27,4 Prozent sind 2024 im ersten Staatsexamen durchgefallen. Im BWL-Bachelor holt dich eine verhauene Klausur im nächsten Semester wieder ein. In Jura entscheidet am Ende ein einziger Prüfungsblock über fünf Jahre Arbeit.
Ob du Jura oder BWL studieren solltest, hängt an zwei Fragen: Welchen Beruf willst du, und wie viel Prüfungsrisiko willst du tragen? Für das Richteramt und die Anwaltszulassung führt kein Weg am Staatsexamen vorbei (§ 5 DRiG). Wenn du ins Unternehmen willst, ist BWL der schnellere und planbarere Weg. Und es gibt einen dritten Weg: beides gleichzeitig.
Wechseln kannst du später immer noch. Nur kostet es dich dann Jahre, weil zwischen den beiden Studiengängen fast nichts angerechnet wird.
Auf einen Blick:
- Nur das Staatsexamen führt zum Richteramt und zur Anwaltszulassung. Ein BWL- oder Wirtschaftsrecht-Abschluss reicht dafür nicht.
- Bis zum Volljuristen dauert es rund sieben bis acht Jahre, bis zum BWL-Master fünf.
- 2024 fielen 27,4 Prozent im ersten Examen durch, 19,57 Prozent bekamen ein Prädikat.
- Recht steckt ohnehin in deinem BWL-Studium: Wirtschaftsprivatrecht ist an fast jeder Uni Pflichtmodul.
- Doppelstudium und Kombistudiengänge gibt es, in Bayreuth und Mannheim zum Beispiel.
- Beim Wechsel nach dem Bachelor beginnt das Jurastudium praktisch bei null.
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Jura oder BWL: die Unterschiede auf einen Blick
Die beiden Studiengänge unterscheiden sich weniger im Arbeitsaufwand als in der Struktur. Betriebswirtschaftslehre ist modular aufgebaut: Du sammelst Credits, jede Klausur zählt für sich, und am Ende steht ein Notendurchschnitt. Jura läuft auf eine einzige staatliche Prüfung zu, die über fünf Jahre entscheidet. Wer mit langem Vorlauf und spätem Feedback gut umgehen kann, ist im Jura-Studium eher richtig aufgehoben.
Die wichtigsten Unterschiede im direkten Vergleich:
| Kriterium | Jura (Staatsexamen) | BWL |
|---|---|---|
| Abschluss | Erste Juristische Prüfung, danach Referendariat und zweites Examen | Bachelor of Science, meist plus Master |
| Regelstudienzeit | 10 Semester plus 2 Jahre Referendariat | 6 Semester plus 4 Semester Master |
| Prüfungsform | Staatlicher Prüfungsblock am Ende | Modulklausuren über das ganze Studium |
| Noten | 0 bis 18 Punkte | 1,0 bis 5,0 |
| Durchfallquote | 27,4 Prozent im ersten Examen (2024) | modulweise, keine bundesweite Statistik |
| Berufszugang | Richteramt, Anwaltschaft, höherer Dienst | Management, Beratung, Rechtsabteilung ohne Zulassung |
| Wechsel | Anrechnung selten, Neustart wahrscheinlich | viele Anschlussmaster, auch fachfremd |
Staatsexamen gegen Bachelor: der Abschluss entscheidet
Der wichtigste Unterschied ist der Abschluss. Wer Richterin, Staatsanwalt, Notarin oder Rechtsanwalt werden will, braucht die Befähigung zum Richteramt, und die gibt es nur über zwei Staatsexamina (§ 5 DRiG, § 4 BRAO). Kein Bachelor und kein Master der Welt ersetzt das. Mit beiden Examina bist du Volljurist.
Mit BWL stehen dir dafür andere Wege offen: Controlling, Strategie, Personal, Vertrieb, Gründung. Und du bist nach dem Bachelor mit 21 oder 22 arbeitsfähig, während deine Freunde in Jura gerade erst die Zwischenprüfung hinter sich haben.
Wie lange dauert das Jurastudium, wie lange BWL?
Die Regelstudienzeit im Jurastudium liegt seit der Reform von 2019 bei zehn Semestern. Danach folgen zwei Jahre Referendariat und das zweite Examen. Realistisch bist du also sieben bis acht Jahre unterwegs, bis du als Volljuristin arbeiten kannst. Wie die Zahlen im Detail aussehen, steht im Artikel zur Dauer des Jurastudiums.
BWL geht schneller. Sechs Semester Bachelor, vier Semester Master, das sind fünf Jahre bis zum höchsten Abschluss, und schon nach drei Jahren hast du einen berufsqualifizierenden Titel in der Hand. Viele arbeiten während des Masters bereits als Werkstudenten.

