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Jura Lerngruppe: Lerngruppen im Jurastudium finden & organisieren

Gruppe lächelnder Studierender, Sinnbild für eine gemeinsame Jura-Lerngruppe

Vier Leute, drei Stunden, ein Fall. Am Ende der Sitzung hat einer geredet, zwei haben mitgeschrieben, einer hat auf dem Handy die Klausurergebnisse gecheckt. Genau daran scheitern die meisten Lerngruppen im Jurastudium, und zwar messbar: Die Metaanalyse von Karau und Williams über 78 Studien zeigt, dass die Einzelleistung in Gruppen im Schnitt um d = 0,44 sinkt, wenn der Beitrag des Einzelnen nicht sichtbar ist.

Eine Lerngruppe im Jurastudium funktioniert deshalb nur mit klaren Rollen, festem Ablauf und einer Größe von drei bis vier Leuten. Wer stattdessen gemeinsam Stoff durchliest, verliert Zeit. Gemeinsames Lernen wirkt, wenn jeder mit einem eigenen Part in die Sitzung geht und wieder herauskommt.

Die gute Nachricht: Die Forschung zum Kleingruppenlernen ist eindeutig positiv, und die Bedingungen dafür lassen sich in acht Regeln fassen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du eine Gruppe findest, wie ihr sie aufbaut und woran ihr merkt, dass ihr gerade Lernzeit verbrennt.

Auf einen Blick:

  • Drei bis vier Leute sind die beste Gruppengröße, ab fünf sinkt der Nutzen pro Kopf spürbar.
  • Kleingruppenlernen hebt die Leistung Studierender um d = 0,51 (Metaanalyse Springer/Stanne/Donovan, 39 Studien).
  • Jede Sitzung braucht einen Fall, einen Vorbereiter und ein Ergebnis, sonst wird es ein Kaffeekränzchen.
  • Ein Treffen pro Woche reicht im Grundstudium, in der Examensvorbereitung sind zwei bis drei sinnvoll.
  • Die Gruppe ersetzt kein Repetitorium und keine eigene Wiederholung, sie verstärkt beides.
  • Wer niemanden kennt: Fachschaft, Arbeitsgemeinschaft, Klausurenkurs und Lerngruppenbörsen einzelner Fakultäten.

Tipp

Damit alle in der Gruppe auf demselben Stand starten, hilft eine gemeinsame Grundlage. Auf jurahilfe.de findest du interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen, sodass jeder sein Thema vorbereiten kann, ohne dass ihr drei verschiedene Lehrbücher abgleichen müsst.

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Balkendiagramm: Kleingruppenlernen hebt die Studienleistung um d = 0,51, während die Einzelleistung ohne sichtbaren Beitrag um d = 0,44 sinkt
Abb. 1: Was gemeinsames Lernen messbar bewirkt, und was es kostet, wenn niemand den Einzelbeitrag sieht.

Vorteile einer Lerngruppe im Jurastudium: was die Forschung zeigt

Lerngruppen gelten im Jurastudium als Selbstverständlichkeit, begründet wird das selten. Dabei gibt es belastbare Zahlen, und sie fallen deutlich zugunsten des gemeinsamen Lernens aus, solange die Gruppe strukturiert arbeitet.

Die Metaanalyse von Springer, Stanne und Donovan (Review of Educational Research, 1999) wertete 39 Studien zum Lernen in Kleingruppen an Hochschulen aus. Ergebnis: Die Leistung stieg um d = 0,51, das Durchhaltevermögen im Studium um d = 0,46, die Einstellung zum Fach um d = 0,55. Übersetzt heißt das: Wer regelmäßig in einer funktionierenden Gruppe arbeitet, schneidet spürbar besser ab als die Vergleichsgruppe, die allein lernt. Kleingruppe meint dabei zwei bis zehn Personen.

Für Jura kommt ein Effekt dazu, den kein Lehrbuch ersetzt: Du hörst, wie jemand anders denkt. Ein Kommilitone, der dieselbe Klausur schreibt, findet deine Lücken oft schneller als du selbst. Ein Sachverhalt hat selten nur einen Aufbau, und der eigene Weg wirkt meist plausibel, solange niemand nachfragt.

