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Jura Fernstudium: FernUni Hagen Kosten und Alternativen

Junge Frau lernt konzentriert zu Hause am Laptop, Jura im Fernstudium

Ein Jura-Fernstudium klingt erst mal nach einem Widerspruch. Jura lebt von Hörsaal, Arbeitsgemeinschaft und Bibliothek. Trotzdem kannst du Rechtswissenschaft komplett vom Schreibtisch zu Hause aus studieren, an einer Universität sogar bis zum Staatsexamen. Der Weg führt zu drei sehr verschiedenen Abschlüssen: zum Staatsexamen, zum Bachelor of Laws und zum Master of Laws. Wer Anwältin, Richter oder Staatsanwältin werden will, braucht das Staatsexamen. Und im Fernstudium gibt es dafür in ganz Deutschland genau eine Adresse: die FernUniversität in Hagen.

Auf einen Blick

  • Drei Wege, drei Abschlüsse: Staatsexamen (nur an der FernUni Hagen), Bachelor of Laws (LL.B.) und Master of Laws (LL.M.).
  • Volljuristin wird nur, wer das Staatsexamen besteht. Ein LL.B. öffnet wirtschaftsjuristische Berufe, aber keine Anwaltszulassung.
  • Kosten: an der FernUni Hagen rund 2.200 bis 3.500 Euro fürs ganze Studium, an privaten Fernhochschulen rund 10.000 bis 18.000 Euro.
  • Auch ohne Abitur möglich, über Meister, Fachwirt und Co. oder ein Probestudium. Einen Numerus Clausus gibt es nicht.
  • Der Knackpunkt heißt Disziplin: an der FernUni Hagen bricht rund die Hälfte der LL.B.-Studierenden schon in den ersten vier Semestern ab.
Tipp: Welchen Weg du auch wählst, den Stoff musst du dir selbst draufschaffen. Auf jurahilfe.de bekommst du dafür verständliche interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen und miteinander verknüpft sind, vom ersten Semester bis zum Examen.

Was ist ein Jura-Fernstudium?

Ein Jura-Fernstudium ist ein rechtswissenschaftliches Studium, das du ortsunabhängig von zu Hause absolvierst. Statt täglich in den Hörsaal zu gehen, lernst du mit Studienbriefen, Online-Vorlesungen und digitalen Materialien, dazu kommen nur wenige Präsenztermine. Du bestimmst Lerntempo und Zeit weitgehend selbst. Genau das ist Freiheit und Stolperfalle zugleich.

Der Begriff ist allerdings unscharf. Manche meinen damit das klassische Examensstudium aus der Ferne, andere einen wirtschaftsrechtlichen Bachelor. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge, mit verschiedenen Abschlüssen, Kosten und Berufsaussichten. Bevor wir zu Hagen und zu den Kosten kommen, drei Begriffe, die ständig durcheinandergehen.

Fernstudium, Abendstudium, Online-Studium: die Begriffe sauber getrennt

Ein Fernstudium heißt vor allem: räumlich getrennt von der Hochschule. Du bekommst dein Lernmaterial nach Hause oder digital, arbeitest es selbstständig durch und reist nur für einzelne Klausuren oder Seminare an. Beim Abendstudium dagegen gibt es echte Präsenzlehre, nur eben abends und am Wochenende, damit sie neben einem Vollzeitjob passt. Für Jura ist das Abendstudium in Deutschland praktisch nicht zu finden.

Online-Studium oder E-Learning meint den digitalen Kanal: Vorlesungen per Video, Mentoriate per Zoom, Prüfungen am Rechner. Ein modernes Fernstudium ist heute fast immer auch ein Online-Studium. Berufsbegleitend schließlich ist kein eigener Studientyp, sondern der Oberbegriff für jedes Studium neben dem Job, ob in Teilzeit, abends oder als Fernstudium. Wie du Jura konkret neben einer Vollzeitstelle organisierst, mit Teilzeitmodellen und realistischem Zeitbudget, steht ausführlich im Artikel zu Jura berufsbegleitend studieren. Hier geht es um das konkrete Fernstudien-Angebot: Hochschulen, Abschlüsse, Kosten.

