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Examen in 4 Wochen: die letzten Wochen vor dem Examen nutzen

Aufgeschlagene Bücher und ein Stapel Skripte auf einem Schreibtisch, dahinter unscharf eine erschöpft wirkende Studentin, die den Kopf in die Hand stützt

Vier Wochen bis zur ersten Examensklausur, und der Stapel ungelernter Themen ist immer noch da. Ehrlich: Du wirst diesen Rückstand in vier Wochen nicht aufholen. Was du sehr wohl kannst, ist deine Punktzahl in den Klausuren spürbar bewegen. In dieser Phase entscheiden Abrufbarkeit, Klausurtechnik und Nerven über die Note. Das fehlende Detailwissen fällt kaum noch ins Gewicht. Wer die letzten Wochen vor dem Examen für neuen Stoff verbrennt, verschenkt genau die Punkte, die noch zu holen wären. Hier ist der Plan für die verbleibenden vier Wochen.

Auf einen Blick:

  • Neuer Stoff bringt jetzt fast nichts. Wiederholen, abrufen und Klausuren schreiben bringen viel.
  • Der größte Hebel sind Übungsklausuren unter Realbedingungen, inklusive gründlicher Nachbereitung.
  • Streiche bewusst: Randgebiete, Streitstände dritter Ordnung, alles, was du noch nie gehört hast.
  • Woche 4 ist eine Stabilisierungswoche. Schlaf gehört ab hier zur Vorbereitung.
  • 27,4 Prozent sind 2024 durch die staatliche Pflichtfachprüfung gefallen. Ein Restrisiko ist normal, kein Urteil über dich.

Tipp

Wenn du in den letzten Wochen vor dem Examen schnell und gezielt wiederholen willst, hilft dir das interaktive Jura-Training von jurahilfe.de: kompakte, miteinander verlinkte Texte, Karteikarten zum aktiven Abrufen und ein Falltraining mit Multiple-Choice-Aufgaben. Du springst gezielt in das Thema, das gerade wackelt, statt ein ganzes Skript von vorne zu lesen.

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Vier Wochen bis zum Examen: was jetzt realistisch geht

Die Examensvorbereitung ist als Marathon angelegt, üblicherweise über zwölf bis achtzehn Monate. Die letzten vier Wochen sind der Sprint am Ende. Ein Sprint macht aus einem schlecht gelaufenen Rennen kein gutes. Er kann aber über einen Notenpunkt entscheiden, und ein einziger Punkt im Schnitt trennt im ersten Staatsexamen ausreichend von befriedigend.

Zeitstrahl der letzten vier Wochen vor dem Examen: Woche 1 bis 3 mit sechs bis acht Stunden Lernpensum pro Tag und zwei bis drei Übungsklausuren, Woche 4 mit rund vier Stunden und ohne Klausur
Abb. 1: Der Vier-Wochen-Plan im Überblick, mit Lernpensum pro Tag und Zahl der Übungsklausuren.

Was du in vier Wochen noch bewegen kannst, und was nicht

In vier Wochen lässt sich Wissen aktivieren, das schon einmal da war. Was du nie gelernt hast, lernst du jetzt nicht mehr auf Klausurniveau. Damit steht die Grundlage jeder vernünftigen Restzeitplanung fest: Du arbeitest mit dem, was vorhanden ist, und machst es abrufbar.