Warum Erklären mehr bringt als stilles Mitlesen

Erklär einem anderen einen Streitstand. Innerhalb von zwei Sätzen merkst du, ob du ihn verstanden hast. Roscoe und Chi haben dieses Phänomen beim Peer-Tutoring untersucht und einen wichtigen Haken gefunden: Tutoren neigen zum reinen Referieren, sie geben den Stoff wieder, statt ihn weiterzuentwickeln. Erst inhaltliche Rückfragen des Gegenübers zwingen zu echten Erklärungen: Auf tiefe, nach dem Warum fragende Rückfragen antworteten die Tutoren in 41 Prozent der Fälle elaborierend, auf oberflächliche nur in 14 Prozent.

Für eure Sitzung heißt das ganz praktisch: Der Vortragende ist nicht fertig, wenn er zu Ende geredet hat. Er ist fertig, wenn die anderen zwei bis drei Warum-Fragen gestellt haben. Diese Rückfragen sind der eigentliche Lerneffekt, nicht der Vortrag. Wie das methodisch funktioniert, steht ausführlich im Artikel zur Feynman-Methode im Jurastudium.

Wann gemeinsames Lernen messbar hilft, und wann nicht

Wobei kann eine Lerngruppe helfen und wobei nicht? Gemeinsames Lernen hilft bei allem, was Anwendung verlangt: Fälle lösen, Aufbau diskutieren, Argumente formulieren, Klausurtechnik trainieren. Es hilft nicht beim reinen Auswendiglernen von Definitionen und Fristen. Diesen Lernstoff erledigst du allein schneller, mit einem Wiederholungssystem wie Spaced Repetition und Active Recall.

Die Faustregel: Alles, wo dich ein Widerspruch weiterbringt, gehört in die Gruppe. Alles, wo dich Wiederholung weiterbringt, gehört an deinen Schreibtisch. Wer diese Trennung nicht macht, sitzt zu dritt da und liest denselben Text. Wer ein Rechtsgebiet dagegen wirklich vertiefen will, braucht beides: die eigene Wiederholung und den Widerspruch der anderen.

Entscheidungsbaum: Anwendung wie Fallaufbau und Klausurbesprechung gehört in die Lerngruppe, Wiederholung wie Definitionen einprägen an den eigenen Schreibtisch
Abb. 2: Welche Aufgabe in die Gruppe gehört und welche an den eigenen Schreibtisch.

Lerngruppe oder allein: was zu dir als angehender Jurist passt

Es gibt Leute, die in Gruppen aufblühen, und es gibt Leute, die dabei ausschließlich Energie verlieren. Beides ist legitim. Wenn du nach drei Stunden Gruppenarbeit regelmäßig das Gefühl hast, nichts mitgenommen zu haben, liegt das oft an der Zusammensetzung, seltener an deinem Lerntyp.

Ehrlich abwägen hilft mehr als Prinzipientreue. Ich empfehle, es mindestens ein Semester lang zu probieren, und zwar mit festem Ablauf, nicht als loses Treffen. Wenn es dann noch immer nicht funktioniert, arbeitest du besser allein und holst dir den Austausch punktuell, etwa beim Besprechen einer geschriebenen Klausur. Welcher Zugang zu dir passt, ordnet der Artikel zu den Lerntypen im Jurastudium ein, allerdings ohne die verbreitete Lerntyp-Mythologie zu bedienen.

SituationBesser alleinBesser in der Gruppe
Definitionen und Schemata einprägenja, mit Karteikartennur zum Abfragen
Sachverhalt aufbauen und gliedernseltenja
Meinungsstreit durchdringennur mit gutem Skriptja
Klausur nachbesprechenbegrenztja
Stoff zum ersten Mal lesenjanein
Mündliche Prüfung übenkaum möglichja

Wie du eine Lerngruppe für Jura findest

Die häufigste Hürde ist der Anfang. Die Organisation kommt danach. Wer im dritten Semester feststellt, dass alle anderen längst in festen Konstellationen lernen, traut sich oft nicht mehr zu fragen. Dabei ist die Suche nach Mitstreitern in Jura völlig normal, und die meisten Kommilitonen haben dasselbe Problem.

Kaum ein Jurastudent plant das Examen ohne Gruppe, und trotzdem redet niemand darüber, wie man eine findet. Es gibt vier Wege, eine neue Lerngruppe zu bilden, und sie funktionieren unterschiedlich gut, je nachdem, wie weit du im Studium bist.

