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Jura Klausurtechnik, Zeiteinteilung und Schwerpunktsetzung

Aufgeschlagene juristische Bücher in einer Bibliothek

Du kennst den Stoff. Du hast die Prüfungsschemata im Kopf, den Streitstand kannst du auswendig. Und trotzdem stehen am Ende fünf Punkte auf dem Deckblatt. Die Ursache liegt dann fast immer im Handwerk. Klausurtechnik ist die Fähigkeit, vorhandenes Wissen in der vorgegebenen Zeit auf einen konkreten Sachverhalt anzuwenden und in eine lesbare Lösung zu bringen. Sie besteht aus drei trainierbaren Teilen: der Zeiteinteilung über die gesamte Bearbeitung, der Schwerpunktsetzung zwischen Wichtigem und Unproblematischem, und dem Umgang mit Störungen wie Zeitnot oder einer unbekannten Norm.

Wissenslücken kosten Wochen, Technikfehler oft nur ein paar gezielte Übungen. Darum lohnt sich die Technik schon früh im Jurastudium.

Auf einen Blick:

  • Klausurtechnik ist Zeiteinteilung plus Schwerpunktsetzung plus Notfallstrategie, nicht Stoffwissen.
  • Die vier Phasen jeder Klausur: Bearbeitervermerk lesen, Sachverhalt erfassen, Lösungsskizze bauen, Reinschrift schreiben.
  • Zum Zeitanteil der Skizze gibt es zwei verbreitete Faustformeln, 20 Prozent und die Hälfte der Bearbeitungszeit. Welche für dich gilt, entscheidet dein Schreibtempo.
  • Schwerpunkte erkennst du am Detailgrad des Sachverhalts, an wörtlicher Rede und am Bearbeitervermerk.
  • Vier Übungen, mit denen du die Technik gezielt trainierst, statt sie dem Zufall der nächsten Klausur zu überlassen.

Tipp

Technik trainiert sich am Fall. Auf jurahilfe.de bekommst du interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben in einem durchgehenden Lernpfad: erst verstehen, dann abrufen, dann am kleinen Sachverhalt testen.

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Klausurtechnik in Jura: das Handwerk neben dem Stoffwissen

Eine juristische Klausur prüft zwei Dinge gleichzeitig. Kennst du das Recht? Und kannst du es unter Zeitdruck anwenden? Der zweite Teil hat eigene Regeln.

Klausurtechnik, Fallbearbeitung und Stoffwissen: wer was leistet

Drei Ebenen, drei Aufgaben. Stoffwissen ist der Inhalt: Normen, Definitionen, Prüfungsschemata, Streitstände. Die juristische Fallbearbeitung ist die Methodik dahinter, also wie du von einem Sachverhalt über die Anspruchsgrundlage und die Auslegung zur Falllösung kommst. Klausurtechnik ist die Umsetzung von beidem unter Prüfungsbedingungen: begrenzte Zeit, kein Kommentar, keine zweite Chance.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Dass ein Kaufvertrag nach § 433 BGB geschlossen wurde, ist Stoffwissen. Dass du diesen unproblematischen Punkt in zwei Sätzen feststellst und nicht in zwei Seiten prüfst, ist Klausurtechnik.

Warum Technikfehler mehr Punkte kosten als Wissenslücken

Ein fehlender Streitstand kostet die Punkte für diesen Streitstand. Eine verpatzte Zeiteinteilung kostet alles, was danach käme. Wer nach 180 von 240 Minuten noch beim ersten von drei Ansprüchen steht, verliert zwei Drittel der Aufgabe.

Dasselbe gilt für die Schwerpunktsetzung. Wenn du das Klausurproblem nicht erkennst und dafür die Geschäftsfähigkeit der Beteiligten über eine halbe Seite prüfst, schreibst du an der Aufgabe vorbei. Der Korrektor sucht bestimmte Prüfungspunkte. Die stehen dann nicht auf deinem Blatt. Wie diese Suche abläuft, steht ausführlich in unserem Artikel zur Bewertung juristischer Klausuren.

Woran du erkennst, dass deine Technik das Problem ist

Drei Muster deuten auf Technik statt Wissen. Erstens: Du erkennst nach der Klausur beim Blick in die Lösung fast alles wieder. Zweitens: Du wirst regelmäßig nicht fertig oder schreibst die letzten Seiten im Telegrammstil. Drittens: Deine Randbemerkungen sagen häufig „zu breit“, „am Problem vorbei“ oder „Schwerpunkt verkannt“, nicht „falsch“.

