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Probeexamen Jura: Wann es sich lohnt & wie du es auswertest

Studierende schreiben an einzelnen Tischen in einem hellen Raum konzentriert eine Klausur

Sechs Klausuren, zwei Wochen, jeden Schreibtag fünf Stunden. Nach dem Probeexamen liegt ein Stapel Papier auf dem Schreibtisch, und bei den meisten wandert er ins Regal.

Ein Probeexamen ist die Simulation der schriftlichen Pflichtfachprüfung unter Originalbedingungen: dieselbe Klausurzahl wie in deinem Bundesland, jeweils fünf Stunden Bearbeitungszeit, nur die zugelassenen Gesetzestexte. Der übliche Zeitpunkt liegt drei bis vier Monate vor dem echten Termin. Sein Wert entsteht erst in den zwei Wochen danach.

Was die Prüfung von dir verlangt, steht in § 5d DRiG. Ob du ihr gewachsen bist, sagt dir nur der Durchlauf selbst. Kein Skript kann das.

Auf einen Blick:

  • Ein Probeexamen ist kein größerer Klausurenkurs. Der Unterschied ist die Serie: mehrere Klausuren in wenigen Tagen, mit allem, was das körperlich und mental bedeutet.
  • Drei bis vier Monate vorher ist der Standard. Früher fehlt der Stoff, später fehlt die Zeit, aus dem Ergebnis noch etwas zu machen.
  • Die Formate der Fakultäten unterscheiden sich stark: Köln verlost 80 Plätze und schreibt unter Aufsicht, Mainz stellt vier Klausuren digital, Passau lässt dich zu Hause schreiben.
  • Die Note ist der unwichtigste Teil des Ergebnisses. Als 23 Korrektoren an der LMU dieselben Klausuren bewerteten, lagen zwischen bester und schlechtester Note im Schnitt 6,47 Punkte.
  • Auswerten heißt: jede Klausur einer Fehlerart zuordnen (Wissen, Methodik, Zeit) und daraus einen geänderten Lernplan bauen. Ohne diesen Schritt war der Aufwand Freizeitverlust.

Tipp

Wenn das Probeexamen Wissenslücken aufdeckt, brauchst du für die Nacharbeit gezielten Zugriff statt eines neuen Lehrbuchs. Auf jurahilfe.de findest du interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen: erst verstehen, dann abrufen, dann am Fall testen.

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Zeitstrahl: Das Probeexamen liegt drei bis vier Monate vor dem Examen, danach bleibt Zeit zum Nacharbeiten
Abb. 1: Das Probeexamen gehört ins letzte Viertel der Vorbereitung, aber nicht ans Ende.

Was ein Probeexamen ist und was es vom Klausurenkurs unterscheidet

Ein Probeexamen bildet den schriftlichen Teil der Ersten Juristischen Staatsprüfung nach: gleiche Klausurzahl, gleiche Verteilung auf die Rechtsgebiete, gleiche Bearbeitungszeit, gleiche Hilfsmittel. Die Aufgaben sind meist echte Examensklausuren früherer Termine. Der Klausurenkurs dagegen liefert dir wöchentlich eine einzelne Klausur über Monate hinweg.

Sechs Klausuren in zwei Wochen statt einer Einzelklausur

Der Unterschied klingt banal, ist aber der ganze Punkt. Im Klausurenkurs schreibst du am Samstag eine Klausur und hast danach sechs Tage Erholung. Dasselbe Problem in kleinerem Maßstab kennt jede Klausurenphase im Studium, wenn drei Prüfungen in zehn Tagen liegen. Im Examen schreibst du sechs Klausuren innerhalb von zwei bis drei Wochen, und die vierte fällt auf einen Tag, an dem du schlecht geschlafen hast und die dritte noch im Kopf herumgeht.

Genau das trainierst du hier: den Umgang mit einer verpatzten Klausur, während die nächste schon morgen ansteht. Wie du körperlich durch mehrere Fünf-Stunden-Tage kommst. Ob deine Konzentration in der letzten Klausur nachlässt. Das lässt sich mit Einzelklausuren nicht simulieren, weil die Erschöpfung kumulativ ist.