Welche Voraussetzungen Jura und das BWL Studium verlangen
Formal brauchst du für beides nur die Hochschulzugangsberechtigung. In Jura verlangen viele Universitäten nicht einmal einen NC. Die eigentlichen Voraussetzungen sind andere.
Durchfallquote, Notenskala und Ausdauer in Jura
In Jura arbeitest du fünf Jahre auf eine Prüfung hin. Wie sie ausgeht, weißt du bis zum Schluss nicht. 2024 bestanden 72,6 Prozent der Teilnehmenden die staatliche Pflichtfachprüfung, 27,4 Prozent fielen durch. Zwischen den Ländern schwankt das erheblich: Bremen lag bei 40,6 Prozent Durchfallern, Brandenburg bei 32,9 Prozent, Baden-Württemberg bei 30,1 Prozent. Die aktuellen Werte stehen in unserer Statistik zur Durchfallquote im Examen.
Dazu kommt die Notenskala. Gerechnet wird von 0 bis 18 Punkten, und schon 9 Punkte gelten als Prädikatsexamen. 2024 schafften das 19,57 Prozent, also 2.627 Personen. Die Bestnote „sehr gut“ bekamen 39 Menschen bundesweit, das sind 0,29 Prozent. Wer aus der Schule einen guten Notenschnitt gewohnt ist, muss sich umgewöhnen: 8 Punkte sind in Jura ein solides Ergebnis.

Die Notenlogik verinnerlichen viele Studierende erst nach zwei bis drei Semestern. Im Examen schaffen etliche dann noch einen deutlichen Sprung. Ich würde die ersten Scheine deshalb nicht überbewerten, auch wenn sie sich vielleicht erst einmal ernüchternd lesen.
Wo das BWL Studium fordert
BWL wird wegen seiner Größe gern unterschätzt. Der Stoff ist breiter als in Jura, aber flacher: Rechnungswesen, Statistik, Mathematik, Marketing, Finanzierung, dazu Wirtschaftsrecht. In den ersten Semestern sortiert vor allem die Quantitative Methodik aus. Wer mit Zahlen fremdelt, hat es hier schwerer als in einem Fach, in dem Sprache das Werkzeug ist.
Wenn du gerne mit Zahlen arbeitest, tust du dir leichter. Der zweite Unterschied liegt außerhalb des Hörsaals. In BWL zählen Praktika, Auslandssemester und Nebenjobs für den Lebenslauf oft mehr als der letzte Notenpunkt. Der Master-Zugang hängt an der Bachelornote, gute Plätze sind knapp. In Jura zählt am Ende fast nur das Examen.

Beruf und Gehalt nach dem Studium
Allgemein liegen die beiden Wege beim Gehalt näher beieinander, als der Ruf des Jura-Studiums vermuten lässt. Der Unterschied entsteht an den Rändern: Bei Juristen ist die Spreizung größer, nach oben wie nach unten.
Berufe mit dem Staatsexamen
Mit zwei Examina stehen dir Anwaltschaft, Justiz, Verwaltung, Verbände und die Rechtsabteilungen der Unternehmen offen. Welche Wege es genau gibt und was sie voraussetzen, steht in der Übersicht der juristischen Berufe. Die großen Kanzleien zahlen Berufseinsteigern mit Prädikat sechsstellige Einstiegsgehälter, in der Fläche verdienen Anwältinnen und Anwälte deutlich weniger. Mit dem klaren Ziel Unternehmen landest du als Volljurist eher in der Rechtsabteilung als im Gerichtssaal.
Wichtig für die Entscheidung: Für die Großkanzlei zählt das Prädikat weiterhin am meisten. Verschlossen sind Justiz und Staatsanwaltschaft ohne Prädikat aber längst nicht mehr. Seit 2018 haben mehrere Länder ihre Notenschwellen wegen des Nachwuchsmangels gesenkt, das Doppelprädikat ist vielerorts keine zwingende Voraussetzung mehr.
Berufe mit BWL und der Weg in die Rechtsabteilung
BWL-Absolventen starten breit: Beratung, Finance, Controlling, Marketing, Personal, Supply Chain. Nach der laufenden Erhebung von Berufsstart liegt das Einstiegsgehalt für Bachelor-Absolventen bei rund 43.200 Euro im Jahr, für Master-Absolventen bei rund 54.700 Euro. Das ist im Schnitt mehr, als viele Berufseinsteiger in kleinen Kanzleien verdienen.
In eine Rechtsabteilung kommst du auch als BWLer, etwa im Vertragsmanagement, im Einkauf oder in der Compliance. Eine Grenze bleibt: Als Syndikusrechtsanwalt zugelassen werden nur Volljuristen (§ 46 BRAO). Was dieser Beruf umfasst, steht im Artikel zum Syndikusanwalt.

