte beim Fachbereich, offene Fragen beantwortet die Zentrale Studienberatung. Prüfe das jedes Jahr neu, Sonderfristen für Wartesemester, Zweitstudium und internationale Bewerbungen weichen ab.
Ohne Abitur geht es auch, über die Wege der beruflichen Qualifikation. Was dabei anerkannt wird und wie das Verfahren abläuft, steht ausführlich im Artikel zum Jurastudium ohne Abitur.
Studienbeginn: Winter- oder Sommersemester?
Beides geht. Für das Wintersemester läuft die Bewerbung vom 7. Mai bis zum 15. Juli, für das Sommersemester vom 25. November bis zum 15. Januar. Auch die Orientierungsprüfung ist auf beide Einstiege zugeschnitten: Wer im Winter beginnt, startet mit dem Staatsorganisationsrecht, wer im Sommer beginnt, mit den Grundrechten.
Der Regelfall bleibt trotzdem der Start im Wintersemester, weil die Grundvorlesungen darauf getaktet sind und du im Sommersemester in einen kleineren Jahrgang kommst. Für einen Wechsel in ein höheres Fachsemester brauchst du zusätzlich die Anerkennung deiner bisherigen Leistungen durch das Prüfungsamt.
Der Studiengang Rechtswissenschaft: Aufbau und Inhalt
Konstanz wirbt mit kurzen Studienzeiten: acht Semester Studium, im neunten die Staatsprüfung. Damit das aufgeht, ist der Studienplan enger getaktet als anderswo. Das ist der Deal, den du eingehst.

Grundstudium und Zwischenprüfung
Die Zwischenprüfung musst du nach der Juristenausbildungs- und Prüfungsordnung Baden-Württemberg (JAPrO) bis zum Ende des vierten Semesters bestanden haben. Konstanz löst das nicht über eine gesonderte Prüfungsphase, sondern über Abschlussklausuren in allen wichtigen Vorlesungen. Du schreibst also von Anfang an unter Prüfungsbedingungen, Semester für Semester.
Der Effekt ist zweischneidig. Du gewöhnst dich früh an Klausurendruck und merkst schnell, ob dir das Fach liegt. Gleichzeitig gibt es keine ruhige Orientierungsphase, in der du dich sortieren kannst. Wer im ersten Semester bummelt, hat den Rückstand im zweiten schon im Nacken.
Übrigens: Die Struktur des Grundstudiums ist bundesweit ähnlich, die Fristen und Wiederholungsmöglichkeiten sind es nicht. Wie das Jurastudium insgesamt aufgebaut ist, vom ersten Semester bis zum Examen, zeigt der Überblick zu Aufbau und Ablauf des Jurastudiums.
Tipp
Wenn in jeder Vorlesung eine Abschlussklausur wartet, hilft regelmäßiges Abrufen mehr als Lesen. Die Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de sind auf die gelesenen Inhalte abgestimmt und zeigen dir Lücken, bevor die Klausur sie zeigt.
Hauptstudium und praktische Studienzeit
Im Hauptstudium kommen die großen Übungen, das Schwerpunktstudium und die praktische Studienzeit zusammen. Drei Monate Praktikum sind in Baden-Württemberg Pflicht, in Blöcken von mindestens vier Wochen, absolvieren kannst du sie in Justiz, Verwaltung oder Anwaltschaft, im In- oder Ausland. Die vorlesungsfreie Zeit ist damit gut gefüllt.
Fest zum Lehrplan gehören Gerichtsbesuche, die anhand von Originalakten vorbereitet werden, und Moot Courts. Das ist der Rest des einstufigen Modells und in dieser Dichte nicht selbstverständlich.
Integrierter Bachelor of Laws seit dem Wintersemester 2025/26
Seit dem Wintersemester 2025/26 gibt es in Konstanz den integrierten Bachelor of Laws. Der Clou: Der Bachelor of Laws läuft im Staatsexamensstudiengang mit, du studierst also weiter auf die Erste juristische Prüfung hin und erhältst unterwegs einen berufsqualifizierenden Abschluss. Wer das Studium abbricht oder das Examen nicht besteht, steht dann nicht mit leeren Händen da.
Die Anrechnung läuft pauschal: Eine bestandene Zwischenprüfung deckt die Module des Basisbereichs ab, Basis- und Aufbaubereich zusammen bringen 114 ECTS-Punkte. Die Bachelorprüfung musst du bis zum Ende des zwölften Semesters abgeschlossen haben. Zusätzliche Klausuren fallen dafür im Regelfall nicht an, der integrierte Bachelor of Laws verwertet die Leistungen, die du ohnehin erbringst.