Bringt vielBringt wenig
Kernthemen aktiv abrufen (Karteikarte, freies Aufsagen)Neue Rechtsgebiete von Grund auf lernen
Übungsklausuren unter Zeit schreibenSkripte passiv durchlesen und markieren
Aufbau und Definitionen der Dauerbrenner sichernMeinungsstreite dritter Ordnung sammeln
Eigene Fehler aus alten Klausuren durchgehenNeue Lernmaterialien kaufen und sichten
Schlaf, Bewegung, geregelte TageNachtschichten und Lernpensum hochschrauben

Der Grund dafür ist gut belegt. Die Metaanalyse von Rowland (2014, Psychological Bulletin) findet über 159 Effektstärken aus 61 Studien einen mittleren Vorteil des aktiven Abrufens gegenüber dem erneuten Lesen von Hedges g = 0,50. Unter Zeitdruck ist dieser Unterschied entscheidend: Dieselbe Stunde bringt dir deutlich mehr, wenn du Wissen herausholst, statt es noch einmal hineinzulesen. Wie das methodisch funktioniert, steht ausführlich im Artikel zu Spaced Repetition und Active Recall im Jurastudium.

Wie lange man normalerweise für das Staatsexamen lernt

Die übliche Examensvorbereitung dauert zwölf bis achtzehn Monate, meist mit einem kommerziellen oder universitären Repetitorium und einem zweiten Durchgang durch den Pflichtfachstoff. Wer erst vier Wochen vorher ernsthaft anfängt, liegt weit darunter. Das ist selten, kommt aber vor, etwa nach Krankheit, einem gescheiterten Lernplan oder einer verschleppten Entscheidung. Wenn du wissen willst, wie eine reguläre Planung aussieht, findest du sie im Masterplan für das erste juristische Staatsexamen und in den Tipps zur Jura-Examensvorbereitung.

Für die Restzeit ist die entscheidende Frage nicht, wie viel andere gelernt haben. Sie lautet: Was ist bei mir vorhanden und wie hole ich es unter Klausurbedingungen heraus?

Antreten oder verschieben: die ehrliche Entscheidung

Bevor du den Plan startest, beantworte diese Frage einmal endgültig, und zwar jetzt, nicht erst in Woche drei. Antreten lohnt sich, wenn du den Pflichtfachstoff in Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichem Recht schon einmal vollständig durchgearbeitet hast und mindestens zwei Übungsklausuren im ausreichenden Bereich geschrieben hast. Verschieben ist die bessere Wahl, wenn ganze Rechtsgebiete unbearbeitet sind oder du gesundheitlich nicht belastbar bist.

Die Entscheidung hat Nebenwirkungen, die vom Bundesland abhängen: Freiversuch, Rücktrittsfristen und die Frage, ob ein Attest rechtzeitig vorliegt. Diese Regeln stehen in den Juristenausbildungsgesetzen der Länder und unterscheiden sich erheblich. Die Abwägung im Detail steht im Artikel Examen verschieben: wann das Schieben des Staatsexamens klug ist. Hast du dich für das Antreten entschieden, ist die Frage vom Tisch. Zweifel in Woche drei kosten mehr Punkte als jede Wissenslücke.

Entscheidungsbaum zur Frage antreten oder schieben, mit drei Ja-Nein-Fragen zu Pflichtfachstoff, Übungsklausuren und gesundheitlicher Belastbarkeit
Abb. 2: Drei Fragen, die die Entscheidung zwischen Antreten und Schieben klären.

Die letzten Wochen vor dem Examen: Prioritäten statt Vollständigkeit

Vollständigkeit ist in den letzten Wochen vor dem Examen ein Irrweg. Der Pflichtfachstoff umfasst in jedem Bundesland mehrere große Rechtsgebiete mit zahllosen Teilbereichen, und niemand hat ihn zu hundert Prozent präsent, auch keine Elfpunkte-Kandidatin. Deine Aufgabe ist Auswahl. Du entscheidest bewusst, was du sicherst und was du fallen lässt.

Welche Themen im Examen wirklich wiederkehren

Examensklausuren rekombinieren einen überschaubaren Kern. Im Zivilrecht sind das Kaufrecht mit Gewährleistung, Leistungsstörungen, Bereicherungs- und Deliktsrecht, Stellvertretung sowie die Grundzüge des Sachenrechts. Im Strafrecht dominieren Tötungs- und Körperverletzungsdelikte, Eigentums- und Vermögensdelikte, Versuch, Irrtümer und Täterschaft. Im Öffentlichen Recht sind es Grundrechte, Verwaltungsakt und Klagearten. Wer diese Blöcke sicher beherrscht, schreibt in fast jeder Klausur mit.