Trifft keines davon zu und dir fehlen im Nachhinein wirklich Normen und Definitionen, liegt das Problem im Stoff. Dann hilft die Technik nicht weiter, und der Weg führt über den Transfer von Wissen in die Klausur.

Zeiteinteilung in Jura-Klausuren: die vier Phasen

Jede Klausurbearbeitung läuft in vier Phasen ab, und jede hat ihr eigenes Zeitbudget. Die Universität Hamburg fasst den Ablauf für ihre Studierenden so zusammen: Bearbeitervermerk lesen, Sachverhalt zweimal lesen, Lösungsskizze in Stichpunkten anfertigen, Reinschrift schreiben. Diese Reihenfolge entscheidet, ob die Skizze überhaupt etwas taugt.

Der folgende Startwert gilt für eine vierstündige Klausur. Nach zwei oder drei Probeklausuren passt du ihn an dein Tempo an.

PhaseAnteil240 Minuten
Bearbeitervermerk und Fallfrage2 bis 3 %5 bis 7 min
Sachverhalt lesen und markieren10 bis 15 %24 bis 36 min
Lösungsskizze20 bis 30 %48 bis 72 min
Reinschrift50 bis 60 %120 bis 144 min
Schlusskontrolle3 bis 5 %7 bis 12 min
Proportionsleiste: Zeitanteile einer Jura-Klausur mit 25 Prozent für die Lösungsskizze und 55 Prozent für die Reinschrift
Abb. 1: Das Zeitgerüst einer vierstündigen Klausur als Startwert, den du an dein Schreibtempo anpasst.

Bearbeitervermerk und Fallfrage zuerst lesen

Zuerst liest du den Bearbeitervermerk, erst danach den Sachverhalt. Er ist die eigentliche Arbeitsanweisung. Er sagt, wer aus wessen Sicht was zu prüfen hat, welche Normen ausgeklammert sind und ob ein Hilfsgutachten erwartet wird. Wer ihn erst nach dem Sachverhalt liest, liest den Sachverhalt einmal ohne Suchraster.

Auch den Aufbau bestimmt die Fallfrage. „Hat A einen Anspruch gegen B?“ verlangt eine andere Struktur als „Wie ist die Rechtslage?“ oder „Prüfe die Erfolgsaussichten der Klage.“ Steht im Vermerk ein Ausschluss („Ansprüche aus Delikt sind nicht zu prüfen“), dann wird dieser Teil auch nicht geprüft, egal wie naheliegend er ist. Das ist einer der teuersten und gleichzeitig einfachsten Fehler.

Sachverhalt lesen und markieren: das Zeitbudget der Lektüre

Der Sachverhalt wird zweimal gelesen. Das erste Mal ohne Stift. Es geht nur darum, den Lebensvorgang und die Beteiligten zu verstehen. Erst beim zweiten Durchgang wird markiert, weil du jetzt weißt, worauf es hinausläuft. Beim zweiten Lesen sammelst du also gezielt die Informationen, die rechtliche Bedeutung haben. Wer beim ersten Lesen markiert, markiert alles.

Wenige Kategorien reichen. Personen in einer Farbe, Zeitangaben in einer zweiten, Willenserklärungen und Handlungen in einer dritten. Bei mehr als zwei Beteiligten oder verschachtelten Verträgen lohnt sich eine Personenskizze am Rand, bei Fristen und Anfechtungen ein Zeitstrahl. Beides kostet fünf Minuten und hilft dir, in der Reinschrift nicht zurückblättern zu müssen. Die vertiefte Sachverhaltsarbeit, also Signalwörter, Auslegung von Lücken und die Grenze zum Hinzudichten, steht im Artikel zur Methodik der Fallbearbeitung.

Wie viel Zeit die Lösungsskizze bekommt: 20 Prozent oder die Hälfte

Hier gehen die Empfehlungen in der Ausbildungsliteratur auseinander, und zwar deutlich. Jura Individuell schreibt, die Lösungsskizze dürfe „nicht mehr als 20% der Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen“. Der Ratgeber gutachtenstil.de nennt als „Klassiker“ dagegen die Aufteilung halbe Zeit Skizze, halbe Zeit Reinschrift.