Dazu kommt ein zweiter Effekt. Über sechs Klausuren wird sichtbar, was in einer Einzelklausur wie Pech aussieht. Wer dreimal hintereinander die Zeit verfehlt, hat einen Befund vor sich und kein Pech gehabt.

Spaltenvergleich: Klausurenkurs bringt eine Klausur pro Woche, das Probeexamen sechs Klausuren in zwei Wochen
Abb. 2: Beide Formate prüfen Verschiedenes, deshalb ersetzt keines das andere.

Schriftliches Probeexamen und mündliche Prüfungssimulation

Viele Fakultäten trennen beides. Das schriftliche Probeexamen ist der Klausurblock, den dieser Artikel behandelt. Daneben gibt es an einigen Standorten eine Simulation der mündlichen Prüfung, in Mainz zum Beispiel als eigenes mündliches Probeexamen, in Passau als Simulation einer mündlichen Staatsprüfung.

Die mündliche Simulation lohnt sich erst später, nämlich wenn die Klausuren geschrieben sind und die Ladung kommt. Sie folgt dem echten Ablauf: Aktenvortrag mit Vorbereitungszeit, danach drei Prüfungsgespräche in Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht. Wer hier zum ersten Mal laut denkt, verschenkt Punkte an Nervosität statt an fehlendes Wissen.

Wofür das Probeexamen nicht taugt

Es ist kein Lerninstrument im engeren Sinn. Du lernst währenddessen kaum Stoff, du gibst ihn aus. Wer mit erheblichen Lücken hineingeht, produziert sechs schwache Klausuren und eine Gewissheit, die er vorher schon hatte.

Es ersetzt auch kein regelmäßiges Falltraining. Eine Prognose für dein Examen ist es nur mit Einschränkungen, dazu unten mehr. Und es setzt den Klausurenkurs voraus, statt ihn zu ersetzen. Wer über Monate keine einzige Klausur unter Zeitdruck geschrieben hat, fängt dort an und nicht bei der Generalprobe.

Wann du dein Probeexamen schreiben solltest

Der beste Zeitpunkt für ein Probeexamen liegt drei bis vier Monate vor dem eigenen Examenstermin. Dann hast du den Pflichtfachstoff einmal vollständig durchgearbeitet, aber noch genug Zeit, aus dem Ergebnis Konsequenzen zu ziehen. Wer erst vier Wochen vorher schreibt, sammelt Diagnosen, für die keine Therapie mehr bleibt.

Der Standardzeitpunkt drei bis vier Monate vor dem Examen

Drei Monate sind kein Zufallswert. Sie reichen aus, um zwei bis drei erkannte Schwachstellen wirklich zu bearbeiten: ein vernachlässigtes Rechtsgebiet aufzuholen, den Aufbau eines Klausurtyps zu automatisieren, die Zeiteinteilung umzustellen. Sie reichen nicht aus, um von vorn anzufangen, und das ist auch nicht die Idee.

Praktisch bestimmt oft der Kalender der Fakultät den Termin. Uni Köln, Passau und Bayreuth legen ihr Probeexamen in die vorlesungsfreie Zeit im Frühjahr und im Herbst, meist wenige Wochen vor den staatlichen Terminen. Wenn dein Wunschtermin nicht passt, schreibt niemand vor, das Angebot der eigenen Fakultät zu nutzen. Du kannst dir sechs Originalklausuren auch selbst zusammenstellen und den Block in Eigenregie durchziehen.

Woran du merkst, dass du noch zu früh dran bist

Zwei Signale sprechen fürs Verschieben. Erstens: Du hast ein ganzes Rechtsgebiet noch nicht angefasst. Dann weißt du schon vorher, dass zwei der sechs Klausuren nichts aussagen werden, außer dass du dort nichts weißt.

Zweitens: Du hast bisher weniger als zehn Klausuren unter echten Bedingungen geschrieben. Dann misst das Probeexamen deine fehlende Klausurroutine und nicht deinen Wissensstand. Beides ist wichtig, aber es lässt sich nur getrennt reparieren, und Routine holst du dir günstiger im wöchentlichen Klausurenkurs deiner Fakultät.