Die Einführung des integrierten Bachelor of Laws halte ich für einen der stärksten Punkte, die Konstanz derzeit hat. Das Ausfallrisiko im Jurastudium ist real, und ein Abschluss in der Hand verändert die Risikorechnung. Was der Titel im Berufsleben wert ist und wie er sich vom klassischen Bachelor unterscheidet, steht im Artikel zum Bachelor of Laws (LL.B.).
Weitere Studiengänge und Auslandsprogramme
Neben dem Staatsexamensstudiengang gibt es in Konstanz einen LL.M.-Aufbaustudiengang deutsches Recht für im Ausland graduierte Juristinnen und Juristen sowie ein Nebenfachstudium Recht in geisteswissenschaftlichen Bachelorstudiengängen.
Die auffälligste Kooperation ist der Doppelmaster mit der Tongji-Universität Shanghai: rechtsvergleichende Studien zum deutschen, europäischen und chinesischen Recht, maximal zwei Jahre inklusive Auslandsjahr, am Ende zwei LL.M.-Titel. Vorbereitend musst du Chinesisch lernen und ein einführendes Studium zum chinesischen Recht absolvieren.
Wer nur ein Semester weg will, geht ab dem dritten Fachsemester nach bestandener Zwischenprüfung im Rahmen des Erasmus-Programms an eine europäische Partneruniversität, für bis zu zwei Semester. Dazu kommen Einführungen in ausländische Rechtsordnungen in der jeweiligen Landessprache (Großbritannien, Frankreich, Spanien, Türkei), gemeinsame Seminare mit ausländischen Universitäten und ein jährliches Seminar in Bogotá. Wie du einen Auslandsaufenthalt planst, ohne dein Examen zu verzögern, erklärt der Artikel zum Auslandssemester im Jurastudium.
Schwerpunktbereiche an der Universität Konstanz
Der Schwerpunkt ist keine Nebensache: Die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung geht mit 30 Prozent in die Endnote der Ersten juristischen Prüfung ein, die staatliche Pflichtfachprüfung mit 70 Prozent. Ein guter Schwerpunkt hebt eine mittelmäßige Staatsnote spürbar.
Diese acht Schwerpunktbereiche stehen zur Wahl
Acht Bereiche, die die Stärken der Fakultät abbilden. Auffällig ist das internationale und wirtschaftsrechtliche Gewicht, klassische Familien- oder Medizinrechts-Schwerpunkte fehlen.
| Nr. | Schwerpunktbereich |
|---|---|
| 1 | Wettbewerbs- und Immaterialgüterrecht |
| 2 | Arbeits- und Sozialrecht |
| 3 | Europäisches und Internationales Privat- und Zivilverfahrensrecht in der Rechtspraxis |
| 4 | Umwelt- und Planungsrecht sowie öffentliches Wirtschaftsrecht |
| 5 | Strafrechtspflege: Wirtschaftsstrafrecht, Kriminologie, Europäisierung und Praxis |
| 6 | Personen- und Unternehmenssteuerrecht |
| 7 | Internationales und Europäisches Recht |
| 8 | Unternehmen und Finanzierung |
Die Wahl solltest du nicht nach Neigung allein treffen. Notenschnitte unterscheiden sich zwischen den Schwerpunkten deutlich, und bei 30 Prozent Gewicht in der Endnote ist das bare Münze. Worauf es bei der Entscheidung ankommt, steht im Artikel zum besten Schwerpunkt im Jurastudium.
Ablauf der Schwerpunktbereichsprüfung
Zugelassen wirst du nach bestandener Zwischenprüfung. Die Prüfung selbst besteht aus einer Studienarbeit im Rahmen eines Prüfungsseminars, weiteren schriftlichen Leistungen und einer mündlichen Prüfung. Die Studienarbeit ist der Teil, der die meiste Zeit frisst und über die Note entscheidet.
Plane den Schwerpunkt zeitlich vor der Examensvorbereitung ein, nicht parallel. Wer Studienarbeit und Examenskurs gleichzeitig stemmen will, verliert beides aus dem Blick. Wie die mündliche Prüfung im Staatsexamen abläuft und wie du dich darauf vorbereitest, zeigt der Artikel zur mündlichen Prüfung in Jura.