Beide Werte haben ihre Logik. Die 20-Prozent-Regel schützt vor dem häufigsten Desaster: perfekte Skizze, unfertige Reinschrift. Die 50-Prozent-Variante passt zu Bearbeitern, die schnell schreiben und aus einer dichten Skizze fast im Diktat formulieren. Ich empfehle, mit rund 25 Prozent anzufangen und den Wert anhand der eigenen Probeklausuren zu korrigieren: Bist du dreimal knapp fertig geworden, kürze die Skizze. Musstest du beim Schreiben dreimal neu denken, war sie zu dünn.

Wichtig ist die Regel dahinter. Die Skizze ist fertig, sobald die Gliederung samt Ergebnis steht. Formulierungen gehören in die Reinschrift. Was in eine gute Skizze gehört und was nicht, zeigt der Artikel zur Lösungsskizze in Jura.

Tipp

Bevor du die Zeiteinteilung übst, muss das Prüfungsschema abrufbar sein, sonst misst du in der Skizze nur deine Wissenslücken. Auf jurahilfe.de kannst du dasselbe Thema kompakt oder ausführlich lesen, kompakt zum schnellen Wiederholen vor der Klausur, ausführlich zum Verstehen von Grund auf.

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Reinschrift und Schlusskontrolle

In der Reinschrift formulierst du aus, was in der Skizze schon entschieden ist. Jede neue juristische Überlegung in dieser Phase ist ein Zeichen, dass die Skizze zu früh beendet wurde. Schreib linear von vorne nach hinten, lass keine Lücken zum späteren Einfügen, und nummeriere die Gliederungsebenen nach der üblichen Systematik. Wie die Ebenen korrekt aufgebaut werden, steht im Artikel zur juristischen Gliederung.

Die letzten zehn Minuten gehören der Kontrolle. Kontrolliert wird nur die Form. Sind alle Fallfragen beantwortet? Steht unter jedem Anspruch ein Ergebnis? Ist die Seitenzahl fortlaufend? Ein fehlendes Endergebnis kostet oft mehr Punkte als eine schwache Begründung. Diese letzte Runde ist reine Formsache und trotzdem der Ort, an dem du bestimmten Fehlern noch billig entkommst.

Zeiteinteilung in der fünfstündigen Examensklausur

Im ersten Staatsexamen werden die Klausuren länger, meist fünf Stunden. Die Anteile bleiben ähnlich, aber zwei Dinge ändern sich. Die Sachverhalte sind länger. Die Lektüre braucht dann oft 40 Minuten und mehr. Und die Konzentration wird selbst zum Faktor: Nach drei Stunden sinkt das Schreibtempo messbar, weshalb der Puffer in der Reinschrift größer ausfallen sollte als in einer Semesterklausur.

Dazu kommt die Serie. In den meisten Bundesländern schreibst du sechs Aufsichtsarbeiten, in Berlin und Brandenburg sieben, verteilt auf rund zwei Wochen. Die Zeiteinteilung muss sechsmal in Folge funktionieren, für Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht gleichermaßen. Wer das nie unter echten Bedingungen geübt hat, erlebt es zum ersten Mal im Examen.

Schwerpunktsetzung: was ausführlich geprüft wird und was nicht

Schwerpunktsetzung heißt, jedem Prüfungspunkt genau so viel Raum zu geben, wie er im konkreten Fall verdient. Unproblematisches wird knapp festgestellt, das Klausurproblem wird ausführlich geprüft. Beides in derselben Tiefe zu behandeln ist der zweithäufigste Technikfehler.

Woran du das Klausurproblem im Sachverhalt erkennst

Klausurersteller markieren ihre Probleme. Vier Signale sind besonders zuverlässig:

  • Detailtiefe: Wo der Sachverhalt ungewöhnlich genau wird, steckt ein Problem. Steht dort, dass der Brief „am Freitag um 17:30 Uhr in den Hausbriefkasten“ fiel, geht es um den Zugang, nicht um die Post.
  • Wörtliche Rede: Zitierte Sätze sind Willenserklärungen, die ausgelegt werden sollen. Sonst hätte der Ersteller sie zusammengefasst.
  • Datumsangaben: Jede Zeitangabe ist ein Anlass, an Fristen, Verjährung oder Reihenfolge zu denken. Die Universität Hamburg nennt Datumsangaben ausdrücklich als „Indiz dafür, genauer hinzuschauen“.
  • Namen und Rollen: Die Buchstaben sind selten zufällig. V ist meist der Verkäufer, Vermieter oder Verbraucher, K der Käufer, M der Mieter oder Minderjährige, U der Unternehmer, T der Täter, O das Opfer. Wer die Rollen früh notiert, sieht die Anspruchsrichtung, bevor die Skizze beginnt. Zwei Minuten Arbeit, die dir die Suche nach der Anspruchsrichtung erspart.

