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Jura Fallbuch: Welche Fallbücher brauchst du im Jurastudium?

Student schreibt am Bibliothekstisch eine Gliederung von Hand, daneben liegt ein geschlossenes Fallbuch

Ein Fallbuch löst das Problem nicht, für das die meisten es kaufen. Wer den Stoff noch nicht sitzen hat, kommt beim ersten Fall drei Zeilen weit und liest dann die Musterlösung. In der Klausur ist sie weg.

Ein Fallbuch ist eine Sammlung juristischer Übungsfälle mit ausgearbeiteter Lösung, meist als Lösungsskizze plus ausformuliertes Gutachten. Im Jurastudium brauchst du davon weniger Bände, als der Buchhandel nahelegt. Eines pro großem Rechtsgebiet genügt, wenn du damit arbeitest statt darin zu lesen. Die gängigen Reihen kosten pro Band zwischen rund 16 und 33 Euro.

In der Klausur zahlt sich nur aus, was du vorher selbst durchgeschrieben hast. Dafür sind Fallbücher gebaut. Wer sie wie ein Lehrbuch liest, verschenkt sie.

Auf einen Blick:

  • Ein Fallbuch enthält Übungsfälle mit Lösungsskizze und ausformuliertem Gutachten, sortiert nach Rechtsgebiet und Schwierigkeit.
  • Für den Einstieg taugen die kleinschrittigen Reihen: „Lernen mit Fällen" von Winfried Schwabe (Boorberg) und im Strafrecht der „Klausurenkurs" von Beulke (C.F. Müller).
  • Für Klausurnähe sind „Die Fälle" von Rumpf-Rometsch (mit Formulierungsvorschlägen) und die hemmer-Bände „Die wichtigsten Fälle" gedacht.
  • Kostenlos und trotzdem gut: die Hauptstadtfälle der FU Berlin, die Saarheimer Fälle und die Fallbücher von openRewi unter freier Lizenz.
  • Die Arbeitsregel: mindestens 30 Minuten selbst schreiben, erst danach die Lösung aufschlagen. Ohne diesen Schritt bringt das Buch fast nichts.

Tipp

Fälle lösen setzt Wissen voraus, das abrufbar ist. Auf jurahilfe.de baust du genau das auf: interaktive Skripten zum Verstehen, Karteikarten im Wiederholungssystem zum Festigen und Multiple-Choice-Aufgaben, um den Stoff am kurzen Sachverhalt zu testen.

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Was ist ein Fallbuch im Jurastudium?

Ein Fallbuch ist eine nach Rechtsgebieten geordnete Fallsammlung, in der jeder Sachverhalt eine vollständige juristische Lösung bekommt. Am dichtesten ist das Angebot im Privatrecht, weil dort die meisten Anfängerklausuren geschrieben werden. Die Fälle sind so gebaut, dass sie typische Klausurprobleme transportieren: eine Anfechtung hier, ein Vertretungsproblem dort, dazwischen die Standardfragen, die Prüfer seit Jahrzehnten stellen. Ein Fallbuch liefert dir also Anwendungen des Stoffs.

Prozessgrafik: Ein Fall im Fallbuch besteht aus Sachverhalt, Lösungsskizze mit der Gliederung und ausformuliertem Gutachten
Abb. 1: Jeder Fall im Fallbuch läuft in drei Teilen ab, der Vergleich mit der Lösungsskizze ist der eigentliche Lernschritt.

Fallbuch, Lehrbuch oder Skript: was wofür taugt

Die drei Buchtypen lösen verschiedene Aufgaben, und wer sie verwechselt, verliert Zeit. Ein Lehrbuch erklärt das System eines Rechtsgebiets von der Norm her, ein Skript verdichtet dasselbe auf Prüfungsstoff, ein Fallbuch trainiert die Anwendung am Sachverhalt. Übrigens: keiner der drei Typen ersetzt die beiden anderen.

