Jeder vierte Jurastudierende bricht das Studium ab. Und bei denen, die aus Motivationsgründen gehen, war in mehr als der Hälfte der Fälle eine falsche Vorstellung vom Studienfach im Spiel. Das ist die vielleicht wichtigste Zahl für jeden, der sich fragt: Passt Jura zu mir?
Sicher weißt du es erst im Studium. Aber du kannst deutlich besser abschätzen als per Bauchgefühl, und zwar indem du zwei Dinge trennst. Erstens: Was verlangt das Studium der Rechtswissenschaft konkret an Arbeitsweise? Zweitens: Wie fühlt es sich an, eine juristische Aufgabe wirklich zu lösen? Punkt zwei kannst du in zehn Minuten testen, weiter unten in diesem Artikel.
Wer diese Prüfung vor dem ersten Semester macht, verliert im Zweifel eine Stunde. Wer sie überspringt, riskiert vier Semester.
Auf einen Blick:
- Jura ist zu großen Teilen Lesen und Schreiben. Fällt dir beides schwer, wird das Studium mühsam, unabhängig von der Intelligenz.
- Die Abiturnote sagt statistisch mehr aus, als viele Ratgeber behaupten: Abiturienten mit 1,0 bis 1,9 erreichten in einer Untersuchung im Schnitt 8,5 Examenspunkte, die Gruppe mit 2,8 bis 3,7 nur 6,4. Der Zusammenhang ist allerdings schwach bis mittel.
- Zum IQ und dem Jurastudium gibt es keine belastbare Studie. Die Frage wird viel gestellt und ist nicht beantwortbar.
- Eine echte Subsumtionsaufgabe zeigt dir in zehn Minuten mehr über die Passung als jeder Fragebogen.
- Die Hälfte der Jurastudierenden lernt mindestens 30 Stunden pro Woche. Das ist der Alltag, nicht die Ausnahme.
- Die kostenlosen Online-Selbsttests der Universitäten prüfen vor allem Erwartungen. Viele finden dort ihr Bild vom Fach korrigiert, ihre Fähigkeiten messen sie kaum.
Tipp
Wenn du wissen willst, wie sich juristisches Lernen anfühlt, probier es aus, statt darüber zu lesen. Auf jurahilfe.de kannst du den kompletten BGB Allgemeinen Teil dauerhaft kostenlos lernen, mit interaktiven Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben. Kein Zeitlimit, keine Zahlung, und genau der Stoff, mit dem dein erstes Semester anfängt.

Was das Jurastudium wirklich verlangt
Die juristischen Fakultäten sind sich beim Anforderungsprofil überraschend einig. In den Online-Self-Assessments der FU Berlin, der Universität Hamburg und der Uni Freiburg findest du zu den nötigen Kompetenzen im Kern dieselben Informationen. Keine davon ist ein Talent, mit dem man geboren wird, und keine ist notwendig in voller Ausprägung vorhanden, bevor du anfängst.
Sprache: Lesen und Schreiben als Hauptwerkzeug
Juristen arbeiten mit Sprache, sonst mit nichts. Du liest Gesetzestexte, Urteile und Kommentare, und du schreibst Gutachten. Die FU Berlin nennt als Anforderung ausdrücklich Freude am Umgang mit Sprache und stringente Argumentation. Die Universität Hamburg formuliert es zugespitzt: Jura ist Mathe mit Worten.
Das ist der ehrlichste Filter überhaupt. Empfindest du lange Texte durchweg als Zumutung, arbeitest du fünf Jahre gegen dich selbst. Umgekehrt hast du mit Freude am Formulieren einen echten Vorteil, von der ersten Hausarbeit bis ins Examen.
Abstraktionsvermögen: Wichtiges vom Unwichtigen trennen
In einer Klausur bekommst du einen mehrseitigen Sachverhalt. Drei Viertel davon sind rechtlich belanglos. Deine Aufgabe ist, das relevante Viertel zu erkennen und in die Struktur des Gesetzes einzuordnen. Genau das meinen die Fakultäten, wenn sie logisches Denken und Abstraktionsvermögen verlangen.
Übrigens ist das die Fähigkeit, die den meisten Anfängern am meisten Mühe macht, und die sich am deutlichsten trainieren lässt. Sie entsteht durch Falllösen, nicht durch Lesen.
