Kein Abitur in der Tasche, aber der Wunsch, Jurist zu werden? Das ist kein Widerspruch. Jura studieren ohne Abitur geht in Deutschland auf mehreren Wegen: über eine berufliche Aufstiegsfortbildung wie den Meister, über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit mehreren Jahren Berufserfahrung oder über eine Zugangsprüfung. Die Fachhochschulreife allein, also das klassische Fachabi, öffnet die Tür zum ersten Staatsexamen allerdings nicht. Wer die passende Hochschulzugangsberechtigung mitbringt, kann an einer Universität Rechtswissenschaften studieren, an vielen sogar ohne NC. Welcher Weg zu dir passt, hängt von deinem Beruf, deiner Erfahrung und deinem Bundesland ab.
Auf einen Blick:
- Das erste Staatsexamen gibt es nur an Universitäten. Fachabi oder ein Bachelor an der Fachhochschule reichen dafür nicht.
- Ohne Abitur führen drei Wege ins Jurastudium: Aufstiegsfortbildung (Meister, Techniker, Fachwirt), Ausbildung plus Berufserfahrung oder eine Zugangs- beziehungsweise Begabtenprüfung.
- Die Regeln legt jedes Bundesland selbst fest. Mal ist ein Beratungsgespräch Pflicht, mal eine Eignungsprüfung.
- Jura ist an vielen Universitäten zulassungsfrei, ein guter Abischnitt ist also oft gar nicht nötig.
- Ohne Staatsexamen bleibt der Bachelor of Laws als Alternative, etwa in Wirtschaftsrecht.
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Jura studieren ohne Abitur: geht das überhaupt?
Ja. Studieren ohne Abitur ist in Deutschland fest verankert, und Jura ist davon nicht ausgenommen. Entscheidend ist nicht das Reifezeugnis, sondern die Hochschulzugangsberechtigung. Wer beruflich qualifiziert ist, kann diese Berechtigung auch ohne klassisches Abi erwerben und sich damit an einer Universität um einen Studienplatz in Rechtswissenschaften bewerben.
Nur die Universität führt zum ersten Staatsexamen
Wer als Anwältin, Richter oder Staatsanwältin arbeiten will, braucht das erste juristische Staatsexamen und danach das Referendariat mit dem zweiten Examen. Dieses Staatsexamen gibt es ausschließlich an Universitäten, nicht an Fachhochschulen. Ein Bachelor of Laws an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften ist ein eigener Abschluss, er führt nicht zur Befähigung zum Richteramt. So ist die Juristenausbildung in Deutschland aufgebaut. Deshalb ist die zentrale Frage nicht, ob du irgendwas mit Recht studieren kannst, sondern ob du an eine Universität kommst.
Der volle Weg zum Volljuristen dauert mit Studium und Referendariat mehrere Jahre. Wie lange genau, liest du im Überblick zur Regelstudienzeit im Jurastudium. Das klassische Jurastudium mit allen Stationen erklärt der große Überblick zum Jurastudium.

Welche Hochschulzugangsberechtigung ohne Abitur zählt
Die Hochschulzugangsberechtigung ist der Schlüssel. Ohne Abitur kommen zwei Varianten in Betracht. Die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erlaubt jedes Fach an jeder Universität, also auch Jura. Die fachgebundene Variante öffnet nur bestimmte, thematisch verwandte Studiengänge im passenden Fachbereich. Für den Studiengang Rechtswissenschaft muss die berufliche Vorbildung dann einen juristischen Bezug haben. Welche der beiden du bekommst und welche Zugangsvoraussetzungen im Einzelnen gelten, richtet sich nach deiner beruflichen Qualifikation und dem Recht deines Bundeslandes.
