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Examen: Bist du bereit? Examensreife in Jura prüfen

Studierende sitzen im sonnendurchfluteten Hörsaal über ihren Klausuren

Wer im Examensklausurenkurs im Schnitt 6,1 Punkte schreibt, landet im Examen im Schnitt bei 8,3. Gut zwei Punkte darüber. Examensreife ist damit ein messbarer Leistungsstand und keine Stimmung: Deine Ergebnisse unter echten Prüfungsbedingungen liegen stabil im Bestehensbereich, und du bekommst den Pflichtfachstoff aus dem Kopf aufs Papier. Der beste einzelne Messwert dafür ist dein Durchschnitt im Klausurenkurs.

Am gewählten Examenstermin hängt mehr als ein Datum. Freiversuch, Lernzeit und oft ein ganzes Jahr deines Lebens entscheiden sich mit ihm, und die staatliche Pflichtfachprüfung darfst du nach § 5d DRiG nur einmal wiederholen.

Auf einen Blick:

  • Dein Bauchgefühl korreliert mit deiner tatsächlichen Leistung nur zu etwa 0,29, dein Klausurenkurs-Schnitt zu 0,57.
  • Ab rund 20 geschriebenen Übungsklausuren steigen die Noten messbar; der Lerneffekt hält bei den meisten bis etwa zur 40. Klausur an.
  • Der Examensschnitt liegt im Mittel über dem Schnitt im Klausurenkurs.
  • Sieben Prüfsteine mit konkreten Schwellenwerten sagen dir, wo du stehst.
  • Schieben hilft nur, wenn du weißt, was du in der gewonnenen Zeit anders machst.

Tipp

Wer den Pflichtfachstoff systematisch abklopfen will, statt ihn nur wieder zu lesen, findet auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen. Verstehen, abrufen, am Fall testen, in dieser Reihenfolge.

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Balkendiagramm: Der Schnitt im Examensklausurenkurs sagt die Examensnote mit 0,57 vorher, die Selbsteinschätzung nur mit 0,29
Abb. 1: Der Klausurenkurs-Schnitt ist der stärkste Vorhersagewert, das Bauchgefühl der schwächste.

Was Examensreife bedeutet und was sie nicht ist

Examensreife ist der Zustand, in dem du den Pflichtfachstoff deines Bundeslandes in seiner Breite abrufen und unter Zeitdruck auf einen unbekannten Sachverhalt anwenden kannst. Gemessen wird sie an Ergebnissen: an geschriebenen Klausuren, an Schemata, die du ohne Skript aufsagst, an Fällen, die du in fünf Stunden zu Ende bringst. Dein Gefühl zählt dabei nicht.

Der Begriff steht in keiner Prüfungsordnung. Er beschreibt eine Selbsteinschätzung, die du treffen musst, bevor du dich meldest. Wird die Meldung nur abgehakt, um die Entscheidung loszuwerden, ist das Präkrastination. Ein Rechtsbegriff ist er nicht. Genau darin liegt das Problem: Du bewertest deine eigene Leistung, und darin sind Menschen erstaunlich schlecht. Im Jurastudium fällt das schwerer als in vielen anderen Fächern, weil dir bis zum Examen kaum eine Prüfung sagt, wo du gegenüber dem Prüfungsmaßstab stehst.

Examensreife ist ein Leistungsstand, keine Gefühlslage

Zwei Studierende mit demselben Klausurenschnitt können völlig unterschiedlich über ihre Examensreife denken. Die eine hält sich für hoffnungslos unvorbereitet, der andere für startklar. An den Noten ändert das nichts.

Deshalb macht es Sinn, das Gefühl und den Leistungsstand getrennt zu betrachten. Das Gefühl entscheidet darüber, wie du in die Prüfung gehst, und das ist nicht wenig: Wer weniger Angst hat, liest den Sachverhalt genauer und findet die Probleme, die andere übersehen. Der Leistungsstand entscheidet darüber, ob du sie lösen kannst. Beides brauchst du, aber nur eines davon lässt sich messen.