Die Randgebiete sind der klassische Zeitfresser. Handelsrecht, Erbrecht in der Tiefe, exotische Nebenstrafgesetze: Sie kommen vor, aber selten und meist nur als Nebenschauplatz. Wer sie in der Restzeit lernt, opfert dafür Zeit an den Themen, die in jeder zweiten Klausur auftauchen.

Was du in dieser Phase bewusst streichst

Streichen fällt schwer. Jedes gestrichene Thema fühlt sich wie ein Risiko an. Tatsächlich ist es das Gegenteil: Jede Stunde, die du in ein Randthema steckst, fehlt beim Kern. Streich in dieser Phase alles, was du noch nie gehört hast, jeden Streitstand, der über die zwei gängigen Ansichten hinausgeht, und jedes Lehrbuch, das du neu anfangen müsstest.

Ein Test hilft beim Aussortieren: Kannst du das Thema in zwei Minuten frei skizzieren? Wenn ja, gehört es in die Wiederholung. Wenn du gar nichts sagen kannst, lass es liegen. Halbwissen kostet in der Klausur mehr Zeit, als es Punkte bringt, weil es dich zu falschen Weichenstellungen verführt.

Tipp

Wenig Zeit vor der Klausur? Die Kompakttexte auf jurahilfe.de bündeln den Stoff und verlinken Definitionen und Begleitwissen direkt im Text. Kein Blättern, kein doppeltes Lernen, und du siehst sofort, ob ein Thema noch sitzt.

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Der Filter: Häufigkeit vor Vollständigkeit

Sortier deine Themenliste nach zwei Kriterien: Wie oft kommt das Thema in Examensklausuren vor, und wie weit bist du davon entfernt, es abrufen zu können. Was häufig vorkommt und nah dran ist, kommt zuerst. Was häufig vorkommt und weit weg ist, bekommt einen Grunddurchgang mit Aufbau und Definitionen. Was selten vorkommt, fliegt raus, unabhängig davon, wie reizvoll das Thema wirkt.

Die Häufigkeit schätzt du nicht, du liest sie ab: Examensreporte deines Bundeslandes, die Themen deiner eigenen Übungsklausuren und die Schwerpunkte der letzten Jahrgänge. Diese Zuordnung ist in einer Stunde gemacht und ordnet die restlichen vier Wochen.

Matrix mit vier Feldern zur Themenauswahl vor dem Examen: kurz auffrischen, Grundgerüst sichern, liegen lassen, streichen, sortiert nach Häufigkeit im Examen und eigener Abrufbarkeit
Abb. 3: Themen nach Examenshäufigkeit und eigener Abrufbarkeit einsortieren.

Warum die Klausur jetzt dein wichtigstes Lernmittel ist

Wenn du aus diesem Artikel nur eine Sache mitnimmst: Schreib Klausuren. Unter Zeit, von der ersten Woche an. In den letzten Wochen ist die Klausur zugleich Diagnose, Training und Wiederholung, und sie ist die einzige Übung, die genau das misst, was am Prüfungstag verlangt wird.

Was Übungsklausuren in der Examensvorbereitung bringen

Eine Übungsklausur zwingt dich zu dem, was die Klausur verlangt: Sachverhalt erfassen, Anspruchsgrundlage finden, Schwerpunkte setzen, unter Zeitdruck schreiben. Genau daran scheitern viele, die den Stoff eigentlich können. Warum verstandenes Wissen in der Prüfung trotzdem nicht ankommt, ist im Artikel Jura-Klausuren scheitern trotz Wissen ausführlich beschrieben.