Ausdauer über Jahre statt Talent im Semester
Das Jurastudium belohnt Kontinuität stärker als Begabungsspitzen. Der Grund ist strukturell: Es gibt kaum Zwischenerfolge, die etwas garantieren, und die entscheidende Prüfung liegt am Ende. Fleiß, hohe Lernbereitschaft und Disziplin stehen deshalb in jedem universitären Anforderungsprofil.
Frag dich also weniger, ob du klug genug bist. Frag dich, ob du bereit bist, vier Jahre lang etwas zu tun, das erst am Schluss belohnt wird.

Selbsttest: Passt Jura zu mir?
Der folgende Selbsttest fragt nach Arbeitsweisen; Interessen bleiben außen vor. Er hat zwölf Aussagen. Lies jede und entscheide spontan, ob sie auf dich zutrifft. Zähl am Ende die Zustimmungen.
Zwölf Aussagen zum Abgleichen
- Ich lese auch lange Texte zu Ende, wenn sie sachlich sind und mich das Thema interessiert.
- Wenn ich etwas erklären soll, formuliere ich lieber schriftlich als mündlich.
- Genaue Wortwahl liegt mir, und Unterschiede zwischen ähnlichen Begriffen fallen mir auf.
- Ich kann eine Regel auf einen Fall anwenden, den sie nicht wörtlich erwähnt.
- In einer langen Geschichte erkenne ich schnell, worauf es ankommt.
- Ich denke gern in Kategorien und ordne Dinge in Schubladen ein.
- Wenn zwei Positionen vertretbar sind, kann ich beide begründen und mich dann entscheiden.
- Ich halte durch, wenn eine Rückmeldung erst nach Monaten kommt.
- Eine schlechte Note motiviert mich eher zur Analyse als zum Rückzug.
- Ich kann über Wochen dieselbe Arbeitsroutine halten, ohne dass jemand mich kontrolliert.
- Fragen nach Regeln, Macht und Gerechtigkeit interessieren mich auch außerhalb einer Prüfung.
- Es macht mir nichts aus, dass Ergebnisse in meinem Fach oft begründbar statt eindeutig richtig sind.
Was dein Ergebnis bedeutet
Die Auswertung ist bewusst grob. Ein Fragebogen kann eine Entscheidung stützen, nicht ersetzen.
| Zustimmungen | Was das heißt | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| 10 bis 12 | Deine Arbeitsweise passt sehr gut zum Anforderungsprofil der Fakultäten. | Trotzdem die Fallaufgabe unten machen. Passung im Kopf und Freude an der Sache sind zweierlei. |
| 7 bis 9 | Solide Passung. Meist fehlen einzelne Bausteine, häufig Ausdauer oder Schreibfreude. | Schau, welche Aussagen du verneint hast. Sind es die Punkte 8 bis 10, plane von Anfang an eine Lernroutine. |
| 4 bis 6 | Gemischt. Das schließt Jura nicht aus, macht es aber anstrengender. | Mach zusätzlich ein Online-Self-Assessment einer Universität und die Fallaufgabe. Zwei Signale sind besser als eins. |
| 0 bis 3 | Deine Arbeitsweise liegt quer zu dem, was das Studium verlangt. | Bevor du dich gegen Jura entscheidest: Prüfe, ob es an der Sache liegt oder am Lesen und Schreiben. Das ist ein Unterschied. |
Eine Einschränkung, die kein Test wegdiskutieren kann: Die meisten Punkte auf dieser Liste sind lernbar. Ein Nein bedeutet also Aufwand, keinen Ausschluss.
Tipp
Punkt vier und fünf der Liste, also Regeln anwenden und Wesentliches erkennen, trainierst du am schnellsten an kleinen Sachverhalten. Genau dafür gibt es auf jurahilfe.de Multiple-Choice-Aufgaben mit ausführlicher Erläuterung: kleine Fälle, sofortige Rückmeldung, und die falschen Antwortoptionen bilden die Denkfehler ab, die in echten Klausuren passieren.
Die Fallaufgabe: So arbeiten Juristen wirklich
Jetzt der Teil, den kein Fragebogen leistet. Juristische Arbeit besteht im Kern aus einem einzigen Vorgang: Du nimmst eine Definition und prüfst, ob ein Lebenssachverhalt darunter fällt. Das heißt Subsumtion, und es ist die Tätigkeit, die du fünf Jahre lang machst. Lies die beiden folgenden Aufgaben und beantworte sie im Kopf, bevor du die Lösung liest.
Ist Strom eine Sache?
§ 90 BGB definiert: Sachen im Sinne des Gesetzes sind nur körperliche Gegenstände. Frage: Ist die Elektrizität, die aus deiner Steckdose kommt, eine Sache?
