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Moot Court 2026: Lohnt sich Jessup, Vis oder Soldan?

Studentin hält am Rednerpult im Gerichtssaal ihr Plädoyer, im Hintergrund unscharf die Richterbank

Ein Moot Court kostet dich vier Monate mit Schriftsätzen und Probeverhandlungen in Kanzleien. Am Ende hältst du ein Plädoyer vor einer Jury aus der Praxis. In der Examensklausur schreibst du danach trotzdem wieder ein Gutachten.

Ein Moot Court ist ein simuliertes Gerichts- oder Schiedsverfahren, in dem Studierende im Team eine Partei vertreten. Fürs Examen lohnt sich die Teilnahme vor allem dann, wenn du sie vor die Examensvorbereitung legst. In Nordrhein-Westfalen und Bayern bleibt für einen Moot Court ein Semester beim Freiversuch unberücksichtigt, in Sachsen bei internationalen Wettbewerben. Ein fremdsprachiger Wettbewerb kann außerdem den Fremdsprachennachweis nach § 5a DRiG erfüllen. Pflichtstoff trainiert vor allem der Soldan Moot Court, Jessup und Vis Moot zahlen eher aufs Berufsziel ein.

Der Preis ist Zeit. Welcher Wettbewerb wie viel davon kostet und was er dir zurückgibt, klärt dieser Artikel.

Auf einen Blick:

  • Ablauf: Schriftsätze für Kläger- oder Beklagtenseite, danach mündliche Verhandlung mit Nachfragen der Jury.
  • Freiversuch: § 25 Abs. 2 JAG NRW und § 37 Abs. 2 JAPO (Bayern) klammern ein Semester aus, wenn der Aufwand mindestens 16 Semesterwochenstunden entspricht.
  • Studienleistungen: je nach Land und Fakultät Schlüsselqualifikation, Fremdsprachennachweis oder Seminarschein, nicht überall kombinierbar.
  • Examensnutzen: Mündliche Prüfung, Prozessrecht und Referendariat profitieren stärker als die Klausurtechnik.
  • Zeitpunkt: nach der Zwischenprüfung, bevor die Examensvorbereitung beginnt.

Was ist ein Moot Court?

Ein Moot Court ist ein Wettbewerb, in dem Teams von Jurastudierenden einen fiktiven Fall vor einem simulierten Gericht oder Schiedsgericht verhandeln. Jedes Team schreibt zuerst Schriftsätze für eine Partei und vertritt seine Position danach mündlich vor einer Jury. Bewertet werden beide Teile, das Finale erreichen nur die besten Teams.

Der Unterschied zum Studienalltag liegt in der Rolle. In der Klausur und in der Hausarbeit bist du neutraler Gutachter und prüfst jede Anspruchsgrundlage ergebnisoffen. Im Moot Court stehst du auf einer Seite. Du suchst Argumente für deine Partei, nimmst die Gegenargumente vorweg und formulierst im Schriftsatz- und Urteilsstil statt im Gutachtenstil. Wie sich diese Stile unterscheiden, zeigt der Beitrag zu Gutachtenstil, Feststellungsstil und Urteilsstil.

Spaltenvergleich: Ein Moot Court dauert vier bis sechs Monate, Klausur und Hausarbeit Stunden bis Wochen, dazu kommen Parteirolle, Schriftsatzstil und Teamarbeit
Abb. 1: Moot Court und Klausur im Vergleich: Rolle, Stil, Arbeitsform, Prüfung und Dauer

Warum sich das jemand freiwillig antut? Weil Jurastudenten und -studentinnen sonst meist erst im Referendariat das erste Mal vor Gericht auftreten. Der Moot Court zieht diese Erfahrung ins Studium vor. Das Gesetz sieht ihn nicht als Pflicht vor, und das Deutsche Richtergesetz erwähnt ihn nicht ausdrücklich. Die Juristenausbildungsgesetze der Länder nennen ihn trotzdem, und zwar unter dem Namen „Verfahrenssimulation“. Dazu gleich mehr.