TypStärkeSchwäche
LehrbuchSystemverständnis, Dogmatik, Streitstände im ZusammenhangUmfang, wenig Klausurbezug, kein Training
SkriptKompakter Prüfungsstoff, Schemata, schnelles WiederholenVerkürzt, erklärt selten das Warum
FallbuchAnwendung, Aufbau, Gutachtenstil am konkreten FallSetzt Vorwissen voraus, deckt den Stoff nur punktuell ab
Interaktives FalltrainingViele kurze Fälle, sofortiges Feedback, im BGB AT kostenlosKein Training für das ausformulierte Gutachten

Praktisch heißt das: erst verstehen, dann anwenden. Wer im dritten Semester das Sachenrecht zum ersten Mal sieht, holt sich Grundlagen aus Skript oder Vorlesung und greift danach zum Fallbuch. Wie sich die gängigen Jura-Skripten unterscheiden, steht in einem eigenen Vergleich.

Der Aufbau: Sachverhalt, Lösungsskizzen und ausformuliertes Gutachten

Fast alle Reihen folgen demselben Dreischritt. Zuerst kommt der Sachverhalt, oft eine halbe bis eine Seite. Dann folgt die Lösungsskizze, also die Gliederung mit Anspruchsgrundlage, Prüfungspunkten und den Stellen, an denen es problematisch wird. Zuletzt steht die ausformulierte Lösung im Gutachtenstil, bei manchen Reihen ergänzt um Formulierungsvorschläge für einzelne Passagen.

Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Die Skizze zeigt dir die Struktur, das Gutachten zeigt dir die Sprache. Beides brauchst du getrennt, weil ein Klausuraufbau auch dann falsch sein kann, wenn die Formulierungen schön sind. Wie eine belastbare Gliederung entsteht, zeigt der Beitrag zur Lösungsskizze in Jura.

Die wichtigsten Fälle: Reihen mit Lösungsskizzen und Formulierungsvorschlägen

Der Markt für juristische Fallbücher ist übersichtlicher, als er im Regal wirkt. Fünf bis sechs Reihen decken das gesamte Pflichtfachprogramm ab, der Rest sind Spezialbände für einzelne Rechtsgebiete. Die Unterschiede liegen weniger im Inhalt als in der Didaktik: Wie viel Weg zur Lösung wird mitgeliefert, wie klausurnah ist die Sprache, wie viel Vorwissen wird vorausgesetzt? Die letzte Zeile der Tabelle fällt aus dem Rahmen: Das interaktive Falltraining ist kein Buch, gehört beim Vergleich aber dazu, weil es dieselbe Aufgabe mit anderen Mitteln löst.

ReiheVerlagPassend fürBesonderheit
Lernen mit Fällen (Schwabe)BoorbergErstes bis viertes SemesterLösungsskizze und ausformuliertes Gutachten, dazu Klausurtechnik
Die Fälle (Rumpf-Rometsch)fall fallagGrundstudium bis ReferendariatFormulierungsvorschläge, Aufbau- und Problemfazit je Fall
Die wichtigsten Fälle (hemmer)hemmer/wüstAlle Semester, schneller ÜberblickViele kurze Fälle, Kommentierung der Klausurtechnik
Fälle (Alpmann Schmidt)Alpmann SchmidtGrund- und HauptstudiumUnproblematisches im Urteilsstil, Fokus auf Klausurprobleme
Juristische Fall-Lösungen (Fritzsche)C.H. BeckZivilrecht, GrundstudiumAusführliche Lösungen, eng an den Beck-Lehrbüchern
Klausurenkurs (Beulke)C.F. MüllerStrafrecht, Grundstudium bis ExamenFünf Schritte je Fall, von Vorüberlegung bis Vertiefung
Interaktives Falltrainingjurahilfe.deAlle Semester, ergänzendMultiple-Choice-Aufgaben mit Erläuterung, BGB AT dauerhaft kostenlos

Lernen mit Fällen von Winfried Schwabe

Die Reihe von Winfried Schwabe erscheint im Richard Boorberg Verlag und ist die kleinschrittigste der großen Reihen. Sie deckt BGB AT, Schuldrecht, Sachenrecht, Strafrecht sowie Staats- und Verwaltungsrecht ab. Zu jedem Fall gibt es die Lösungsskizze und zusätzlich das ausformulierte Gutachten, dazu Hinweise zur Klausurtechnik.

Für Erstsemester ist das der ruhigste Einstieg, weil Schwabe den Denkweg mitschreibt, statt bloß das Ergebnis zu präsentieren. Wer schon im Hauptstudium steht, empfindet dieselbe Ausführlichkeit schnell als zäh.