Denk kurz nach. Die Antwort ist nein. Elektrizität ist nicht sinnlich wahrnehmbar und nicht räumlich abgrenzbar, ihr fehlt die Körperlichkeit. Deshalb gibt es für den Stromdiebstahl eine eigene Vorschrift, sonst wäre er nicht strafbar. Zum Vergleich: Meereswasser und freie Luft sind ebenfalls keine Sachen, weil sie nicht abgrenzbar sind. Ein abgefüllter Liter Wasser dagegen schon.
Achte auf die Bewegung, die du gerade gemacht hast. Du hast eine Definition gelesen, sie in Merkmale zerlegt (körperlich, Gegenstand) und einen Fall daran gemessen. Genau das ist der Beruf.
Die Whiskeyflasche in der Manteltasche
Zweite Aufgabe, etwas anspruchsvoller. § 242 StGB setzt für den Diebstahl eine Wegnahme voraus. Wegnahme ist nach der Rechtsprechung der Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Sachverhalt: A nimmt im Supermarkt eine Whiskeyflasche aus dem Regal, steckt sie in seine Manteltasche und geht damit noch zwanzig Minuten durch den Laden. An der Kasse wird er erwischt, bevor er zahlt oder das Geschäft verlässt. Liegt eine Wegnahme vor?
Die meisten sagen spontan nein, weil A den Laden nicht verlassen hat. Die richtige Antwort ist ja. Mit dem Einstecken in die Manteltasche entsteht eine sogenannte Gewahrsamsenklave: ein kleiner Bereich, den A beherrscht, mitten im Herrschaftsbereich des Ladeninhabers. Damit ist dessen Gewahrsam gebrochen und neuer begründet. Die Ladentür spielt keine Rolle. So sieht es der Bundesgerichtshof in ständiger Rechtsprechung. Eine Gegenansicht verlangt zusätzlich eine reelle Chance, die Beute wegzubringen, setzt sich damit aber nicht durch.
Was die Aufgabe über dich verrät
Achte weniger auf richtig oder falsch. Achte darauf, wie es sich angefühlt hat.
Wenn dich die zweite Aufgabe geärgert hat, weil die Antwort dem Alltagsgefühl widerspricht, ist das ein gutes Zeichen. Juristen verbringen ihre Zeit genau in dieser Spannung zwischen Wortlaut und Alltagsverständnis. Wenn du dagegen dachtest, das sei Wortklauberei ohne Sinn, dann hast du eine wichtige Information über dich gewonnen. Diese Genauigkeit nimmt im Laufe des Studiums nicht ab, sie wird feiner.
Und wer beim Lesen der Definitionen unruhig wurde, weil die Formulierungen sperrig sind: Das gibt sich. Die Sperrigkeit ist Handwerk, kein Selbstzweck, und der Gutachtenstil wird nach ein paar Wochen Routine.
Online-Selbsttests der Universitäten im Vergleich
Fast jede große Fakultät bietet neben der Studienberatung einen kostenlosen Online-Selbsttest für Studieninteressierte an. Wer Rechtswissenschaft an der Universität studieren will, findet dort weitere Informationen zum Studienfach. Sie sind besser als ihr Ruf und schlechter als ihr Anspruch. Mach einen davon, wenn du ernsthaft überlegst. Nur solltest du wissen, was so ein Test messen kann.
Was Hamburg, Freiburg und Würzburg abfragen
| Uni | Aufbau | Dauer | Stärke |
|---|---|---|---|
| Hamburg | Fünf Module: Erwartungscheck mit 47 Aussagen, Fallaufgaben, Schlussfolgerungen, Oberbegriffe, Zahlenreihen | keine Angabe | Der Erwartungscheck gleicht deine Antworten mit den Einschätzungen der Lehrenden ab. Das deckt Fehlvorstellungen auf. |
| Freiburg | Vier Pflichtmodule: Erwartungen, Interessen, Aufgaben, Studienalltag; Aufgaben aus Zivil-, Straf- und Öffentlichem Recht | 60 bis 90 Minuten | Das einzige der drei mit einem eigenen Interessens-Modul und Aufgaben aus allen drei Rechtsgebieten. |
| Uni Würzburg | Typische Fachaufgaben mit Feedback und Erklärung nach jeder Aufgabe | rund 30 Minuten | Am schnellsten gemacht, mit direkter Rückmeldung pro Aufgabe. |
Die FU Berlin setzt auf ein Erwartungsformat statt auf Aufgaben: Das Assessment gleicht die eigenen Vorstellungen mit den realen Anforderungen ab und gibt Einblick in Studieninhalte, Denkmuster und Arbeitsmethodik.