Welche Abschlüsse gehen im Fernstudium: Staatsexamen, Bachelor of Laws, LL.M.

Im Fernstudium sind alle drei juristischen Abschlüsse erreichbar, aber nicht überall. Das Staatsexamen (die Erste Juristische Prüfung) gibt es als Fernstudium ausschließlich an der FernUni Hagen. Den Bachelor of Laws (LL.B.) bieten die FernUni Hagen und mehrere private Fernhochschulen an. Der Master of Laws (LL.M.) baut darauf auf. Welcher Abschluss zu dir passt, hängt allein vom Berufsziel ab.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen Staatsexamen und Bachelor. Volljuristin wird man nur über zwei Staatsexamina. Die Erste Juristische Prüfung legt den Grundstein, nach dem Referendariat folgt das Zweite Staatsexamen. Erst dann hat man die Befähigung zum Richteramt nach § 5 DRiG und darf als Anwältin, Richter, Staatsanwältin oder Notar arbeiten. Ein LL.B. oder LL.M. dagegen ist ein eigenständiger Hochschulabschluss, der für wirtschaftsjuristische Berufe qualifiziert, aber keine Tür zur Anwaltschaft öffnet. Diese Trennung zieht sich durch den ganzen Artikel, und sie ist der häufigste Irrtum beim Thema Jura-Fernstudium.

Vergleich der drei Abschluss-Wege im Jura-Fernstudium: Staatsexamen, Bachelor of Laws und Master of Laws

Abb. 1: Die drei Abschluss-Wege im Jura-Fernstudium im Vergleich.

Für wen das Jura-Fernstudium gedacht ist

Das Fernstudium ist gemacht für Menschen, die nicht für ein Studium ihr Leben umkrempeln können oder wollen. Berufstätige, die sich neben dem Job juristisch qualifizieren. Eltern mit Betreuungspflichten. Wer im Ausland lebt oder an einen Ort gebunden ist. Quer- und Späteinsteiger, die mit 30, 40 oder 50 noch einmal etwas Neues anfangen. Und alle, die Jura als Zweitstudium draufsatteln. Eine Eigenschaft brauchen sie alle: Selbstdisziplin. Ohne festen Stundenplan und ohne Kommilitonen im Nacken trägt dich nur deine eigene Struktur.

Jura Fernstudium mit Staatsexamen an der FernUni Hagen

Die FernUni Hagen ist nach eigener Angabe das einzige klassische Jurastudium in Deutschland, das sich im Fernstudium bis zum Staatsexamen absolvieren lässt. Dieses sogenannte Hagener Modell gibt es seit 2016. Es führt über das Referendariat und das Zweite Staatsexamen bis zur vollen Befähigung zum Richteramt. Das Studium ist zulassungsfrei, dauert in Vollzeit zehn Semester und kostet insgesamt rund 3.500 Euro.

Erste Juristische Prüfung (Rechtswissenschaft) im Fernstudium: das Hagener Modell

Die Erste Juristische Prüfung besteht aus zwei Teilen. Den universitären Schwerpunktbereich, rund 30 Prozent der Note, nimmt die FernUni Hagen selbst ab. Den großen Rest, die staatliche Pflichtfachprüfung mit rund 70 Prozent, legst du vor einem Justizprüfungsamt beim Oberlandesgericht ab, in Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Hamm oder Köln. Dort schreibst du sechs fünfstündige Klausuren, drei im Zivilrecht, zwei im Öffentlichen Recht, eine im Strafrecht, dazu kommt eine mündliche Prüfung. Genau dieser staatliche Teil ist überall in Deutschland gleich aufgebaut, ob in Hagen oder an einer Präsenzuni.