Die Wege ins Jurastudium ohne Abitur für beruflich Qualifizierte
Für beruflich Qualifizierte gibt es drei etablierte Wege. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Berufserfahrung sie verlangen und welchen Zugang sie am Ende eröffnen.
| Weg | Voraussetzung | Berechtigung | Öffnet den Zugang zu |
|---|---|---|---|
| Aufstiegsfortbildung | Meister, Techniker oder Fachwirt | allgemeine Hochschulreife | jedem Fach, auch Jura, ohne fachlichen Bezug und meist ohne NC |
| Ausbildung mit Berufserfahrung | abgeschlossene Ausbildung, meist zwei bis drei Jahre im Beruf | fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung | fachnahen Studiengängen mit juristischem Bezug |
| Zugangs- oder Begabtenprüfung | kein passender Berufsabschluss | Zugang nach bestandener Prüfung | dem Studium nach schriftlicher und mündlicher Prüfung, teils nach einem Probestudium |

Der berufliche Weg: Meister, Fachwirt und Aufstiegsfortbildung
Wer eine Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hat, hat die besten Karten. Ein Meister, Techniker oder Fachwirt gilt in fast allen Bundesländern als der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt und verschafft dir so die allgemeine Hochschulreife für jedes Fach. Das heißt: uneingeschränkter Hochschulzugang, du darfst jedes Fach studieren, auch Rechtswissenschaften, ganz ohne fachlichen Bezug deiner Fortbildung. Solche Aufstiegsfortbildungen sind im Berufsbildungsgesetz und in der Handwerksordnung geregelt, die Gleichstellung beruht auf Beschlüssen der Kultusministerkonferenz, die die Länder in ihren Hochschulgesetzen umgesetzt haben. Ein Handwerksmeister steht damit formal auf einer Stufe mit einem Abiturienten. Selbst wer nur die Hauptschule mit dem Hauptschulabschluss verlassen und danach eine Ausbildung samt Aufstiegsfortbildung gemacht hat, kommt auf diesem Weg an die Universität.
Hinweis: Auf den offiziellen Zulassungsseiten der Länder und Universitäten begegnen dir diese Aufstiegsabschlüsse oft in gegenderter Schreibweise, etwa als Meister*in, als Abschluss als Techniker*in oder als Fachwirt*in. Gemeint ist damit dasselbe wie im Fließtext.
Ausbildung plus Berufserfahrung: der fachgebundene Zugang
Auch ohne Aufstiegsfortbildung geht es. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und in der Regel mehrere Jahre Erfahrung, oft mindestens zwei bis drei, führen zur fachgebundenen Hochschulzugangsberechtigung, teils auch fachgebundene Hochschulreife genannt. Der Haken: Der Beruf muss fachlich zum Studium passen, du musst die Berufserfahrung also im richtigen Feld gesammelt haben. Wer bereits mehrere Jahre einschlägige Berufserfahrung gesammelt hat, ist hier klar im Vorteil. Für Jura sind das typischerweise Ausbildungen im juristischen Bereich, etwa die Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten, zur Notarfachangestellten oder im mittleren Justizdienst. Mit dieser Berechtigung kannst du dich an einer Universität oder Hochschule für den passenden Studiengang einschreiben. Wer aus einem fachfremden Bereich kommt, hat es schwerer und muss den Bezug oft eigens nachweisen.
Hinweis: Fachnah oder fachfremd ist die entscheidende Weiche. Prüfe früh, ob deine Ausbildung einen erkennbaren juristischen Bezug hat. Ist der Bezug schwach, kann eine Zugangsprüfung oder der Umweg über eine Aufstiegsfortbildung der sicherere Weg sein.
Zugangsprüfung und Begabtenprüfung ohne Berufsabschluss
Bleibt der dritte Weg für alle, die weder eine passende Aufstiegsfortbildung noch die geforderte Berufserfahrung mitbringen. Viele Länder bieten eine Zugangsprüfung oder Eignungsprüfung an, teils als sogenannte Begabtenprüfung für besonders befähigte Berufstätige. Dort weist du in einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung nach, dass du dem Studium gewachsen bist. Manche Hochschulen setzen stattdessen oder zusätzlich auf ein Probestudium: Du startest auf Probe und musst nach einigen Semestern bestimmte Leistungen vorweisen, um endgültig zugelassen zu werden.
Kann man mit Fachabitur (Fachhochschulreife) Jura studieren?
Kurz gesagt: nicht direkt auf das Staatsexamen. Die Fachhochschulreife, umgangssprachlich Fachabi, berechtigt zum Studium an Fachhochschulen, nicht zum grundständigen Jurastudium an einer Universität. Und das erste Staatsexamen gibt es nur dort. Trotzdem ist Fachabi kein Ausschluss, es braucht nur einen Zwischenschritt.