Wo die Uni-Tests an ihre Grenzen kommen
Drei Punkte solltest du im Kopf behalten, wenn du dein Ergebnis liest.
Erstens messen sie überwiegend Erwartungen. Ein Erwartungscheck sagt dir, ob dein Bild vom Studium stimmt. Das ist wertvoll, weil falsche Vorstellungen der häufigste Abbruchgrund im Motivationsbereich sind. Über deine Fähigkeit sagt er wenig.
Zweitens sind die Aufgabenteile kurz. Eine Klausur dauert fünf Stunden und verlangt einen zusammenhängenden Gutachtentext. Zwanzig Minuten Multiple-Choice simulieren das nicht. Was sie zeigen: ob dir die Denkbewegung liegt.
Drittens ist kein Ergebnis verbindlich. Die Tests sind Angebote der Studienorientierung, keine Zulassungsprüfung. Niemand darf dir aufgrund eines Selbsttests das Studium verwehren, und niemand garantiert dir mit einem guten Ergebnis etwas.
Mein Vorschlag: Nimm Würzburg für den schnellen Eindruck und Hamburgs Erwartungscheck für die unbequeme Frage, ob dein Bild vom Fach überhaupt stimmt. Zusammen brauchst du gut eine Stunde.
Was nicht über deine Eignung entscheidet
Hier räumen wir mit drei verbreiteten Annahmen auf. Bei einer davon liegt die gängige Beruhigung daneben.
Abiturnote: Was die Daten wirklich sagen
Viele Ratgeber schreiben, die Abiturnote sage über den Examenserfolg nichts aus. Das ist so nicht belegt. Eine Untersuchung an Jurastudierenden in Hannover, Göttingen und Osnabrück fand einen statistisch signifikanten Zusammenhang: Wer mit einem Abitur zwischen 1,0 und 1,9 antrat, erreichte im Ersten Staatsexamen im Schnitt 8,5 Punkte, die Gruppe mit 2,8 bis 3,7 kam auf 6,4 Punkte. Der Korrelationskoeffizient zum Bestehen lag bei 0,22.
Diese Zahl verdient einen zweiten Blick. 0,22 ist ein schwacher bis mittlerer Zusammenhang, keine Vorbestimmung. Zwei Konsequenzen folgen daraus, und beide sind unbequem: Ein starkes Abitur ist ein günstiges Startsignal, und ein schwaches Abitur bedeutet statistisch mehr Aufwand für dasselbe Ergebnis. Beides ändert nichts an der Einzelperson. In der Gruppe mit 2,8 bis 3,7 gibt es Prädikatsexamina, und in der 1er-Gruppe gibt es Durchgefallene.
Wenn du also mit einem 3,0er Abitur überlegst: Der Zugang ist eine Frage der Bewerbung und des Numerus clausus deiner Wunschuniversität, die Eignung eine Frage deiner Arbeitsweise. Zwei getrennte Fragen. Und selbst der Weg ins Jurastudium ohne Abitur ist offen.

Der Mythos vom IQ für Jura
Welcher IQ ist für Jura nötig? Die Frage wird oft gestellt und lässt sich nicht beantworten. Es gibt keine belastbare Studie zu IQ-Werten und dem Erfolg im Jurastudium. Was im Netz dazu kursiert, stammt aus Foren.
Nüchtern betrachtet ist die Frage auch schlecht gestellt. Das Studium verlangt eine bestimmte Kombination aus Sprachverarbeitung, Strukturdenken und Ausdauer. Ein Punktwert sagt darüber nichts. Freude am Zerlegen von Gesetzestexten bringt dich weiter als ein hoher Testwert plus Widerwillen gegen Textarbeit.
Redetalent und Gerechtigkeitssinn
Zwei Klassiker unter den Fehlvorstellungen. Erstens: Man müsse gut reden können. Im Studium spielt Rhetorik kaum eine Rolle, praktisch alle Leistungen sind schriftlich, und der Gerichtssaal kommt für die meisten Absolventen im Berufsleben nie. Zweitens: Es gehe um Gerechtigkeit. Über Gerechtigkeit wird in der Rechtsphilosophie diskutiert, in der Klausur wird ein Gesetz angewendet. Kommst du nur wegen des großen Themas, überrascht dich die Detailarbeit. Das gilt gerne auch für Studenten, die sich Rechtswissenschaften als Debattierclub vorgestellt haben.
