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Jura Klausuren mit Lösungen: die besten Quellen für Altklausuren

Studentin sitzt an einem Tisch mitten in einem Archivgang zwischen zwei hohen Wänden aus Karteikästen

Du willst endlich einmal eine Klausur unter echten Bedingungen schreiben, und findest keine. Willkommen im Normalzustand: Der Lernstoff liegt im Jurastudium überall herum, die Klausuren dazu nicht.

Jura Klausuren mit Lösungen findest du an vier Orten: in den Klausurportalen Jurafuchs Klausuren und KlausurKompass, in den Ausbildungszeitschriften JuS, JA und ZJS, in der Klausurensammlung deiner Fachschaft und in den Archiven der Lehrstühle an deiner Uni. Original-Examensklausuren sind der Sonderfall, die geben die Prüfungsämter außerhalb Bayerns nicht heraus.

Wer früh anfängt, Klausuren zu schreiben, schreibt am Ende bessere. Nur braucht man dafür erst einmal welche.

Auf einen Blick:

  • Portale zuerst: Jurafuchs Klausuren indexiert über 3.000 Klausuren aus JuS, JA, ZJS, JURA und JSE, KlausurKompass über 900. Die Suche ist kostenlos, der Volltext liegt aber meist beim Verlag der jeweiligen Zeitschrift.
  • Der Volltext hängt am Zeitschriften-Zugang. JuS und JA laufen über beck-online, meist per Campuslizenz deiner Uni-Bibliothek. Die ZJS ist komplett frei als PDF.
  • Deine Fachschaft hat das, was kein Portal hat: Altklausuren deiner eigenen Professoren. Oft nur nach Anmeldung mit Uni-Kennung.
  • Fremde Original-Examensklausuren geben die Justizprüfungsämter außerhalb Bayerns nicht heraus. Nach dem Bundesverwaltungsgericht bekommst du deine eigene Arbeit, kostenlos und auf Wunsch digital.
  • Für den Aufgabentext gilt das nicht. Den Sachverhalt behalten die Ämter, mit Bayern als bekannter Ausnahme.

Tipp

Wenn du beim Üben merkst, dass dir der Stoff hinter der Klausur fehlt, findest du auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen: erst verstehen, dann wiederholen, dann am Fall testen.

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Matrix: frei zugänglich sind ZJS und JSE, die Klausurportale sind frei durchsuchbar, der Volltext liegt bei den Zeitschriften
Abb. 1: Die vier Quellenarten, sortiert nach Zugang und Nähe zur eigenen Fakultät.

Wo findest du Jura Klausuren mit Lösungen?

Es gibt vier Quellenarten, und sie unterscheiden sich weniger im Umfang als in der Frage, wie nah sie an deiner eigenen Prüfung sind. Ein Klausurportal liefert dir in Sekunden hundert Sachverhalte, aber keinen davon hat dein Lehrstuhl gestellt. Die Fachschaft hat genau umgekehrt wenig Material, dafür das richtige.

Die Tabelle zeigt, was aus den folgenden Quellen jeweils herauskommt und was der Zugang kostet.

QuelleWas du bekommstKosten
KlausurportaleIndex mit Filtern über alle Zeitschriften, Verweis auf die FundstelleSuche kostenlos, Volltext über die Zeitschrift
AusbildungszeitschriftenKlausur mit ausformulierter Lösung, oft mit BewertungshinweisenZJS und JSE frei, JuS, JA und JURA über die Bibliothek
FachschaftssammlungAltklausuren und Hausarbeiten deiner eigenen Fakultätkostenlos, meist nur mit Uni-Kennung
Lehrstuhl und Uni-RepÜbungsfälle, Fallbesprechungen, Klausurenkurs mit Korrekturim Semesterbeitrag enthalten
Justizprüfungsamtnur deine eigene Arbeit samt Prüfergutachtenkostenlos, ohne Aufgabentext

Originalklausur oder Übungsklausur: der Unterschied zählt

Eine Originalklausur wurde wirklich einmal gestellt und bewertet, in einer Übung, einer Zwischenprüfung oder im Examen. Eine Übungsklausur ist für den Abdruck geschrieben worden, meist von einem Professor für eine Ausbildungszeitschrift. Beide sind nützlich, aber für Verschiedenes.