Plan zwei bis drei Klausuren pro Woche ein, jeweils volle fünf Stunden, ohne Unterbrechung, ohne Handy, möglichst nicht am Schreibtisch zu Hause. Das Umfeld gehört zum Training. Der Prüfungssaal ist dir am Termin nicht vertraut, das eigene Zimmer schon, und wer nur dort schreibt, wird auswärts nervös. Zwei Klausuren pro Woche plus Nachbereitung füllen einen Lerntag komplett, und das ist gut investiert.

Wie du eine Übungsklausur ohne Korrektor auswertest

Externe Korrekturen dauern zu lange. Wertest du selbst aus, gehst du in dieser Reihenfolge vor: Erst vergleichst du deine Gliederung mit der Musterlösung, dann die Weichenstellungen, erst zuletzt die Formulierungen. Die meisten Punkte gehen beim Aufbau verloren, nicht beim Stil.

Schreib nach jeder Klausur drei Zeilen auf: Was habe ich übersehen, wo habe ich zu lange gebraucht, welches Wissen hat gefehlt. Nach fünf Klausuren hast du eine Fehlerliste, die zuverlässiger ist als jedes Gefühl. Genau diese Liste bestimmt, was du in der Woche danach wiederholst.

Punkte holen, wo sie liegen: Aufbau, Schwerpunkt, Zeit

Punkte liegen in der Examensklausur an drei Stellen: im Aufbau, in der Schwerpunktsetzung und darin, dass du fertig wirst. Ein vollständiges, juristisch stimmig aufgebautes Gutachten mit mittelmäßiger Argumentation schlägt ein brillantes Fragment. Wer bei Minute 240 noch im ersten Anspruch steckt, verliert Punkte, die inhaltlich längst verdient wären.

Praktisch heißt das: Setz dir Zeitmarken. Nach spätestens zwei Stunden steht die Lösungsskizze, die letzte halbe Stunde gehört dem Durchlesen. Unproblematische Punkte fasst du im Feststellungsstil knapp zusammen, den ausführlichen Gutachtenstil hebst du dir für die echten Probleme auf. Der Urteilsstil gehört ins zweite Examen, in der Gutachtenklausur kostet er Punkte. Diese Technik lässt sich in vier Wochen tatsächlich noch verbessern, anders als Detailwissen.

Tipp

Hunderte kleine Sachverhalte trainieren die Sachverhaltsarbeit effizienter als ein klassisches Fallbuch. Im Falltraining von jurahilfe.de arbeitest du dich mit Multiple-Choice-Aufgaben durch die examensrelevanten Fälle und schließt mit einem Abschlusstest samt errechneter Note ab. So siehst du schwarz auf weiß, wo du stehst.

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Der Wochenplan für den Endspurt in Jura

Ein Plan für vier Wochen muss grob sein, sonst hältst du ihn nicht durch. Zwei Bausteine bestimmen ihn: Klausuren unter Zeit und aktives Wiederholen der Kernthemen. Alles Weitere ergibt sich aus den Fehlern, die dabei auffallen. Optimal sind sechs bis acht Stunden am Tag, ein freier Tag pro Woche und genügend Puffer für Nachbereitung. Wer zwölf Stunden plant, sitzt am Ende zwölf Stunden am Schreibtisch und lernt in acht davon nichts.

Woche 1 und 2: aktiv wiederholen statt neu lernen

In den ersten beiden Wochen gehst du die Kernthemen durch, aber im Abrufmodus. Konkret: Du liest eine Überschrift, sagst laut oder schriftlich alles, was du dazu weißt, und gleichst erst danach mit dem Skript ab. Was fehlt, wandert auf eine Karteikarte oder in eine kurze Zusammenfassung. Wer mit einem Wiederholungssystem arbeitet, bekommt diese Karten automatisch im richtigen Abstand zurück. Dieses Vorgehen ist unangenehmer als Lesen und deshalb wirksamer.

