Für Jura in Göttingen brauchst du keinen bestimmten Abiturschnitt. Die Juristische Fakultät der Georg-August-Universität ist zulassungsfrei, du schreibst dich ohne vorherige Bewerbung ein, und das geht zum Winter- wie zum Sommersemester. Dahinter steht eine der ältesten und größten Jura-Fakultäten Deutschlands: rund 2.600 Jurastudierende, 26 hauptamtliche Professuren, neun Schwerpunktbereiche und ein kostenloses Uni-Repetitorium, das die Examensvorbereitung komplett abdeckt.
Die eigentliche Frage lautet deshalb: Passt die Fakultät zu dir? Genau darum geht es hier.
Auf einen Blick:
- Zulassung: kein NC, keine Bewerbung, Einschreibung direkt über das Portal der Uni. Start im Winter- und im Sommersemester.
- Studium: Regelstudienzeit zehn Semester, Zwischenprüfung im Grundstudium, seit Sommer 2025 zusätzlich ein integrierter Bachelor of Laws.
- Schwerpunkte: neun Bereiche von den historischen und philosophischen Grundlagen des Rechts bis zum Medizinrecht.
- Examensvorbereitung: der Göttinger Examenskurs mit wöchentlichem Klausurenkurs, Klausurenklinik und zweimal jährlich Probeexamen, kostenlos.
- Leben: Semesterbeitrag knapp 500 Euro, Wohnheimplätze ab 140 Euro, die Uni rechnet mit 800 bis 1.000 Euro im Monat.
Tipp
Egal an welcher Uni du landest, den Pflichtstoff musst du selbst durchdringen. Auf jurahilfe.de findest du interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen: erst verstehen, dann wiederholen, dann am Fall testen.
Die Juristische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen
Die Juristische Fakultät in Göttingen sitzt mitten in der Stadt, am Platz der Göttinger Sieben 6 in 37073 Göttingen. Die Adresse erinnert an das bekannteste Kapitel der Göttinger Rechtsgeschichte. Dazu gleich mehr.

Die Fakultät in Zahlen: Studierende, Professuren, Bibliotheken
An der Juristischen Fakultät sind rund 2.810 Studierende eingeschrieben, davon etwa 2.600 im Studiengang Rechtswissenschaften. Sie werden von 26 hauptamtlichen Professorinnen und Professoren betreut, dazu kommen Honorarprofessuren, Lehrbeauftragte aus der Praxis und der wissenschaftliche Mittelbau. Das ist eine große Fakultät, aber keine anonyme: Auf eine Professur kommen rechnerisch gut 100 Studierende, ein Wert im guten Mittelfeld deutscher Volluniversitäten.
Bei den Lernorten lohnt eine Unterscheidung. Die juristische Bereichsbibliothek im Juridicum schließt werktags am frühen Abend, die Zentralbibliothek der Staats- und Universitätsbibliothek dagegen erst um 24 Uhr, am Wochenende um 22 Uhr. Wer Klausurenphasen kennt, weiß, wie viel eine späte Öffnungszeit wert ist. Dazu kommt der Zugang zu den juristischen Datenbanken, den Studierende auf StudyCheck mit 4,5 von 5 Sternen bewerten, dem besten Einzelwert der Fakultät.
Was die Fakultät nicht bietet, ist die Betreuung im Kleingruppenformat einer Law School. Dafür ist sie zu groß.
Ruf und Geschichte: Warum die Uni Göttingen in Deutschland einen Namen hat
Die Georg-August-Universität wurde 1737 von Georg II. gegründet und ist damit die älteste noch bestehende Universität Niedersachsens. Über 40 Nobelpreisträger sind mit ihr verbunden. Zu den Alumni zählen Otto von Bismarck, die Gebrüder Grimm, Gerhard Schröder und Richard von Weizsäcker.