Warum die Fachhochschulreife allein nicht reicht
Rechtswissenschaft mit dem Ziel Staatsexamen ist ein Universitätsfach. Die Fachhochschulreife qualifiziert dagegen für Fachhochschulen und für Bachelorstudiengänge wie Wirtschaftsrecht, etwa an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Diese führen zu einem Bachelor of Laws, nicht zur Befähigung zum Richteramt. Für den klassischen Juristenweg reicht das Fachabi als alleinige Zugangsvoraussetzung also nicht.
Fachabi plus Aufstiegsfortbildung oder Prüfung
Mit dem Fachabi in der Hand bist du den anderen Wegen aber schon näher. Einige Bundesländer, etwa Niedersachsen, rechnen die Fachhochschulreife zusammen mit einer fachbezogenen Zusatzleistung oder einem Praktikum an und stellen sie so der Hochschulreife gleich. In anderen Ländern kombinierst du das Fachabi mit einer Aufstiegsfortbildung oder einer Begabtenprüfung. So wird aus der fachgebundenen eine breitere Berechtigung. Was konkret gilt, steht im jeweiligen Landeshochschulgesetz.
Tipp: Wenn du den Umweg über einen Bachelor of Laws gehst, kannst du die juristischen Grundlagen schon vorher aufbauen. Auf jurahilfe.de lernst du den kompletten BGB Allgemeinen Teil dauerhaft kostenlos, mit Skripten, Karteikarten und Fällen, ohne Zeitlimit und ohne Zahlung. So startest du nicht bei null.
Jura ohne NC studieren: an vielen Unis zulassungsfrei
Eine gute Nachricht für alle, die keinen Spitzenabschluss vorweisen: Jura ist an zahlreichen Universitäten zulassungsfrei. Einen Numerus Clausus gibt es dort gar nicht, du bekommst deinen Studienplatz ohne Auswahlverfahren nach Note. Das entlastet gerade den Weg ohne Abitur, denn eine Durchschnittsnote im klassischen Sinn hast du oft ohnehin nicht.
An welchen Universitäten Jura zulassungsfrei ist
Zulassungsfrei bedeutet: Wer die formale Hochschulzugangsberechtigung hat, wird eingeschrieben. An Standorten wie Passau, der Universität Bielefeld, Greifswald, Halle, Jena, Leipzig, Frankfurt an der Oder oder Saarbrücken kannst du Rechtswissenschaften ohne NC beginnen. Wo es einen NC gibt, meist an besonders gefragten Universitäten in großen Städten, liegt er für Jura in aller Regel deutlich höher, also leichter erreichbar, als etwa in der Medizin. Die genauen Werte schwanken von Semester zu Semester, ein Blick auf die Seite der jeweiligen Universität lohnt sich vor jeder Bewerbung.
Was der Numerus Clausus mit dem Weg ohne Abitur zu tun hat
Für beruflich Qualifizierte laufen häufig eigene Kontingente. Studieninteressierte ohne Abitur bewerben sich nicht über denselben Notenschnitt wie Schulabgänger, sondern über ihre berufliche Qualifikation. An zulassungsfreien Universitäten spielt der NC ohnehin keine Rolle. Damit ist der oft gefürchtete Numerus Clausus für viele Wege ohne Abitur kein echtes Hindernis. Private Universitäten wie die Bucerius Law School verlangen dagegen ein eigenes Auswahlverfahren; wer den Weg ohne Abitur geht, ist an den staatlichen Universitäten meist besser aufgehoben.
Bewerbung und Zulassung: je nach Bundesland verschieden
Bildung ist in Deutschland Ländersache. Alle 16 Bundesländer regeln den Hochschulzugang ohne Abitur in ihren eigenen Hochschulgesetzen, und die Unterschiede sind spürbar. Deshalb lohnt es sich, früh das Recht deines Bundeslandes und die Vorgaben deiner Wunschuniversität zu prüfen.
Beratungsgespräch, Eignungsprüfung und Mindestnote
Manche Länder verlangen vor der Bewerbung ein verpflichtendes Beratungsgespräch, etwa Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Andere setzen eine Eignungsprüfung oder eine Mindestnote in der Aufstiegsfortbildung voraus. Wieder andere lassen dich über ein Probestudium einsteigen. Diese Hürden sind kein Misstrauen, sondern sollen sicherstellen, dass du das Studium realistisch schaffst. Wer sie kennt, plant die eigene Bewerbung entspannter.