An deiner Fakultät: Arbeitsgemeinschaft, Klausurenkurs und Aushang

Wer eine Lerngruppe suchen will, geht dorthin, wo ohnehin alle sitzen. In der Arbeitsgemeinschaft im ersten Semester lernst du dieselben Leute jede Woche wieder, im Klausurenkurs siehst du, wer ähnlich schreibt wie du. Sprich nach der Sitzung zwei Leute an, deren Fragen dich weitergebracht haben. Genau das ist das Auswahlkriterium, nicht Sympathie beim Kaffee.

Ein Aushang am Schwarzen Brett wirkt altmodisch, funktioniert an großen Fakultäten aber weiterhin. Konkret sein hilft: Semester, Rechtsgebiet, Wunschrhythmus. Ein Aushang mit den Worten Suche Lerngruppe bringt niemanden dazu, dir zu schreiben. Suche zwei Leute für wöchentliche Fallbesprechung Strafrecht AT, mittwochs vormittags, schon.

Lerngruppenbörsen der Fakultät und der Fachschaft nutzen

Einige juristische Fakultäten betreiben eine eigene Lerngruppenvermittlung. Die Universität Passau etwa vermittelt Jura-Lerngruppen über ein gleichnamiges Projekt des Instituts für Rechtsdidaktik, gemeinsam mit der Studienberatung; andere Fakultäten koordinieren das über die Fachschaft. Frag dort zuerst, bevor du auf gut Glück postest: Eine vermittelte Gruppe startet mit Leuten aus deinem Semester und deinem Studienabschnitt.

Über die Fakultät hinaus gibt es Plattformen wie JuraLounge, auf denen Jurastudierende bundesweit nach Lernpartnern suchen. Das lohnt vor allem für Nischenkonstellationen, etwa Schwerpunktbereich oder Examensvorbereitung mit ungewöhnlichem Termin.

Online eine Jura-Lerngruppe finden

Eine Online-Gruppe ist keine Notlösung. Sie erspart Anfahrt, macht Termine flexibler und funktioniert für Fallbesprechungen erstaunlich gut, weil alle denselben Sachverhalt auf dem Bildschirm haben. Zwei Dinge musst du dabei aktiv absichern: Kameras an, sonst lässt die Verbindlichkeit sofort nach. Und ein geteiltes Dokument, in dem die Lösungsskizze mitwächst.

Schwächer ist die Online-Variante beim Vortrag und beim spontanen Nachhaken. Wer die mündliche Prüfung übt, sollte sich mindestens für diese Einheiten persönlich treffen.

Mit wem du lernen solltest, und mit wem besser nicht

Drei Kriterien entscheiden mehr als alles andere: ähnlicher Wissensstand, gleiches Ziel, verlässliche Termintreue. Ein deutliches Niveaugefälle frustriert beide Seiten, der eine erklärt dauernd, der andere kommt nicht mit. Beim Examen kommt der gemeinsame Examenstermin dazu, sonst ziehen die Prioritäten auseinander.

Freundschaft ist dabei kein Ausschlusskriterium, aber auch kein Qualitätsmerkmal. Eine Mischung aus einem engen Freund und ein bis zwei Leuten, die du nur aus dem Studium kennst, hält die professionelle Distanz, die es braucht, um jemandem zu sagen, dass sein Aufbau nicht funktioniert.

Tipp

Wenn ihr aus verschiedenen Vorlesungen kommt und der Wissensstand ungleich ist, gleicht ihn vor der ersten Sitzung an. Der komplette BGB AT ist auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos lernbar, vom Skript über Karteikarten bis zum Abschlusstest, sodass alle mit denselben Basics starten.

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Die richtige Größe und der richtige Rhythmus für Lerngruppen

Hier entscheidet sich, ob die Gruppe funktioniert oder nach vier Wochen einschläft. Für beides gibt es Gründe. Geschmackssache ist es nicht.

Warum drei bis vier Leute die beste Gruppengröße sind

Drei bis vier Personen, maximal fünf. Diese Empfehlung geben Examensratgeber und Praxisliteratur unabhängig voneinander. Sie deckt sich mit dem Befund zum social loafing aus dem ersten Abschnitt: Der Effekt wächst mit der Gruppengröße, je mehr Personen zu einem gemeinsamen Ergebnis beitragen.