Kein Grund zum Verschieben ist dagegen das Gefühl, noch nicht so weit zu sein. Das haben fast alle, und wer wartet, bis es verschwindet, schreibt nie eins.

Ein zweites Probeexamen: sinnvoll oder Zeitverschwendung?

Ein zweiter Durchlauf lohnt sich, wenn zwischen beiden mindestens zehn bis zwölf Wochen liegen und du dazwischen wirklich an den Befunden gearbeitet hast. Dann misst du eine Veränderung. Liegen nur vier Wochen dazwischen, misst du Rauschen.

Manche Fakultäten regeln das selbst. In Köln werden Anmeldungen von Studierenden, die schon einmal teilgenommen haben, nur nachrangig berücksichtigt, weil die Plätze knapp sind. Wer einen zweiten Durchlauf will, plant ihn deshalb besser über einen kommerziellen Anbieter oder in Eigenregie.

Tipp

Wenn dir zwischen zwei Durchläufen die Wiederholung fehlt: Die Karteikarten im Wiederholungssystem auf jurahilfe.de legen dir genau die Inhalte vor, die zeitlich zum Vergessen anstehen, statt dass du dir selbst überlegst, was heute dran ist.

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Wie ein Probeexamen abläuft

Der Ablauf orientiert sich an der staatlichen Pflichtfachprüfung deines Bundeslandes. Die Klausuren werden über ein bis zwei Wochen verteilt, jeweils von morgens bis in den frühen Nachmittag, meist von 9 bis 14 Uhr. Die Sachverhalte bekommst du am Morgen des Schreibtags, nicht vorher.

Klausuranzahl und Rechtsgebiete nach Bundesland

Die meisten Länder verlangen sechs Klausuren, einige sieben. Verteilt werden sie auf die drei Pflichtfächer Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht, allerdings mit unterschiedlichem Gewicht. Bayern und Nordrhein-Westfalen stellen sechs Klausuren mit dem Schwerpunkt im Zivilrecht: drei Zivilrecht, zwei Öffentliches Recht, eine Strafrecht. Sachsen-Anhalt gewichtet mit je zwei Klausuren pro Rechtsgebiet gleichmäßig. Berlin und Brandenburg verlangen über das Gemeinsame Juristische Prüfungsamt sieben Klausuren.

Ein gutes Probeexamen bildet die Verteilung deines Landes ab, nicht irgendeine. Das ist der erste Punkt, den du beim Angebot prüfst: Wenn du in einem Land mit drei Zivilrechtsklausuren schreibst, sagt dir ein Durchlauf mit zwei Zivilrechtsklausuren wenig über deine Belastung im Ernstfall.

Bearbeitungszeit, Hilfsmittel und Aufsicht

Fünf Zeitstunden je Klausur, gerechnet ab Ausgabe, im Regelfall von 9 bis 14 Uhr. Zugelassen sind ausschließlich die Gesetzestexte, die auch in der staatlichen Prüfung erlaubt sind, und zwar ohne Anmerkungen, Klebezettel oder Markierungen. Uni Köln weist ausdrücklich darauf hin und kontrolliert vor den Klausuren, wie im Examen.

Wer sich hier selbst betrügt, betrügt niemanden sonst. Eine halbe Stunde Überziehung macht aus einer 4-Punkte-Klausur eine 7-Punkte-Klausur und aus dem Probeexamen ein Wohlfühlprogramm. Die Regel lautet: Nach Ablauf der Zeit legst du den Stift hin, auch mitten im Satz. Genau das passiert im Examen auch.

Präsenz, digital oder zu Hause: was die Simulation wert ist

Hier trennt sich die Spreu. Die Anfertigung der Klausuren unter Aufsicht in einem fremden Raum mit fünfzig anderen Schreibenden ist etwas anderes als der eigene Schreibtisch. Der Lärm, die unbequemen Stühle, die Unmöglichkeit, kurz aufzustehen und den Kühlschrank zu öffnen: All das gehört zu dem, was du testen willst.