Die Übungsklausur ist didaktisch gebaut. Sie hat oft mehr Probleme auf weniger Seiten, als ein Korrektor in fünf Zeitstunden erwarten würde, und ihre Lösung ist ein ausformuliertes Gutachten mit Fußnoten. Das ist zum Lernen hervorragend und zum Zeitgefühl-Training irreführend. Die Originalklausur zeigt dir das echte Verhältnis von Bearbeitungszeit zu Stoffmenge, hat dafür aber häufig nur eine knappe Lösungsskizze oder gar keine.

Praktische Regel: Zum Aufbau eines Rechtsgebiets nimmst du Übungsklausuren, zur Prüfungssimulation Originalklausuren. Und wenn du wissen willst, wie dein eigener Lehrstuhl tickt, führt kein Weg an den Altklausuren aus deiner Fachschaft vorbei.

Spalten-Vergleich: Originalklausur zeigt das echte Zeitverhältnis, Übungsklausur liefert das ausformulierte Gutachten
Abb. 2: Woher die beiden Klausurarten kommen und wofür sie taugen.

Welche Quelle zu deinem Semester passt

Im ersten und zweiten Semester brauchst du kleine, klar geschnittene Sachverhalte mit vollständiger Lösung. Anfängerklausuren aus der JuS oder der ZJS sind dafür ideal, weil sie ein bis zwei Probleme sauber isolieren. Im Zivilrecht sind das typischerweise Sachverhalte rund um Kaufvertrag und Anfechtung, im Strafrecht die Eigentumsdelikte. Wer in dieser Phase eine Examensklausur aufschlägt, lernt vor allem, dass er noch nichts kann, und das ist keine hilfreiche Information.

Studierende sitzen an Einzeltischen in einem Seminarraum und schreiben konzentriert an ihrer Klausur

Ab der großen Übung wird die Mischung wichtig. Da lohnt es sich, gezielt nach Klausuren mit 240 oder 300 Minuten Bearbeitungszeit zu filtern, weil genau das die Länge ist, die du dann schreiben musst. In der Examensvorbereitung schließlich zählt fast nur noch die Originalklausur, ergänzt um die Examensklausuren der Zeitschriften.

Ein Wort zum Schwerpunktbereich: Dort ist die Lage am dünnsten. Portale und Zeitschriften decken die Pflichtfächer ab, dein Schwerpunkt taucht dort kaum auf. Frag in diesem Fall direkt am Lehrstuhl nach, dort liegen die alten Aufgaben.

Senkrechter Zeitstrahl: Anfängerklausur im ersten Studienjahr, Examensklausur ab dem siebten Semester
Abb. 3: Welche Klausurart in welchem Studienabschnitt trägt.

Klausurportale: Altklausuren in Sekunden filtern

Seit ein paar Jahren gibt es etwas, das dem Jurastudium lange gefehlt hat: durchsuchbare Indizes über alle Ausbildungszeitschriften hinweg. Statt zwölf Jahrgänge JuS durchzublättern, filterst du nach Rechtsgebiet, Schwierigkeitsgrad und Bearbeitungszeit und bekommst eine Trefferliste.

Jurafuchs Klausuren: der größte Index

Das Portal klausuren.jurafuchs.de indexiert nach eigenen Angaben über 3.000 Klausuren aus JuS, JA, ZJS, JURA und JSE, dazu Uni-Klausurenkurse und Original-Staatsexamina, verteilt auf knapp 60 Rechtsgebiete. Du kannst nach Rechtsgebiet, Quelle, Examensstufe und danach filtern, ob eine Lösung vorliegt.

Verlagsneutral heißt hier: Der Index nennt Fundstelle, Autor und Bearbeitungszeit, den Volltext liest du dann bei der jeweiligen Zeitschrift. Das Portal führt dich also zur Klausur hin, ausliefern muss sie die Zeitschrift. Frei lesen kannst du damit vor allem die Treffer aus ZJS und JSE. Alles aus JuS, JA und JURA landet bei beck-online oder De Gruyter und braucht einen Zugang. Für die Suche ist das Portal trotzdem der schnellste Weg, den es aktuell gibt.

KlausurKompass: filtern nach Rechtsgebiet und Zeitbedarf

Der KlausurKompass ist kleiner, dafür in einem Punkt schärfer: Er trennt Originalklausuren und Übungsklausuren sichtbar voneinander und weist den Zeitbedarf aus. Über 900 Klausuren sind erfasst, verteilt auf Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Das Portal selbst ist ohne Registrierung nutzbar; für die Volltexte gilt dieselbe Einschränkung wie bei Jurafuchs Klausuren. Es gibt Schnelleinstiege für die Zwischenprüfung und für Examensklausuren.