Entscheidend ist die Sichtbarkeit des Einzelnen, die Zahl allein sagt wenig. In derselben Metaanalyse verschwand der Effekt, sobald die Leistung jedes Teilnehmers erkennbar blieb, die Aufgabe als bedeutsam empfunden wurde und der Beitrag einzigartig war. Genau das ist die Bauanleitung für eure Sitzung: Jeder hat einen eigenen Part, den sonst niemand hat, und jeder liefert sichtbar ab.

Bei sechs Leuten passiert das Gegenteil. Zwei reden, zwei hören zu, zwei sind innerlich schon weg, und der Zeitaufwand pro Person steigt, während der Lerneffekt fällt. Zu dritt arbeitet ihr effizient, weil alle Mitglieder der Gruppe in jeder Sitzung drankommen.

Kennzahlen-Kacheln zur Lerngruppe: drei bis vier Personen, ein Treffen pro Woche im Grundstudium, zwei bis drei im Examen, ein Fall je Sitzung
Abb. 3: Die Eckwerte, auf die sich Praxisliteratur und Lernforschung einigen.

Wie oft und wie lange ihr euch treffen solltet

Im Grundstudium reicht ein Treffen pro Woche, je nach Semester mit zwei bis vier Stunden. In der Examensvorbereitung sind zwei bis drei wöchentliche Termine sinnvoll, so empfiehlt es auch der Erfahrungsbericht dreier Autoren in der Zeitschrift für das Juristische Studium (ZJS 2/2016). Mehr ist selten besser: Die Vorbereitung jeder Sitzung kostet ebenfalls Lernzeit, und die gehört eingeplant.

Trefft euch wöchentlich zur selben Zeit am selben Ort, mit fester Dauer. Vormittags funktioniert erfahrungsgemäß besser als abends, weil die Konzentration da ist, wo auch die Klausur geschrieben wird. Ein Termin, der jede Woche neu verhandelt wird, stirbt innerhalb eines Monats.

PhaseTreffenDauerSchwerpunkt
1. bis 3. Semester1 pro Woche2 bis 3 StundenFälle aus der Arbeitsgemeinschaft, Basics
Zwischenprüfung1 pro Woche3 StundenPrüfungsvorbereitung, Schemata
Hauptstudium1 pro Woche3 bis 4 StundenÜbungsfälle, Klausurtechnik
Examensvorbereitung2 bis 3 pro Woche3 bis 4 StundenExamensklausuren, Rechtsgebiete im Wechsel
Vor der mündlichen Prüfung2 bis 3 pro Woche2 StundenVortrag und Prüfungsgespräch

Fallbesprechung und Klausurtechnik: so wird die Lerngruppe effektiv

Ohne Fall wird aus der Sitzung ein Gespräch über Jura. Der Fall ist das Werkzeug, das alle zwingt, konkret zu werden: Wer den Aufbau nicht sauber hinbekommt, merkt es spätestens beim Obersatz.

Die produktivste Vorgehensweise ist arbeitsteilig. Einer bereitet den Sachverhalt vor, alle bearbeiten ihn eigenständig, dann wird verglichen. Wichtig ist die Reihenfolge: erst allein denken, dann besprechen. Was ihr euch selbst erarbeitet, bleibt deutlich länger präsent als eine übernommene Lösung. Wer die Lösung vorher hört, hält sie automatisch für die eigene.

Der feste Ablauf einer Sitzung

Ein Ablauf, der sich in der Praxis bewährt hat, für drei bis vier Stunden. Eine strukturierte Sitzung kostet euch fünf Minuten Absprache pro Woche und spart die übliche Anlaufzeit; sie ist auch das, was am Ende des Jurastudiums den Unterschied macht.