Welche Moot Courts gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es bundesweite Moot Courts in deutscher Sprache für alle drei großen Rechtsgebiete. Dazu gehören der Soldan Moot Court für Zivilprozess und Anwaltsrecht, der ELSA Deutschland Moot Court im Zivilrecht, Wettbewerbe im Verwaltungs-, Verfassungs- und Arbeitsrecht sowie der Märchen Moot Court im Strafrecht. Dazu kommen fakultätsinterne Moot Courts einzelner Universitäten.

Die folgende Tabelle ordnet die bekanntesten nationalen Wettbewerbe nach Rechtsgebiet. Die rechte Spalte zeigt, wie nah das Rechtsgebiet am Examensstoff liegt. Je näher, desto mehr Pflichtstoff wiederholst du nebenbei.

WettbewerbRechtsgebietExamensbezug
Soldan Moot CourtZivilprozess, Berufsrecht der AnwältePflichtfach
ELSA Deutschland Moot Court (EDMC)ZivilrechtPflichtfach
ELSA Deutschland Verwaltungsrechts Moot Court (EDVMC)VerwaltungsrechtPflichtfach
BAG Moot CourtArbeitsrechtteils Pflichtfach, teils Schwerpunkt
BFH Moot CourtSteuerrechtSchwerpunkt
HANSEMOOTVerfassungsrechtPflichtfach
Märchen Moot CourtStrafrechtPflichtfach

Soldan Moot Court

Der Soldan Moot Court ist der bundesweite Wettbewerb zur anwaltlichen Berufspraxis. Ihn veranstalten die Bundesrechtsanwaltskammer, die Hans Soldan Stiftung, der Deutsche Anwaltverein und der Deutsche Juristen-Fakultätentag. Die Durchführung liegt beim Institut für Prozess- und Anwaltsrecht der Leibniz Universität Hannover. Der Fall kommt aus dem Zivilrecht und dem anwaltlichen Berufsrecht, die Teams schreiben Klage und Klageerwiderung wie in einem echten Zivilprozess.

Der Ablauf im Jahr 2025 zeigt die Taktung. Anfang Juli erschien der Fall. Anfang August war die Klageschrift fällig, Anfang September die Klageerwiderung. Im September folgten Probeverhandlungen, das Finalwochenende fand vom 8. bis 11. Oktober in Hannover statt. Die Jurys bestehen überwiegend aus Anwältinnen und Anwälten, teils mit amtierenden Richtern. Die besten Teams ziehen in K.-o.-Runden ein.

Drei Juroren sitzen an einem Tisch in einem holzvertäfelten Verhandlungssaal, hören zu und machen sich Notizen
Abb. 2: Die Jury hört zu, notiert mit und unterbricht mit Nachfragen

Für die Examensfrage ist der Soldan Moot Court der naheliegendste Kandidat. Das Zivilprozessrecht gehört zum Pflichtstoff, denn § 5a Abs. 2 DRiG zählt die Kernbereiche des Verfahrensrechts ausdrücklich zu den Pflichtfächern.

ELSA Deutschland Moot Court am BGH

Die European Law Students' Association (ELSA) richtet den ELSA Deutschland Moot Court (EDMC) aus. Es ist ein zivilrechtlicher Wettbewerb für Teams aus ganz Deutschland. Er beginnt mit lokalen Runden an den Fakultäten im Wintersemester. Die Sieger ziehen in die nächsten Runden ein, das Finale findet im Sommer vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe statt.

Der Einstieg ist niedrig. Die erste Runde findet an der eigenen Uni statt, und der Fall bleibt im deutschen Recht.