Für Juristen kommt eine zweite Linie dazu. In Göttingen lehrte ab 1872 bis zu seinem Tod 1892 Rudolf von Jhering. In dieser Zeit entstand „Der Zweck im Recht“. „Der Kampf ums Recht“ erschien 1872, im Jahr seines Wechsels nach Göttingen. Auf diese Jahre geht die Interessenjurisprudenz zurück, mit der du in der Auslegungslehre arbeitest. Noch bekannter ist eine andere Episode. 1837 protestierten sieben Göttinger Professoren, darunter Jacob und Wilhelm Grimm, gegen die Aufhebung des Staatsgrundgesetzes durch den König von Hannover. Alle sieben wurden entlassen, drei des Landes verwiesen. Die Göttinger Sieben sind bis heute das Schulbeispiel für den Konflikt zwischen Beamtenpflicht und Verfassungstreue, und die Adresse der Fakultät erinnert daran.
Übrigens: Der Ruf einer Fakultät entscheidet in Deutschland deutlich weniger über deine Karriere als die Examensnote. Wo du studierst, steht später auf keinem Zeugnis, das eine Kanzlei zuerst ansieht.

Bekannte Professorinnen und Professoren
Im Strafrecht lehrt Kai Ambos, einer der international bekanntesten deutschen Völkerstrafrechtler; er ist zugleich Richter an den Kosovo-Sondertribunalen in Den Haag. Gunnar Duttge verbindet Strafrecht mit Medizinrecht und prägt damit einen der Schwerpunktbereiche der Fakultät. Uwe Murmann steht für das klassische Strafrecht und die Strafrechtsdogmatik, Alexander Baur für die Kriminologie.
Diese Namen sind kein Zufall: Die Kriminalwissenschaften sind traditionell eine Stärke Göttingens, und das schlägt sich im Lehrangebot nieder. Wer sich für Strafrecht, Kriminologie oder Völkerstrafrecht interessiert, findet hier mehr Auswahl als an vielen anderen Fakultäten.
Fachschaft, studentische Initiativen und weitere Studiengänge
Die Fachschaft Jura organisiert Ersti-Wochen, Altklausurenarchive und Fachschaftsabende und ist die erste Anlaufstelle, wenn du praktische Fragen zum Studienalltag hast. Daneben gibt es die studentische Legal-Tech-Initiative eLegal e.V. und ein Rechtsberatungsprojekt, in dem Studierende unter anwaltlicher Aufsicht kostenlos beraten. Beides ist Praxiserfahrung, die im Lebenslauf sichtbar wird.
Neben dem Staatsexamen werden an der Fakultät weitere Studiengänge angeboten. Der 2-Fächer-Bachelor Rechtswissenschaft führt zum Bachelor of Arts und kombiniert Jura mit einem zweiten Fach. Seit Sommer 2025 kommt der integrierte Bachelor of Laws parallel zum Staatsexamen dazu. Du hast also mehr als einen Weg durch die Fakultät.
Zulassung und Bewerbung: Hat Jura in Göttingen einen NC?
Nein. Rechtswissenschaften ist an der Uni Göttingen zulassungsfrei, im Steckbrief der Universität steht wörtlich „zulassungsfrei (Einschreibung ohne vorherige Bewerbung)“. Es gibt also keinen Numerus clausus, keine Auswahlgrenze und kein Wartesemester-Verfahren. Wer die allgemeine Hochschulreife hat, schreibt sich ein und studiert. Die Eckdaten im Überblick:
| Punkt | Regelung in Göttingen |
|---|---|
| Zulassung | zulassungsfrei, kein NC |
| Bewerbung | keine, direkte Einschreibung über das Uni-Portal |
| Portal offen ab | 1. Juni (Wintersemester), 1. Dezember (Sommersemester) |
| Studienbeginn | Winter- und Sommersemester |
| Regelstudienzeit | 10 Semester inklusive Schwerpunktbereich |
| Abschluss | Erste Prüfung (Staatsexamen), auf Antrag zusätzlich LL.B. |
Wie hoch ist der NC für Rechtswissenschaften?
Es gibt keinen. Das ist der wichtigste praktische Unterschied zu Fakultäten wie Köln, Heidelberg oder Hamburg, wo der Numerus clausus fürs Jurastudium je nach Semester zwischen 1,x und 2,x liegt und regelmäßig Bewerber aussortiert. Göttingen gehört zu der Gruppe von Fakultäten, die bewusst offen bleiben.
Das hat zwei Seiten. Für dich heißt das vor allem: kein Bewerbungsstress und keine Wartezeit. Für die Fakultät heißt es größere und heterogenere Anfängerjahrgänge. Die Auswahl fällt dann in den ersten Klausuren.