Das Besondere am Hagener Modell: Du brauchst keine zweite Universität daneben. Hagen bietet Zwischenprüfung und Schwerpunktbereich selbst an. Seit Mai 2025 gibt es zusätzlich einen integrierten Bachelor of Laws (§ 66 Abs. 1a Hochschulgesetz NRW). Er wird innerhalb des Examensstudiums verliehen und dient als Sicherheitsnetz: Selbst wer die staatliche Prüfung am Ende nicht besteht, steht nicht ganz ohne Abschluss da. Für die heiße Phase betreibt Hagen ein eigenes Examensrepetitorium. Wie viel so ein Rep wirklich bringt und wie eine Examensvorbereitung ohne teures Repetitorium aussehen kann, ist eine eigene Überlegung wert.

Tipp: Das Hagener Examen prüft denselben Stoff wie jede Präsenzuni. Mit den Kompakttexten von jurahilfe.de hast du den gesamten examensrelevanten Stoff komprimiert und vernetzt an einem Ort, ideal, wenn du allein zu Hause lernst und keinen Hörsaal hast, der dich durch den Stoff trägt.
Der Weg zum Volljuristen im Fernstudium: Studium an der FernUni Hagen, Erstes Staatsexamen, Referendariat, Zweites Staatsexamen, Volljurist

Abb. 2: Vom Fernstudium zum Volljuristen, der Weg über die FernUni Hagen.

Ablauf, Studieninhalte und Dauer

Das Studium läuft als Blended Learning über die Lernplattform Moodle. Du bekommst Studienbriefe, oft als Alternative auch Videovorlesungen, dazu Lernkarten, Quizze und Probeklausuren mit Besprechung. Hinzu kommen virtuelle Mentoriate per Zoom und Arbeitsgemeinschaften in kleinen Gruppen, zusammen rund 500 Termine pro Semester. Deine schriftlichen Einsendearbeiten werden individuell korrigiert. Den allergrößten Teil erledigst du von zu Hause. Präsenzpflicht besteht im Wesentlichen nur für Präsenzklausuren, die du an Campusstandorten quer durch Deutschland schreibst.

Inhaltlich deckt das Studium die drei großen Rechtsgebiete ab: Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht, dazu die Grundlagenfächer und der Schwerpunkt. In Vollzeit sind zehn Semester vorgesehen, also fünf Jahre. Die meisten Fernstudierenden lernen aber neben dem Beruf und brauchen länger. Plane realistisch mit einem Lernpensum, das eher einem zweiten Halbtagsjob gleicht als einem netten Hobby. Wer hier ohne System startet, verliert sich schnell. Eine klare Lernstruktur ist im Fernstudium kein Luxus, sie entscheidet über Bestehen oder Abbruch, mehr dazu im Leitfaden Jura lernen mit System.

Voraussetzungen und Bewerbung

Für das Examensstudium brauchst du eine Hochschulzugangsberechtigung: das Abitur, eine fachgebundene Hochschulreife, ein abgeschlossenes Hochschulstudium oder einen der Wege für beruflich Qualifizierte. Wichtig: Die reine Fachhochschulreife reicht für das grundständige Jurastudium in der Regel nicht. Einen Numerus Clausus gibt es nicht, einen Studienplatz bekommt jeder, der die Voraussetzungen erfüllt. Eingeschrieben wird zweimal im Jahr, fürs Sommersemester zwischen dem 1. Dezember und 31. Januar, fürs Wintersemester zwischen dem 1. Juni und 31. Juli. Die Bewerbung läuft komplett online. Wie du auch ohne Abitur hineinkommst, klären wir weiter unten.