Für die Meldung zählt der messbare Teil. Das Gefühl kannst du im Zweifel noch in den letzten Wochen aufbauen, den Stoff nicht.

Den perfekten Zeitpunkt fürs Examen gibt es nicht

Auf den Moment, in dem du dich rundum vorbereitet fühlst, kannst du lange warten. Er kommt bei den meisten nie. Der Stoff der ersten juristischen Prüfung ist so bemessen, dass niemand ihn vollständig beherrscht; die Prüfung fragt eine Auswahl daraus ab, und welche, weißt du vorher nicht.

Sinnvoll ist deshalb eine andere Frage als „Bin ich fertig?“. Sie lautet: „Ist mein Leistungsstand stabil im Bestehensbereich, und bringt mir weiteres Warten noch messbaren Zuwachs?“ Sobald die Kurve flach wird, kostet Warten mehr, als es bringt.

Ich empfehle, diese Frage nicht allein zu beantworten. Ein Klausurenkurs-Korrektor, ein Kommilitone mit ähnlichem Stand oder jemand, der die Prüfung hinter sich hat, sieht Muster in deinen Arbeiten, die dir selbst entgehen.

Was die Prüfungsordnung verlangt: Meldung und Zulassung

Die formalen Voraussetzungen sind Landesrecht und stehen in der Juristenausbildungsordnung deines Bundeslandes. In der Regel brauchst du die Zwischenprüfung, die vorgeschriebenen Übungs- und Grundlagenscheine, den Nachweis einer praktischen Studienzeit sowie eine Mindeststudiendauer. Der Stoff ist nach § 5d Abs. 2 DRiG so zu bemessen, dass das Studium nach fünf Studienjahren abgeschlossen werden kann.

Zwei Punkte solltest du kennen, bevor du über den Zeitpunkt nachdenkst. Erstens: Die staatliche Pflichtfachprüfung kann nach § 5d Abs. 5 S. 1 DRiG einmal wiederholt werden, du hast also zwei Versuche. Zweitens: Die Gesamtnote deiner ersten juristischen Prüfung setzt sich zu 70 Prozent aus der staatlichen Pflichtfachprüfung und zu 30 Prozent aus der universitären Schwerpunktbereichsprüfung zusammen. Ob du den Schwerpunkt vor oder nach dem Staatsexamen schreibst, verschiebt deine Lernzeit erheblich.

Die Meldefrist ist der Hebel, der oft übersehen wird. Sie liegt je nach Land mehrere Monate vor dem ersten Klausurtermin. Wer sie verstreichen lässt, verliert einen Termin und unter Umständen den Freiversuch dazu.

Warum dein Bauchgefühl der schwächste Indikator ist

Selbsteinschätzungen der eigenen Fähigkeit hängen mit der tatsächlichen Leistung nur zu etwa r = 0,29 zusammen. Das ist der Mittelwert aus 22 Meta-Analysen, die Ethan Zell und Zlatan Krizan 2014 in Perspectives on Psychological Science zusammengefasst haben. Übersetzt heißt das: Dein Gefühl erklärt weniger als ein Zehntel dessen, was du wirklich kannst.

Selbsteinschätzung trifft die eigene Leistung nur zu 29 Prozent

Die Spannweite in dieser Untersuchung reicht von 0,09 bis 0,63. Genauer wird die Selbsteinschätzung dort, wo Menschen eine eng umrissene Fähigkeit beurteilen und die Aufgabe objektiv, vertraut und nicht zu komplex ist. Die Examensklausur ist das Gegenteil davon: unbekannter Sachverhalt, hohe Komplexität, eine Bewertung, deren Maßstab du nicht kennst.