Fallbücher von Vahlen und C.H. Beck

Bei Vahlen gibt es das Lern- und Fallbuch als Mischform, etwa für den BGB Allgemeiner Teil von Bitter und Röder. Der erste Teil erklärt den Stoff abstrakt, der zweite vertieft ihn mit rund 67 ausformulierten Fällen, beide Teile sind über Querverweise verzahnt. Für Studierende, die Lehrbuch und Fallbuch nicht doppelt kaufen wollen, ist das eine sinnvolle Lösung.

C.H. Beck fährt zweigleisig. In der Reihe „Juristische Fall-Lösungen" schreibt Jörg Fritzsche die Fälle zum BGB Allgemeiner Teil und zum Schuldrecht, mit sehr ausführlichen Lösungen. Daneben steht „Prüfe dein Wissen" (PdW) mit Rechtsfällen in Frage-und-Antwort-Form: viele kurze Konstellationen statt vollständiger Klausuren, an denen du das Erkennen von Problemen trainierst.

Woran du Schwabe, Vahlen und Die Fälle unterscheidest

Die Trennlinie verläuft entlang der Frage, was das Buch dir abnimmt. Schwabe nimmt dir den Denkweg ab und erklärt ihn. Vahlen liefert Lehrstoff und Fall in einem Band. „Die Fälle" von Egbert Rumpf-Rometsch nimmt dir die Formulierung ab, indem es neben der Lösungsskizze konkrete Formulierungsvorschläge und ein Aufbau- und Problemfazit je Fall bringt.

Ich empfehle, danach auszuwählen, woran es gerade hakt. Wer die Struktur nicht findet, nimmt Schwabe oder Beulke. Wer die Struktur hat, aber im Gutachtenstil hängt, nimmt Rumpf-Rometsch. Wer schnell viele Probleme sehen will, nimmt hemmer.

Zuordnungsgrafik: Fehlende Struktur führt zu Schwabe und Beulke, Gutachtenstil zu Die Fälle, Tempo zum interaktiven Falltraining, kein Budget zum kostenlosen BGB AT
Abb. 2: Die passende Reihe hängt davon ab, woran es in der Klausur hakt, und ob du Geld ausgeben willst.

Tipp

Bevor du einen Fall aufschlägst, prüf kurz, ob die Definitionen sitzen. Mit den digitalen Karteikarten von jurahilfe.de siehst du in zehn Minuten, welche Begriffe du sicher abrufst und welche nicht.

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Fallbuch oder interaktives Falltraining für die Klausur?

Die Frage stellt sich falsch, wenn man sie als Entweder-oder liest. Ein gedrucktes Fallbuch trainiert die vollständige Bearbeitung einer Klausur, ein interaktives Falltraining trainiert die Menge und die Geschwindigkeit. Für die Klausur brauchst du beides, nur in unterschiedlichen Phasen. Wie sich kurze Multiple-Choice-Aufgaben und lange Fallbuch-Sachverhalte ergänzen, vertieft der Artikel zum Jura Quiz im Studium.

KriteriumGedrucktes FallbuchInteraktives Falltraining
Zeit pro Fall30 bis 90 Minuten1 bis 3 Minuten
TrainiertAufbau, Gutachtenstil, AusdauerProblemerkennung, Signalwörter, Tempo
FeedbackErst am Ende, durch SelbstvergleichSofort, mit Erläuterung
AktualitätAuflagenabhängigLaufend aktualisierbar
WiederholungManuell, meist gar nichtÜber das Wiederholungssystem geplant

Multiple-Choice-Aufgaben am kurzen Sachverhalt: Fallbearbeitung in Minuten

Multiple-Choice-Aufgaben am kurzen Sachverhalt sind der Gegenentwurf zur langen Klausur. Du bekommst drei bis fünf Zeilen Sachverhalt, musst das Problem erkennen und die richtige Einordnung wählen. Danach folgt die Erläuterung, warum die anderen Antworten falsch sind.

Der Nutzen liegt in der Menge. In einer halben Stunde arbeitest du 15 Konstellationen durch statt einer. Damit trainierst du genau das, woran Klausuren am häufigsten scheitern: das Erkennen des Problems im Sachverhalt. Wie ein digitales Angebot das mit Abschlusstest und Note verbindet, zeigt der Beitrag zum digitalen Fallbuch mit Lösung und Note.