Bachelor of Laws und Master im Jura-Fernstudium

Wer nicht das volle Staatsexamen anpeilt, studiert im Fernstudium meist Bachelor of Laws, oft mit wirtschaftsrechtlichem Schwerpunkt. Den LL.B. gibt es an der FernUni Hagen für rund 2.200 Euro und an mehreren privaten Fernhochschulen für ein Vielfaches davon. Sechs Semester sind die Regelstudienzeit in Vollzeit. Der Abschluss qualifiziert für wirtschaftsjuristische Berufe und berechtigt zum Master. Zum Anwalt oder Richter führt er nicht. Wer den LL.B. im Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb absolvieren möchte, findet alle Details zum dualen Studium Bachelor of Laws.

LL.B. Wirtschaftsrecht an Fernhochschulen: IU, WINGS, Euro-FH

Neben der staatlichen FernUni Hagen bieten private Fernhochschulen den Bachelor Wirtschaftsrecht an. Die bekanntesten sind die IU Internationale Hochschule, WINGS (die Fernstudien-Tochter der Hochschule Wismar) und die Euro-FH in Hamburg, dazu die Mobile University (SRH). Inhaltlich verbinden diese Studiengänge Jura mit Betriebswirtschaft, der Fokus liegt auf Vertrags-, Gesellschafts-, Arbeits- und Steuerrecht. Der Zugang ist oft auch ohne Abitur möglich, die Betreuung ist meist enger getaktet als an der FernUni. Der große Unterschied steckt im Preis, dazu gleich mehr im Kostenteil.

Master of Laws (LL.M.) im Fernstudium

Auf den Bachelor lässt sich ein Master of Laws aufsetzen. An der FernUni Hagen ist der konsekutive LL.M. ab dem Wintersemester 2026/27 auf 120 Leistungspunkte und vier Semester ausgelegt und kostet als Vollzeitstudium rund 1.600 Euro. Daneben gibt es weiterbildende Master, etwa zum Anwaltsrecht, die sich gezielt an Berufstätige richten. Zugang hat in der Regel, wer einen rechtswissenschaftlichen Bachelor oder einen vergleichbaren Abschluss mitbringt. Ein LL.M. vertieft und spezialisiert, er ersetzt aber kein Staatsexamen. Den LL.B. und den LL.M. schauen wir uns in eigenen Artikeln noch genauer an.

Was ein LL.B. wert ist: berufliche Perspektiven ohne Staatsexamen

Ein LL.B. macht dich nicht zur Volljuristin. Das ist keine Abwertung, sondern schlicht die Rechtslage: Anwaltszulassung, Richteramt und Staatsanwaltschaft setzen zwei Staatsexamina voraus. Was der Bachelor dafür kann, ist handfest. Typische Berufsfelder sind Wirtschaftsjurist, Compliance, Vertrags- und Vergabemanagement, Personalwesen, die Rechtsabteilung von Unternehmen und Verbänden, die öffentliche Verwaltung oder die qualifizierte Sachbearbeitung bei Banken und Versicherungen. Auch als Paralegal in Kanzleien sind Bachelorabsolventen gefragt.

Heißt konkret: Wer rechtlich fundiert in der Wirtschaft arbeiten will, ohne vor Gericht aufzutreten, ist mit einem LL.B. gut bedient, gerade aus dem Fernstudium heraus und neben dem Beruf. Wer dagegen vom Plädoyer im Gerichtssaal träumt, kommt am Staatsexamen nicht vorbei, und damit zurück nach Hagen oder an eine Präsenzuni. Ehrlich gesagt scheitert mancher Fernstudien-Plan genau an dieser Verwechslung. Kläre dein Berufsziel zuerst, dann den Abschluss.

Was kostet ein Jura-Fernstudium?

Die Kosten reichen von erstaunlich günstig bis zum kleinen Gebrauchtwagen. Entscheidend ist, ob du staatlich oder privat studierst. An der FernUni Hagen zahlst du fürs gesamte Studium grob 2.200 Euro (Bachelor) bis 3.500 Euro (Staatsexamen). An privaten Fernhochschulen kostet der Bachelor je nach Anbieter und Tempo rund 10.000 bis 18.000 Euro. Dazu kommt in beiden Fällen, dass du während einer langen Studienzeit auch leben musst.