Für dich heißt das zweierlei. Deine Einschätzung „Ich kann Schuldrecht AT“ ist wertlos, solange sie sich auf ein Gefühl beim Durchblättern stützt. Sie wird brauchbar, sobald du sie an einer konkreten Leistung festmachst: Wie viele Punkte hatte deine letzte Schuldrecht-Klausur, und woran lag der Abzug?

Die Kompetenz-Illusion beim Wiederlesen von Skripten

Wiederholtes Lesen erzeugt Vertrautheit. Vertrautheit fühlt sich an wie Wissen, ist aber keines. Die Lernforschung nennt das die Illusion der Kompetenz und zählt wiederholtes Lesen deshalb zu den schwächsten Lerntechniken überhaupt (Dunlosky und andere, Psychological Science in the Public Interest 2013): Ein Text, den du zum dritten Mal liest, geht dir flüssig ein, und diese Flüssigkeit deutest du als Beherrschung des Stoffs. Dadurch verwechselst du Wiedererkennen mit echtem Verständnis.

Der Gegentest ist simpel. Schlag das Skript zu und schreib das Prüfungsschema aus dem Kopf auf. Was jetzt fehlt, hättest du auch in der Klausur nicht gehabt. Wer regelmäßig aktiv abruft statt passiv zu wiederholen, bekommt diese Rückmeldung Woche für Woche, statt sie erst in der Klausur zu erleben.

Tipp

Genau für diesen Gegentest sind die Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de gebaut: Sie fragen den Stoff ab, den du gerade gelesen hast, und zeigen dir die Lücke sofort, statt erst in der nächsten Übungsklausur.

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Der umgekehrte Fehler: das Examen immer weiter schieben

Der zweite Fehler sieht aus wie Sorgfalt. Der Termin rückt näher, die Noten stagnieren, das Selbstvertrauen sinkt, also hängt man ein weiteres halbes Jahr an. Danach ist die Lage dieselbe, nur mit sechs Monaten weniger Puffer.

Das Muster hat einen einfachen Kern: Wer die Ursache seiner schwachen Ergebnisse nicht kennt, kann sie mit zusätzlicher Zeit nicht beheben. Mehr Stunden auf demselben Weg produzieren dasselbe Ergebnis. Wenn du den Stoff verstehst, ihn aber in der Klausur nicht auf Papier bekommst, liegt das fast nie an fehlendem Wissen, sondern an Technik, Zeiteinteilung oder Schwerpunktsetzung.

Deshalb gehört vor jede Schiebe-Entscheidung eine Diagnose. Erst wenn du benennen kannst, was du in den gewonnenen Monaten anders machst, ist das Schieben eine Strategie und keine Vermeidung.

Der beste Indikator: dein Schnitt im Examensklausurenkurs

Der Durchschnitt deiner Übungsklausuren hängt mit deiner späteren Examensnote zu 0,57 zusammen. Das ist doppelt so aussagekräftig wie dein Bauchgefühl und aussagekräftiger als deine Abiturnote, die auf 0,45 kommt. Wer wissen will, wo er steht, schaut auf diese Zahl und nicht auf sein Empfinden.

Was 71.405 Probeklausuren über die Prognose verraten

Emanuel Towfigh, Christian Traxler und Andreas Glöckner haben 71.405 anonymisierte Klausurergebnisse von 2.979 Studierenden aus dem Examensklausurenkurs der Universität Münster ausgewertet (ZDRW 1/2014, 8). Für die Teilmenge, die anschließend beim Justizprüfungsamt Hamm ins Examen ging, ließ sich der Zusammenhang zwischen Klausurenkurs-Durchschnitt und Examensnote direkt berechnen: 0,57.

Diese Teilstichprobe ist klein, und die Autoren mahnen selbst zur Vorsicht. Als Größenordnung reicht sie: Kein anderer Wert, den du vor der Meldung in der Hand hast, sagt so viel über dein Ergebnis wie der Schnitt deiner geschriebenen Klausuren.