Welche Unterlagen deine Bewerbung braucht
Für die Bewerbung brauchst du in der Regel den Nachweis deiner beruflichen Qualifikation, also das Zeugnis der Aufstiegsfortbildung oder der Berufsausbildung, dazu Nachweise über deine Berufserfahrung und je nach Land das Ergebnis der Zugangsprüfung oder des Beratungsgesprächs. Manche Leistungen aus Ausbildung oder Fortbildung kannst du dir später sogar auf das Studium anrechnen lassen. Frag bei der Studienberatung deiner Wunschuniversität nach, welche Unterlagen konkret verlangt werden und bis wann sie vorliegen müssen.
Alternative Studiengänge und Voraussetzungen, um Jura zu studieren
Nicht jeder muss zwingend auf das Staatsexamen zielen. Je nach Berufswunsch sind andere juristische Studiengänge der schnellere oder passendere Weg, gerade mit Fachabi. Zwischen diesen Studiengängen zu wählen, hängt vom Berufsziel ab. Und unabhängig vom Zugang entscheidet am Ende, ob dir das Fach liegt.
Bachelor of Laws und Wirtschaftsrecht ohne Staatsexamen
Mit Fachhochschulreife kannst du direkt einen Bachelor of Laws studieren, oft in Wirtschaftsrecht oder in einer verwandten Fachrichtung. Solche Studiengänge führen nicht zum Volljuristen, öffnen aber Berufe wie Compliance, Mediation oder die Rechtsabteilung eines Unternehmens. Wer den öffentlichen Dienst anstrebt, findet im dualen Studium Bachelor of Laws einen bezahlten Einstieg. Darauf lässt sich später ein Master of Laws aufsetzen. Und selbst das Staatsexamen ist im Fernstudium erreichbar: Die FernUni Hagen bietet den Weg teils sogar ohne Abitur, wie der Beitrag zum Jura Fernstudium an der FernUni Hagen zeigt.
Was du mitbringen musst, um Jura zu studieren
Jura ist ein Textfach. Wer gern liest, sauber argumentiert und abstrakt denkt, bringt mehr mit als jemand mit glattem Einserabi, aber ohne Ausdauer. Ein Latinum ist für das Studium nicht überall nötig, prüfe das aber an deiner Universität, bevor du das Studium starten willst. Die Anforderungen des Jurastudiums sind hoch, und nach dem ersten Examen folgt der juristische Vorbereitungsdienst, das Referendariat. Beruflich Qualifizierte haben oft einen echten Vorteil: Sie bringen praktische Erfahrungen aus dem Beruf mit, kennen Fristen, Verträge und juristische Sprache und wissen genau, warum sie studieren. Diese Motivation trägt durch die langen Lernphasen.
Wie es ist, ohne Abitur unter Kommilitonen zu studieren
In der Vorlesung sieht dir niemand an, ob du über das Abitur oder über den Meister gekommen bist. Beruflich Qualifizierte sind im Hörsaal längst normal, und die meisten Kommilitonen interessiert dein Weg wenig. Was zählt, ist das gleiche wie bei allen: dranbleiben, den Stoff verstehen, Klausur für Klausur bestehen. Deine praktischen Erfahrungen aus dem Beruf können dir im Gegenteil helfen, trockene Fälle schneller greifbar zu machen.
Tipp: Ob dir das Jurastudium liegt, merkst du am besten, indem du es ausprobierst. Auf jurahilfe.de kannst du mit echten Fällen und Multiple-Choice-Aufgaben testen, wie sich juristisches Arbeiten anfühlt, bevor du dich einschreibst.
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- Jura Studium Dauer: Regelstudienzeit und wie lange wirklich?: Wie viele Semester das Studium und der Weg zum Volljuristen wirklich dauern.
- Wie wird man Anwalt, Richter und Staatsanwalt?: Welche juristischen Berufe nach dem Staatsexamen offenstehen und wie der Weg dahin aussieht.
- Jura Durchfallquote: Statistik zum Staatsexamen: Wie hart das Examen wirklich ist, mit aktuellen Zahlen und Bundesländer-Vergleich.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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