Wer gezielt eine Klausur für einen freien Samstagvormittag sucht, ist hier gut aufgehoben, weil die Filterung nach Bearbeitungszeit die Auswahl sofort auf das reduziert, was in dein Zeitfenster passt.

JuS Klausurfinder und JA Klausur-Campus

Beide Verlagsangebote sind älter als die freien Portale und decken jeweils nur das eigene Haus ab. Der Klausurfinder der JuS erschließt die Klausuren der Zeitschrift nach Rechtsgebiet und Semesterstand; der Klausur-Campus der JA macht dasselbe für die Juristische Ausbildung. Beide gehören zum beck-online-Angebot, der Zugriff auf Übersicht und Lösungen setzt in der Regel einen Zugang voraus, meist über die Universitätsbibliothek.

Für die reine Suche sind die freien Portale inzwischen besser, weil sie über die Verlagsgrenzen hinweg suchen. Den Klausurfinder brauchst du vor allem dann, wenn du ohnehin ein JuS-Abo oder einen Campuszugang hast und direkt in den Volltext springen willst.

Tipp

Bevor du dich an eine Klausur setzt, lohnt eine kurze Wiederholung der Grundlagen. Auf jurahilfe.de kannst du dasselbe Thema als kompaktes oder als ausführliches Skript lesen: kompakt zum schnellen Auffrischen vor der Übungsklausur, ausführlich, wenn du das Gebiet neu aufbaust.

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Ausbildungszeitschriften: JuS, JA, ZJS, JURA und JSE

Die Zeitschriften sind die eigentliche Quelle. Fast jede Klausur, die dir ein Portal anzeigt, ist dort erschienen. Fünf Titel decken das Feld praktisch vollständig ab: JuS und JA aus dem Verlag C.H.Beck, die JURA bei De Gruyter, dazu die frei zugängliche ZJS und die JSE.

Jede dieser Zeitschriften bringt pro Heft ein bis drei Klausuren, meist mit ausformulierter Lösung, oft mit Hinweisen zur Gewichtung und zu typischen Fehlern. Über die Jahre summiert sich das auf ein Archiv von einigen tausend Klausuren.

ZeitschriftVerlagZugang
JuSC.H.Beckbeck-online, meist per Campuslizenz
JAC.H.Beckbeck-online, meist per Campuslizenz
JURADe GruyterDatenbanklizenz der Bibliothek
ZJSeigener Herausgeberkreisfrei, ohne Anmeldung als PDF
JSEVerein der Zeitschrift JSEfrei, ohne Anmeldung als PDF

ZJS und andere frei zugängliche Zeitschriften

Die Zeitschrift für das Juristische Studium unter www.zjs-online.com ist der Sonderfall im Feld: komplett kostenlos, ohne Anmeldung, jede Ausgabe als PDF. Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht sind gleichermaßen vertreten, von der Anfängerklausur bis zur Examensklausur, und die Lösungen sind vollständig ausformuliert. Zu jedem Sachverhalt gehört dort ein durchgearbeitetes Gutachten mit Fundstellen.

Das ist der beste Einstieg, wenn du gerade keinen Bibliothekszugang hast oder schnell etwas zum Mitnehmen brauchst. Ähnlich frei arbeiten die JSE und einzelne Lehrstuhl-Reihen. Wer darüber hinaus kostenloses Material sucht, findet in unserer Übersicht zu gratis Skripten, Fällen und Karteikarten die wichtigsten Adressen gebündelt.

Zugang über deine Uni-Bibliothek

JuS und JA liegen hinter beck-online, die JURA hinter der De-Gruyter-Datenbank. Fast jede juristische Fakultät hat dafür eine Campuslizenz. Der Zugang läuft entweder direkt aus dem Uni-Netz oder von zu Hause über VPN oder Shibboleth-Login deiner Hochschule.

Student sitzt abends allein an einem Bibliothekstisch und recherchiert am Laptop neben aufgeschlagenen Büchern
Aus dem Uni-Netz öffnen sich die Zeitschriftendatenbanken ohne eigenes Abo.