Auch die verbreitete Annahme, Jura sei reines Auswendiglernen, hält sich zäh. Definitionen musst du kennen, das stimmt. Punkte bekommst du für die Anwendung.
Tipp
Definitionen sicher im Kopf zu haben ist die Voraussetzung, nicht das Ziel. Mit den Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de rufst du Wissen aktiv ab, statt es nur zu lesen. Was du sicher kannst, kommt seltener, was du nicht sicher kannst, häufiger.
Der echte Studienalltag im ersten Jahr
Erwartungen scheitern selten am Stoff und oft am Umfang. Deshalb hier die konkreten Zahlen, soweit es welche gibt.
Wie viel Zeit Jurastudierende tatsächlich lernen
In einer Umfrage unter 767 Jurastudierenden gaben 50 Prozent an, mindestens 30 Stunden pro Woche zu lernen. 16,4 Prozent kamen auf 40 bis 50 Stunden, 5,6 Prozent auf über 50. Für rund jeden fünften Studierenden ist das Studium damit intensiver als ein Vollzeitjob. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber die Größenordnung deckt sich mit dem, was Fakultäten kommunizieren.
Dazu passt eine zweite Zahl aus derselben Erhebung: 32,2 Prozent berichten von Leistungsdruck, und nur 24,7 Prozent sagen, sie kämen gut damit klar. Das vorher zu wissen ändert die Planung.
Warum die erste Klausur selten gut ausgeht
Die erste juristische Klausur überrascht fast alle, und zwar nicht wegen des Stoffs. Du bekommst einen mehrseitigen Sachverhalt und musst in einer festen Form antworten: Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis, für jedes einzelne Tatbestandsmerkmal. Diese Form ist neu, und sie kostet in der ersten Klausur mehr Punkte als fehlendes Wissen.
Eine mögliche Einteilung für eine Zweistundenklausur, orientiert an der Faustregel ein Drittel Vorbereitung und zwei Drittel Reinschrift: zwanzig Minuten Sachverhalt lesen, zwanzig Minuten Lösungsskizze, siebzig Minuten Reinschrift, zehn Minuten Korrektur. Eine feste Formel ist das nicht, die Aufteilung hängt vom Fall ab. Wer sie nie geübt hat, verschreibt sich in die Zeitnot. Das ist reines Handwerk und lernbar, aber eben nur durch Schreiben.
Eine Warnung zu einer beliebten Beruhigung: Die Behauptung, fast alle Erstklausuren landeten bei vier bis sechs Punkten, findest du in vielen Ratgebern. Belastbare Zahlen zu Anfängerklausuren gibt es nicht. Die einzige große Notenauswertung, die es gibt, betrifft Examensklausuren, nicht das erste Semester. Erwarte also wenig und nimm die Rückmeldung ernst, aber verlass dich nicht auf eine erfundene Statistik.
Zwischenprüfung: Die erste harte Hürde
Die Zwischenprüfung liegt am Ende des Grundstudiums, meist nach dem vierten Fachsemester, und wird an den meisten Fakultäten sukzessiv abgelegt: bestandene Klausuren in Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht, dazu Hausarbeiten. Wer sie endgültig nicht besteht, ist bundesweit von diesem Studiengang ausgeschlossen. Das ist die schärfste Regel des ganzen Studiums und einer der Gründe, warum Jura als schwer gilt.
Der ganze Aufbau des Jurastudiums bis zum Staatsexamen ist auf diese Struktur ausgelegt: Grundstudium mit Zwischenprüfung, Hauptstudium mit Schwerpunkt, dann rund ein Jahr Examensvorbereitung.
Tipp
Die Zwischenprüfung fragt Grundstudiums-Stoff ab, und der ist auf jurahilfe.de in Lernpfade mit Skript, Karteikarten und Abschlusstest zerlegt. Statt vier Semester Stoff am Ende zu bündeln, arbeitest du ihn in kleinen Einheiten ab und siehst nach jedem Pfad, was du schon beherrschst.
Falsche Erwartungen sind der häufigste Abbruchgrund
Jetzt zur Zahl vom Anfang. Ein Gutachten des DZHW für das nordrhein-westfälische Justizministerium hat Abbrecher des Staatsexamensstudiengangs befragt. Die Abbruchquote liegt bei rund 24 Prozent.