Balkendiagramm: In einer Stunde schaffst du rund 25 Multiple-Choice-Aufgaben, aber nur einen Fall aus dem gedruckten Fallbuch
Abb. 4: Menge gegen Tiefe, gemessen in einer Stunde Lernzeit.

Wo der Gutachtenstil weiter Handarbeit bleibt

Kein Klickformat ersetzt das Ausformulieren. Der Gutachtenstil entsteht im Schreiben, und die Fähigkeit, unter Zeitdruck fünf Stunden lang geordnet zu gliedern, trainierst du nur an vollständigen Klausuren. Dafür sind gedruckte Fallbücher und die Klausurenkurse der Universität da.

Ehrlich gesagt ist das auch die Grenze jedes digitalen Angebots, unseres eingeschlossen. Übungsklausuren im Gutachtenstil schreibst du weiterhin selbst, am besten im Klausurenkurs mit Korrektur.

Was gedruckte Fälle nicht leisten: Aktualität und Feedback

Ein gedrucktes Fallbuch kennt den Stand seiner Auflage. Ändert sich eine Norm oder kippt der BGH eine Linie, steht die alte Lösung weiter im Buch. Bei schnelllebigen Gebieten wie dem Verbraucherrecht ist das ein echtes Risiko.

Der zweite Punkt ist das Feedback. Ein Buch sagt dir nicht, dass du bei der Anfechtung zum dritten Mal denselben Aufbaufehler machst. Ein System, das deine Antworten kennt, kann das.

Tipp

Wenn du zwischen zwei Klausuren nur 20 Minuten hast, lohnt kein ganzer Fall. Die Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de testen dein Wissen an kurzen Sachverhalten und erklären jede Antwort, mit Rückverlinkung in den Lernstoff.

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Fallbücher fürs Zivilrecht: BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht

Das Zivilrecht ist der Bereich mit der größten Auswahl, und das aus einem einfachen Grund: Hier beginnt fast jedes Studium, hier fallen die meisten Anfängerklausuren. Wer im bürgerlichen Recht ein Fallbuch sucht, entscheidet vor allem, wie viel Erklärung er neben der Lösung haben will.

Fälle zum Allgemeinen Teil des BGB

BGB steht für Bürgerliches Gesetzbuch, und sein Allgemeiner Teil liefert die Bausteine, mit denen jede spätere Zivilrechtsklausur arbeitet: Geschäftsfähigkeit, Willenserklärung, Zugang, Anfechtung, Stellvertretung. Fallbücher zum BGB AT sind deshalb die Grundlage für alles danach. Fritzsche bei C.H. Beck und Schwabe bei Boorberg decken denselben Stoff ab, Fritzsche etwas dogmatischer, Schwabe etwas geduldiger.

Gute Bände machen die Probleme des Allgemeinen Teils an typischen Fragestellungen aus dem Allgemeinen Teil sichtbar und liefern vollständige Lösungsskizzen zum jeweiligen Fall. Achte darauf, dass die Lösung den materiell-rechtlichen Weg zum Ergebnis zeigt und nicht bloß das Ergebnis; nur so wird der Stoff des Allgemeinen Teils des BGB verständlich. Typische Fälle drehen sich um den Minderjährigen im Kaufhaus, die verspätete Annahme, den Erklärungsirrtum und die Anscheinsvollmacht. Wer diese vier Konstellationen sicher aufbaut, besteht die meisten AT-Klausuren. Fürs BGB AT musst du dafür übrigens keinen Cent ausgeben: Auf jurahilfe.de ist der komplette Allgemeine Teil dauerhaft kostenlos, ohne Zeitlimit und ohne Zahlungsdaten, mit sechs Lernpfaden, rund 500 Karteikarten, Multiple-Choice-Falltraining und Abschlusstest. Welche Probleme dort regelmäßig geprüft werden, zeigt der Beitrag zur BGB-AT-Klausur mit Prüfungsschema und Meinungsstreits.

BGB AT und Schuldrecht: womit du im ersten Semester anfängst

Im ersten Semester brauchst du genau ein Fallbuch, nicht drei. Nimm das zum BGB AT, arbeite es bis zur Zwischenprüfung durch und ergänze erst danach das Schuldrecht. Der Grund ist banal: Ein Buch, in dem du 40 Fälle wirklich gelöst hast, bringt mehr als drei Bücher mit je fünf gelesenen Lösungen.