BAG Moot Court im Arbeitsrecht

Der BAG Moot Court findet am Bundesarbeitsgericht in Erfurt statt. Er läuft im Zweijahresrhythmus. Er richtet sich an Studierende mit Interesse am Arbeitsrecht, oft aus dem entsprechenden Schwerpunktbereich. In Nordrhein-Westfalen und Bayern gehört das Individualarbeitsrecht im Überblick zum Pflichtstoff, mit Bezügen zum Tarifvertragsrecht. Vertieft behandeln das kollektive Arbeitsrecht erst die Schwerpunktbereiche.

Weitere nationale Moot Courts

Das öffentliche Recht deckt der ELSA Deutschland Verwaltungsrechts Moot Court (EDVMC) ab, der ähnlich wie der EDMC über Vorrunden an den Fakultäten läuft. Verfassungsrecht verhandelt der HANSEMOOT, den die Universität Hamburg als ersten bundesweiten Moot Court dieser Art bezeichnet. Im Steuerrecht gibt es den BFH Moot Court in München, im Sozialrecht einen Moot Court am Bundessozialgericht. Im Strafrecht gibt es den Märchen Moot Court.

Viele Fakultäten bieten zusätzlich In-House Moot Courts an, etwa die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Zivilrecht. Sie dauern kürzer, finden nur an der eigenen Uni statt und eignen sich als Test, ob dir das Format überhaupt liegt.

Internationale Moot Courts: Jessup und Vis Moot

Die großen internationalen Moot Courts laufen auf Englisch. Ihre Rechtsgebiete kommen im deutschen Pflichtstoff kaum vor: Völkerrecht beim Jessup, internationales Kaufrecht und Schiedsverfahren beim Vis Moot. Teams deutscher Fakultäten treten dort gegen Universitäten aus aller Welt an. Die Finalrunden des Jessup finden in Washington statt, die des Vis Moot in Wien und Hongkong.

Philip C. Jessup International Law Moot Court

Der Jessup ist ein völkerrechtlicher Moot Court. Die International Law Students Association (ILSA) veranstaltet ihn seit 1960 jedes Jahr. Simuliert wird ein Streit zweier Staaten vor dem Internationalen Gerichtshof, jedes Team schreibt Schriftsätze, sogenannte Memorials, für beide Seiten.

Der Fall erscheint im September, die Memorials sind im Januar fällig. Danach entscheiden nationale Vorrunden, welches Team sein Land bei den International Rounds im Frühjahr vertritt. Der Jessup trainiert Völkerrecht auf einem Niveau, das im Staatsexamen nicht verlangt wird. Für einen Schwerpunkt im Völker- und Europarecht passt er dagegen genau.

Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot

Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot, kurz Vis Moot, verhandelt einen Handelsstreit vor einem Schiedsgericht. Materiell geht es um das UN-Kaufrecht (CISG). Prozessual geht es um Schiedsverfahrensrecht. Die Parteien stammen aus fiktiven Staaten wie Equatoriana oder Mediterraneo. Die mündlichen Runden finden in Wien und beim Ableger Vis East in Hongkong statt.

Studierende in Anzügen sitzen an einem langen Tisch vor einem dreiköpfigen Schiedsgericht in einem hellen Konferenzsaal
Abb. 3: Mündliche Runde einer internationalen Schiedsverhandlung

Der Zeitplan reicht von Oktober bis Anfang April. Der Fall erscheint Anfang Oktober. Der Schriftsatz für die Klägerseite ist im Dezember fällig, der für die Beklagtenseite Ende Januar. Die mündlichen Runden folgen im März, in Hongkong Mitte März, in Wien Ende März bis Anfang April. Dazwischen laufen Pre-Moots, bei denen Kanzleien Probeverhandlungen für mehrere Universitäten ausrichten. Für eine spätere Arbeit in der Schiedsgerichtsbarkeit ist der Vis Moot ein verbreiteter Einstieg.