FernUni Hagen: Gebühren und Semesterbeitrag

Die FernUni Hagen rechnet nicht pauschal pro Semester ab, sondern nach belegten Modulen. Pro Semester fallen 60 Euro Grundgebühr und 16 Euro Sozialbeitrag an, dazu 11 Euro je Leistungspunkt für die Kurse, die du tatsächlich belegst. Über das ganze Studium summiert sich das laut offizieller Gebührentabelle auf rund 2.175 Euro für den Bachelor of Laws, rund 3.460 Euro für das Examensstudium und rund 1.600 Euro für den reformierten konsekutiven Master. Damit ist Hagen als staatliche Universität um ein Vielfaches günstiger als jede private Fernhochschule. Wer aufs Geld schaut, hat hier einen klaren Sieger.

Private Fernhochschulen: 10.000 bis 18.000 Euro

An privaten Fernhochschulen zahlst du monatliche Raten, und die summieren sich. Je länger die gewählte Studienzeit, desto höher die Gesamtsumme, weil pro Monat abgerechnet wird. Die folgende Übersicht zeigt die regulären Preise für den Bachelor Wirtschaftsrecht (LL.B.), ohne zeitlich begrenzte Rabattaktionen.

AnbieterStudiendauerMonatsrateGesamtkosten (ca.)
FernUni Hagen (LL.B., staatlich)6 Semesternach Modulen2.175 €
WINGS / HS Wismar6 bis 10 Semester179 bis 259 €9.300 bis 10.700 €
Euro-FH Hamburg36 bis 48 Monate289 bis 359 €rund 13.000 €
IU Internationale Hochschule36 bis 72 Monate259 bis 399 €14.400 bis 18.600 €
SRH Mobile University36 bis 72 Monate249 bis 449 €16.000 bis 18.000 €

Reguläre Preise für den Bachelor Wirtschaftsrecht (LL.B.), Stand 2026, ohne befristete Rabatte.

Der günstigste private Anbieter liegt knapp unter 10.000 Euro, die teuersten Modelle reichen an 19.000 Euro heran. Eine Ratenzahlung ist dabei der Normalfall, nicht die Ausnahme. Dafür bekommst du engere Betreuung, klar getaktete Module und meist eine kostenlose Testphase. Ob dir das den Aufpreis von mehreren tausend Euro gegenüber Hagen wert ist, ist eine persönliche Rechnung.

Tipp: Egal ob du 2.000 oder 15.000 Euro für dein Studium ausgibst, prüfen musst du dein Wissen selbst. Mit den Frage-Antwort-Karteikarten von jurahilfe.de rufst du den Stoff aktiv ab, statt ihn nur zu lesen, und merkst sofort, wo noch Lücken sind.

Finanzierung und Förderung

Für die Finanzierung gibt es mehrere Hebel, die du kombinieren kannst. BAföG ist beim Fernstudium möglich, aber nur bei Vollzeit-Immatrikulation, und es deckt den Lebensunterhalt, nicht die Studiengebühren. Für berufsbegleitend Teilzeitstudierende fällt es damit meist weg. Ein KfW-Studienkredit steht auch dem Fernstudium offen, der Bildungskredit des Bundes ist günstiger, verlangt aber wiederum ein Vollzeitstudium. Stipendien wie das Deutschlandstipendium oder das Aufstiegsstipendium fördern ausdrücklich auch Teilzeit- und berufsbegleitende Wege, das Aufstiegsstipendium sogar ohne Abitur.

Der oft unterschätzte Hebel ist das Finanzamt. Wenn das Jura-Fernstudium ein Zweitstudium ist, also nach einer abgeschlossenen Erstausbildung kommt, lassen sich die Kosten als Werbungskosten unbegrenzt absetzen, inklusive Verlustvortrag in spätere Jahre. Das spart bares Geld. Beim Erststudium geht nur der Sonderausgabenabzug bis 6.000 Euro im Jahr. Auch eine Arbeitgeberfinanzierung ist möglich und für dich steuerfrei, wenn ein betriebliches Interesse besteht. Aufstiegs-BAföG dagegen fördert nur berufliche Fortbildungen, kein Hochschulstudium, und einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gibt es für ein Erststudium nicht.