BlockZeitWas passiert
Abfrage20 MinutenDefinitionen und Schemata der letzten Sitzung gegenseitig abfragen
Fallbearbeitung60 bis 90 MinutenSachverhalt still lesen, jeder erstellt eine eigene Lösungsskizze
Besprechung60 MinutenSkizzen vergleichen, Aufbau und Streitstände diskutieren
Abgleich20 MinutenMusterlösung lesen, Abweichungen benennen
Abschluss10 MinutenWer bereitet was für die nächste Sitzung vor

Das Material dafür liefern Fallbücher und Ausbildungszeitschriften wie JuS, JA oder RÜ. Ein Abo im Semester reicht für die ganze Gruppe, wenn ihr die Fälle rotieren lasst. Wer schon in der Examensvorbereitung steckt, nimmt originale Examensklausuren. Verbreitet werden sie vor allem von Repetitorien, einzelne Landesjustizprüfungsämter veröffentlichen ebenfalls Aufgaben, in Bayern erscheinen Examensklausuren im Öffentlichen Recht regelmäßig in den Bayerischen Verwaltungsblättern.

Zeitraster einer dreistündigen Lerngruppensitzung: 20 Minuten Abfrage, 75 Minuten Fallbearbeitung, 60 Minuten Besprechung, dann Abgleich und Abschluss
Abb. 4: Ein Sitzungsablauf, bei dem die Breite den Zeitanteil zeigt.

Definitionen und Schemata gegenseitig mündlich abfragen

Zwanzig Minuten Abfrage zu Beginn jeder Sitzung sind der Teil mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag. Fragt ab, statt vorlesen zu lassen. Also: Voraussetzungen der Anfechtung nach § 123 BGB? Stockst du, hast du eine Lücke gefunden. Unter harmlosen Bedingungen, nicht in der Klausur.

Die Abfrage ersetzt dein eigenes Wiederholungssystem nicht. Sie deckt auf, was du zu wissen glaubst, ohne es abrufen zu können. Diese Kompetenzillusion ist der häufigste Grund, warum jemand nach dem Lesen zufrieden ist und in der Klausur trotzdem hängt.

Klausuren gegenseitig lesen und bewerten

Der unterschätzteste Teil: Ihr lest die geschriebenen Klausuren der anderen. Achtet auf Lesbarkeit, Aufbau und Schwerpunktsetzung. Die Richtigkeit prüft der Korrektor. Wo musstest du zweimal lesen? Wo fehlt der Obersatz? Wo wurden zehn Zeilen an einen unproblematischen Punkt verschwendet?

Dieses Feedback bekommst du sonst nirgends in dieser Menge. Ein Korrektor schreibt drei Randbemerkungen, deine Lerngruppe kann eine Stunde lang erklären, warum sie deinem Gedankengang nicht folgen konnte. Wie du Klausuren strukturell besser aufbaust, vertieft der Beitrag zur Gliederung in Klausur und Hausarbeit.

Tipp

Für die Fallbearbeitung zwischen den Sitzungen brauchst du kleine Sachverhalte, die schnell gehen. Die Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de trainieren genau das: Signalwörter im Sachverhalt erkennen, mit ausführlicher Erläuterung, warum die falschen Antworten typische Denkfehler abbilden.

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Lerngruppe im Examen: gemeinsam durch die Examensvorbereitung

In der Examensvorbereitung ändert sich die Funktion der Gruppe. Sie ist jetzt weniger Lernwerkzeug als Struktur: ein fester Termin pro Woche, an dem jemand merkt, wenn du drei Wochen nicht mehr aufgetaucht bist. Diese soziale Verankerung ist in einer Phase, die zwölf bis achtzehn Monate dauert, kein Nebeneffekt. Die Juristenausbildung in Deutschland verlangt in dieser Zeit mehr Ausdauer als Intelligenz, und wer Rückschläge mit anderen bespricht, baut Resilienz auf, statt sie allein wegzudrücken.

Der Unterschied zwischen einer hilfreichen Gruppe und einer, die zusätzlich Druck macht, zeigt sich genau hier. Wenn nach jeder Sitzung offen über Noten und Lernpensum gesprochen wird, verlässt mindestens einer den Raum demotivierter, als er kam. Vereinbart lieber früh, dass Vergleiche der eigenen Note draußen bleiben. Ein Prädikatsexamen entsteht in den Wochen zwischen den Sitzungen. Die Gruppe stabilisiert dich mental und motiviert dich über Monate.

Was die Lerngruppe neben Rep und Uni-Rep leistet

Ein Repetitorium liefert Stoff und Systematik, die Lerngruppe liefert Anwendung und Widerspruch. Beides ersetzt sich nicht. Wer das kommerzielle Rep durch eine Arbeitsgruppe ersetzen will, braucht deutlich mehr Disziplin und einen eigenen Lernplan, machbar ist es: Wie das aussieht, zeigt der Artikel zur Examensvorbereitung ohne Repetitorium, und ob das Uni-Rep dafür reicht, klärt die Einschätzung zum Uni-Rep.