Tipp
Im Schwerpunkt brauchst du Tiefe, im Pflichtfach Überblick. Auf jurahilfe.de kannst du dasselbe Thema kompakt oder ausführlich lesen: kompakt zum schnellen Wiederholen vor der mündlichen Prüfung, ausführlich, wenn du ein Gebiet von Grund auf durchdringen willst.
Erste juristische Prüfung: Examensvorbereitung und Staatsexamen in Konstanz
Hier wird es unangenehm, und hier liegt zugleich der wichtigste Grund, warum du diesen Artikel liest. Konstanz bietet eine der besten kostenlosen Examensvorbereitungen des Landes und hat trotzdem die schwächsten Examensergebnisse in Baden-Württemberg. Beides stimmt gleichzeitig.
Die staatliche Pflichtfachprüfung in Baden-Württemberg
Dass die Erste juristische Prüfung aus einer universitären Schwerpunktbereichsprüfung und einer staatlichen Pflichtfachprüfung besteht, gibt § 5 Abs. 1 DRiG bundesweit vor. Wie beide gewichtet werden, regelt jedes Land selbst, in Baden-Württemberg die JAPrO.
Die staatliche Pflichtfachprüfung nimmt das Landesjustizprüfungsamt ab. Sie besteht aus sechs Klausuren (70 Prozent) und einer mündlichen Prüfung (30 Prozent). Von den sechs Klausuren entfallen drei auf das Zivilrecht, zwei auf das Öffentliche Recht und eine auf das Strafrecht. Geprüft wird zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst; in Konstanz findet die Prüfung regelmäßig im Bodenseeforum statt.
Zur mündlichen Prüfung wird nur zugelassen, wer in den Klausuren im Durchschnitt mindestens 3,75 Punkte erreicht und in mindestens drei Klausuren durchschnittlich 4,0 Punkte, davon mindestens eine im Zivilrecht. Diese Hürde entscheidet über das Bestehen, nicht die mündliche Prüfung.
| Bestandteil | Anteil | Umfang |
|---|---|---|
| Klausuren | 70 % | 6 (3 Zivilrecht, 2 ÖffR, 1 StrafR) |
| Mündliche Prüfung | 30 % | Aktenvortrag und Prüfungsgespräch |
| Staatsprüfung gesamt | 70 % | der Endnote der Ersten Prüfung |
| Schwerpunkt (Uni) | 30 % | der Endnote der Ersten Prüfung |
Das Examinatorium: Repetitorium ohne Rechnung
Das Examinatorium des Fachbereichs deckt den prüfungsrelevanten Stoff in einem Jahreszyklus ab, unterrichtet von den Professorinnen und Professoren der Fakultät, und kostet nichts. Dazu kommen ein Klausurenkurs, halbjährliche Probeexamen unter Realbedingungen, eine Klausurenklinik, in der Examensklausuren auf Inhalt, Stil und Struktur besprochen werden, und ein eigenes Angebot für den Zweitversuch. Auch während der vorlesungsfreien Zeit läuft das Programm weiter, damit keine Lücke entsteht.
Damit ersparst du dir im Idealfall die 150 bis 250 Euro monatlich, die ein kommerzielles Repetitorium über anderthalb Jahre kostet. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ersetzt auch das beste Examinatorium die eigene Wiederholung nicht. Zweitens sagen die Ergebniszahlen unten, dass das Angebot allein offenbar nicht reicht.
Wer prüfen will, ob es ganz ohne kommerzielles Rep geht, findet die Erfahrungswerte im Artikel zur Examensvorbereitung ohne Repetitorium. Wie du die Vorbereitung über zwölf bis achtzehn Monate strukturierst, steht im Masterplan für das erste Staatsexamen.

Freiversuch und Notenverbesserung nach der JAPrO
Baden-Württemberg kennt den Freiversuch nach § 22 JAPrO und die Notenverbesserung nach § 23 JAPrO. Die oft zitierten zehn Semester betreffen § 23 JAPrO, also den Verbesserungsversuch. Für den Freiversuch gelten sie nicht.
Der Verbesserungsversuch läuft außerhalb des öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnisses, du bekommst in dieser Zeit keine Bezüge. Der schriftliche Teil muss vor Beginn des Referendariats abgeschlossen sein, sonst endet die Verbesserungsprüfung mit dem Antritt des Vorbereitungsdienstes (§ 23 Abs. 1 S. 2 JAPrO), unabhängig davon, in welchem Bundesland du referendarst. Ohne Freiversuch kostet der Verbesserungsversuch in Baden-Württemberg 590 Euro.