Jura Fernstudium ohne Abitur: geht das?

Ja, Jura im Fernstudium geht auch ohne Abitur. Es gibt zwei Wege. Entweder du hast eine berufliche Aufstiegsfortbildung wie den Meister oder Fachwirt, die dir die allgemeine Hochschulreife verschafft. Oder du gehst über Ausbildung plus Berufserfahrung und legst eine Zugangsprüfung ab, beziehungsweise startest mit einem Probestudium. Die reine Fachhochschulreife allein genügt für das grundständige Jurastudium in der Regel nicht.

Zugang über Berufserfahrung und Aufstiegsfortbildung

Wer eine Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hat, gilt in der Regel als allgemein hochschulreif, also dem Abitur gleichgestellt. Das betrifft Meisterinnen, IHK-Fachwirte, staatlich geprüfte Techniker und Betriebswirte. Das Praktische daran: Für diesen Weg ist keine fachliche Nähe zu Jura nötig, auch ein Handwerksmeister darf formal Rechtswissenschaft studieren. Der zweite Weg führt über eine mindestens zweijährige Berufsausbildung plus rund drei Jahre einschlägige Berufspraxis, kombiniert mit einer Eignungs- oder Zugangsprüfung. Als fachnah gelten hier vor allem Rechtsanwalts-, Notar- und Justizfachangestellte. Den bundesweiten Rahmen setzt ein KMK-Beschluss von 2009, die Details regeln die Bundesländer unterschiedlich, im Zweifel gilt die Verordnung deines Landes.

Probestudium und Zugangsprüfung an der FernUni Hagen

An der FernUni Hagen kannst du ohne Abitur über ein Probestudium einsteigen. Es ist nichts anderes als der reguläre Studiengang, nur zeitlich befristet eingeschrieben. Voraussetzung sind eine abgeschlossene Ausbildung und mehrjährige Berufspraxis. Fürs Jurastudium gelten dabei strengere Fristen als in anderen Fächern: Du musst 40 Leistungspunkte in zwei Semestern oder 60 in drei Semestern schaffen, in Teilzeit entsprechend in vier beziehungsweise sechs Semestern. Bestehst du, stellt dir das Prüfungsamt ein Zeugnis aus, und dieses Zeugnis ist deine Hochschulzugangsberechtigung. Alternativ gibt es eine kostenlose Zugangsprüfung aus zwei Klausuren, bei Jura in Deutsch und Mathematik, die du beliebig oft wiederholen darfst. Beide Wege führen sauber ins Studium, ganz ohne klassische Schulnote.

Zwei Wege ins Jura-Fernstudium ohne Abitur: Aufstiegsfortbildung und Berufserfahrung mit Probestudium oder Zugangsprüfung

Abb. 3: Zwei Wege ins Jura-Fernstudium ohne Abitur.

Für wen lohnt sich das Jura-Fernstudium?

Das Jura-Fernstudium lohnt sich für disziplinierte Berufstätige, Ortsgebundene, Späteinsteiger und Zweitstudierende, die Flexibilität höher gewichten als Campusleben. Wer dagegen frisch nach dem Abitur Anwalt werden will und feste Strukturen braucht, fährt mit einem Präsenzstudium meist besser, außer er geht bewusst und gezielt nach Hagen. Am Ende entscheidet weniger der Studienort als deine Fähigkeit, allein dranzubleiben.