Einschreibung ohne vorherige Bewerbung
Die Bewerbung über hochschulstart.de entfällt. Du schreibst dich direkt über das Portal der Universität ein. Für das Wintersemester ist das ab dem 1. Juni möglich, für das Sommersemester ab dem 1. Dezember. Gebraucht werden Hochschulzugangsberechtigung, Krankenversicherungsnachweis und der Semesterbeitrag.
Dein Weg führt nicht über das klassische Abitur? Auch dann geht es weiter. Jura studieren ohne Abitur ist in Niedersachsen über die berufliche Qualifikation möglich, die Voraussetzungen regelt das Land.
Studienbeginn im Winter- oder Sommersemester
Göttingen lässt dich in beiden Semestern starten. Das ist selten und praktisch wertvoll, wenn du nach dem Abitur ein halbes Jahr überbrückt hast, aus einem anderen Fach wechselst oder nach dem Zivildienst-Nachfolger einsteigen willst. Du verlierst kein volles Jahr.
Die Mehrheit beginnt trotzdem im Wintersemester, und die Anfängerveranstaltungen sind darauf ausgerichtet. Im Sommersemester ist der Jahrgang kleiner, die Gruppen sind übersichtlicher, dafür läuft der Zyklus mancher Vorlesungen versetzt. Wer im Sommer startet, sollte den Studienverlaufsplan der Fakultät einmal in Ruhe durchgehen.
Der Studiengang Rechtswissenschaften: Aufbau und Inhalte des Studiums
Die Regelstudienzeit beträgt in Göttingen zehn Semester und schließt die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung ein. Geprüft wird der Pflichtstoff in den drei großen Teilgebieten Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht, jeweils samt Verfahrensrecht, dazu kommen die Grundlagenfächer wie Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie. Grob gerechnet entfallen drei bis vier Semester auf das Grundstudium, zwei bis drei auf das Hauptstudium und rund zwei auf den Schwerpunktbereich.

Grundstudium und Zwischenprüfung
Das Grundstudium bringt dir die Grundlagen in allen drei Rechtsgebieten und endet mit der Zwischenprüfung. Sie setzt sich aus studienbegleitenden Klausuren zusammen: Wer die geforderten Leistungen in allen Pflichtfächern erbringt, hat sie bestanden. Praktisch heißt das: Wer mindestens zwei der drei Rechtsgebiete früh im Griff hat, kommt ohne Rückstand durch. Wie sich der Ablauf insgesamt zusammensetzt, zeigt der Überblick zum Aufbau und Ablauf des Jurastudiums.
Praktisch entscheidet sich hier viel. Die ersten Klausuren sind für viele der erste echte Kontakt mit dem Gutachtenstil, und die Durchfallquoten in den Anfängerübungen sind an jeder deutschen Fakultät hoch. Schlag früh § 929 BGB auf und schreib den ersten Fall selbst durch, statt nur mitzulesen.
Tipp
Der komplette BGB AT ist auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos und ohne Zeitlimit nutzbar, mit Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben. Genau der Stoff, an dem sich im ersten Semester entscheidet, ob du den Gutachtenstil beherrschst.
Hauptstudium, Übungen für Fortgeschrittene und Seminare
Im Hauptstudium steht die Vertiefung des Pflichtstoffs an, und die Übungen für Fortgeschrittene sind die Nagelprobe: Klausuren auf Examensniveau, dazu die große Hausarbeit. Wer hier ohne Lücken arbeitet, hat den Übergang in die Examensvorbereitung schon halb geschafft.
Dazu kommen Seminare, in denen du wissenschaftlich arbeitest statt Fälle zu lösen. Dort zeigt sich, ob ein Thema für eine Promotion reicht. Auslandssemester lassen sich hier gut einbauen: Die Fakultät ist über die Universität an rund 160 Erasmus-Plätze in mehr als 60 Partneruniversitäten angebunden.
Tipp
Im Hauptstudium rächt sich Inselwissen. Das mehrstufige Lernsystem auf jurahilfe.de verknüpft Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben miteinander, sodass du zwischen Verstehen, Wiederholen und Testen wechselst, statt drei getrennte Materialstapel zu pflegen.