Jura im BWL Studium: Wirtschaftsprivatrecht bestehen
Recht studierst du in BWL sowieso. An praktisch jeder wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gehört ein Rechtsmodul zum Pflichtprogramm, meist unter dem Namen Wirtschaftsprivatrecht, Bürgerliches Recht oder „Grundzüge der wirtschaftlich relevanten Teile des Rechts“.
Was in der Rechtsklausur drankommt
Der Umfang ist kein Nebenfach-Häppchen. An der Universität Mannheim etwa umfasst das Modul LAW 301 Bürgerliches Recht 6 ECTS und 180 Stunden Arbeitszeit, mit fünf Semesterwochenstunden Vorlesung, zwei Stunden Übung und einer Klausur über 120 Minuten. Inhaltlich geht es um die ersten beiden Bücher des BGB plus juristische Methodenlehre.
Der typische Stoffplan sieht so aus, hier am Beispiel der Universität Greifswald: Im ersten Teil die Rechtsgeschäftslehre des BGB AT mit Vertragsfreiheit, Geschäftsfähigkeit, Stellvertretung und Anfechtung. Im zweiten Teil das Leistungsstörungsrecht: Unmöglichkeit, Schuldnerverzug, Schlechtleistung, Verletzung von Nebenpflichten, Gläubigerverzug, dazu das Kaufrecht.
Das ist derselbe Stoff, den Jurastudierende in den ersten drei Semestern lernen, nur schneller durchgezogen und ohne die Vertiefung.

Gutachtentechnik wird geprüft, aber selten gelehrt
Hier verlieren BWL-Studierende die meisten Punkte. Die Universität Greifswald schreibt es selbst auf ihrer Seite zum Privatrecht für BWL-Studierende:
„In der Klausur ‚Wirtschaftlich relevante Teile des Rechts‘ sind regelmäßig juristische Fälle gutachterlich zu lösen. Die hierfür erforderliche juristische Gutachtentechnik wird nicht in den Vorlesungen vermittelt, sondern nur in den VK.“ (Universität Greifswald, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Seite „Privatrecht für BWL-Studierende“).
Geprüft wird also eine Technik, die in der Hauptvorlesung gar nicht vorkommt. Wer den Gutachtenstil nicht beherrscht, schreibt eine inhaltlich richtige Antwort auf und bekommt trotzdem wenige Punkte, weil Obersatz, Definition, Subsumtion und Ergebnis fehlen. Wie das funktioniert, zeigt unser Artikel zum Gutachtenstil mit Übungen und Lösungen.
Mein Rat an BWL-Studierende: Nimm die freiwilligen Kolloquien mit, auch wenn sie Zeit kosten. Dort wird trainiert, was in der Klausur zählt.