Zwei weitere Befunde aus derselben Arbeit sind für deine Planung nützlich. Die Noten im Strafrecht fielen durchweg rund einen halben Punkt schlechter aus als in Zivil- und Öffentlichem Recht; ein schwacher Strafrechtsschnitt bedeutet also nicht automatisch eine Lücke. Und nach jeweils acht Wochen durchgehender Arbeit sackten die Noten hochsignifikant ab, was für einen Pausenrhythmus von sieben bis acht Wochen spricht.

Warum du im Examen meist besser bist als im Klausurenkurs

Die Kandidaten der Münsteraner Auswertung hatten im Klausurenkurs einen Durchschnitt von 6,10 Punkten. Ihre schriftliche Examensnote lag im Mittel bei 7,21, die Gesamtnote bei 8,30. Also gut einen Punkt besser im schriftlichen Teil und mehr als zwei Punkte besser in der Endnote.

Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Klausurenkurs-Klausuren sind oft härter gestellt als Examensklausuren, die Korrektur ist strenger, und viele schreiben sie ohne die volle Vorbereitung, die sie am Prüfungstag haben. Dazu kommt die mündliche Prüfung, die die Note im Schnitt anhebt.

Für dich heißt das: Ein Klausurenkurs-Schnitt von 5 Punkten ist kein Alarmsignal. Er ist ein solider Ausgangswert. Erst wenn du dauerhaft unter 4 liegst und einzelne Arbeiten im Bereich von 1 oder 2 Punkten landen, wird es eng.

Kennzahlen: 6,10 Punkte im Examensklausurenkurs, 7,21 im schriftlichen Examen und 8,30 als Examens-Gesamtnote
Abb. 2: Dieselben Kandidaten schnitten im Examen deutlich besser ab als im Klausurenkurs.

Tipp

Wenn du zwischen zwei Übungsklausuren prüfen willst, ob ein Rechtsgebiet wirklich abrufbar ist, helfen die Multiple-Choice-Aufgaben mit ausführlicher Erläuterung auf jurahilfe.de: kleine Sachverhalte, die genau die Abgrenzungen abfragen, an denen in Klausuren Punkte verloren gehen.

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Wie viele Probeklausuren du geschrieben haben solltest

Die Münsteraner Daten zeigen eine klare Lernkurve. Bei der ersten Klausur liegen Studierende im Schnitt signifikant unter 5,5 Punkten, nach 20 geschriebenen Klausuren signifikant über 6,0. Der Zuwachs pro Klausur ist klein, rund 0,03 Punkte bei einem Kandidaten auf 6 Punkten, aber er summiert sich.

Beim schwächsten Drittel flacht der Effekt nach etwa 25 Klausuren deutlich ab. Bei allen anderen steigt er bis zur 40. Klausur durchgehend weiter. Wer also mit einem guten Schnitt startet, profitiert am längsten vom Weiterschreiben.

Als Richtwert für die Meldung: Unter 20 Übungsklausuren fehlt dir schlicht die Datenbasis, um deinen Stand zu beurteilen, und die Routine für den Prüfungstag. Zwischen 25 und 40 Klausuren liegst du im Bereich, in dem sowohl die Prognose belastbar wird als auch der Lerneffekt noch messbar zunimmt. Ob du dabei den Klausurenkurs deiner Fakultät oder ein kommerzielles Angebot nutzt, ist für die Zahl zweitrangig; entscheidend ist, dass die Arbeiten korrigiert zurückkommen.

Kurvendiagramm: Die Durchschnittsnote steigt von unter 5,5 Punkten bei der ersten Klausur auf über 6,0 nach 20 Probeklausuren
Abb. 3: Die Noten steigen mit der Zahl geschriebener Klausuren, bei den meisten bis zur 40. Arbeit.

Sieben Prüfsteine für deine Examensreife in Jura

Statt „Fühle ich mich bereit?“ beantwortest du besser sieben konkrete Fragen. Jede davon lässt sich an einer Zahl oder an einer nachprüfbaren Beobachtung festmachen. Wenn fünf bis sechs im grünen Bereich liegen, spricht wenig gegen die Meldung.