Zum Kombinieren eignen sich die hemmer-Bände, weil sie mit rund 16 Euro pro Band günstig sind und viele kurze Fälle bringen. Für den ersten geordneten Aufbau ist Schwabe die bessere Wahl. Und wer erst einmal gar nichts ausgeben will, arbeitet den Allgemeinen Teil kostenlos auf jurahilfe.de durch und kauft ein gedrucktes Fallbuch später, wenn er weiß, woran es hakt.

Tipp

Im ersten Semester brauchst du kein Budget für Fallbücher. Der komplette BGB AT ist auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos, von den Skripten über die Karteikarten bis zum Falltraining mit Abschlusstest.

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Der Prüfungsstoff des Allgemeinen Teils im Fallbuch

Ein gutes Fallbuch bildet den Prüfungsstoff des Allgemeinen Teils vollständig ab, ohne ihn abstrakt zu wiederholen. Prüf beim Kauf das Inhaltsverzeichnis auf vier Blöcke: Rechtsgeschäftslehre, Willensmängel, Stellvertretung, Verjährung und Fristen. Fehlt einer davon, ist das Buch eine Ergänzung, kein Hauptwerk.

Die Bände unterscheiden sich außerdem in der Fallzahl. „Die Fälle" zum BGB AT bringt in der aktuellen Auflage 60 Fälle für 24 Euro, die hemmer-Reihe arbeitet mit 76 kurzen Fällen im selben Gebiet. Mehr Fälle heißt vor allem kürzere Sachverhalte.

Vertragliche Schuldverhältnisse: Kaufrecht und Werkvertrag

Im Schuldrecht verschiebt sich der Schwerpunkt von der Rechtsgeschäftslehre zur Anspruchsprüfung. Die Klassiker im Kaufrecht sind Sachmangel, Nacherfüllung und Rücktritt, im Werkvertragsrecht kommen Abnahme und Mängelrechte dazu. Fallbücher zu den vertraglichen Schuldverhältnissen bauen deshalb fast immer auf § 433 BGB und den Folgeansprüchen auf.

Die Reihen trennen dabei zwischen Schuldrecht AT und Schuldrecht BT. Der erste Band nimmt sich die Probleme des allgemeinen Schuldrechts vor, also Leistungsstörung, Verzug und Rücktritt, der zweite die vertraglichen Schuldverhältnisse. Schwabe deckt beide Ebenen des allgemeinen und vertraglichen Rechts der Schuldverhältnisse ab: die Probleme des Schuldrechts und die vertraglichen Schuldverhältnisse stehen bei ihm in zwei Bänden, was die vertraglichen Schuldverhältnisse verständlich hält. Fritzsche hat zum Schuldrecht I einen eigenen Band. Wer die Störung der Geschäftsgrundlage und die Rücktrittsfolgen richtig prüfen kann, hat den Kern beisammen.

Gesetzliche Schuldverhältnisse und Sachenrecht im bürgerlichen Recht

Nach den vertraglichen kommen die gesetzlichen Schuldverhältnisse, und mit ihnen der Teil des bürgerlichen Rechts, an dem in Klausuren die meisten Punkte liegen bleiben. Deliktsrecht, Bereicherungsrecht und das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis greifen ineinander, und diese Verzahnung macht Fallbücher hier wertvoll.

Deliktsrecht, Bereicherungsrecht und das EBV

Im Deliktsrecht dreht sich fast alles um § 823 BGB, im Bereicherungsrecht um die Abgrenzung von Leistungs- und Nichtleistungskondiktion. Das EBV verbindet beides mit dem Sachenrecht, und das Bürgerliche Gesetzbuch regelt die Ansprüche eines gesetzlichen Schuldverhältnisses an drei weit auseinanderliegenden Stellen. Eine typische Examensklausur schaltet die drei hintereinander, statt sie einzeln zu prüfen.

Deshalb lohnt hier ein Fallbuch, das ganze Anspruchsketten durchspielt statt Einzelprobleme. Beim Vergleich der Reihen ist das ein gutes Auswahlkriterium: Enthält der Band Fälle mit mehreren Anspruchsgrundlagen hintereinander?