Diese Möglichkeit geht im Studienalltag leicht unter. Manche zahlen für ein eigenes Abo oder verzichten ganz, obwohl der Volltext über die Bibliothek längst freigeschaltet ist. Ein Blick auf die Datenbankliste deiner Uni-Bibliothek kostet fünf Minuten und öffnet dir ein paar tausend Klausuren.

Übrigens gilt dasselbe für die großen Fallbuch-Reihen: Viele davon stehen im Semesterapparat oder als E-Book im Bibliothekskatalog. Welche Reihen sich lohnen, haben wir im Artikel über Jura-Fallbücher und Falltraining aufgeschlüsselt.

Die Klausurensammlung deiner Fachschaft

Fast jede juristische Fachschaft unterhält eine Klausuren- und Hausarbeitensammlung. Dort liegen die Aufgaben der vergangenen Semester, meist sortiert nach Professor, Veranstaltung und Semester, oft zusammen mit Hausarbeiten und Prüfungsprotokollen.

Der Grund ist einfach: Die Sammlung enthält die Klausuren, die an deiner Fakultät gestellt wurden. Wenn dein Professor jedes Jahr das Werkvertragsrecht in eine Klausur baut, siehst du das nur hier. Prüfungsprotokolle der mündlichen Prüfung liegen bei vielen Fachschaften gleich daneben, oft zusammen mit den Hausarbeiten der letzten Jahrgänge.

So kommst du an die Klausurensammlung

Die Wege sind unterschiedlich, und keiner davon ist kompliziert. Viele Fachschaften stellen alles als PDF ins Netz oder hängen die Sammlung an ein Lernsystem wie Moodle, ILIAS oder Stud.IP. Anderswo gibt es die klassische Klausurenleihe: Ordner gegen Pfand, in den Räumen der Fachschaft.

Studentin greift in einem Regal nach einem beschrifteten Ordner aus einer Sammlung farbiger Aktenordner

Der häufigste Stolperstein ist die Anmeldung. Die Sammlung der Fachschaft Jura an der Universität Münster etwa liegt im dortigen Lernsystem und öffnet sich nur mit gültiger Uni-Kennung. Wer nicht an dieser Uni eingeschrieben ist, kommt schlicht nicht hinein. Auf der öffentlich sichtbaren Seite stehen dann nur Informationen darüber, dass dort Altklausuren und Hausarbeiten liegen. Die Sperre ist gewollt. Fakultäten wollen ihre Aufgaben nicht bundesweit im Umlauf sehen, weil sie Sachverhalte gern noch einmal verwenden.

Wenn du im Netz nichts findest, schreib die Fachschaft an. Zwei Sätze genügen, und in aller Regel kommt eine Antwort. Manche Fachschaften digitalisieren alte Sachverhalte sogar erst auf Nachfrage.

Altklausuren von Lehrstuhl, Moodle und Unirep

Neben der Fachschaft sammeln auch die Lehrstühle selbst. Am Lehrstuhl von Prof. Mitsch an der Universität Potsdam etwa stehen weiterhin über achtzig Examensklausuren im Strafrecht mit Sachverhalt und Lösung online, auch wenn die Sammlung seit seiner Emeritierung nicht mehr wächst. Der Landesstudierendenrat Rechtswissenschaft Bayern hält die bayerischen Examensklausuren im Öffentlichen Recht bereit, und viele Lehrstühle hängen Fallbesprechungen samt Lösung an ihre Veranstaltungsseite.

Der zweite Ort ist das Universitätsrepetitorium. Dort läuft an praktisch jeder Fakultät ein Klausurenkurs, dessen Aufgaben mitsamt Musterlösung ins Lernsystem eingestellt werden. Wer daran teilnimmt, hat damit die wöchentliche Materialfrage gelöst. Ob das Programm insgesamt reicht, haben wir im Artikel über das Uni-Rep in der Examensvorbereitung auseinandergenommen.

Was in keiner Klausurensammlung liegt

Zwei Dinge findest du dort nicht. Erstens die Erwartungshorizonte, also die internen Bewertungsraster der Korrektoren. Zweitens fremde Original-Examensklausuren, denn die kommen vom Justizprüfungsamt und nicht von der Fakultät.

Was in Sammlungen zusätzlich fehlt, ist die Rückmeldung. Eine Klausur ohne Korrektur ist eine halbe Übung. Wie Korrektoren tatsächlich punkten und worauf sie zuerst schauen, liest du in unserem Artikel zur Bewertung juristischer Klausuren.