Die folgenden Schwellenwerte sind Richtwerte aus der Praxis, keine amtlichen Grenzen. Sie ersetzen keine Beratung durch dein Prüfungsamt, geben dir aber einen Maßstab, der besser ist als ein Gefühl. Natürlich lässt sich nicht jeder Punkt auf die Nachkommastelle messen; in dieser Hinsicht bleibt eine Restunschärfe.

PrüfsteinWoran du es misstGrüner Bereich
SchnittDurchschnitt deiner letzten zehn korrigierten Übungsklausurenstabil bei 5 Punkten oder mehr
StreuungAbstand zwischen bester und schlechtester dieser zehnhöchstens rund 5 Punkte
FertigwerdenAnteil der Klausuren, die du in der vollen Zeit zu Ende bringstüber 80 Prozent
BreiteSchnitt getrennt nach Zivil-, Straf- und Öffentlichem Rechtkein Gebiet dauerhaft unter 4 Punkten
StoffabdeckungPflichtfachkatalog deines Landes, Kapitel für Kapitelkeine weiße Fläche im Muss-Bereich
AbrufStandardschemata und Definitionen ohne Skript aufschreibendie großen Schemata der drei Gebiete abrufbar
AusdauerKlausuren pro Woche unter echten Bedingungendrei in einer Woche ohne Leistungseinbruch

Stoffabdeckung: der Pflichtfachkatalog statt Bauchgefühl

Der Pflichtfachkatalog deines Bundeslandes ist eine amtliche Liste dessen, was geprüft werden darf. Er unterscheidet meist zwischen Stoff, den du in der Tiefe beherrschen musst, und Stoff, der nur „im Überblick“ verlangt wird. Diese zweite Kategorie ist eine amtliche Erlaubnis zur Reduktion, und viele Kandidaten nutzen sie nicht.

Nimm den Katalog, geh ihn Zeile für Zeile durch und markiere drei Zustände: kann ich, kenne ich oberflächlich, habe ich nie gesehen. Der dritte Zustand ist dein eigentliches Risiko. Wie du dabei vorgehst und wie du die Stoffmenge auf ein prüfbares Maß schneidest, ist eine eigene Übung wert.

Eine weiße Fläche im Muss-Bereich ist kein Grund, das Examen zu schieben, solange sie klein ist. Sechs weiße Flächen sind es.

Klausurtechnik unter echten Prüfungsbedingungen

Eine Übungsklausur zählt nur dann als Datenpunkt, wenn du sie unter denselben Bedingungen schreibst wie im Examen: volle Bearbeitungszeit am Stück, nur die zugelassenen Hilfsmittel, kein Nachschlagen im Skript, keine Pause zum Kaffeeholen. Alles andere misst etwas anderes als deine Prüfungsleistung.

In schwachen Arbeiten fehlt selten das Wissen. Häufiger sind es Zeitprobleme, ein verfehlter Schwerpunkt und ein Gutachten, das an der falschen Stelle ausführlich wird. Wer seine Klausuren systematisch nachbereitet, findet diese Muster und kann sie gezielt abstellen; die Hebel dafür stehen im Artikel zum Verbessern der Klausurnoten.

Leg dir ein Fehlerprotokoll an. Eine Zeile pro Klausur, mit Datum, Rechtsgebiet, Punktzahl und dem einen Fehler, der dich am meisten gekostet hat. Nach zehn Klausuren siehst du dein Muster schwarz auf weiß.

Abrufbarkeit: Schemata und Definitionen aus dem Kopf

In der Klausur hast du kein Skript. Was du nicht abrufen kannst, existiert für die Bearbeitung nicht. Der Test dafür dauert zehn Minuten: leeres Blatt, Stichwort, Schema aufschreiben, danach mit der Vorlage vergleichen.