Der Freiversuch lohnt sich statistisch massiv. Landesweit lag die Nichtbestehensquote im Freiversuch 2024 bei 14,93 Prozent, bei späterer erstmaliger Teilnahme dagegen bei 50,50 Prozent. Ein Prädikat erreichten 24,76 Prozent der Freiversuchsteilnehmenden gegenüber 4,68 Prozent der übrigen Erstteilnehmenden. Wer kann, schreibt im Freiversuch. Die Regeln aller Bundesländer im Vergleich stehen im Artikel zu Freischuss, Freiversuch und Abschichten, die Details zur zweiten Chance im Artikel zum Verbesserungsversuch.
Ergebnisse im Examen: die unbequemen Zahlen
Das Landesjustizprüfungsamt veröffentlicht die Ergebnisse getrennt nach den fünf Prüfungsorten Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Mannheim und Tübingen. Konstanz liegt dort seit Jahren am Ende, und 2024 ist der Abstand aufgerissen.
| Prüfungsort | Prädikat 2024 | Misserfolg 2024 | Misserfolg 2023 |
|---|---|---|---|
| Mannheim | 22,35 % | 11,17 % | 12,80 % |
| Heidelberg | 20,74 % | 16,54 % | 17,34 % |
| Tübingen | 16,27 % | 15,96 % | 18,99 % |
| Freiburg | 15,99 % | 28,16 % | 21,54 % |
| Konstanz | 7,98 % | 42,71 % | 24,92 % |
| Landesschnitt | 16,54 % | 23,41 % | 19,73 % |
Prädikat heißt hier vollbefriedigend und besser, die Misserfolgsquote ist um formell nicht bestandene Prüfungen bereinigt. Die Zahlen stammen aus dem Bericht des Landesjustizprüfungsamts Baden-Württemberg für das Jahr 2024. Im Frühjahr 2025 setzte sich das Muster fort: 148 Teilnehmende in Konstanz, davon 52 nicht bestanden (35,14 Prozent), 13 mit Prädikat (8,78 Prozent), gegenüber 21,67 Prozent Misserfolg landesweit.

Drei Einordnungen, damit die Zahl nicht mehr behauptet, als sie hergibt. Erstens ist der Prüfungsort nicht dasselbe wie die Universität, auch wenn sich beides in der Praxis weitgehend deckt. Zweitens sind die Konstanzer Fallzahlen klein: Bei rund 150 Prüflingen pro Kampagne schlägt ein schwacher Jahrgang stärker durch als bei 420 in Freiburg. Drittens war der Sprung von 24,92 auf 42,71 Prozent ein Ausreißer nach oben, nicht der Normalzustand; 2022 und 2023 lag Konstanz bei rund 24 Prozent, also nur wenige Punkte über dem Landesschnitt.
Was bleibt, ist die Prädikatsquote. Sie liegt seit Jahren stabil bei rund 8 bis 9 Prozent und damit bei etwa der Hälfte des Landesschnitts. Wenn du ein Prädikatsexamen anstrebst, ist das die relevante Zahl, und sie sagt: In Konstanz musst du dafür mehr eigenen Antrieb mitbringen als in Mannheim oder Heidelberg. Was ein Prädikat konkret bedeutet und welche Türen es öffnet, steht im Artikel zum Prädikatsexamen.
Ein Trostpflaster gibt es: Wer die Erste juristische Prüfung in Konstanz besteht, darf den akademischen Grad „Magister juris“ führen.
Tipp
Gegen das Vergessen im Examenszyklus hilft systematisches Wiederholen. Auf jurahilfe.de testest du dein Wissen mit Multiple-Choice-Aufgaben an kleinen Sachverhalten, mit ausführlicher Erläuterung zu jeder Antwort. Die falschen Optionen bilden Denkfehler ab, die in Klausuren wirklich passieren.
Jura studieren und leben in Konstanz
Konstanz ist die größte Stadt am Bodensee, hat rund 87.000 Einwohner und grenzt direkt an die Schweiz. Für Studierende bedeutet das: kurze Wege, viel Wasser, hohe Mieten und ein Nachtleben, das kleiner ist, als die Studierendenzahl vermuten lässt.
Was macht Konstanz als Studienort aus?