Digitale Formate liegen dazwischen. Mainz lässt seit einiger Zeit digital schreiben und rechnet eine halbe Stunde Scanzeit dazu. Passau stellt die Sachverhalte online und im Prüfungsraum bereit und empfiehlt ausdrücklich, an der Universität zu schreiben statt zu Hause. Wenn du zu Hause schreibst, mach wenigstens die Bedingungen ehrlich: Handy aus, Tür zu, Zeit gestoppt, keine Kommentare auf dem Tisch.

Hinweis

Für das Training zwischen den Klausuren gibt es auf jurahilfe.de Multiple-Choice-Aufgaben mit ausführlicher Erläuterung: kleine Sachverhalte, an denen du Signalwörter erkennen und Weichenstellungen üben kannst, ohne dafür fünf Stunden zu blockieren.

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Probeexamen an der Uni: vier Fakultäten, vier Formate

Es gibt kein einheitliches Probeexamen. Wer von Fakultät zu Fakultät schaut, findet vier verschiedene Veranstaltungen unter demselben Namen, die sich in Klausurzahl, Aufsicht, Korrekturdauer und Zugang unterscheiden. Das ist keine Nebensächlichkeit: Davon hängt ab, wie viel Aussagekraft dein Ergebnis hat.

Universität zu Köln: Losverfahren, Aufsicht, 80 Plätze

Köln fährt das strengste Modell. Der Große Examens- und Klausurenkurs stellt sechs Original-Examensklausuren in enger zeitlicher Folge: drei im Zivilrecht, eine im Strafrecht, zwei im Öffentlichen Recht. Angefertigt werden sie von 9 bis 14 Uhr im Seminargebäude, unter Aufsicht und mit Kontrollen vor Beginn wie in der echten Prüfung. Gestellt werden ausschließlich Aufgaben aus vorangegangenen Prüfungsterminen. Abschichten einzelner Klausuren ist ausgeschlossen, wer unentschuldigt fehlt, verliert den Korrekturanspruch für die schon geschriebenen Klausuren.

Der Zugang ist knapp. Zugelassen werden 80 Teilnehmende, und die Platzvergabe läuft über ein Losverfahren, nicht nach Anmeldezeitpunkt. Voraussetzung sind Immatrikulation als Ersthörer, bestandene Zwischenprüfung und mindestens das sechste Fachsemester; für die Anmeldung ist ein aktueller Immatrikulationsnachweis erforderlich. Die Besprechungen folgen unmittelbar nach dem Klausurblock, die Rückgabe der Klausuren erfolgt rund fünf Wochen nach dem ersten Schreibtermin.

Das ist die realistischste Simulation, die es kostenlos gibt. Sie hat nur einen Haken: Du kannst sie nicht planen, weil du den Platz nicht in der Hand hast.

Mainz, Passau und Bayreuth im Vergleich

Mainz hat das Probeexamen in den Rahmen des Großen Klausurenkurses gestellt. Alle Teilnehmenden dürfen mitschreiben, eine gesonderte Anmeldung entfällt. Dafür sind es nur vier Klausuren innerhalb einer Woche in der vorlesungsfreien Zeit, zwei im Zivilrecht, je eine im Strafrecht und im Öffentlichen Recht, geschrieben von 9 bis 14:30 Uhr einschließlich einer halben Stunde Scanzeit, digital über eine Upload-Plattform. Vier Klausuren sind kein volles Examen, das sollte man vorher wissen.

Passau bietet über das Institut für Rechtsdidaktik im Frühjahr und im Herbst sechs Klausuren an, drei im Zivilrecht, eine im Strafrecht, zwei im Öffentlichen Recht, größtenteils Originalaufgaben. Die Teilnahme am Probeexamen steht allen Studierenden offen, die Anmeldung dient nur der Korrektorenplanung. Du erhältst die Sachverhalte am Morgen des Schreibtags und kannst im Prüfungsraum oder zu Hause schreiben, abgegeben wird noch am selben Tag online. Zu beachten ist die lange Wartezeit: Die Besprechung folgt erst fünf bis sechs Wochen nach dem Schreibtermin.

Bayreuth stellt nach den Angaben der Fakultät zweimal im Jahr, im März und im September, sechs Pflichtfachklausuren aus vorhergehenden Examensterminen zusammen. Das Besondere: Die Klausuren werden größtenteils von Praktikern korrigiert, die auch das Originalexamen korrigiert haben. Eine gesonderte Anmeldung ist nicht nötig, und die Teilnahme an einzelnen Klausuren ist ausdrücklich möglich, auch wenn der eigentliche Zweck die Simulation der kompletten Prüfung bleibt.