Praktisch heißt das: Der Stoffplan des Repetitoriums gibt den Takt vor, die Gruppe arbeitet an genau diesem Stoff und nicht an einem eigenen Parallelprogramm. Wer auf das erste Staatsexamen zugeht, hat dafür keine Zeit doppelt. Ein Rechtsgebiet pro Sitzung, im Wechsel Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht, und das Thema kommt aus der Rep-Woche.

Den Klausurenkurs gemeinsam nachbereiten

Wer den Klausurenkurs mitschreibt, hat jede Woche eine frisch geschriebene Klausur und ein bis zwei Wochen später eine Korrektur. Die Nachbesprechung in der Gruppe direkt nach dem Schreiben ist wertvoller als die Korrektur selbst, weil der Sachverhalt allen noch präsent ist.

Drei Fragen reichen: Welchen Aufbau hattest du? Wo hast du den Schwerpunkt gesetzt? Was hast du gar nicht gesehen? Der dritte Punkt ist der wichtigste. Manche übersehen regelmäßig dieselbe Sorte Problem, etwa Konkurrenzen im Strafrecht oder die Bereicherung als Auffangordnung im Zivilrecht. Im Vergleich mit anderen fällt das sofort auf.

Wie ihr das Pensum realistisch plant, ohne dass die Gruppentermine den eigenen Lernplan auffressen, zeigt der Leitfaden zum Jura-Lernplan; die Frage, wie ihr über Monate motiviert bleibt, behandelt der Artikel zur Motivation im Jurastudium und Examen.

So übt ihr die mündliche Prüfung in der Lerngruppe

Die mündliche Prüfung ist der Teil des Examens, den du allein praktisch nicht trainieren kannst. Reden lernt man durch Reden, und niemand merkt beim stillen Wiederholen, dass er unter Beobachtung den Faden verliert.

Aktenvortrag und Prüfungsgespräch simulieren

Simuliert die Situation ernsthaft: einer trägt vor, die anderen sitzen gegenüber und fragen nach, unangenehm und beharrlich. Haltet euch dabei an die Vorgaben eures Bundeslandes: Der Kurzvortrag dauert je nach Prüfungsordnung etwa fünf bis zwölf Minuten, das anschließende Prüfungsgespräch ist deutlich länger und wird in mehreren Abschnitten geführt. Schau vorher in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung deines Landes, die Unterschiede sind erheblich, und in Nordrhein-Westfalen ist der Vortrag mit der Reform sogar entfallen. Danach fünf Minuten Feedback, und zwar zu Auftreten, Struktur und Sprechtempo, nicht nur zum Inhalt.

Auch Kleinigkeiten gehören dazu: laut genug sprechen, den Prüfer ansehen, eine Frage zu Ende hören. Dreimal geübt, und die echte Prüfung fühlt sich deutlich ruhiger an. Was sonst noch hilft, steht im Artikel zur mündlichen Prüfung im Jurastudium, und gegen die Nervosität selbst gibt es den Beitrag zum Lampenfieber vor der mündlichen Prüfung.

Warum ihr euch mündlich abfragen solltet statt schriftlich

Mündlich antworten ist schwerer als schriftlich, und genau deshalb bringt es mehr. Du kannst nicht zurückspringen, nicht umformulieren, nicht überlegen, ohne dass es auffällt. Wer eine Definition mündlich flüssig aufsagen kann, hat sie wirklich parat. Jeder Prüfling unterschätzt diesen Unterschied, bis er das erste Mal vor einer Kommission sitzt.

Der Nebeneffekt ist juristisch relevant: Du übst, Ergebnisse zu formulieren, bevor du sie vollständig durchdacht hast. Das ist im Prüfungsgespräch der Normalfall, und es lässt sich trainieren, indem ihr euch gegenseitig zwingt, bei jeder Antwort mit dem Obersatz zu beginnen.

Die häufigsten Fehler in der Jura-Lerngruppe

Fast alle gescheiterten Gruppen scheitern an denselben drei bis vier Punkten. Sie lassen sich vermeiden, wenn ihr sie beim ersten Treffen offen ansprecht statt nach dem dritten Ausfall.