Berufstätige, Späteinsteiger und Ortsunabhängige

Die Kernzielgruppe sind Menschen mitten im Leben. Du arbeitest, hast vielleicht Familie, lebst an einem festen Ort oder im Ausland, und ein Vollzeit-Präsenzstudium ist schlicht nicht drin. Das Fernstudium passt sich deinem Alltag an, nicht umgekehrt. Ein häufig gegebener Rat aus der Praxis: nicht direkt nach dem Abitur ins Fernstudium gehen, sondern erst nach einer Ausbildung oder einem ersten Studium, wenn du gelernt hast, dich selbst zu organisieren. Wer mit 30 oder später neu anfängt, findet im Artikel zum Jura-Zweitstudium die passenden Überlegungen zu Zulassung, Dauer und Berufschancen.

Wer besser ein Präsenzstudium wählt

Manche fahren mit Präsenz klar besser. Studienanfängerinnen direkt nach dem Abitur, denen die Routine für stundenlanges Selbstlernen noch fehlt. Menschen, die den persönlichen Austausch, feste Stundenpläne und Lerngruppen vor Ort brauchen, um am Ball zu bleiben. Und alle, die den Examenspfad mit klassischen Arbeitsgemeinschaften, Hausarbeiten unter Anleitung und einem Präsenz-Repetitorium gehen wollen, ohne nach Hagen zu wechseln. Welche Universität dafür in Frage kommt, zeigt der Überblick zu den besten Jura-Unis in Deutschland. Fairerweise gehört dazugesagt: Auch Hagen bietet Mentoriate und Arbeitsgemeinschaften an. Die pauschale Aussage 'Examen geht nur in Präsenz' stimmt also nicht, richtig ist: entweder Präsenzuni oder die FernUni Hagen.

Erfahrungen, Abbruchquoten und Erfolgschancen

Hier wird es unbequem, aber ehrlich. Fernstudiengänge haben hohe Abbruchquoten, und Jura ist anspruchsvoll. Zur Einordnung: Bundesweit brechen rund 28 Prozent aller Bachelorstudierenden ab, in der Fächergruppe Recht, Wirtschaft und Soziales sind es etwa 21 Prozent, beim klassischen Jura-Staatsexamen in Präsenz je nach Erhebung rund 24 bis 32 Prozent. An der FernUni Hagen liegen die Zahlen für den Bachelor of Laws nach eigenen Angaben deutlich höher: rund die Hälfte bricht schon in den ersten vier Semestern ab, etwa drei Viertel erreichen die Teilzeit-Regelstudienzeit nicht. Für das Examensstudium selbst gibt es keine offizielle Abbruchquote, weil die Prüfung extern beim Justizprüfungsamt stattfindet. Die oft kolportierten '70 Prozent Abbruch' stammen aus einer alten Schätzung von 2010 und taugen nicht als belastbare Jura-Zahl.

Die Bewertungen der Studierenden sind trotzdem solide. Auf den großen Fernstudien-Portalen kommt die FernUni Hagen auf gute Werte und hohe Weiterempfehlungsraten, die privaten Anbieter ebenfalls. Was heißt das für dich? Der Abschluss ist machbar, aber er verlangt Durchhaltevermögen, einen realistischen Zeitplan und den Mut, auch in zähen Phasen weiterzumachen. Die mentale Seite wird dabei gern unterschätzt. Wie du mit Druck, Durchhängern und Prüfungsstress umgehst, ist im Fernstudium fast wichtiger als im Hörsaal, mehr dazu im Artikel zur mentalen Gesundheit im Jurastudium.

Tipp: Gegen das Abbrechen hilft, den Stoff am Fall zu trainieren statt nur zu lesen. Die Multiple-Choice-Aufgaben von jurahilfe.de testen dein Wissen an hunderten kleinen Sachverhalten, mit ausführlicher Erläuterung, so trainierst du Prüfungsnähe auch ohne Lerngruppe.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Volljurist, Autor, Unternehmer und aktiver junger Familienvater mit vielseitigen Interessen und seit 2017 als Repetitor im Bereich der Individualnachhilfe tätig.

  • Examensvorbereitung
  • Zivilrecht
  • Strafrecht
  • Öffentliches Recht
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