Die vier Formate nebeneinander, damit du dein eigenes einordnen kannst:

UniKlausurenWoRückmeldungZugang
Köln6 (3 ZR, 1 StR, 2 ÖR)Präsenz mit AufsichtBesprechung sofort, Rückgabe nach rund 5 Wochen80 Plätze, Losverfahren, ab 6. Fachsemester
Mainz4 (2 ZR, 1 StR, 1 ÖR)digitalüber den Großen Klausurenkursoffen, keine gesonderte Anmeldung
Passau6 (3 ZR, 1 StR, 2 ÖR)Prüfungsraum oder zu HauseBesprechung nach 5 bis 6 Wochenoffen, Anmeldung nur zur Planung
Bayreuth6 (3 ZR, 1 StR, 2 ÖR)selbst gewählter Ort, Abgabe per PoststelleKorrektur meist durch Examenspraktikeroffen, auch einzelne Klausuren

Vier Häuser, vier Kompromisse zwischen Realitätsnähe und Zugänglichkeit. Köln maximiert die Simulation und rationiert den Zugang, Bayreuth und Passau öffnen den Zugang und lockern die Bedingungen, Mainz senkt den Umfang zugunsten der Integration in den laufenden Kurs.

Wenn deine Fakultät kein Probeexamen anbietet

Dann baust du es selbst. Du brauchst sechs Originalklausuren aus deinem Bundesland, sechs freie Tage innerhalb von zwei Wochen, einen Raum außerhalb der eigenen Wohnung und jemanden, der korrigiert. Die ersten drei Punkte sind Organisation, der vierte ist das Problem.

Für die Korrektur gibt es drei Wege: der Klausurenkurs deiner Fakultät nimmt einzelne Klausuren an, ein kommerzielles Angebot korrigiert gegen Geld, oder du wertest gemeinsam mit einer Lerngruppe aus. Die dritte Variante ist schwächer, aber nicht wertlos: Zwei Leute, die dieselbe Klausur geschrieben haben und ihre Lösungen mit der Musterlösung abgleichen, finden die meisten groben Fehler. Was sie nicht finden, ist die Punktzahl, und die brauchst du weniger, als du denkst.

Probeexamen bei Repetitorien und Online-Anbietern

Wenn das Angebot der Universität nicht passt, springen kommerzielle Anbieter ein. Sie kosten Geld, liefern dafür planbare Termine und in der Regel eine ausführlichere Rückmeldung als der Massenbetrieb an der Fakultät.

Alpmann Schmidt, hemmer und Jura Intensiv

Hier lohnt eine Erwartungskorrektur. Ein eigenständiges, buchbares Probeexamen für das erste Staatsexamen verkaufen die klassischen Repetitorien in der Regel nicht. Was sie anbieten, sind laufende Examensklausurenkurse und einzelne Klausurpakete mit Korrektur und Besprechung. Einen kompletten Probeexamens-Block als eigenes Produkt findet man eher für das zweite Examen, dort dann mit acht Klausuren über zwei Wochen unter Aufsicht, ausformulierten Musterlösungen und Korrektur durch Praktiker.

Für das erste Examen heißt das: Du baust dir den Block aus einzelnen Klausuren zusammen oder nutzt einen laufenden Klausurenkurs, in dem mehrere Termine dicht beieinanderliegen. Weil die Angebote nach Standort organisiert sind, unterscheiden sich Umfang, Termine und Preise erheblich. Frag bei der Zweigstelle nach, an der du teilnehmen willst, und lass dir drei Dinge schriftlich geben: die Zahl der Klausuren und ihre Verteilung, welche Art von Rückmeldung du erhalten wirst, und wie lange die Korrektur dauert. Der dritte Punkt entscheidet mit darüber, ob dir das Ergebnis noch nützt.