Kaffeekränzchen statt Arbeit: das Trittbrettfahrer-Problem

Das bekannteste Muster: Die Gruppe trifft sich zuverlässig, redet zwei Stunden über die Fakultät, das Wochenende und die letzte Klausur und geht mit dem wohligen Gefühl nach Hause, etwas getan zu haben. Gelernt hat niemand etwas.

Das Gegenmittel steht schon oben in der Forschung: sichtbare Einzelbeiträge. Wer nichts vorbereitet hat, kann nichts liefern, und das fällt auf. Legt fest, dass jede Sitzung mit einem benannten Vorbereiter startet und mit einer Verteilung für die nächste endet. Fünfzehn Minuten Smalltalk am Anfang schaden übrigens nicht, sie stärken den Zusammenhalt. Problematisch wird es erst, wenn sie den Arbeitsteil auffressen.

Zu große Gruppen und zu ungleiche Niveaus

Ab fünf wird die Diskussion zäher, ab sechs redet nur noch die Hälfte. Und wenn zwischen dem stärksten und dem schwächsten Mitglied der Gruppe zwei Semester liegen, entsteht eine Nachhilfesituation, die keiner von beiden wollte.

Das ist unangenehm anzusprechen, aber ehrlicher, als die Gruppe schleichend sterben zu lassen. Zwei getrennte Zweiergruppen funktionieren oft besser als eine Fünfergruppe mit Gefälle.

Wenn ein Jurist in spe die Gruppe dominiert

In fast jeder Gruppe gibt es jemanden, der schneller spricht und lieber recht hat. Das ist nicht bösartig gemeint, kostet die anderen aber genau den Teil, für den sie gekommen sind: das eigene Formulieren.

Die einfachste Lösung ist eine Regel statt eines Konflikts. Reihum trägt jeder einen Teil vor, und wer nicht dran ist, fragt nach, statt zu ergänzen. Das dreht die Rolle des Dominanten vom Erklärer zum Fragensteller, und Fragen sind, wie oben gezeigt, ohnehin der wirksamere Teil.

Der vierte Klassiker ist die Gruppe als Ausrede: Drei Sitzungen pro Woche à vier Stunden fressen die Zeit für die eigene Wiederholung. Ausgelastet fühlt man sich trotzdem. Wie du beides gegeneinander abwägst, zeigt der Artikel zum Zeitmanagement im Jurastudium.

Tipp

Damit die Abfrage in der Gruppe nicht an fehlenden Fragen scheitert, kannst du auf ein fertiges System zurückgreifen: die Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de sind auf die Skripten abgestimmt und zeigen dir zwischen den Sitzungen, welche Themen du noch nicht sicher abrufst.

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Acht Regeln für eine funktionierende Lerngruppe

Zusammengefasst, was eine funktionierende Jura-Lerngruppe von einem netten Treffen unterscheidet:

  • Drei bis vier Leute, höchstens fünf.
  • Ähnlicher Wissensstand, gleiches Ziel, in der Examensvorbereitung derselbe Examenstermin.
  • Fester Termin, feste Dauer, feste Uhrzeit, nicht jede Woche neu verhandelt.
  • Jede Sitzung hat einen Fall und einen benannten Vorbereiter.
  • Erst allein bearbeiten, dann besprechen, nie umgekehrt.
  • Zwanzig Minuten mündliche Abfrage zu Beginn.
  • Klausuren gegenseitig lesen, auf Aufbau und Lesbarkeit, nicht auf Noten.
  • Die Gruppe ergänzt das eigene Lernen, sie ersetzt es nicht.

Eine Lerngruppe nimmt dir das Lernen nicht ab. Sie sorgt dafür, dass du früher merkst, was du noch nicht kannst, und dass du in einer langen Vorbereitungsphase nicht allein am Schreibtisch sitzt. Das ist, gemessen an den Zahlen der Lernforschung, ein erheblicher Unterschied. Den Stoff selbst kannst du zwischen den Sitzungen auf jurahilfe.de vom Skript über die Karteikarten bis zum Abschlusstest durcharbeiten, damit du in die nächste Sitzung mit einer eigenen Meinung gehst statt mit einem leeren Blatt.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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