Umgekehrt gilt: Was der Sachverhalt in einem Halbsatz abhandelt, ist unproblematisch. „K und V schlossen einen wirksamen Kaufvertrag“ ist keine Einladung, die Geschäftsfähigkeit und alle Willensmängel zu prüfen.

Unproblematisches im Urteilsstil abhandeln

Für die knappe Feststellung gibt es ein eigenes Werkzeug. Im Urteilsstil steht das Ergebnis zuerst und die Begründung folgt, oft in einem einzigen Satz. So gehst du überall vor, wo rechtlich nichts zu entscheiden ist.

Vergleich derselben Prüfung in beiden Stilen:

„Ein wirksamer Kaufvertrag über den Gebrauchtwagen liegt vor, da sich K und V über Ware und Preis geeinigt haben (§ 433 BGB).“

Das ist Urteilsstil, eine Zeile. Im vollen Gutachtenstil würde derselbe Punkt drei bis vier Sätze brauchen, die niemand honoriert. Wann welcher Stil richtig ist, behandelt der Artikel zu Urteilsstil, Feststellungsstil und verkürztem Gutachtenstil; die Formulierungen für den Schwerpunkt selbst stehen im Gutachtenstil-Artikel.

Die Faustregel für die Verteilung: Der Schwerpunkt bekommt in der Reinschrift so viel Platz wie alle unproblematischen Punkte zusammen. Bei einem Streitstand, der den Fall entscheidet, gehören beide Ansichten mit Argumenten und eine eigene Entscheidung ins Gutachten. Bei einem Streit, der am Ergebnis nichts ändert, reicht ein Satz mit dem Hinweis, dass er hier offenbleiben kann.

Spalten-Vergleich: Klausurproblem im Gutachtenstil ausführlich gegen unproblematische Punkte im Urteilsstil in ein bis zwei Sätzen
Abb. 2: Woran du Schwerpunkt und Nebenpunkt erkennst und wie viel Raum jeder bekommt.

Der Bearbeitervermerk als Schwerpunkt-Anweisung

Der Bearbeitervermerk verteilt die Gewichte oft selbst, und zwar in beide Richtungen. Ausschlüsse („Fragen des Internationalen Privatrechts sind nicht zu prüfen“) nehmen Punkte vom Tisch. Unterstellungen („Von der Wirksamkeit der Kündigung ist auszugehen“) tun dasselbe. Aufforderungen („Auf die Frage der Stellvertretung ist besonders einzugehen“) zeigen umgekehrt direkt auf den Schwerpunkt. Wer den Vermerk überfliegt, tut deshalb regelmäßig zu viel an der falschen Stelle.

Prüf den Vermerk vor der Reinschrift ein zweites Mal gegen deine Skizze. In der Hitze der Skizzenarbeit fällt ein Ausschluss schnell wieder aus dem Blick, und geprüfte Punkte, die ausgeschlossen waren, bringen nicht nur keine Punkte, sie kosten Zeit für alles andere.

Schwerpunktsetzung in der Lösungsskizze vorbereiten

Die Entscheidung über die Gewichte fällt in der Skizze, nicht beim Schreiben. Markier deshalb in der Skizze selbst, was ausführlich wird: ein Ausrufezeichen an den Schwerpunkt, ein Kürzel wie „U“ an alles, was im Urteilsstil abgehandelt wird. Dann übersetzt die Reinschrift nur noch.

Praktisch bewährt hat sich außerdem, in der Skizze bereits die Obersätze der Schwerpunkt-Prüfung zu notieren, weil sie in der Reinschrift die meiste Zeit fressen. Für die Subsumtion am Schwerpunkt lohnt sich das doppelt: Wer den Obersatz schon stehen hat, verliert beim Schreiben nicht den Faden.

Tipp

Signalwörter im Sachverhalt zu erkennen ist reine Übungssache. Die Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de arbeiten mit hunderten kleinen Sachverhalten, in denen genau diese Signale stecken, mit ausführlicher Erläuterung zu jeder Antwortoption.