Tipp

Solange du auf eine Korrektur wartest, kannst du dein Wissen zum selben Rechtsgebiet mit den Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de testen: kleine Sachverhalte mit ausführlicher Erläuterung, deren falsche Antwortoptionen typische Denkfehler aus echten Klausuren abbilden.

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Original-Examensklausuren: was das Prüfungsamt herausgibt

Die staatliche Pflichtfachprüfung stellen die Landesjustizprüfungsämter, nicht die Fakultäten. Ihre Sachverhalte sind über Jahre wiederverwendbar, deshalb geben die meisten Ämter ihre Aufgabentexte nicht heraus. Wer im Netz nach Original-Examensklausuren sucht, findet überwiegend Nacherzählungen, Gedächtnisprotokolle und die Examensklausuren der Zeitschriften.

Eine Ausnahme lohnt den Blick, auch außerhalb Bayerns: Dort werden nicht mehr im Umlauf befindliche Aufgaben zeitversetzt freigegeben. Sie erscheinen samt Lösung in den Bayerischen Verwaltungsblättern und in einer eigenen Buchreihe, und der Landesstudierendenrat Rechtswissenschaft Bayern stellt nummerierte Aufgaben der Ersten Juristischen Staatsprüfung im Öffentlichen Recht als PDF frei ins Netz. In allen anderen Ländern führt der Weg zu Originalklausuren über den Klausurenkurs.

Für deine eigenen Arbeiten sieht das anders aus. Da hast du einen Anspruch, und der geht weiter, als die meisten Ämter von sich aus zugeben.

Dein Anspruch auf eine kostenlose Kopie deiner Arbeit

Schriftliche Prüfungsleistungen und die dazugehörigen Prüfergutachten sind personenbezogene Daten des Prüflings. Daraus folgt ein datenschutzrechtlicher Anspruch auf eine unentgeltliche Kopie nach Art. 15 Abs. 1 und Abs. 3 S. 1 DSGVO. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden (Urteil vom 30.11.2022, Az. 6 C 10.21), und zwar ausdrücklich neben dem landesrechtlichen Einsichtsrecht der Juristenausbildungsgesetze.

Praktisch bedeutet das: Du zahlst nichts für die Kopien, und du musst dafür auch nicht in den Räumen des Amtes sitzen. Stellst du den Antrag elektronisch, sollen dir die Unterlagen nach Art. 15 Abs. 3 S. 3 DSGVO in einem gängigen elektronischen Format zur Verfügung gestellt werden.

Rechne trotzdem mit Reibung. Manche Prüfungsämter verweisen zunächst auf ihre eigene Verfahrensordnung oder auf den Abschluss aller Prüfungsteile. Ein Verweis auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts hilft in aller Regel weiter. Und einheitliche Prüfungsanforderungen, wie sie § 5d Abs. 1 DRiG für die Juristenausbildung verlangt, vertragen sich schlecht damit, dass jedes Amt eine eigene Auskunftspraxis pflegt.

Warum du den Aufgabentext nicht bekommst

Ein Punkt sorgt regelmäßig für Enttäuschung: Der Anspruch erfasst deine Arbeit und die Gutachten, nicht den Sachverhalt. Das Bundesverwaltungsgericht hat über den Aufgabentext nicht ausdrücklich entschieden, aber die Ämter behandeln ihn als eigene Prüfungsunterlage und nicht als Datum über dich. Sachsen schreibt dazu offen, dass Aufgabentexte nicht Teil der Prüfungsarbeiten sind und deshalb nicht übersandt werden; Niedersachsen nimmt die Prüfungsaufgaben von der Akteneinsicht ausdrücklich aus.

Du bekommst also dein Gutachten samt Bewertung, aber ohne den Sachverhalt, auf den es sich bezieht. Wer die Klausur später noch einmal durchgehen will, sollte sich den Sachverhalt deshalb im Anschluss an die Klausur aus dem Gedächtnis notieren. Zwei Seiten Stichpunkte genügen, um das eigene Gutachten Monate später wieder lesen zu können. Ohne diese Notiz könnte dir bei der Einsicht schlicht der Bezugspunkt fehlen, und der Blick ins Gutachten hilft dann kaum weiter.

Tipp

Wenn dir beim Blick ins Gutachten auffällt, dass ganze Definitionen gefehlt haben, kannst du sie auf jurahilfe.de mit Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem gezielt nacharbeiten, statt das Skript noch einmal von vorn zu lesen.