Die Erste Prüfung in der niedersächsischen Juristenausbildung
Die Erste Prüfung besteht aus zwei Teilen. Die staatliche Pflichtfachprüfung nimmt das Landesjustizprüfungsamt Niedersachsen ab, die Schwerpunktbereichsprüfung die Universität. Nach § 5d DRiG fließt die staatliche Prüfung mit 70 Prozent, die universitäre mit 30 Prozent in die Gesamtnote ein. Die Studienzeit setzt § 5a DRiG bundesweit auf viereinhalb Jahre fest.
Der staatliche Teil besteht aus Klausuren und einer mündlichen Prüfung. Auf letztere bereitet die Fakultät mit simulierten Prüfungen vor, und wer wissen will, was dort wirklich passiert, findet den Ablauf in unserem Beitrag zur mündlichen Prüfung im Jurastudium.
Integrierter Bachelor of Laws neben dem Staatsexamen
Seit Sommer 2025 vergibt die Fakultät einen integrierten Bachelor of Laws. Voraussetzung ist die bestandene Zwischenprüfung samt der dafür nötigen Leistungen; der Abschluss wird auf Antrag verliehen, ohne dass du zusätzliche Veranstaltungen belegen musst. Damit hast du nach rund vier Semestern einen berufsqualifizierenden Abschluss in der Hand, falls du das Studium doch nicht bis zum Examen führst.
Wie viel dieser Titel wirklich wert ist, hängt vom Arbeitsmarkt ab und nicht vom Studienverlauf. Wir haben das in zwei Beiträgen auseinandergenommen: einmal zum integrierten Bachelor Jura samt Antrag, einmal zum Bachelor of Laws als eigenständigem Studiengang. Kurzfassung: Als Sicherheitsnetz ist er sinnvoll, als Karriereziel selten.
Schwerpunktbereiche an der Uni Göttingen
Göttingen bietet neun Schwerpunktbereiche an, deutlich mehr als der Durchschnitt. Der Schwerpunkt macht 30 Prozent deiner Examensnote aus. Die Wahl ist also auch eine taktische Entscheidung.
Diese neun Schwerpunktbereiche stehen zur Wahl
Angeboten werden: Historische und philosophische Grundlagen des Rechts; Privates und öffentliches Wirtschaftsrecht; Zivilrecht und Zivilrechtspflege; Privates und öffentliches Medienrecht; Internationales und Europäisches öffentliches Recht; Kriminalwissenschaften; Arbeits- und Sozialordnung; Medizinrecht; Öffentliches Recht: Regieren, Regulieren und Verwalten.
| Schwerpunktbereich | Ausrichtung |
|---|---|
| Historische und philosophische Grundlagen des Rechts | Dogmengeschichte, Rechtstheorie, wissenschaftliches Arbeiten |
| Privates und öffentliches Wirtschaftsrecht | Gesellschafts-, Kartell- und Regulierungsrecht |
| Zivilrecht und Zivilrechtspflege | Vertiefung im Zivilrecht samt Verfahren und Vollstreckung |
| Privates und öffentliches Medienrecht | Presse-, Rundfunk-, Urheber- und Datenrecht |
| Internationales und Europäisches öffentliches Recht | Völkerrecht, Unionsrecht, Menschenrechtsschutz |
| Kriminalwissenschaften | Strafrechtsdogmatik, Kriminologie, Strafverfahren |
| Arbeits- und Sozialordnung | Individual- und Kollektivarbeitsrecht, Sozialrecht |
| Medizinrecht | Arzthaftung, Berufsrecht, Bio- und Forschungsrecht |
| Öffentliches Recht: Regieren, Regulieren und Verwalten | Staatsorganisation, Verwaltungshandeln, Regulierung |
Zwei fallen im bundesweiten Vergleich auf. Das Medizinrecht ist an nur wenigen Fakultäten als eigener Schwerpunkt ausgebaut, und die Kombination aus Universitätsmedizin und Lehrstuhl macht ihn hier besonders tragfähig. Die historischen und philosophischen Grundlagen des Rechts sind der Gegenentwurf: Dogmengeschichte und Rechtstheorie für alle, die wissenschaftlich weiterdenken wollen.