Die Universität Konstanz ist eine Campus-Universität, rund vier Kilometer außerhalb der Altstadt, auf halber Strecke zur Insel Mainau und umgeben vom Mainauwald. Das Seeufer im eingemeindeten Dorf Egg ist zu Fuß erreichbar, dort liegen auch die Sportanlagen mit Badestrand, Hochseilgarten und Kletterturm. Mensa und Bibliothek bilden das Zentrum, das ist so gewollt: Der Campus soll Treffpunkt sein, nicht nur Lernort.
Die 60er-Jahre-Architektur ist bunt, der Innenhof folgt organischen Linien, und man mag das mögen oder nicht. Drei Buslinien fahren vom Hauptbahnhof hoch, schneller bist du meist mit dem Rad: Das Radwegenetz ist ausgebaut, und die Steigung ist zu schaffen.
Neben der Universität sitzt die Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung mit über 4.000 Studierenden in der Stadt. Studierende stellen damit mehr als 15 Prozent der Bevölkerung. Das Stadtbild prägen sie trotzdem weniger als in Tübingen oder Marburg, weil der Tourismus und die Schweizer Einkaufsgäste dominieren.

Wohnen in Konstanz: Mieten, Wohnheime, Semesterbeitrag
Die Wohnungspreise gehören zu den höchsten in Deutschland. Ein WG-Zimmer kostet im Schnitt rund 550 Euro, für ein kleines Apartment liegt der Quadratmeterpreis bei knapp 18 Euro. Das ist der größte Nachteil des Studienorts, und er trifft dich vom ersten Tag an.
Das Studierendenwerk Seezeit betreibt 13 Wohnheime. Die Zimmer sind möbliert, mit Kochgelegenheit, Internet- und TV-Anschluss, die Mieten liegen je nach Anlage zwischen 280 und 660 Euro. Bei Einzug werden 850 Euro Kaution plus 50 Euro Bearbeitungsgebühr fällig. Einen Platz zu bekommen, ist schwierig: Ab August wird man häufig nicht einmal mehr auf die Warteliste gesetzt. Bewirb dich also, sobald die Zusage da ist, nicht erst nach der Immatrikulation.
| Posten | Betrag | Hinweis |
|---|---|---|
| WG-Zimmer | rund 550 €/Monat | freier Markt, Durchschnitt |
| Wohnheim Seezeit | 280 bis 660 €/Monat | möbliert, lange Wartelisten |
| Kaution Wohnheim | 850 € plus 50 € | Bearbeitungsgebühr, Kaution rückzahlbar |
| Studierendenwerksbeitrag | 115 €/Semester | enthält 22 € Solidarbeitrag Studiticket |
| Studi-Ticket | rund 65 €/Semester | ganztägig, inklusive Fähre nach Meersburg |
Studierende in Konstanz fahren von 19 bis 1 Uhr kostenlos mit dem öffentlichen Nahverkehr, tagsüber brauchst du das Studi-Ticket. Eine Alternative, die viele nutzen: Wohnen im schweizerischen Kreuzlingen direkt hinter der Grenze, das Angebot dort ist teilweise entspannter. Was ein Jurastudium insgesamt kostet, vom Semesterbeitrag bis zu Kommentaren und Repetitorium, rechnet der Artikel zu den Kosten des Jurastudiums durch.
Feiern, Kultur und Freizeit am Bodensee
Erstmal kurz die Erwartung justieren: Konstanz ist keine Partystadt. Die Kneipen der Altstadt sind auf Touristen eingestellt, Clubs gibt es nur vereinzelt, und das Studierendenleben spielt sich stark auf dem Campus ab. Dort steigt während des Semesters wöchentlich eine große Party, dazu kleinere Veranstaltungen.
In der Stadt sind drei Adressen relevant. Das K9 in der Altstadt, ein kommunales Kunst- und Kulturzentrum, bringt Konzerte, Kabarett, Lesungen, Jam-Sessions und regelmäßig Discoabende. Der Kulturladen KULA hat einen Konzertsaal für 450 Personen und fährt Techno-, Disco-, Pop- und Indie-Partys, dazu Poetry Slams und Theater. Die Kantine im Neuwerk ist klein und bei Studierenden beliebt, musikalisch von Hiphop bis Elektro.

Den Rest macht der Jahreskalender. Am zweiten Augustwochenende feiern Konstanz und Kreuzlingen gemeinsam das Seenachtfest mit großem Feuerwerk, im Frühsommer läuft die Bodenseewoche mit Segelregatten und Motorbootrennen, im Winter die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Dazu Stadttheater, Südwestdeutsche Philharmonie und das Sea Life. Das Rockfestival am Bodenseestadion, jahrelang der größte Termin der Stadt, gibt es seit 2016 nicht mehr.