Nuremberg Moot, Frankfurt Investment Arbitration Moot und weitere Law Moot Courts

Neben Jessup und Vis gibt es eine Reihe kleinerer internationaler Wettbewerbe mit eigenem Schwerpunkt. Viele davon tagen direkt am simulierten Gericht. Die Tabelle zeigt eine Auswahl.

WettbewerbRechtsgebietOrt
Nuremberg Moot CourtVölkerstrafrechtNürnberg
Frankfurt Investment Arbitration Moot CourtInvestitionsschutz, SchiedsverfahrenFrankfurt am Main
European Law Moot Court CompetitionEuroparechtLuxemburg
John H. Jackson Moot CourtWelthandelsrecht (WTO)Genf
Helga Pedersen Moot Court CompetitionEuropäische MenschenrechtskonventionStraßburg
Nelson Mandela Moot CourtMenschenrechteGenf

Der Helga Pedersen Moot Court wird am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg verhandelt. Der European Law Moot Court orientiert sich am Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Fürs Examen gilt bei allen dasselbe wie beim Jessup: Sie vertiefen Stoff, der im Pflichtfachbereich höchstens am Rand vorkommt.

Wie läuft ein Moot Court ab?

Ein Moot Court läuft in drei Phasen ab. Zuerst wählt die Fakultät ihr Team aus. Dann schreibt das Team über mehrere Wochen die Schriftsätze. Zuletzt folgen Probeverhandlungen und die mündlichen Runden vor einer Jury. Bei nationalen Wettbewerben dauert das rund vier Monate, beim Vis Moot ein halbes Jahr.

Zeitleiste: Soldan-Fristen laufen von Juli bis Oktober, die Fristen des Vis Moot von Oktober bis April
Abb. 4: Soldan Moot Court und Vis Moot folgen versetzten Zeitplänen

Auswahl und Team

Du bewirbst dich an deiner Fakultät. Den Moot Court betreut ein Lehrstuhl, der das Team zusammenstellt, oft nach einem Auswahlgespräch. Coaches aus dem Lehrstuhl oder ehemalige Teilnehmende begleiten das Team, lesen Entwürfe gegen und organisieren die Probeverhandlungen.

Schriftsatzphase

Mit der Veröffentlichung des Falls beginnt die Schreibphase. Beim Soldan Moot Court entstehen nacheinander Klageschrift und Klageerwiderung, beim Jessup und beim Vis Moot Memorials für beide Parteien. Die Arbeit ähnelt einer Hausarbeit im Team. Der Unterschied: Du suchst die stärksten Argumente für deine Seite.

Diese Phase ist die rechercheintensivste. Bei internationalen Wettbewerben kommt fremdes Recht dazu, etwa Schiedsregeln einer Institution oder Rechtsprechung ausländischer Gerichte zum UN-Kaufrecht.

Drei Jurastudierende sitzen abends mit Laptops, Gesetzestexten und ausgedruckten Schriftsätzen zusammen in der Bibliothek
Abb. 5: Die Schriftsatzphase ist Teamarbeit über viele Wochen

Mündliche Verhandlung vor der Jury

In den mündlichen Runden plädierst du vor einer Jury aus Richterinnen, Anwälten und Wissenschaftlern. Beim Soldan Moot Court dauert eine Verhandlung pro Team etwa 20 Minuten. Die Jury unterbricht, fragt nach und testet, ob du deine Position auch unter Druck verteidigen kannst.

Vorher trainierst du in Probeverhandlungen. Häufig richten Kanzleien sie aus, manchmal andere Hochschulen wie die Bucerius Law School. Beim Soldan Moot Court nennt die Berichterstattung etwa Hengeler Mueller, GÖRG und Gleiss Lutz als Gastgeber. Nebenbei lernst du so Kanzleien kennen, ohne dich dort beworben zu haben.

Lohnt sich ein Moot Court fürs Examen?