Ablauf der Schwerpunktbereichsprüfung
Die Schwerpunktbereichsprüfung setzt sich aus einer schriftlichen Studienarbeit, Aufsichtsarbeiten und einer mündlichen Prüfung zusammen. Sie liegt im Hauptstudium und wird in aller Regel vor dem staatlichen Teil abgelegt, weil die Note dann feststeht, wenn du dich auf die Pflichtfachprüfung konzentrierst.
Bei der Wahl gilt eine unbequeme Wahrheit: Die Notenschnitte unterscheiden sich zwischen den Schwerpunkten spürbar, und die 30 Prozent sind der leichter beeinflussbare Teil der Examensnote. Welche Kriterien wirklich zählen, haben wir in Was ist der beste Schwerpunkt im Jurastudium? zusammengetragen.
Examensvorbereitung an der Universität Göttingen
Die Examensvorbereitung ist der Punkt, an dem sich Fakultäten wirklich unterscheiden. Göttingen setzt auf ein vollständiges Uni-Repetitorium, den Göttinger Examenskurs, und der kostet nichts.
Der Göttinger Examenskurs: Lernen im Uni-Repetitorium
Der Examenskurs deckt den kompletten Pflichtstoff ab und wird von den Professorinnen und Professoren der Fakultät selbst gehalten. Dazu kommen ein wöchentlicher Klausurenkurs, zweimal jährlich ein Probeexamen und eine simulierte mündliche Prüfung. Die Besonderheit ist die Klausurenklinik: eine individuelle Fehleranalyse. Sie zeigt dir das Muster hinter deinen Fehlern.
Gegenüber einem kommerziellen Repetitorium sparst du damit einen vierstelligen Betrag. Der Unterschied liegt weniger im Stoff als in der Verbindlichkeit: Ein bezahltes Rep zwingt dich in einen Takt, das Uni-Rep verlangt, dass du dir den Takt selbst gibst. Wer das nicht kann, ist mit Struktur von außen besser bedient. Ein Gerüst dafür liefert unser Masterplan für das erste Staatsexamen.

Tipp
Wiederholen ist im Examen wichtiger als Neulernen. Die Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de legen dir genau die Karten vor, die du zu vergessen beginnst, statt dich denselben Stoff dreimal lesen zu lassen.
Freiversuch und Verbesserungsversuch nach dem NJAG
Niedersachsen kennt den Freiversuch nach § 18 NJAG. Meldest du dich spätestens unmittelbar nach dem achten Fachsemester zur staatlichen Pflichtfachprüfung, gilt ein Nichtbestehen als nicht unternommen. Nicht mitgezählt werden nach § 17 NJAVO unter anderem Beurlaubungen wegen Krankheit, bis zu drei Auslandssemester, bis zu zwei Semester Gremientätigkeit und ein Semester für einen Moot Court.
Zwei Punkte werden häufig übersehen. Erstens erlaubt Niedersachsen das Abschichten, du kannst die Klausuren also in zwei Blöcken nach den Rechtsgebieten Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht schreiben. Zweitens wird der bestandene Freiversuch zum Regelversuch, danach bleibt nur noch ein Notenverbesserungsversuch. Die Landesunterschiede haben wir im Überblick zu Freischuss und Abschichten in allen 16 Bundesländern aufgeschlüsselt, die Rechnung hinter dem zweiten Anlauf im Beitrag zum Verbesserungsversuch im Examen.
Ob du den Freiversuch überhaupt ausreizen solltest, ist eine eigene Frage. Wer nach acht Semestern erkennbar nicht so weit ist, verschenkt den Freiversuch. Das kommt teurer als ein Semester mehr Vorbereitung.