Sachenrecht: Eigentum, Besitz und Sicherungsrechte

Sachenrecht ist das Gebiet, in dem Fallbücher am meisten helfen, weil der Stoff abstrakt bleibt, solange man ihn nur liest. Übereignung nach § 929 BGB, Sicherungsübereignung, Anwartschaftsrecht und gutgläubiger Erwerb ergeben erst am Fall ein Bild. Schlag kurz § 929 BGB auf, dann siehst du, wie wenig der Wortlaut über die Klausurprobleme verrät.

Schwabe und Alpmann Schmidt haben eigene Sachenrechtsbände, „Die Fälle" ebenfalls. Für den Einstieg reicht einer davon, für das Examen kommen die Fälle aus dem Klausurenkurs dazu.

Tipp

Anspruchsketten im Sachenrecht scheitern meist am fehlenden Vorwissen an einer einzigen Stelle. Auf jurahilfe.de sind alle Rechtsbegriffe verlinkt, du holst dir Definition und Streitstand per Klick direkt im Text und bist sofort wieder im Fall.

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Fallbücher fürs Strafrecht: AT und BT

Im Strafrecht ist die Lage übersichtlich. Die Referenz ist der „Klausurenkurs im Strafrecht" von Werner Beulke bei C.F. Müller, inzwischen zusammen mit Till Zimmermann. Band I trägt den Untertitel „Ein Fall- und Repetitionsbuch für das Grundstudium" und kostet rund 25 Euro. Jeder Fall läuft in fünf Schritten ab: Sachverhalt, Vorüberlegungen, Grobgliederung, Musterlösung, Vertiefungshinweise.

Diese fünf Schritte sind der eigentliche Wert des Buchs, weil sie zeigen, wie man vom Sachverhalt zur Gliederung kommt. Wie du dir die Reihenfolge im Strafrecht insgesamt aufbaust, steht im Beitrag Strafrecht lernen in fünf Schritten.

Strafrecht Allgemeiner Teil: Vorsatz, Irrtum und Versuch

Der Strafrecht Allgemeiner Teil ist Klausurtechnik in Reinform. Vorsatz und Irrtümer, Versuch und Rücktritt, Täterschaft und Teilnahme, dazu die Rechtfertigungsgründe. Hier entscheidet der Aufbau über die Note, weil die Probleme an festen Stellen im Schema sitzen.

hemmer bringt dazu die 34 wichtigsten Fälle, Alpmann Schmidt einen eigenen Band, Schwabe ebenfalls. Wer den Erlaubnistatbestandsirrtum richtig verortet, hat einen der häufigsten Prüfungspunkte im Griff.

Strafrecht BT: Diebstahl, Betrug und Körperverletzung

Im Strafrecht BT teilt sich der Stoff in Vermögensdelikte und Nichtvermögensdelikte. Diebstahl und Betrug sind die beiden großen Klausurbringer, dazu kommen Raub, Erpressung und Untreue. Bei den Nichtvermögensdelikten stehen Körperverletzung, Nötigung und Tötungsdelikte im Vordergrund.

Für den BT lohnen sich Bände mit vielen kurzen Fällen, weil die Deliktsvielfalt größer ist als die Zahl der Aufbauprobleme. Ein Band mit 30 kurzen Fällen deckt mehr Prüfungsstoff ab als zehn ausformulierte Examensklausuren.

Wie Strafrecht Allgemeiner Teil und Strafrecht BT zusammenspielen

In der Klausur trennt niemand AT und BT. Du prüfst einen Tatbestand aus dem BT und wendest dabei die gesamte AT-Dogmatik an: Vorsatz, Irrtum, Versuch, Beteiligung. Ein Fallbuch, das nur den BT abbildet, führt deshalb leicht in die Irre.

Praktisch heißt das: AT zuerst, BT danach, und beim BT-Training den AT bewusst mitprüfen. Der Klausurenkurs von Beulke macht das vor, weil seine Fälle beide Ebenen verschränken.

Fallbücher im öffentlichen Recht

Im öffentlichen Recht ist die Zahl gedruckter Fallbücher kleiner, dafür ist das kostenlose Angebot im Netz hier am besten. Das liegt an den Lehrstühlen, die ihre Fallsammlungen seit Jahren frei veröffentlichen.