Direkt abgefragt wird ein Moot Court im Examen nicht. Er zahlt trotzdem auf vier Wegen ein. Einige Länder gewähren ein Freisemester beim Freiversuch, Fakultäten rechnen ihn als Fremdsprachennachweis oder Schlüsselqualifikation an, und du übst für die mündliche Prüfung und das Prozessrecht. Bezahlt wird mit Zeit, die in der Examensvorbereitung nicht fehlen darf.

In Nordrhein-Westfalen und Bayern bleibt ein Semester beim Freiversuch unberücksichtigt, wenn der Moot Court einem Aufwand von mindestens 16 Semesterwochenstunden entspricht. Das ist die messbarste Rendite. Die anderen drei Wege hängen stärker davon ab, welchen Wettbewerb du wählst.

Beziehungsdiagramm: Vier gleichrangige Wege vom Moot Court ins Examen, vom Freisemester bis zur mündlichen Prüfung, bei einem Preis von vier bis sechs Monaten Zeit
Abb. 6: Vier Wege, auf denen ein Moot Court aufs Examen einzahlt, und sein Preis

Freisemester beim Freischuss

Den Freiversuch bekommst du nur, wenn du dich bis zu einem bestimmten Fachsemester zur Prüfung meldest. Mehrere Länder rechnen die Teilnahme an einer Verfahrenssimulation dabei nicht mit, du gewinnst also ein Semester Luft. Die Gesetze verwenden fast wortgleiche Voraussetzungen.

LandNormVoraussetzung
Nordrhein-Westfalen§ 25 Abs. 2 JAG NRWVerfahrenssimulation im In- oder Ausland, Aufwand von mindestens 16 SWS, Leistungsnachweis
Bayern§ 37 Abs. 2 Nr. 3 Buchst. b JAPOmindestens 16 SWS, vom Landesjustizprüfungsamt anerkannt, von einer inländischen Uni betreut, Bestätigung der Uni
Sachsen§ 29 Abs. 1 SächsJAPOinternationale, fremdsprachige Verfahrenssimulation, Leistungsnachweis der Juristenfakultät Leipzig, bis zu einem Semester

Beide großen Regelungen haben einen Deckel. In Nordrhein-Westfalen dürfen alle Anrechnungsgründe zusammen höchstens vier Semester ausmachen, § 37 JAPO in Bayern zieht für Auslandsstudium, Verfahrenssimulation und Gremienarbeit dieselbe Grenze. Die sächsische Regel ist enger. Sie erfasst nur internationale, fremdsprachige Wettbewerbe. Außerdem muss die Verfahrenssimulation den deutlich überwiegenden Teil deines Studienaufwands in dieser Zeit ausmachen.

Auch in anderen Ländern kann ein Moot Court beim Freiversuch zählen. Das Prüfungsamt der Universität Gießen weist für Hessen etwa auf ein Freisemester nach dem Juristenausbildungsgesetz hin, allerdings nur alternativ zur Anrechnung als Schein. Welche Regeln in deinem Land gelten, findest du in der Übersicht zum Freischuss in allen 16 Bundesländern. Für Nordrhein-Westfalen fasst der Beitrag zum Juristenausbildungsgesetz NRW die übrigen Anrechnungsgründe zusammen.

Ich empfehle, die Bestätigung des Lehrstuhls schon während des Wettbewerbs anzufordern und nicht erst bei der Examensmeldung. Das Prüfungsamt will den Aufwand belegt sehen, und nach zwei Jahren erinnert sich niemand mehr an die Stundenzahl.