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Klausurenkurse als Weg zu Originalklausuren

Der zuverlässigste legale Weg zu Originalklausuren führt über die Klausurenkurse. Die kommerziellen Repetitorien und viele Uni-Repetitorien werten die Sachverhalte der letzten Termine aus und geben sie in ihren Kursen aus, teils als Originalklausur, teils leicht angepasst. Der Examensklausurenkurs der eigenen Fakultät ist dabei die günstigste Variante, weil er im Semesterbeitrag steckt.

Ob sich ein bezahlter Kurs zusätzlich lohnt, hängt an deiner Lage. Wir haben die Kosten und die Alternativen im Artikel Examen ohne Repetitorium durchgerechnet. Für die Frage, ob du für die Prüfungssimulation bereit bist, hilft der Beitrag zur Examensreife in Jura weiter, und das komplette Format beschreibt der Artikel zum Probeexamen.

Entscheidungsbaum: drei Fragen führen zur passenden Klausurquelle, von der Fachschaftssammlung bis zum Klausurenkurs
Abb. 4: Drei Fragen, und du weißt, wo du suchen musst.

Tipps: So holst du aus einer Altklausur den meisten Nutzen

Material zu haben ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist die Frage, was du damit machst. Ob eine Klausur dich weiterbringt oder nur einen Nachmittag kostet, entscheidet sich bei der Auswahl, beim Arbeiten mit der Lösung und bei der Regelmäßigkeit.

Die passende Klausur für deinen Stand auswählen

Maßgeblich sind Bearbeitungszeit und Rechtsgebiet. Der Titel sagt wenig. Eine Klausur, die im Zivilrecht drei Anspruchsgrundlagen und einen Streitstand enthält, ist im dritten Semester eine gute Übung und im Examen eine Aufwärmrunde. Umgekehrt bringt dir eine Examensklausur aus dem Öffentlichen Recht wenig, solange du die Klagearten noch nachschlagen musst.

Ein Hinweis zum Umfang: Zwei gründlich ausgewertete Klausuren bringen mehr als sechs überflogene. Es hilft, sich einen Sachverhalt vorzunehmen, den du fachlich gerade bearbeitest, statt quer durch alle Gebiete zu springen; die Wiederholung des Stoffs und das Klausurtraining helfen sich dann gegenseitig. Wer den Stoff nach Klausurhäufigkeit ordnen will, findet Zahlen dazu in unserem Beitrag über Prioritäten setzen im Jurastudium.

Mit und ohne Musterlösung arbeiten

Hast du eine ausformulierte Lösung, dann lies sie erst nach dem eigenen Versuch. Wer eine Lösung vor sich liegen hat, liest sie oft zu früh, weil sie direkt unter dem Sachverhalt steht. Deck sie ab, schreib wenigstens eine Lösungsskizze, und vergleiche erst dann.

Hände halten einen handschriftlich beschriebenen Klausurbogen und schreiben mit rotem Stift eine Randbemerkung
Der Vergleich mit der Musterlösung ist der eigentliche Lerneffekt.

Liegt keine Lösung bei, ist die Klausur trotzdem brauchbar. Du arbeitest dann mit dem Gesetz und einem Lehrbuch: alle in Betracht kommenden Ansprüche sammeln, den Aufbau festlegen, die strittigen Punkte markieren und anschließend gezielt nachlesen. Während des Schreibens notierst du dir jede Stelle, an der du unsicher warst. Diese Stellen arbeitest du danach nach. Das ist mühsamer und trainiert genau die Fähigkeit, die in der Prüfung zählt, nämlich das Erschließen eines unbekannten Sachverhalts ohne Sicherheitsnetz. Wie das Denken in Fällen funktioniert, beschreibt der Artikel zur Fallmethode im Jurastudium.

Wie viele Altklausuren du wirklich brauchst

Eine belastbare Zahl gibt es nicht, und wer dir eine nennt, hat sie geraten. Was sich beobachten lässt: Eine Klausur pro Woche über zwei Semester schlägt zwanzig Klausuren in den letzten sechs Wochen deutlich.

Sinnvoll ist ein fester Termin im Kalender, an dem du fünf Stunden am Stück schreibst. Auch Profis schreiben nach Jahren noch schlechte Klausuren, wenn sie lange keine geschrieben haben. Routine baut sich ab, und sie kommt nur über regelmäßiges Üben zurück.