Online-Klausurenkurse mit Videokorrektur

Neuere Online-Anbieter haben das Probeexamen ins eigene Kurspaket integriert und setzen auf Videokorrektur: Statt Randbemerkungen bekommst du eine Aufnahme, in der jemand deine Klausur durchgeht und laut kommentiert. Das hat einen echten Vorteil, weil Tonfall und Begründung mitkommen, und einen Nachteil: Du kannst nicht querlesen.

Für die Simulation selbst ändert sich wenig. Du schreibst zu Hause, ohne Aufsicht, und die Ehrlichkeit der Bedingungen liegt bei dir. Wer weiß, dass er sich sonst eine Viertelstunde extra gönnt, ist mit einem Präsenztermin besser bedient.

Was ein Probeexamen kosten darf

Eine belastbare Orientierung liefert der Einzelklausur-Preis. Jura Intensiv verkauft für das erste Examen ein Klausurpaket aus zwei Klausuren samt Korrektur und Besprechung für 179 Euro, also rund 90 Euro je Klausur. Rechnet man das auf sechs Klausuren hoch, liegt ein selbst zusammengestelltes Probeexamen bei ungefähr 500 Euro; das ist eine Überschlagsrechnung, kein ausgeschriebener Paketpreis.

Ob sich das lohnt, hängt an einer einzigen Frage: Bekommst du dieselbe Leistung kostenlos? Wenn deine Fakultät ein Probeexamen mit Korrektur anbietet und du einen Platz hast, ist das kommerzielle Angebot Geldverschwendung. Wenn nicht, und wenn du sonst gar keinen Ernstfall geprobt hättest, ist der Betrag gemessen an den 1.800 bis 2.800 Euro für einen kompletten Repetitoriums-Jahreskurs ein überschaubarer Posten.

Wie du dein Probeexamen richtig auswertest

Die Auswertung ist der Teil, an dem das Probeexamen seinen Wert entfaltet oder verliert. Sie besteht aus vier Schritten: jede Klausur einzeln gegen die Musterlösung durchgehen, die Fehler nach Art trennen, die Befunde nach Gewicht sortieren und daraus einen geänderten Lernplan bauen. Plane dafür zwei bis drei Tage ein, bevor der Rücklauf kommt.

Warum die Note das Unwichtigste am Probeexamen ist

Eine einzelne Punktzahl enthält weniger Information, als sie vorgibt. Eine Untersuchung von Hufeld an der LMU München ließ 23 Korrektorinnen und Korrektoren dieselben studentischen Bearbeitungen einer Verwaltungsrechtsklausur bewerten, insgesamt 230 Einzelkorrekturen. Zwischen der höchsten und der niedrigsten Note derselben Arbeit lagen im Schnitt 6,47 Punkte, bei einem Mittelwert von 6,83 und einer Standardabweichung von 1,85 (ZDRW 1/2024, 59). Dieselbe Arbeit konnte je nach Korrektor mangelhaft oder gut sein.

Für dich heißt das: Der Unterschied zwischen 5 und 7 Punkten in einer Probeklausur ist Rauschen. Der Unterschied zwischen einem Schnitt von 3,5 und einem Schnitt von 7,0 über sechs Klausuren ist ein Signal. Sieh dir den Durchschnitt an und ignoriere die Einzelnote, außer sie fällt drastisch aus der Reihe; dann lohnt der Blick, was in dieser einen Klausur anders lief. Wie die Punkte überhaupt zustande kommen, steht in unserer Übersicht zur juristischen Notenskala.

Fehler trennen: Wissen, Methodik oder Zeit

Nimm jede Klausur und ordne jeden gefundenen Fehler genau einer von drei Kategorien zu. Wissensfehler: Du kanntest die Norm, die Definition oder den Streitstand nicht. Methodikfehler: Du kanntest den Stoff, hast ihn aber im Aufbau nicht untergebracht, den Schwerpunkt verfehlt oder im falschen Stil geschrieben. Zeitfehler: Du wärst weitergekommen, aber die Zeit war weg.

Die Zuordnung ist der eigentliche Erkenntnisgewinn, denn die drei Fehlerarten verlangen völlig verschiedene Gegenmittel. Wissenslücken schließt du durch Wiederholung, Methodikfehler nur durch weitere Klausuren mit Feedback, Zeitprobleme durch Umstellung deiner Arbeitsweise am Sachverhalt und an der Lösungsskizze. Wer alle drei mit mehr Lesen bekämpft, wiederholt sie im Examen.