Fremdsprachennachweis und Schlüsselqualifikation

Für die Zulassung zum Examen verlangt § 5a Abs. 2 DRiG einen Fremdsprachennachweis:

§ 5a Abs. 2 S. 2 DRiG

„Außerdem ist der erfolgreiche Besuch einer fremdsprachigen rechtswissenschaftlichen Veranstaltung oder eines rechtswissenschaftlich ausgerichteten Sprachkurses nachzuweisen; das Landesrecht kann bestimmen, dass die Fremdsprachenkompetenz auch anderweitig nachgewiesen werden kann.“

Ein englischsprachiger Moot Court erfüllt diese Anforderung in Nordrhein-Westfalen ausdrücklich. Das Justizprüfungsamt beim OLG Köln erkennt die erfolgreiche Teilnahme als Fremdsprachennachweis an, auch wenn für denselben Wettbewerb bereits ein Freisemester gewährt wurde. Planst du ohnehin einen Vis Moot oder Jessup? Dann sparst du dir so den Kurs aus dem Beitrag zu Legal English im Jurastudium.

Der zweite Anknüpfungspunkt sind die Schlüsselqualifikationen. § 5a Abs. 3 DRiG verlangt, dass das Studium die Praxis berücksichtigt, „einschließlich der hierfür erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung, Rhetorik, Streitschlichtung, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit“. Der Moot Court steht dort nicht, Fakultäten wie Gießen rechnen ihn aber als Schlüsselqualifikation an. In Hamburg bringt etwa der International Law of the Sea Moot Court neben der Schlüsselqualifikation auch einen Fremdsprachen- und einen Seminarschein. Wie eine klassische Seminararbeit im Jurastudium aufgebaut ist, lohnt sich zum Vergleich: Der Schriftsatzaufwand ist beim Moot Court meist höher.

Doppelt anrechnen lässt sich oft nicht alles. In Gießen gibt es entweder den Schein oder das Freisemester. Frag deshalb vor dem Start beim Prüfungsamt nach, welche Kombination bei dir möglich ist.

Was ein Moot Court für Klausuren und mündliche Prüfung bringt

Für die Klausuren ist der direkte Nutzen begrenzt. Das Examen verlangt Gutachtenstil, der Moot Court trainiert Schriftsätze und Plädoyers. Ein Effekt bleibt trotzdem: Nach Monaten mit einem Fall aus Parteisicht verstehst du, warum eine Anspruchsgrundlage überhaupt geprüft wird. Studierende der FU Berlin berichten nach dem Wettbewerb von einem besseren Verständnis des Zivilprozesses, weil sie Klage und Erwiderung selbst geschrieben haben.

Stärker ist der Effekt in der mündlichen Prüfung im Examen. Dort musst du frei sprechen, auf Nachfragen reagieren und eine Position begründen, ohne sie vorher aufgeschrieben zu haben. Eine Teilnehmerin des Soldan Moot Court 2025 schreibt, die Erfahrung habe ihr in der mündlichen Staatsprüfung spürbar geholfen. Das ist ein Einzelbericht, er deckt sich aber mit dem, was das Format trainiert.

Den größten Ertrag siehst du oft erst im Referendariat. In der Anwaltsstation schreibst du Klageschriften, in der Zivilstation Urteile, und du trittst in Sitzungen auf. Im Studium gibt es dafür kaum eine bessere Vorübung.

Was gegen einen Moot Court vor dem Examen spricht

Der Einwand ist die Zeit. Ein internationaler Moot Court bindet dich über ein halbes Jahr fast vollständig. Klausuren, Vorlesungen und Wiederholung bleiben in dieser Zeit weitgehend liegen. Beim Vis Moot und beim Jessup kommt dazu, dass der Stoff selbst im Examen nicht vorkommt: UN-Kaufrecht und Völkerrecht gehören nicht zum Pflichtfachbereich.

Kritisch wird es, wenn der Moot Court in die Examensvorbereitung fällt. Ein Beitrag in der Zeitschrift für das Juristische Studium (ZJS) rät deshalb, die Teilnahme vor diese Phase zu legen. Dem schließe ich mich an. Wie viele Monate du für die Vorbereitung realistisch einplanen solltest, zeigt der Beitrag Examensvorbereitung Jura: Wie lange brauchst du wirklich? Diese Zeit darf ein Moot Court nicht verkürzen.