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Vorbereitung: Klausurtechnik an echten Jura-Klausuren trainieren

Technik verbessert sich durch geschriebene Klausuren mit anschließender Auswertung. Lesen genügt nicht. Vier Übungen decken zusammen die vier Phasen ab, und drei davon dauern unter einer Stunde.

ÜbungDauerWas sie trainiert
Volle Klausur unter Prüfungsbedingungen4 bis 5 hZeiteinteilung, Durchhalten, Reinschrift
Sachverhaltsanalyse ohne Lösung30 minSignale erkennen, Rollen und Fristen
Lösungsskizze auf Zeit45 minStruktur und Schwerpunktsetzung
Bearbeitervermerk zerlegen10 minAufgabenstellung erfassen
Kennzahlen-Kacheln: vier Übungen zur Klausurtechnik mit 5 Stunden, 45, 30 und 10 Minuten Dauer
Abb. 3: Vier Übungen, drei davon unter einer Stunde.

Klausuren unter Prüfungsbedingungen schreiben

Eine Klausur unter Prüfungsbedingungen heißt: volle Zeit, kein Handy, kein Skript, nur der zugelassene Gesetzestext, handschriftlich. Wer zu Hause mit Pausen und Nachschlagen übt, trainiert Wissen. Nützlich, aber kein Ersatz für die Übung unter Druck.

Zur Frequenz: In der Vorbereitung auf eine Semesterklausur reichen zwei bis drei vollständige Probeklausuren, in der Examensvorbereitung ist der wöchentliche Klausurenkurs der Standard. Wie du ein volles Probeexamen auswertest, steht im eigenen Artikel dazu.

Sachverhaltsanalyse üben: lesen und markieren unter Zeitdruck

Für diese Übung brauchst du keine Lösung und keine vier Stunden. Nimm einen Klausursachverhalt, setz dir 30 Minuten, und produzier nur drei Dinge: die Liste der Beteiligten mit ihren Rollen, einen Zeitstrahl aller Datumsangaben, und eine Liste der Stellen, die dir auffällig detailliert vorkommen.

Danach vergleichst du deine Auffälligkeitsliste mit der Musterlösung. Es geht hier nur um eines: Hast du die Probleme gesehen? Diese Übung lässt sich mit jedem Fallbuch machen und kostet fast nichts. In den ersten Versuchen wirst du Stellen übersehen, das ist der Sinn der Sache.

Die Lösungsskizze auf Zeit üben

Dieselbe Idee eine Stufe weiter. Sachverhalt lesen und in 45 Minuten eine vollständige Gliederung mit Ergebnissen erstellen, ohne einen einzigen ausformulierten Satz. Dann gegen die Musterlösung prüfen: Stimmt die Struktur? Sind alle Ansprüche drin? Liegt der Schwerpunkt an derselben Stelle?

Wer diese Übung zehnmal gemacht hat, baut Skizzen schneller und muss in der Reinschrift seltener neu denken. Als Materialquelle taugen Fallbücher, alte Klausuren des Lehrstuhls und die Fallmethode mit kleinen Übungsfällen.

Die zurückgegebene Klausur auswerten statt weglegen

Die wertvollste Stunde liegt nach der Rückgabe. Nimm die korrigierte Klausur, den Erwartungshorizont und einen Stift, und geh jeden Punktverlust einzeln durch. Für jeden Verlust notierst du eine von drei Ursachen: Wissen fehlte, Sachverhalt falsch ausgewertet, Zeit gefehlt.

Hände halten eine korrigierte handschriftliche Klausur mit roter Notenangabe

Der Erwartungshorizont ist die Goldgrube. Er zeigt, welche Prüfungspunkte überhaupt bewertet werden sollten. Steht dort ein Problem, das du gar nicht gesehen hast, war es ein Sachverhaltsfehler. Steht dort ein Punkt, den du erkannt aber nicht mehr geschrieben hast, war es die Zeit. Der Weg vom Durchschnitt zum vollbefriedigenden Bereich läuft fast immer über diese Auswertung.

Das Fehlerprotokoll: Wissens-, Sachverhalts- oder Zeitfehler

Führ die Auswertung über mehrere Klausuren hinweg in einer einzigen Tabelle mit drei Spalten: Klausur, Fehlerart, Gegenmaßnahme. Nach vier oder fünf Einträgen sieht man das Muster, und das Muster sagt dir, was du als Nächstes tust.