Ergebnisse im ersten Staatsexamen
Die Zahlen für Niedersachsen sehen gut aus. Von den Kandidatinnen und Kandidaten, die 2024 die Erste Prüfung bestanden haben, erreichten 44,8 Prozent ein Prädikat, also vollbefriedigend oder besser: 0,6 Prozent sehr gut, 8,3 Prozent gut und 35,9 Prozent vollbefriedigend. Bundesweit lag die Durchfallquote 2024 bei 27,4 Prozent. Die Notenverteilung der 641 Bestandenen in Niedersachsen sah so aus:
| Note | Anteil der Bestandenen |
|---|---|
| sehr gut | 0,6 % |
| gut | 8,3 % |
| vollbefriedigend | 35,9 % |
| befriedigend | 43,7 % |
| ausreichend | 11,5 % |

Für Göttingen selbst berichtet LTO eine Prädikatsquote von nahezu 26 Prozent bei einer Durchfallquote von rund 26 Prozent. In der universitären Schwerpunktprüfung lag der Notendurchschnitt im Prüfungsjahr 2023/24 bei 11,268 Punkten bei 212 Teilnehmenden, das ist solides vollbefriedigend. Was diese Werte praktisch bedeuten, ordnen wir im Beitrag zum Prädikatsexamen ein.
Ein Hinweis zur Einordnung: Prädikatsquoten der Länder werden unterschiedlich berechnet, mal bezogen auf alle Teilnehmenden, mal nur auf die Bestandenen. Vergleiche zwischen Bundesländern sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.
Jura studieren und leben in Göttingen
Göttingen ist eine Stadt, die ohne ihre Universität kaum wiederzuerkennen wäre. Das prägt Wohnungsmarkt, Nachtleben und Preisniveau, und zwar zu deinen Gunsten.
Was macht Göttingen zur Studentenstadt?
Die Altstadt ist klein genug, um sie zu Fuß zu durchqueren, und der halbe Weg führt an Fachwerkhäusern vorbei. Zentraler Treffpunkt ist der Gänseliesel-Brunnen auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus, dazu der Wilhelmsplatz vor der Universitätsaula und der „Nabel“ in der Fußgängerzone. Wer sich um 20 Uhr verabredet, sagt einen dieser drei Namen, mehr braucht es nicht.
Praktisch heißt das: kurze Wege. Bibliothek, Wohnung und Kneipe liegen nah beieinander. Für ein Fach mit vielen Stunden am Schreibtisch zählt jede eingesparte Wegzeit.

Wohnen und Kosten im Jurastudium
Der Semesterbeitrag liegt bei 484,18 Euro im Wintersemester und 466,40 Euro im Sommersemester. Studiengebühren fallen nicht an. Der Beitrag deckt Verwaltungskosten, Studierendenwerk und Studierendenschaft ab, den größten Posten macht das deutschlandweite Semesterticket aus. Das Ticket allein ist den Beitrag wert, es gilt bundesweit im Nahverkehr.
Beim Wohnen ist Göttingen entspannter als die großen Universitätsstädte. Das Studierendenwerk hält mehr als 4.400 Wohnheimplätze vor. Die Mieten liegen dort je nach Haus und Zuschnitt im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Ein Zimmer auf dem freien Markt kostet im Schnitt etwa 300 Euro. Die Universität selbst rechnet mit 800 bis 1.000 Euro pro Monat für alles zusammen. Was ein Jurastudium insgesamt kostet, inklusive Literatur und Repetitorium, rechnen wir in Jura Studium Kosten durch.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Semesterbeitrag Wintersemester | 484,18 € |
| Semesterbeitrag Sommersemester | 466,40 € |
| Studiengebühren | keine |
| Zimmer im Wohnheim | mehr als 4.400 Plätze, günstiger als der freie Markt |
| Zimmer auf dem freien Markt | rund 300 € im Schnitt |
| Lebenshaltung gesamt | 800 bis 1.000 € pro Monat (Angabe der Universität) |
Feiern, Kultur und Freizeit
Das Ausgehviertel liegt innerhalb des Walls, und die Wege zwischen den Läden sind kurz. Das Trou in der Burgstraße ist eine Institution: Kellergewölbe, Fassbierbänke, Kerzen, seit Anfang der 1960er Jahre und bekannt für seine Altbierbowle. Die Nautibar in der Theaterstraße braut mit dem Scholar-Sud eigenes Bier, darunter das Magister Pils und ein Göttinger Ale. Die Villa Cuba in der Zindelstraße bringt karibische Küche und einen Innenhof für den Sommer.