Zeitaufwand und Kosten eines Moot Courts

Ein nationaler Moot Court wie der Soldan beansprucht rund vier Monate, ein internationaler wie der Vis Moot rund ein halbes Jahr. Die Juristenausbildungsgesetze setzen für ein Freisemester einen Aufwand von mindestens 16 Semesterwochenstunden an. Die Kosten für Anmeldung und Reisen übernehmen in der Regel Fakultät und Sponsoren.

Die 16 Semesterwochenstunden sind ein brauchbarer Maßstab. Der Gesetzgeber in Nordrhein-Westfalen und Bayern rechnet einen Moot Court ab dieser Schwelle wie ein ganzes Semester. Wie viele Stunden pro Woche dein Team tatsächlich investiert, beziffert keine offizielle Quelle. Mehrere Erfahrungsberichte beschreiben den Aufwand aber als höher als erwartet.

Aufwand bei Soldan, ELSA und BAG Moot Court

Nationale Wettbewerbe lassen sich teilweise mit dem Semester verbinden. Der Soldan Moot Court legt die Schriftsatzphase überwiegend in die vorlesungsfreie Zeit im Sommer, das Finale fällt in den Oktober. Trotzdem schreibt eine Teilnehmerin des Jahrgangs 2025, der Wettbewerb sei zeitaufwendiger gewesen als erwartet, vor allem ab den Probeverhandlungen an anderen Hochschulen. Der ELSA Deutschland Moot Court verteilt sich über Winter- und Sommersemester, die erste Runde bleibt an der Heimatfakultät.

Eine Studentin plädiert stehend in einem Kanzlei-Konferenzraum vor einer Milchglaswand, zwei Anwälte hören sitzend am Tisch zu
Abb. 7: Probeverhandlung im Konferenzraum einer Kanzlei

Aufwand beim Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot

Beim Vis Moot und beim Jessup ist ein normales Semester daneben kaum machbar. Viele Teilnehmende nehmen dafür ein Urlaubssemester, berichtet beck-aktuell. Das hat Folgen für deine Fachsemesterzahl und für Leistungsnachweise, die der Beitrag Urlaubssemester im Jurastudium erklärt. Kläre vorher, ob dein Land für diesen Fall lieber das Freisemester über die Verfahrenssimulation vorsieht.

Finanziell ist der internationale Moot Court für dich meist günstig. Anmeldegebühren, Flüge und Unterkunft trägt beim Vis Moot laut einem Bericht von beck-aktuell in der Regel die Universität. Pre-Moots finanzieren oft Kanzleien als Sponsoren. Konkrete Beträge veröffentlichen die Fakultäten kaum, frag bei der Bewerbung nach einem möglichen Eigenanteil.

Für wen lohnt sich ein Moot Court?

Ein Moot Court lohnt sich für dich, wenn nach der Zwischenprüfung noch mindestens ein Jahr bis zur Examensvorbereitung bleibt. Du sprichst gern frei und arbeitest gern im Team? Dann passt das Format. Am meisten bringt es mit einem Berufsziel mit Prozessbezug, etwa Anwaltschaft, Justiz oder Schiedsgerichtsbarkeit. Knapp vor der Examensmeldung oder mit Rückstand im Pflichtstoff überwiegen die Nachteile.

Die Entscheidung hängt weniger am Wettbewerb als an deiner Lage im Studium. Zwei Fragen helfen: Wie viel Pflichtstoff fehlt dir noch, und wie viel Zeit bleibt bis zur Examensvorbereitung? Wenn beides entspannt aussieht, spricht wenig dagegen.