Staatsrecht und Verwaltungsrecht

Im Staatsrecht drehen sich die Fälle um Grundrechte und Staatsorganisationsrecht, in der Regel eingekleidet in eine Verfassungsbeschwerde. Die Bände nehmen sich die Themen und Probleme der Grundrechte vor und arbeiten die materiell-rechtlichen Fragestellungen der Freiheits- und der Justizgrundrechte sowie die Gleichheitssätze und die Justizgrundrechte am Fall ab; wer die Probleme der Grundrechte verständlich aufbereitet sucht, findet dort den direktesten Zugang. Zulässigkeit und Begründetheit sind streng schematisch, deshalb sind Fallbücher hier besonders wirksam. Schwabe hat Bände zum Staatsrecht, Alpmann Schmidt zum öffentlichen Recht insgesamt.

Im Verwaltungsrecht kommt die Klagearten-Prüfung dazu: Anfechtungsklage, Verpflichtungsklage, einstweiliger Rechtsschutz. Wer die Freiheitsgrundrechte und die Justizgrundrechte im Prüfungsaufbau auseinanderhalten kann, kommt in beiden Bereichen weit.

Kostenlose Fallsammlungen: Hauptstadtfälle, Saarheimer Fälle, openRewi

Drei frei zugängliche Sammlungen halten dem Vergleich mit gedruckten Büchern stand. Die Hauptstadtfälle des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin decken Staats-, Verwaltungs- und Europarecht ab und spielen bewusst in Berlin, mit echtem Landesrecht. Die Saarheimer Fälle, entstanden an der Universität des Saarlandes und heute in Speyer betreut, versammeln über 100 Fälle in der fiktiven Stadt Saarheim, teils mit nachgebauten Bescheiden.

Dazu kommt openRewi, ein Gemeinschaftsprojekt, dessen Fallbücher unter der freien Lizenz CC BY-SA 4.0 stehen. Du darfst die Fälle lesen und weiterverwenden. Weitere kostenlose Quellen sammelt der Beitrag zum kostenlosen Jura-Lernen mit gratis Skripten und Fällen.

Wie du mit einem Fallbuch richtig arbeitest

Ein Fallbuch wirkt nur, wenn du mehr Zeit mit dem Stift als mit dem Buch verbringst. Die Faustregel lautet: mindestens 30 Minuten eigene Bearbeitung pro Fall, bevor du die Lösung aufschlägst. Wer diesen Schritt überspringt, liest juristische Prosa und hält das für Lernen.

Erst selbst lösen, dann die Lösungsskizzen lesen

Nimm den Sachverhalt, deck die Lösung ab und schreib eine eigene Gliederung. Fünf Minuten Sachverhaltsanalyse, dann die Anspruchsgrundlagen sammeln, dann die Prüfungsreihenfolge festlegen. Erst danach vergleichst du mit den Lösungsskizzen im Buch, Punkt für Punkt.

Der Vergleich ist die eigentliche Lernarbeit. Entscheidend ist, an welcher Stelle deine Gliederung von der Musterlösung abweicht. Dort sitzt die Lücke. Wer regelmäßig Wissen hat, aber in der Klausur trotzdem scheitert, findet die Ursachen im Beitrag Jura-Klausuren scheitern trotz Wissen.

Zeitstrahl: Eine Stunde am Fall, davon 30 Minuten eigene Gliederung, bevor die Lösungsskizze aufgeschlagen wird
Abb. 3: Eine Stunde am Fall, aufgeteilt nach eigener Bearbeitung und Vergleich.

Gutachtenstil üben: juristisch formulieren statt nachlesen

Der Gutachtenstil kommt nicht vom Lesen. Er kommt vom Schreiben, und zwar von Hand, unter Zeitdruck, mit allen vier Schritten: Obersatz, Definition, Subsumtion, Ergebnis. Formuliere pro Fall mindestens einen Prüfungspunkt vollständig aus, statt es bei der Skizze zu belassen.

Reihen mit Formulierungsvorschlägen helfen hier, weil sie dir zeigen, wie ein Prüfer die Passage erwartet. Wer juristisch korrekt formulieren will, braucht diese Vorlagen anfangs. Wie die vier Schritte im Detail funktionieren, zeigt der Beitrag zum perfekten Subsumieren mit Definition und Beispielen.

Typische Fehler bei der Fallbearbeitung

Vier Fehler tauchen bei der Fallbearbeitung immer wieder auf, und alle vier kosten Punkte, nicht Verständnis.