Dazu kommen der Queens Head, das Café Kabale, der Sechs-Millionen-Dollar-Club, das Salamanca und ein gutes Dutzend weiterer Adressen. Kulturell bespielt das Deutsche Theater die Stadt. Der Wall lädt zum Laufen ein, die umliegenden Hügel sind in einer halben Stunde mit dem Rad erreichbar.

Erfahrungen: Wie Studierende die Fakultät bewerten
Auf StudyCheck kommt Rechtswissenschaft in Göttingen auf 3,8 von 5 Sternen bei 199 Bewertungen aus den letzten drei Jahren; 93 Prozent würden das Studium weiterempfehlen. Am besten schneidet der Zugang zu Literatur und Datenbanken ab (4,5), gefolgt von den Studieninhalten (4,1), am schwächsten die Dozierenden (3,6).
Die Kritik ist spezifisch und deshalb brauchbar: Studierende bemängeln vor allem intransparente Bewertungsmaßstäbe in den Klausuren und die hohe, dauerhafte Lernbelastung. Beides gilt für das Jurastudium allgemein; wie schwer es wirklich ist, haben wir in Wie schwer ist das Jurastudium? aufgeschrieben.
Für wen ist die Uni Göttingen die richtige Wahl?
Ein Jurastudium in Göttingen passt zu dir, wenn du ohne Notenhürde starten willst und ein kostenloses Uni-Repetitorium schätzt. Dazu eine Stadt, in der die Miete kein Dauerthema ist. Es passt weniger, wenn du enge Betreuung in kleinen Gruppen erwartest oder ein Wirtschaftsrecht-Profil mit dichtem Kanzleikontakt suchst.
Stärken und Schwächen der Fakultät
Die Stärken sind schnell benannt. Keine Zulassungshürde, Start in beiden Semestern, neun Schwerpunktbereiche mit ungewöhnlichem Profil im Medizinrecht und in den Kriminalwissenschaften. Dazu ein kostenloser Examenskurs mit Klausurenklinik und ein integrierter Bachelor als Sicherheitsnetz. Und ein Preisniveau, das dir Nebenjobstunden erspart.
Die Schwächen liegen im selben System. Große Anfängerjahrgänge bedeuten volle Übungen. Die Bewertung der Dozierenden ist der schwächste Einzelwert auf StudyCheck. Und die Prädikatsquote der Fakultät liegt bei rund 26 Prozent, also im Mittelfeld. Wer ein Prädikat anstrebt, bekommt hier gute Bedingungen, aber keinen Automatismus.
Göttingen im Vergleich mit anderen Jura-Fakultäten in Deutschland
Im Vergleich der zulassungsfreien Fakultäten steht Göttingen gut da: mehr Schwerpunkte als die meisten, ein ausgebautes Uni-Rep und eine echte Traditionsfakultät statt einer Verlegenheitslösung. Eine ähnlich offene Traditionsfakultät mit kostenlosem Examensrepetitorium liegt in Thüringen, nachzulesen im Ortsführer zu Jura in Jena. Gegen NC-Fakultäten wie Heidelberg oder Tübingen tauscht man ein selektiertes Umfeld gegen einen offenen Zugang.
Innerhalb Niedersachsens ist Jura an der Uni Hannover der nächstliegende Vergleich: dieselbe Prüfungsbehörde und dieselben Klausuren, aber offener Zugang und ein kostenloses Examinatorium.
Wenn du noch mitten in der Auswahl steckst, hilft der Gesamtüberblick weiter: In Wo Jura studieren stehen alle Fakultäten mit Zulassungsmodus und Profil nebeneinander. Am Ende zählt ohnehin weniger die Fakultät als deine eigene Arbeit in diesen fünf Jahren. Dafür brauchst du ein System für Verstehen, Wiederholen und das Testen am Fall.
Weiterlesen
- Jura erstes Semester: Ersti-Guide: Was du in den ersten Wochen wirklich brauchst, von der Gesetzessammlung bis zum ersten Fall.
- Jura Notenskala: Noten und Punkte erklärt: Warum 9 Punkte in Jura mehr wert sind, als die Zahl vermuten lässt.
- Jura-Lernplan erstellen: Schritt für Schritt zu einem Plan, der auch in der Klausurenphase funktioniert.
- Jura lernen und nichts behalten?: Sechs Ursachen für das Vergessen und was dagegen hilft.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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