Sinnvolle Kandidaten für diesen Test sind die Prüfungsreihenfolge der Anspruchsgrundlagen, der Aufbau des vorsätzlichen Begehungsdelikts, die Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde und der Aufbau der Anfechtungsklage. Wer diese vier ohne Hilfe hinbekommt, hat das Grundgerüst. Wer dabei ins Stocken gerät, weiß, woran er in den nächsten Wochen arbeitet.

Tipp

Auf jurahilfe.de kannst du denselben Stoff wahlweise als Kompakttext oder als ausführlichen Langtext lesen. Kompakt zum schnellen Wiederholen der Schemata kurz vor der Klausur, ausführlich, wenn ein Thema von Grund auf noch nicht klar ist.

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Ausdauer über den kompletten Klausurblock und die mündliche Prüfung

Je nach Bundesland schreibst du fünf bis sieben Aufsichtsarbeiten, meist an aufeinanderfolgenden oder eng getakteten Tagen. Um neun Uhr liegt der Sachverhalt vor dir, fünf Stunden später gibst du ab, und am nächsten Morgen beginnt dasselbe von vorn. Diese Belastung ist eine eigene Fähigkeit, und du kannst sie trainieren.

Der Test dafür: Schreib drei Übungsklausuren in einer Woche. Bricht die dritte gegenüber den ersten beiden deutlich ein, fehlt dir Ausdauer, nicht Wissen. Das lässt sich in wenigen Wochen aufbauen, Schlaf, Bewegung und ein realistischer Tagesrhythmus gehören dazu.

Nach dem schriftlichen Teil folgt die mündliche Prüfung, und die hat eigene Anforderungen: laut denken, auf Zwischenfragen reagieren, im Gespräch strukturiert bleiben. Wer nur schriftlich geübt hat, trifft hier auf eine Prüfungsform, die er nie trainiert hat.

Antreten oder schieben: so entscheidest du in Jura

Die Entscheidung hat zwei Achsen: deinen gemessenen Leistungsstand und die Frage, ob du in der gewonnenen Zeit etwas anderes tun würdest als bisher. Nur wenn beide Achsen zum Schieben raten, lohnt es sich. Liegt dein Schnitt im grünen Bereich oder fehlt dir ein konkreter Plan für die Extrazeit, gehst du besser hin.

Entscheidungsbaum: Ab einem stabilen Klausurenschnitt von 5 Punkten antreten, sonst nur schieben, wenn ein konkreter Plan für die Extrazeit steht
Abb. 4: Zwei Fragen entscheiden, ob du dich meldest oder den Termin verlegst.

Wann der Freiversuch die Rechnung verändert

Der Freiversuch, in manchen Ländern Freischuss genannt, ändert die Kalkulation von Grund auf. Nach § 5d Abs. 5 S. 2 DRiG gilt eine erfolglose Pflichtfachprüfung als nicht unternommen, wenn du dich frühzeitig gemeldet und alle Prüfungsleistungen erbracht hast. Wer im Freiversuch antritt und durchgefallen ist, hat also immer noch seine beiden regulären Versuche.

Die Frist dafür knüpft an die Fachsemesterzahl an und liegt je nach Bundesland beim achten oder neunten Fachsemester; Auslandsstudium, Krankheit, Elternzeit und Beurlaubung werden unterschiedlich angerechnet. Die Fristen und Anrechnungsregeln aller 16 Bundesländer unterscheiden sich erheblich, und der Blick in deine Ausbildungsordnung ist Pflicht, nicht Kür.

Meine Empfehlung ist klar: Wenn du im Freiversuch antreten kannst und dein Schnitt nicht katastrophal ist, tritt an. Das Risiko ist gedeckelt, die Möglichkeit auf ein bestandenes Examen ohne verbrauchten Versuch bekommst du nur einmal. Viele Länder erlauben zusätzlich einen Verbesserungsversuch zur Notenverbesserung nach bestandener Prüfung, was den Einsatz weiter senkt.