Sportlich ist die Lage stark: Segeln, Rudern, Schwimmen und Wandern direkt vor der Tür, die Alpen für Ski und Snowboard in Fahrweite, dazu ein besonders breites Hochschulsportangebot. Wer draußen sein will, bekommt hier mehr als in den meisten deutschen Universitätsstädten.
Erfahrungen: Wie Studierende die Fakultät bewerten
Auf StudyCheck kommt die Rechtswissenschaft in Konstanz auf 3,6 von 5 Sternen aus 185 Bewertungen, 89 Prozent würden das Studium weiterempfehlen. Die Universität insgesamt liegt bei 3,9 Sternen und 94 Prozent Weiterempfehlung, der Fachbereich Jura also spürbar darunter.
Gut bewertet werden Studieninhalte, Lehrende und der Zugang zu Literatur. Kritik betrifft vor allem Ausstattung und Digitalisierung. Das deckt sich mit dem Gesamtbild: fachlich solide und persönlich betreut, organisatorisch nicht auf dem neuesten Stand. Ob das Fach selbst zu dir passt, ist die vorgelagerte Frage; ehrliche Antworten dazu gibt der Artikel Ist Jura schwer?.
Für wen ist die Uni Konstanz die richtige Wahl?
Konstanz ist ein Studienort mit klarem Profil: kleine Fakultät, hohe Betreuungsdichte, viel Natur, teures Wohnen, schwache Examensbilanz. Ob das passt, hängt weniger von deinem Abischnitt ab als von deiner Arbeitsweise.
Stärken und Schwächen im Überblick
Was für Konstanz spricht und was dagegen:
| Spricht dafür | Spricht dagegen |
|---|---|
| Kleine Fakultät, kurze Wege zu den Lehrenden | Prädikatsquote bei rund der Hälfte des Landesschnitts |
| Kostenloses Examinatorium mit Klausurenkurs und Probeexamen | Sehr hohe Mieten, angespannter Wohnungsmarkt |
| Integrierter Bachelor of Laws seit dem Wintersemester 2025/26 | Nur acht Schwerpunkte, keine Familien- oder Medizinrechts-Schiene |
| Bibliothek bis 23 Uhr, ausgezeichnet | Überschaubares Nachtleben, kein Studentenstadt-Flair |
| Kein klassischer NC, faktisch bis 4,0 zugelassen | Randlage: weite Wege zu Gerichten und Großkanzleien |
| Starker Praxisbezug, abgeordnete Richter, Moot Courts | Straffer Studienplan ohne Orientierungspuffer |
Konstanz im Vergleich mit den anderen Fakultäten in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg hat fünf juristische Ausbildungsstandorte, und sie unterscheiden sich stärker, als das gemeinsame Prüfungsamt vermuten lässt. Mannheim ist mit dem gestuften Kombinationsstudiengang und dem Abschichten einen eigenen Weg gegangen und führt die Ergebnisliste an. Heidelberg und Tübingen sind die großen Traditionsfakultäten mit breitem Schwerpunktangebot. Freiburg ist der größte Prüfungsort und hatte 2024 selbst einen schwachen Jahrgang.
Konstanz ist die Nischenoption: klein, betreuungsstark, landschaftlich unschlagbar, examensstatistisch hinten. Wenn du zwischen Standorten schwankst, lies die Porträts zu Jura in Tübingen, Jura in Heidelberg und Jura in Mannheim. Eine Einordnung aller deutschen Fakultäten nach Kriterien, die im Studium wirklich zählen, gibt der Überblick Wo Jura studieren?.
Meine Einschätzung: Wenn du selbstständig arbeitest, früh eine Lernroutine aufbaust und den See als Ausgleich willst, ist Konstanz eine gute Wahl, und der integrierte Bachelor of Laws senkt dein Risiko zusätzlich. Wenn du erwartest, dass die Fakultät dich durch das Examen bringt, sagen die Zahlen etwas anderes. Der Unterschied zwischen den Standorten liegt am Ende weniger im Lehrangebot als in dem, was du selbst daraus machst, etwa mit einem durchgängigen Lernpfad aus Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben statt aus losen Mitschriften.
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Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
- Zivilrecht
- Strafrecht
- Öffentliches Recht
- Jurastudium
- Examensvorbereitung
- juristische Didaktik