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Jura und BWL gleichzeitig studieren
Muss es überhaupt eine Entscheidung sein? Studiengänge, die Wirtschaft und Recht verbinden, gibt es an mehreren Universitäten, und an einigen kannst du beide Welten kombinieren, ohne zwei volle Studiengänge zu stemmen.
Doppelstudium und Kombistudiengänge
Ein bekanntes Modell steht in Bayreuth. Dort lässt sich der Studiengang Recht und Wirtschaft (LL.B.) im Doppelstudium neben der Rechtswissenschaft belegen. Ein Drittel des Bachelors besteht aus Wirtschaftswissenschaften, insgesamt 50 ECTS aus BWL und VWL, den Rest deckst du über dein Jurastudium ab. Ein doppelter Semesterbeitrag fällt nicht an, die Doppeleinschreibung beantragst du bis vier Wochen nach Vorlesungsbeginn. Mehr zur Fakultät steht im Ortsführer zur Uni Bayreuth.
Ganz ohne Reibung läuft das nicht. Du meldest dich für jede Prüfungsleistung in beiden Studiengängen getrennt an, die Punkte werden vom Prüfungsamt in Noten umgerechnet, und die Zwischenprüfungsklausuren im zweiten Semester laufen nach Jura-Regeln. Die Fakultät selbst rät übrigens davon ab, Recht und Wirtschaft zusätzlich mit einem BWL-Bachelor zu kombinieren: Bei einer Höchststudienzeit von acht Semestern wird das zu viel.
Mannheim geht einen anderen Weg und verzahnt einen Unternehmensjuristen-Bachelor direkt mit dem Staatsexamen. Details dazu stehen im Ortsführer zur Uni Mannheim.
Wirtschaftsrecht LL.B. als dritter Weg
Zwischen beidem lohnt sich für manche ein eigener Studiengang. Wenn dich Recht interessiert, das Examen aber abschreckt, heißt er Wirtschaftsrecht. Sechs bis sieben Semester, Bachelor of Laws, deutlich mehr Recht als in BWL und deutlich mehr Wirtschaft als in Jura. Was der Abschluss bringt und wo seine Grenzen liegen, steht im Artikel zum Wirtschaftsrecht Studium und in der Übersicht zum Bachelor of Laws.
Die Grenze ist dieselbe wie bei BWL: Volljuristin wirst du damit nicht, und eine Anrechnung auf das Staatsexamen gibt es nicht.
Von BWL zu Jura wechseln: Quereinstieg und Zweitstudium
Bleibt der Fall, dass du schon BWL studiert hast oder mittendrin steckst und merkst, dass es doch Jura sein soll. Zwei Wege führen ins Jura-Studium, und beide haben ihren Preis.
Was aus dem BWL Studium angerechnet wird
Angerechnet wird fast nichts. Leistungen werden bei einem Studiengangwechsel nicht von Amts wegen übernommen, sondern nur auf Antrag, und dafür braucht es eine erhebliche inhaltliche Nähe der Studiengänge. Zwischen BWL und Rechtswissenschaft fehlt sie. In der Praxis bleibt es bei Einzelfällen, etwa wenn du vorher schon ein volles Modul im Bürgerlichen Recht bestanden hast.
Rechne damit, im ersten Fachsemester anzufangen und die juristische Zwischenprüfung komplett zu durchlaufen. Nach zwei Jahren im Bachelor ist das bitter, gerade wenn die Noten gut waren. Ein früher Wechsel kostet weniger Zeit. Ein abgeschlossener Bachelor federt dafür ab, falls das Examen schiefgeht.
Zweitstudienquote und Finanzierung
Hast du deinen Bachelor schon in der Tasche, bewirbst du dich als Zweitstudienbewerber. An zulassungsbeschränkten Standorten sind dafür rund drei Prozent der Studienplätze reserviert, und die Rangfolge bildet eine Messzahl aus der Abschlussnote des Erststudiums und dem Gewicht deiner Gründe. An Universitäten ohne NC entfällt das Verfahren ganz. Alle Details stehen im Artikel zu Jura als Zweitstudium.
Beim Geld wird es unangenehm. Nach einem berufsqualifizierenden Erstabschluss gibt es für ein Zweitstudium in aller Regel kein BAföG mehr (§ 7 BAföG). Bleiben Nebenjob, Stipendium, Bildungskredit oder die Unterstützung der Familie. Ein Jurastudium neben einem Vollzeitjob ist möglich, dauert aber entsprechend länger.
Vielleicht hilft dir zum Schluss eine einfache Probe. Stell dir vor, du sitzt in fünf Jahren im Examen. Reizt dich das, würde ich den Wechsel wagen. Lähmt dich der Gedanke, bleib in BWL und hol dir das Recht über Wirtschaftsrecht, Compliance oder eine Rechtsabteilung, in der Juristen und Kaufleute zusammenarbeiten.

Tipp
Beim Quereinstieg fehlt dir vor allem der Vorsprung der anderen aus den ersten Semestern. Mit den Karteikarten im Wiederholungssystem und den Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de holst du Grundlagenstoff gezielt nach und siehst sofort, welche Lücken offen sind.
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Häufig gestellte Fragen

Über den Autor
Frieder Hammer
Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de
Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)
Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.
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