Läuft die Freiversuchsfrist dagegen ohnehin ab, verschwindet dieses Argument. Dann zählt nur noch dein Leistungsstand.

Wann das Schieben des Staatsexamens wirklich hilft

Es gibt gute Gründe, den Termin zu verlegen. Ein klar benennbarer Rückstand in einem ganzen Rechtsgebiet gehört dazu, ebenso eine längere Krankheit, eine familiäre Ausnahmesituation oder ein Klausurenschnitt, der über Monate unter 4 Punkten liegt und keine Aufwärtsbewegung zeigt.

Der Test ist immer derselbe: Kannst du in drei Sätzen sagen, was du in den gewonnenen Monaten anders machst? „Mehr lernen“ zählt nicht. „Öffentliches Recht von Grund auf neu aufbauen, zwei Klausuren pro Woche statt einer, Fehlerprotokoll führen“ zählt. Was für und gegen eine Verlegung spricht, hängt außerdem am Landesrecht; die Details stehen im Artikel zum Schieben des Staatsexamens.

Wenn du schiebst, dann mit Plan und Enddatum. Ein offenes „irgendwann nächstes Jahr“ verlängert nur die Unsicherheit. Ein neuer, verbindlicher Termin plus ein Lernplan mit prüfbaren Zwischenzielen macht aus dem Schieben eine Entscheidung.

Wann Schieben nur die Angst verlängert

Es gibt ein Muster, das ich oft sehe. Der Schnitt liegt bei 5 oder 6 Punkten, die Stoffabdeckung ist ordentlich, die Klausuren werden fertig, und trotzdem wird verschoben. Dahinter steckt selten eine echte Lücke. Es ist das Gefühl, noch nicht gut genug zu sein. Vielleicht kennst du das aus dem eigenen Umfeld: ein paar Kommilitonen, bei denen der Termin seit zwei Jahren „nächstes Semester“ heißt.

In diesen Fällen kostet das Schieben mehr, als es bringt. Der Stoff, den du in sechs Monaten dazulernst, verdrängt Stoff, den du vorher konntest; das Vergessen läuft parallel zum Lernen. Und die Angst wächst mit der Zeit, statt zu schrumpfen.

Wenn dich vor allem die Prüfungssituation lähmt, ist das ein eigenes Thema und kein Grund zum Schieben. Lampenfieber, Prüfungsangst und Prüfungsstress lassen sich gezielt bearbeiten, mit Exposition, mentaler Umdeutung und im Ernstfall mit professioneller Unterstützung. Sechs Monate zusätzliche Lernzeit ändern daran nichts.

Tipp

Wenn du in der verbleibenden Zeit gezielt Lücken schließen willst, kannst du auf jurahilfe.de den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos lernen, mit Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben. Ein guter Test, ob dir das Format liegt, bevor du weitergehst.

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Deine Chancen im Staatsexamen realistisch einschätzen

Rund drei von vier Kandidaten bestehen den staatlichen Prüfungsteil im ersten Anlauf. Die bundesweite Bestehensquote lag 2024 bei 72,6 Prozent. Insgesamt haben in diesem Jahr 9.255 Studierende die erste juristische Prüfung erfolgreich abgeschlossen, nach durchschnittlich 10,4 Semestern.

Was die bundesweiten Zahlen zur Durchfallquote sagen

Die Zahlen stammen aus der Ausbildungsstatistik des Bundesamts für Justiz. Sie zeigen zweierlei: Die Prüfung ist hart, und sie ist zu schaffen.

KennzahlErste PrüfungZweites Examen
Erfolgreiche Kandidaten9.2558.084
Bestehensquote72,6 Prozent87,5 Prozent
Vollbefriedigend oder besser36,7 Prozent21,7 Prozent
Note sehr gut0,5 Prozent0,04 Prozent

Zwischen den Ländern liegen Welten. Beim Anteil der Prädikatsnoten reicht die Spanne von 44,8 Prozent in Niedersachsen bis 21,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, bei der durchschnittlichen Studiendauer von 7,9 Semestern in Nordrhein-Westfalen bis 14,8 im Saarland. Wer seine eigene Lage einordnen will, vergleicht sich deshalb mit dem eigenen Bundesland und nicht mit dem Bundesschnitt; die Durchfallquoten im Detail haben wir in unserer Statistik-Übersicht aufbereitet.