Häufen sich Wissensfehler, gehört die Zeit ins Wiederholen. Häufen sich Sachverhaltsfehler, hilft die Sachverhaltsanalyse von oben. Häufen sich Zeitfehler, wird die Skizze gekürzt und die Reinschrift verlängert. Keine dieser Gegenmaßnahmen ist aufwendig, sie helfen aber nur, wenn die Diagnose stimmt. Ohne Protokoll bleibt es beim Gefühl, und das Gefühl sagt nach jeder Klausur „mehr lernen“.

Tipp

Für die Wissenslücken aus deinem Fehlerprotokoll ist das Wiederholungssystem der richtige Ort. Die Karteikarten auf jurahilfe.de sind auf die Skripten abgestimmt und legen dir genau die Fragen wieder vor, bei denen du unsicher warst.

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Wenn die Zeit knapp wird: Notfalltechniken in der Klausur

Auch mit guter Planung geht in der Klausur etwas schief. Dann entscheidet, ob du eine Reaktion parat hast. Improvisieren kostet Punkte.

Zeitnot: straffen, Urteilsstil, Hilfsgutachten

Merkst du bei zwei Dritteln der Zeit, dass du nicht durchkommst, gelten drei Maßnahmen in dieser Reihenfolge. Alles Unproblematische wandert ab jetzt konsequent in den Urteilsstil. Streitstände bekommen nur noch das herrschende Ergebnis und einen Satz Begründung. Und die verbleibenden Ansprüche benennst du wenigstens im Ergebnis, statt sie ganz wegzulassen.

Ablaufdiagramm: drei Stufen bei Zeitnot in der Klausur, von Urteilsstil über gekürzte Streitstände bis zu Obersatz und Ergebnis
Abb. 4: Die Reihenfolge, in der du in Zeitnot kürzt.

Verlangt der Bearbeitervermerk ein Hilfsgutachten, gehört es zur Aufgabe. Was ins Hilfsgutachten gehört und wie es formuliert wird, steht im eigenen Artikel; in Zeitnot darf es deutlich knapper ausfallen als der Hauptteil.

Unbekannte Norm oder Blackout

Eine unbekannte Norm ist kein Beinbruch. Du hast den Gesetzestext dabei. Lies den Wortlaut, zerleg ihn in seine Tatbestandsmerkmale, und subsumier Merkmal für Merkmal. Für so einen Fall ist die Auslegung da, und die Merkmale stehen im Text: den Fall lösen kannst du auch mit einer Norm, die du zum ersten Mal siehst.

Beim Blackout auf ein bekanntes Schema hilft der Umweg über die Norm selbst: aufschlagen, laut mitlesen, die Merkmale abschreiben. Auch Profis schauen nach Jahren noch ins Gesetz. Was du dagegen nicht tun solltest, ist an einem hängenden Punkt fünf Minuten festzusitzen; setz eine Randnotiz, schreib weiter, komm später zurück.

Nicht fertig geworden: was noch Punkte rettet

Zehn Minuten vor Abgabe, drei Seiten Stoff offen. Jetzt zählt Vollständigkeit vor Ausführlichkeit. Welche Entscheidungen unter Zeitdruck sonst noch anstehen, behandelt der Artikel zur Klausurtaktik in Jura. Schreib zu jedem offenen Anspruch mindestens Obersatz und Ergebnis, in Stichworten wenn nötig. Ein benanntes und im Ergebnis richtig entschiedenes Problem bringt Teilpunkte, ein gar nicht erwähntes bringt null.

Streich nichts durch, was schon steht, und schreib keine Entschuldigung an den Korrektor. Und wenn es doch schiefging: eine verhauene Klausur ist ein Datenpunkt fürs Fehlerprotokoll. Wie du die Klausurenphase insgesamt organisierst, steht im Guide dazu.

Fazit: Klausurtechnik ist die trainierbare Hälfte der Note

Punkte gehen in Klausuren häufiger am Handwerk verloren als am fehlenden Wissen. Zeiteinteilung, Schwerpunktsetzung und Notfallstrategie lassen sich in wenigen Wochen verbessern, der Stoffaufbau braucht Semester. Die Tipps oben kosten wenig Zeit und bringen viel.

Fang mit der Auswertung deiner letzten Klausur an, führ das Fehlerprotokoll, und übe gezielt die Phase, in der die Punkte verloren gehen. Für den Stoff darunter findest du auf jurahilfe.de den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos, mit Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben in einem Lernpfad.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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  • Jurastudium
  • Examensvorbereitung
  • juristische Didaktik
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