Parallel laufen zwei Klausuren pro Woche. Der Rhythmus: montags und donnerstags schreiben, dienstags und freitags nachbereiten, an den übrigen Tagen wiederholen. So kommst du in zwei Wochen durch die großen Blöcke im Zivilrecht, Strafrecht und Öffentlichen Recht, ohne Vollständigkeit zu simulieren. Wie sich ein solcher Rhythmus konkret aufsetzen lässt, zeigt der Leitfaden zum Jura-Lernplan erstellen.

Woche 3: die Klausurwoche

Woche drei ist die Belastungsprobe. Drei Klausuren, an drei aufeinanderfolgenden Tagen, wie im echten Prüfungsdurchgang. Das trainiert etwas, das keine einzelne Klausur trainiert: die Erholung zwischen den Terminen. Viele Examenskandidaten sind nach der zweiten Klausur erschöpft und schreiben die dritte deutlich schwächer, obwohl das Wissen da wäre.

Die restlichen Tage der Woche gehören der Fehlerliste aus den ersten beiden Wochen. Kein neues Thema mehr, nur die eigenen Lücken. Wenn dabei ein ganzes Rechtsgebiet als hoffnungslos auffällt, sicherst du dort das Grundgerüst: Aufbau, Definitionen, die zwei wichtigsten Streitfragen. Mehr braucht es nicht, um in einer Klausur nicht bei null zu stehen.

Woche 4: runterfahren und stabilisieren

Die letzte Woche ist keine Lernwoche. Sie ist Regeneration. Du reduzierst das Pensum auf etwa vier Stunden am Tag, wiederholst nur noch eigene Zusammenfassungen und Karteikarten und schreibst keine volle Klausur mehr. Ziel ist, ausgeruht und mit präsentem Wissen anzutreten, nicht mit maximalem Stoffumfang und leerem Tank.

Konkret: Aufbauschemata durchgehen, Definitionen abrufen, Tagesrhythmus auf die Prüfungszeiten umstellen. Wer um 9 Uhr schreibt, sollte in der letzten Woche nicht bis 2 Uhr nachts lernen. Der Körper braucht ein paar Tage, um sich umzustellen.

WocheSchwerpunktKlausurenPensum
Woche 1Kernthemen abrufen, Lücken notieren26 bis 8 Stunden
Woche 2Kernthemen abrufen, Fehler nacharbeiten26 bis 8 Stunden
Woche 3Belastungstest, eigene Fehlerliste3 in Folge6 bis 8 Stunden
Woche 4Eigene Zusammenfassungen, Schemata, Schlaf0rund 4 Stunden

Tipp

Über die letzten Wochen hältst du eine große Stoffmenge gleichzeitig präsent. Dafür gibt es auf jurahilfe.de ein Spaced-Repetition-System: Es plant deine Wiederholungen über alle Rechtsgebiete hinweg, damit das Zivilrecht nicht wieder verschwindet, während du Strafrecht wiederholst.

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Fehler, die Examenskandidaten in der heißen Phase machen

Die typischen Fehler der Schlussphase sind gut dokumentiert, und sie wirken beim Machen alle vernünftig. Genau deshalb lohnt es, sie einmal ausgeschrieben zu lesen.

Neuen Stoff anfangen

Vier Wochen vorher ein neues Rechtsgebiet zu beginnen fühlt sich produktiv an. Es ist der teuerste Fehler der Schlussphase. Frisch Gelerntes verblasst ohne Wiederholung schon in den ersten Tagen deutlich, und die Zeit fehlt anschließend beim Kern. Wer in den letzten 2 Wochen noch ein neues Rechtsgebiet aufreißt, hat am Prüfungstag beides nicht parat. Wenn ein Gebiet wirklich leer ist, lernst du das Grundgerüst und nicht das Gebiet.