Entscheidungsbaum: Nach bestandener Zwischenprüfung und mindestens einem Jahr Puffer führt das Ziel zu Soldan, BAG Moot Court oder Vis Moot und Jessup
Abb. 8: Entscheidungshilfe: Zwischenprüfung, Zeitpuffer und Ziel bestimmen den passenden Moot Court

Der richtige Zeitpunkt im Studium

Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Zwischenprüfung und Examensvorbereitung. Vorher fehlt oft das materielle Wissen für einen komplexen Fall, danach kollidiert der Wettbewerb mit dem Repetitorium. Der ZJS-Beitrag empfiehlt ebenfalls, die Teilnahme erst nach bestandener Zwischenprüfung anzugehen.

Gut kombinieren lässt sich der Moot Court mit dem Schwerpunkt. Ein arbeitsrechtlicher Schwerpunkt passt zum BAG Moot Court, ein internationaler zum Vis oder Jessup. Dann zahlt die Zeit gleich doppelt ein: auf die Schwerpunktprüfung und auf die Freiversuchsfrist.

Moot Court im Lebenslauf

Kanzleien lesen einen Moot Court als Nachweis für Belastbarkeit, Teamarbeit und Auftreten. Deine Fachkenntnisse misst die Kanzlei weiter an der Examensnote. Ein LTO-Beitrag zum Berufseinstieg kommt zu diesem Ergebnis und ergänzt: Für Prozessanwälte zählt die Erfahrung mehr als für Transaktionsanwälte.

Für das Schiedsverfahrensrecht berichtet beck-aktuell, dass Großkanzleien Moot-Court-Erfahrung im Lebenslauf zunehmend erwarten. Wie du den Wettbewerb im Lebenslauf richtig platzierst, zeigt der Beitrag Lebenslauf für Juristen. Die Kontakte aus den Probeverhandlungen können dir außerdem bei der Bewerbung um ein Praktikum in der Großkanzlei nützen.

Wie bewirbst du dich für einen Moot Court?

Die Bewerbung läuft über deine Fakultät. Der betreuende Lehrstuhl schreibt die Plätze aus, häufig mit schriftlicher Bewerbung und Auswahlgespräch. Bei englischsprachigen Wettbewerben gehören Sprachkenntnisse dazu. Weil das Team stehen muss, bevor der Fall erscheint, laufen die Ausschreibungen vorher, bei Wettbewerben mit Fall im Herbst also meist im Sommersemester.

Eine Studentin sitzt einer Professorin und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter im Lehrstuhlbüro gegenüber, im Hintergrund ein Bücherregal
Abb. 9: Auswahlgespräch am betreuenden Lehrstuhl

Schau auf der Seite deiner Fakultät unter Moot Courts oder Zusatzangebote nach, dort stehen die betreuenden Lehrstühle. Die Universität Hamburg listet zum Beispiel zehn Wettbewerbe, darunter Jessup, Vis, Soldan und den BAG Moot Court. Für EDMC und EDVMC laufen die Vorrunden an den Fakultäten, ausgerichtet von den lokalen ELSA-Gruppen.

Rechne vor dem Auswahlgespräch durch, welche Klausuren und Hausarbeiten in den Wettbewerbszeitraum fallen, und sprich Überschneidungen offen an. Der Lehrstuhl plant über Monate mit dir.

Fazit: Moot Court und Examen

Ein Moot Court ersetzt keine Examensvorbereitung. Er gibt dir Dinge, die das Studium sonst kaum bietet: Plädieren vor einer Jury aus der Praxis, Schriftsätze aus Parteisicht, Nachfragen einer Jury. Fürs Examen zahlt er über das Freisemester, den Fremdsprachennachweis und die mündliche Prüfung ein, vorausgesetzt, du legst ihn vor die Vorbereitungsphase.

Für das Zivilrecht würde ich zuerst an den Soldan Moot Court oder den ELSA Deutschland Moot Court denken, weil beide Pflichtstoff trainieren. Den Vis Moot oder den Jessup nimmst du wegen des Berufsziels mit, nicht wegen des Examens. Und für den liegengebliebenen Pflichtstoff gibt es die Lernpfade auf jurahilfe.de: Damit baust du ihn Schritt für Schritt wieder auf.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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