Beachte auch, worauf sich die 36,7 Prozent beziehen: auf die Gesamtnote der ersten juristischen Prüfung, in die die Schwerpunktbereichsprüfung mit 30 Prozent einfließt. Im rein staatlichen Teil fallen die Examensnoten deutlich schlechter aus. Wie sich die Punkte auf Notenstufen verteilen, ist eine eigene Rechnung wert.

Zwei Versuche, ein Freiversuch: dein Sicherheitsnetz

Die staatliche Pflichtfachprüfung kann nach § 5d Abs. 5 S. 1 DRiG einmal wiederholt werden. Mit dem Freiversuch stehen dir faktisch drei Anläufe zur Verfügung, wenn du die Frist einhältst. Das ist mehr Spielraum, als die meisten im Kopf haben, wenn sie über die Meldung nachdenken.

Selten macht sich jemand vor der Prüfung klar, wie es nach einem Fehlversuch weitergeht. Die Antwort: geordnet. Es gibt einen zweiten Termin, es gibt eine Analyse dessen, was gefehlt hat, und es gibt viele Menschen, die genau das schon hinter sich haben. Was nach einem nicht bestandenen Staatsexamen konkret ansteht, ist planbar.

Dieses Wissen ändert die Entscheidung. Wer weiß, dass ein Fehlversuch nicht das Ende ist, entscheidet nüchterner über den Zeitpunkt.

Die letzten Wochen vor dem Examenstermin

Steht der Termin, verschiebt sich die Aufgabe. Jetzt zählen Abrufsicherheit, Klausurtechnik und ein Tagesrhythmus, der bis zum letzten Klausurtag durchhält. Neue Rechtsgebiete anzufangen bringt in dieser Phase nichts.

In den letzten Wochen zahlt es sich vor allem aus, weiter Klausuren zu schreiben, die eigenen Fehlerprotokolle durchzugehen und ausreichend zu schlafen. Sport und Treffen mit Freunden gehören ausdrücklich dazu; wer sie streicht, verliert durch Erschöpfung mehr Leistung, als er durch die zusätzlichen Stunden gewinnt. Was in einem knappen Zeitfenster realistisch noch geht, steht im Artikel zum Endspurt vier Wochen vor dem Examen.

Am Prüfungstag selbst zählt dann eine ganz andere Fähigkeit als im Lernjahr: ruhig lesen, sauber gliedern, die Zeit einteilen. Die hast du in jeder deiner Übungsklausuren trainiert.

Fazit: Wann du dich melden solltest

Examensreife erkennst du an Zahlen, nicht an einem Gefühl. Ein stabiler Klausurenschnitt ab 5 Punkten, mindestens 20 bis 25 geschriebene Übungsklausuren, keine großen weißen Flächen im Pflichtfachkatalog und die Fähigkeit, drei Klausuren in einer Woche durchzuhalten: Wer das zusammenbekommt, ist bereit, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Eine gewisse Unsicherheit vor der wichtigsten Prüfung deines Jurastudiums ist natürlich und kein Gegenargument.

Der Rest ist eine Entscheidung unter Unsicherheit, und die triffst du besser früh als spät. Der Freiversuch begrenzt das Risiko, zwei reguläre Versuche fangen den Rest auf, und dein Examensergebnis wird nach den vorliegenden Daten eher besser ausfallen als dein Klausurenkurs-Schnitt. Wenn du bis zum Termin noch gezielt Lücken schließen willst, kannst du dir den Stoff auf jurahilfe.de im Lernpfad aus Skript, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben Kapitel für Kapitel vornehmen.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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