Nachtschichten und Schlafentzug

Schlaf ist keine verlorene Lernzeit. Während des Schlafs werden Gedächtnisinhalte konsolidiert, und Schlafmangel trifft genau die Funktionen, die eine Examensklausur verlangt: Konzentration über fünf Stunden, Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle beim Zeitmanagement. Wer in Woche vier drei Nächte durchmacht, schreibt am Prüfungstag schlechter, egal wie viel er in diesen Nächten gelesen hat. Praktische Hebel für die Konzentration am Tag stehen im Artikel Konzentration steigern beim Jura-Lernen.

Passiv lesen statt aktiv abrufen

Markieren, mitschreiben, Skript noch einmal durchlesen: Das fühlt sich nach Fortschritt an und erzeugt vor allem ein Vertrautheitsgefühl. In der Klausur zählt allein der Abruf. Deshalb gilt in der Restzeit: erst selbst produzieren, dann nachschlagen. Wie schnell Gelesenes ohne aktives Wiederholen verschwindet, zeigt der Artikel zur Vergessenskurve nach Ebbinghaus.

Klausuren bis zum Schluss aufschieben

Viele verschieben die erste Übungsklausur, bis sie sich bereit fühlen. Dieser Zeitpunkt kommt nie. Wer erst in Woche vier anfängt, unter Zeit zu schreiben, hat keine Gelegenheit mehr, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Die erste Klausur gehört in Woche eins, so unangenehm das Ergebnis auch ausfällt.

Sich mit anderen vergleichen

In der Lerngruppe erzählt jemand, er habe den Stoff dreimal durch. Das mag stimmen oder auch nicht. Es ändert nichts an deiner Ausgangslage und kostet nur Energie. Eine Lerngruppe ist in dieser Phase trotzdem sinnvoll, wenn sie einen klaren Zweck hat: gemeinsam Klausuren besprechen, sich gegenseitig abfragen, Aufbauschemata durchgehen. Als Austausch über Lernstände taugt sie jetzt nicht mehr.

Gegenüberstellung von fünf häufigen Fehlern im Examens-Endspurt und der jeweils besseren Alternative, etwa Grundgerüst sichern statt neues Rechtsgebiet anfangen
Abb. 4: Die fünf häufigsten Fehler im Endspurt und die bessere Alternative.

Mental durchhalten: Gesundheit im Examens-Endspurt

Die letzten Wochen sind mental die härtesten des ganzen Studiums. Der Druck ist hoch, die Zeit knapp, und das Gefühl, zu wenig zu können, gehört zur Examensvorbereitung dazu. Es hilft zu wissen, dass fast alle Examenskandidaten diesen Zustand kennen, auch die, die später zweistellig abschneiden. Formal noch studierend, praktisch im Vollzeit-Lernmodus: Diese Doppelrolle zehrt zusätzlich.

Schlaf ist Lernzeit, keine verlorene Zeit

Sieben bis acht Stunden Schlaf gehören in dieser Phase zur Vorbereitung. Dazu kommen Bewegung und feste Mahlzeiten, weil körperlich stabile Tage die Grundlage für konzentriertes Arbeiten sind. Wer sich zwischendurch bewusst entspannen kann, bleibt über vier Wochen motiviert. Wer es nicht kann, ist in Woche drei erschöpft, und dann hilft auch Disziplin nicht mehr weiter.

Wenn Panik und Prüfungsangst dazwischenkommen

Kurzfristige Panikschübe sind normal. Besonders nach einer schlecht gelaufenen Übungsklausur. Kritisch wird es, wenn Stress dauerhaft die Arbeitsfähigkeit blockiert: wenn du tagelang nicht anfangen kannst, nicht schläfst oder in der Klausur den Faden komplett verlierst. Für diese Fälle gibt es eigene Strategien, beschrieben im Artikel zu Prüfungsstress im Jurastudium und im Text zur Lernblockade in Jura, der auch den Blackout in der Prüfung behandelt.