Was Abbrecher rückblickend nennen
Die Gründe verteilen sich so, jeweils als ausschlaggebender Grund:
| Grund | Anteil | Auffälligkeit |
|---|---|---|
| Leistungsprobleme | 25 % | 58 % nannten zu viel Prüfungsstoff, 49 % zu hohe Anforderungen, 53 % zweifelten an der eigenen Eignung |
| Mangelnde Studienmotivation | 17 % | 53 % hatten falsche Erwartungen an das Fach, 34 % verloren das Interesse |
| Wunsch nach Praxis | 17 % | 74 % nannten diesen Punkt überhaupt, auch wenn er nicht ausschlaggebend war |
| Persönliche Gründe | 16 % | 20 % Krankheit oder psychische Belastung, 27 % Unwohlsein am Studienort |
| Finanzielle Gründe | 10 % | 31 % finanzielle Engpässe, 23 % Job und Studium nicht vereinbar |
Zwei Werte lohnen einen zweiten Blick. Über die Hälfte der Motivations-Abbrecher hatte ein falsches Bild vom Fach. Und über die Hälfte der Leistungs-Abbrecher zweifelte an der eigenen Eignung, was etwas anderes ist als fehlende Eignung. Beides sind Informationsprobleme, und beide lassen sich vor dem ersten Semester angehen.

Wie du früh gegensteuerst
Vier Dinge helfen, alle vor oder im ersten Semester machbar.
Schreib früh, nicht viel. Die erste eigene Klausur ist der ehrlichste Datenpunkt, den du bekommst. Warte nicht auf die Pflichtklausur.
Hol dir Rückmeldung zur Methode, nicht zur Note. Die Frage lautet nicht, ob es gut war. Sie lautet: An welcher Stelle habe ich einen Prüfungsschritt übersprungen?
Trenn Eignungszweifel von Leistungsproblemen. Wer im dritten Semester das Gefühl hat, nichts zu verstehen, liegt im Durchschnitt. Wer dauerhaft nicht besser wird, hat ein Methodenproblem, und dagegen gibt es Mittel. Eine Lerngruppe kann dich dabei unterstützen, gezielter hilft Einzelunterricht mit konkreter Rückmeldung zur Methode.
Wenn dich Zweifel lähmen, behandle sie als eigenes Problem. Eine Lernblockade löst sich nicht durch mehr Stoff. Und wenn nach ehrlicher Prüfung wirklich nichts passt, ist ein früher Wechsel eine Korrektur und keine Niederlage. Es gibt juristisch geprägte Studiengänge ohne Staatsexamen, und wer bleibt, sollte wissen, wohin: Anwalt, Richter oder Staatsanwalt sind nur drei der juristischen Berufe.
Fazit
Passt Jura zu mir? Die Frage ist besser als ihr Ruf, weil sich die Sache in überprüfbare Teile zerlegen lässt. Ob Jura das Richtige für dich ist, hängt an drei Fragen. Liest und schreibst du gern? Liegt dir die Bewegung von der Definition zum Fall? Bist du bereit, mehrere Jahre ohne Zwischenapplaus zu arbeiten? Wer bei allen drei Punkten zustimmt, hat eine gute Grundlage für einen erfolgreichen Start, unabhängig von Abiturnote und Testwerten. Wer zweimal zögert, sollte die Fallaufgabe oben nochmal machen und danach entscheiden. Die Entscheidung musst du anhand dieser Signale einmal treffen, und du findest erst heraus, ob sie stimmte, während du studierst.
Und wenn du es ausprobieren willst, bevor du dich einschreibst: Der Allgemeine Teil des BGB ist genau der Stoff, mit dem dein erstes Semester beginnt, und du kannst ihn auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos durcharbeiten, mit Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben.
Weiterlesen
- Jura Durchfallquote: Statistik zum 1. und 2. Staatsexamen: Die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Justiz, aufgeschlüsselt nach Bundesländern, wenn du wissen willst, wie die Hürde am Ende aussieht.
- Jura Notenskala: Noten und Punkte im Jurastudium erklärt: Warum neun Punkte im Jurastudium eine gute Note sind und wie die Skala von 0 bis 18 funktioniert.
- Jura-Lernplan erstellen: Schritt für Schritt zum Ziel: Der praktische Teil, sobald die Entscheidung steht, mit Wochenstruktur und realistischen Zeitfenstern.
- Falltraining, Abschlusstest und Note bei Jurahilfe: Wie du das Subsumieren aus den Aufgaben oben systematisch am Fall trainierst.
Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
- Zivilrecht
- Strafrecht
- Öffentliches Recht
- Jurastudium
- Examensvorbereitung
- juristische Didaktik