FehlerartWoran du sie erkennstWas hilft
WissenNorm, Definition oder Streitstand waren nicht abrufbargezielte Wiederholung genau dieser Themen
MethodikDer Stoff war da, Aufbau oder Schwerpunkt stimmten nichtweitere Klausuren mit echter Korrektur
ZeitDie Lösung war klar, die Bearbeitungszeit reichte nichtSachverhaltsarbeit und Lösungsskizze umstellen
Flussdiagramm: Klausurfehler in die drei Kategorien Wissen, Methodik und Zeit trennen, jede verlangt ein anderes Gegenmittel
Abb. 3: Erst die Zuordnung macht aus einem Fehler eine Aufgabe.

In der Praxis überwiegt oft eine der drei Fehlerarten deutlich. Wenn zwei Drittel deiner Fehler Methodikfehler sind, ist dein Wissensstand nicht das Problem, und weiteres Skriptenlesen wäre die falsche Konsequenz. Diesen typischen Fall behandelt der Artikel Jura Klausuren scheitern trotz Wissen ausführlicher.

Das Klausurtagebuch: ein Blatt pro Klausur

Leg für jede Klausur ein Blatt an, immer mit denselben sechs Zeilen: Rechtsgebiet und Klausurtyp, erkannter Schwerpunkt (ja oder nein), gefundene Probleme gegen übersehene Probleme, Fehlerarten mit Strichliste, Zeitverlauf in groben Blöcken, und eine konkrete Konsequenz in einem Satz.

Die letzte Zeile ist die wichtigste, und sie muss operativ sein. „Sachenrecht wiederholen“ taugt nicht. „Drei Fälle zum gutgläubigen Erwerb rechnen, dann § 932 BGB im Skript nacharbeiten“ taugt. Nach sechs Blättern siehst du auf einen Blick, was sich wiederholt, und genau das ist dein Programm für die folgenden Wochen.

Führ das Tagebuch danach weiter, für jede Klausur bis zum Examen. Der Aufwand liegt bei zwanzig Minuten pro Klausur, und er ersetzt das Gefühl durch Daten.

Tipp

Für die Lücken, die dein Klausurtagebuch ausweist, brauchst du keinen kompletten Durchgang. Auf jurahilfe.de kannst du dasselbe Thema kompakt oder ausführlich lesen: kompakt zum schnellen Auffrischen, ausführlich dort, wo du merkst, dass du es nie richtig verstanden hattest.

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Vom Befund zum Lernplan für die letzten Wochen

Jetzt wird umgeplant, und zwar mit Verzicht. Nimm die zwei bis drei größten Befunde und räum ihnen echte Blöcke ein, indem du anderes streichst. Ein Lernplan, der die alten Inhalte behält und die neuen dazupackt, funktioniert nicht, weil die Woche nicht länger wird.

Bewährt hat sich eine grobe Aufteilung der verbleibenden Zeit: rund die Hälfte für gezielte Nacharbeit an den Befunden, rund ein Drittel für weiteres Klausurenschreiben, der Rest für die laufende Wiederholung des restlichen Stoffs. Wie du das konkret aufsetzt, steht in unserer Anleitung zum Jura-Lernplan; für die laufende Wiederholung lohnt ein Blick auf Spaced Repetition und Active Recall.

Und eine Warnung zum Schluss dieses Abschnitts. Ein schlecht gelaufenes Probeexamen taugt nicht als Anlass, den Examenstermin zu verschieben. Es taugt als Anlass, die letzten Monate anders zu nutzen. Über eine Verschiebung entscheidest du nach anderen Kriterien, etwa mit Blick auf Freiversuch und Abschichten.

Was die Forschung über Probeklausuren zeigt

Die Frage, ob Probeklausuren die Examensnote verbessern, ist untersucht worden. Die Antwort fällt differenzierter aus, als beide Lager es gern hätten: Der Zusammenhang zwischen Kursleistung und Examensnote ist stark, der Effekt jeder einzelnen zusätzlichen Klausur dagegen klein.