Für die mündliche Prüfung einige Monate später gilt Ähnliches, dort mit anderem Schwerpunkt: Lampenfieber in der mündlichen Prüfung lässt sich gezielt trainieren.

Wann du dir Hilfe holst

Es gibt einen Punkt, an dem Selbstorganisation nicht mehr reicht. Wenn du über mehr als zwei Wochen nicht schlafen kannst, dich sozial vollständig zurückziehst oder Gedanken hast, dir etwas anzutun, ist das kein Mangel an Disziplin. Die psychosozialen Beratungsstellen der Studierendenwerke beraten kostenlos und kurzfristig, die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 1110111 erreichbar, und über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefon 116117) bekommst du eine psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt. Wenn es wirklich nicht mehr geht, kommen diese Angebote vor jedem Lernplan.

Vorbereitung auf die letzte Woche und den Klausurtag

Auf den letzten Metern entscheidet die Organisation mehr als der Stoff. Was jetzt noch schiefgeht, geht meist nicht am Wissen schief.

Die letzten sieben Tage

In den letzten sieben Tagen gehst du nur noch eigenes Material durch: deine Zusammenfassungen, deine Karteikarten, deine Aufbauschemata. Fremde Skripte lenken jetzt ab, weil sie anders sortiert sind als dein Kopf. Kläre daneben die Formalien: Ladung, Prüfungsort, Anfahrt, zugelassene Hilfsmittel und ob deine Gesetzestexte den Anforderungen entsprechen. Ein nicht zugelassener Kommentar am Prüfungstag ist ein vermeidbares Drama.

Der Abend vor der ersten Klausur

Am Abend vor der ersten Klausur wird nicht mehr gelernt. Kurz vorher noch etwas Neues aufzunehmen bringt fast nichts und kostet Schlaf. Pack die Tasche, stell zwei Wecker, iss normal, geh früh ins Bett. Wenn du unbedingt etwas tun willst, geh eine einzige Übersicht durch, maximal zwanzig Minuten, und leg sie dann weg.

Zwischen den Klausuren durchhalten

Je nach Bundesland schreibst du fünf bis acht Aufsichtsarbeiten, jede davon fünf Stunden, verteilt über ein bis zwei Wochen mit Pausentagen dazwischen. Diese Tage sind kein Bonus. Sie gehören zur Hälfte der Erholung und zur Hälfte dem Aufbauschema des nächsten Rechtsgebiets. Was du in der letzten Klausur falsch gemacht hast, spielt keine Rolle mehr. Die Klausur ist abgegeben, unabhängig davon, wie sie sich angefühlt hat. Erfahrungsgemäß ist das Gefühl direkt nach einer Examensklausur ein schlechter Indikator für die Note.

Fällt die erste Klausur schlecht aus, ändert das nichts am Rest: Jede Klausur wird einzeln bewertet, und ein einzelner Ausrutscher lässt sich meist ausgleichen. Grenzen gibt es trotzdem. Wer den geforderten Gesamtdurchschnitt verfehlt oder zu viele Arbeiten im mangelhaften Bereich schreibt, wird nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen; die genauen Schwellen stehen in der Prüfungsordnung deines Landes. Wie groß der Spielraum tatsächlich ist, zeigen die Zahlen zur Durchfallquote im juristischen Staatsexamen.

Fazit: vier Wochen sind wenig, aber nicht nichts

Vier Wochen reichen nicht, um ein Examen von Grund auf vorzubereiten. Sie reichen aus, um vorhandenes Wissen abrufbar zu machen, die Klausurtechnik zu schärfen und ausgeruht anzutreten. Diese drei Dinge bewegen die Note zuverlässiger als jedes zusätzlich gelesene Skript. Die wichtigste Regel dieser vier Wochen lautet deshalb: wenige Themen, oft wiederholt, konsequent am Fall geübt, etwa mit den Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de, die genau diese Abrufsituation trainieren.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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  • juristische Didaktik
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