Häufige Fehler bei der Suche nach Altklausuren

Beim Sammeln von Material kann man erstaunlich viel Zeit verlieren. Am teuersten sind veraltete Klausuren, die falsche Plattform und ein sorgloser Umgang mit fremden Aufgabentexten.

Veraltete Rechtslage in alten Klausuren

Eine Klausur aus dem SoSe 2015 kann fachlich überholt sein, ohne dass es dir auffällt. Das Kaufrecht im BGB hat sich zum 01.01.2022 spürbar geändert, das Strafrecht kennt regelmäßig neue Tatbestände, und im Öffentlichen Recht altern Landesgesetze schnell.

Prüf deshalb bei jeder älteren Klausur zuerst die zentralen Normen im aktuellen Gesetzestext, bevor du dich über eine abweichende Musterlösung wunderst. Das dauert zwei Minuten und kann dir eine Stunde Verwirrung über einen Sachverhalt ersparen, der nach heutigem Recht anders zu lösen wäre. Bei den Zeitschriften-Klausuren steht das Erscheinungsjahr in aller Regel dabei, bei Fachschafts-Altklausuren oft nur das Semester.

Studydrive und Studocu bringen für Jura wenig

Die großen Upload-Plattformen dominieren die Suche nach Altklausuren, weil sie alle Studienfächer bedienen. Für Jura ist die Ausbeute dünn: Was dort liegt, sind überwiegend Mitschriften, Zusammenfassungen und Klausuren aus wirtschaftsrechtlichen Nebenfächern, selten vollständige Sachverhalte mit belastbarer Lösung.

Die Zeit ist auf den juristischen Portalen und bei der eigenen Fachschaft besser investiert. Wer allgemein nach kostenlosen Materialien sucht, findet online außerdem einige gute Fall-Sammlungen von Lehrstühlen, etwa die Saarheimer Fälle im Öffentlichen Recht.

Tipp

Für den Allgemeinen Teil des BGB brauchst du gar keine Suche: Auf jurahilfe.de kannst du den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos lernen, mit Skript, Karteikarten, Multiple-Choice-Aufgaben und Abschlusstest, ohne Zeitlimit.

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Was du beim Weitergeben beachten musst

Klausursachverhalte sind in aller Regel urheberrechtlich geschützte Sprachwerke, und die Rechte liegen beim Aufgabensteller oder beim Prüfungsamt. Das komplette Hochladen fremder Aufgabentexte auf eine offene Plattform ist deshalb heikel, unabhängig davon, wie viel dort tatsächlich liegt.

Unproblematisch ist der Weg über die Fachschaft, die mit den Lehrstühlen abgestimmt sammelt, und die Weitergabe deiner eigenen Bearbeitung. Wenn du unsicher bist, frag am Lehrstuhl nach; die meisten Personen dort haben nichts gegen eine geordnete Sammlung, sondern gegen unkontrollierte Uploads.

Fazit: erst Quelle, dann Routine

Die Materialfrage ist im Jurastudium lösbar, sie ist nur schlecht dokumentiert. Für den schnellen Überblick nimmst du die Klausurportale, für den Volltext die Zeitschriften über deine Uni-Bibliothek, für den Bezug zu deiner eigenen Fakultät die Klausurensammlung der Fachschaft. Und wenn es um deine eigene Examensklausur geht, hast du einen einklagbaren Anspruch auf die Kopie.

Wichtiger als die perfekte Quelle ist, dass du anfängst. Wer regelmäßig schreibt, korrigiert, wiederholt und dabei am Fall bleibt, kommt weiter als jede Sammlung, die ungenutzt auf der Festplatte liegt. Zum Warmwerden zwischen zwei Klausuren eignen sich die Falltrainings-Aufgaben auf jurahilfe.de, die denselben Denkschritt in kleinen Portionen üben.

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Häufig gestellte Fragen

Johannes Wainryb

Über den Autor

Johannes Wainryb

Gründer von Jurahilfe.de

Jurist und Softwareentwickler mit über 10 Jahren Erfahrung

Verantwortet bei Jurahilfe.de Technik und Produkt und verbindet juristisches Verständnis mit Lerndidaktik.

  • Legal Tech
  • Digitales Lernen
  • Lern-Apps & Tools
  • KI im juristischen Lernen
  • Karteikarten & Spaced Repetition
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