Probeklausur-Schnitt und Examensnote

Eine empirische Auswertung von Towfigh, Traxler und Glöckner (ZDRW 2014, 8) hat 71.405 Probeklausuren aus dem Münsteraner Examensklausurenkurs mit den späteren Examensergebnissen zusammengeführt. Ergebnis: Wer im Klausurenkurs besser abschneidet, schreibt im Examen im Schnitt besser. Der Zusammenhang ist deutlich.

Er ist aber keine Vorhersage für den Einzelfall. Ein guter Kursschnitt macht ein gutes Examen wahrscheinlicher, garantiert es nicht, und in beiden Richtungen gibt es reichlich Ausreißer. Wer im Probeexamen bei 4 Punkten landet, hat statistisch schlechtere Karten als jemand mit 9 Punkten, aber niemand von beiden hat sein Ergebnis schon in der Tasche.

Was eine einzelne geschriebene Klausur bringt

Dieselbe Untersuchung beziffert den Lerneffekt je zusätzlich geschriebener Klausur auf rund 0,03 Notenpunkte. Anschaulicher formuliert: Wer bei sechs Punkten steht, braucht etwa 33 Übungsklausuren, um im Schnitt auf sieben Punkte zu kommen. Das klingt nach wenig, und einzeln betrachtet ist es das auch. Über einen kompletten Klausurenkurs summiert es sich auf rund einen Punkt, und ein Punkt entscheidet im juristischen Notensystem regelmäßig über das Prädikat.

Für das Probeexamen heißt das zweierlei. Erstens: Erwarte vom Durchlauf selbst keinen Sprung, sechs Klausuren bringen rechnerisch weniger als 0,2 Punkte. Zweitens: Sein Nutzen liegt woanders, nämlich in der Diagnose und in der Gewöhnung an die Belastung. Wer das Probeexamen als Lernmaßnahme verkauft, hat die Zahlen nicht gelesen.

Kennzahlen: sechs Klausuren, drei bis vier Monate Vorlauf, 0,03 Notenpunkte je Klausur, 6,47 Punkte Korrekturstreuung
Abb. 4: Die vier Zahlen, an denen sich Umfang, Zeitpunkt und Aussagekraft messen lassen.

Korrekturstreuung: warum eine einzelne Note wenig aussagt

Die Münchner Untersuchung zur Korrekturvarianz erklärt, warum du der Einzelnote misstrauen solltest. Wenn zwischen bester und schlechtester Bewertung derselben Arbeit im Schnitt 6,47 Punkte liegen, dann liefert deine 5-Punkte-Klausur die Auskunft „irgendwo im mittleren Bereich“, und das ist als Rückmeldung ungefähr so nützlich wie ein Wetterbericht für ganz Europa. Gemessen wurde das an einer Klausur aus dem dritten Semester, nicht an einer Examensklausur; dass die Streuung bei Examensarbeiten grundlegend kleiner wäre, ist allerdings nicht ersichtlich.

Belastbar wird die Sache erst über mehrere Klausuren und über den Inhalt der Korrekturbemerkungen. Deshalb steht in deinem Klausurtagebuch der Fehlertyp und nicht die Note. Wie du daraus systematisch Punkte holst, zeigt der Artikel Jura Klausur Note verbessern.

Fazit: Der Wert liegt in den zwei Wochen danach

Ein Probeexamen ist eine Messung, keine Behandlung. Es zeigt dir unter realistischen Bedingungen, wo du stehst, wie du auf mehrtägige Belastung reagierst und welche Art von Fehlern dich Punkte kostet. Was es nicht tut: dich besser machen. Das passiert erst in den Wochen danach, und nur, wenn du die Befunde in konkrete Blöcke übersetzt.

Deshalb der praktische Rat: Schreib eins, drei bis vier Monate vorher, unter möglichst echten Bedingungen. Und blockier dir im Kalender die Tage für die Auswertung, bevor du dich anmeldest. Die Lücken, die dabei sichtbar werden, kannst du anschließend gezielt schließen, etwa mit den aufeinander aufbauenden Lernpfaden auf jurahilfe.de, statt noch einmal von vorn zu lesen.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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