  • Zu früh in die Lösung schauen. Nach zehn Minuten Ratlosigkeit fühlt sich das Aufschlagen richtig an. Es ist der Moment, in dem der Lerneffekt endet.
  • Nur skizzieren, nie ausformulieren. Die Gliederung sitzt dann, die Sprache nicht. In der Klausur fehlt sie.
  • Den Sachverhalt überfliegen. Fallbuchsachverhalte sind gebaut, fast jedes Detail hat eine Funktion. Wer Daten und Fristen überliest, prüft am Problem vorbei.
  • Fälle sammeln statt wiederholen. Ein gelöster Fall, den du nach vier Wochen nicht mehr aufbauen kannst, war eine Fingerübung.

Das Grundgerüst, mit dem du jeden Sachverhalt angehst, steht im Beitrag Wer will was von wem woraus.

Fallbücher im Grundstudium und im Examen

Der Bedarf verschiebt sich über das Studium. Im Grundstudium suchst du Anleitung, im Examen suchst du Prüfungsnähe. Dieselbe Reihe kann in der einen Phase ideal und in der anderen unbrauchbar sein.

Grundstudium: womit der Einstieg leichter fällt

Im Grundstudium gewinnen die Bücher, die den Weg zur Lösung erklären. Beulke Band I trägt das sogar im Untertitel, Schwabe macht es über die doppelte Darstellung aus Skizze und Gutachten. Auch die Mischformen taugen hier: der Jura Intensiv Verlag bündelt Skript und Fallbuch in einem Band, Vahlen kombiniert Lehrtext und Fälle.

Zwei Bände pro Semester sind genug. Wer mehr kauft, arbeitet weniger. Für die Zwischenprüfung reichen ein Zivilrechts- und ein Strafrechtsband, ergänzt um die kostenlosen Fallsammlungen im öffentlichen Recht.

Examen: Fälle in Prüfungsnähe lösen

Examenskandidatinnen und -kandidaten brauchen etwas anderes: lange Sachverhalte, verschränkte Rechtsgebiete, die examensrelevanten Probleme in der Dichte, in der sie geprüft werden. Hier sind die Klausurenkurse der Repetitorien und die Examensbände der großen Reihen die richtige Wahl, gedruckt wie im Kurs. Examenskandidaten greifen deshalb seltener zu Anfängerbänden.

Ob du daneben eine Klausur oder Hausarbeit schreibst, ändert am Fallbuch-Training wenig. Für die mündliche Prüfung dreht sich das Verhältnis allerdings: Dort zählt das schnelle Erkennen und Benennen von Problemen mehr als das ausformulierte Gutachten, und dafür sind kurze Fälle und Frage-Antwort-Formate wie PdW nützlicher als ein 20-seitiger Sachverhalt.

Tipp

In der Examensvorbereitung musst du den Stoff aller Rechtsgebiete gleichzeitig präsent halten. Das Wiederholungssystem nach dem Spaced-Repetition-Prinzip plant deine Wiederholungen so, dass nichts verschwindet, während du Neues lernst.

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Fazit: Welches Fallbuch in Jura wirklich hilft

Ein Fallbuch pro großem Rechtsgebiet, ausgewählt nach der Stelle, an der es bei dir hakt: Schwabe oder Beulke, wenn dir die Struktur fehlt, Rumpf-Rometsch, wenn dir die Formulierung fehlt, hemmer, wenn du schnell viele Probleme sehen willst. Im öffentlichen Recht kannst du mit den Hauptstadtfällen und den Saarheimer Fällen kostenlos starten und siehst erst danach, ob du überhaupt ein gedrucktes Buch brauchst.

Der teuerste Fehler ist ein Regal voller Fallbücher, in denen du nur gelesen hast. In Fallbüchern steckt der Wert in der eigenen Bearbeitung. Kauf weniger, arbeite länger an jedem Fall, und halte den Stoff zwischen den Fällen abrufbar, etwa mit den Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de, die zwischen zwei Klausuren in zwanzig Minuten passen.

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Häufig gestellte Fragen

Johannes Wainryb

Über den Autor

Johannes Wainryb

Gründer von Jurahilfe.de

Jurist und Softwareentwickler mit über 10 Jahren Erfahrung

Verantwortet bei Jurahilfe.de Technik und Produkt und verbindet juristisches Verständnis mit Lerndidaktik.

  • Legal Tech
  • Digitales Lernen
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  • KI im juristischen Lernen
  • Karteikarten & Spaced Repetition
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