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Sketchnotes für Jura: Lohnt sich das Lernen mit visuellen Notizen?

Hand zeichnet mit einem Stift Strichmännchen und Pfeile auf ein weißes Blatt

Drei Personen, zwei Verträge, eine Zahlung, die an der falschen Stelle landet. Nach dem dritten Durchlesen des Sachverhalts weißt du noch nicht, wer von wem was will, und die Frage nach § 812 I 1 Alt. 1 BGB hängt genau daran. Ein Kasten mit drei Pfeilen klärt das in zwanzig Sekunden.

Sketchnotes sind visuelle Notizen aus einfachen Strichen, Symbolen und Handschrift. In Jura lohnen sie sich dort, wo Beziehungen, Abläufe und Prüfungsaufbauten im Spiel sind. Bei wörtlichen Definitionen und beim Gutachtenstil lohnen sie sich nicht. Der Gedächtnisvorteil des Zeichnens ist belegt: In Laborstudien erinnerten Versuchspersonen an mehr als doppelt so viele gezeichnete wie geschriebene Begriffe.

Das entscheidet mit darüber, wie schnell du in der Klausur den Sachverhalt im Kopf hast und wie viel vom Streitstand nach vier Wochen noch da ist.

Auf einen Blick:

  • Sketchnotes brauchen fünf Grundformen, kein Zeichentalent. Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Rechteck genügen für alles.
  • Stark bei Dreiecksverhältnissen, Leistungsketten, Kausalverläufen und Prüfungsaufbauten.
  • Schwach bei Definitionen im Wortlaut, bei Streitstandtiefe und beim Formulieren im Gutachtenstil.
  • Der Drawing Effect ist belegt, der angebliche Handschrift-Vorteil beim Mitschreiben wurde 2019 nicht repliziert, und die Begründung „ich bin visueller Typ" hält empirisch nicht.
  • Realistischer Einstieg: 10 bis 20 Symbole üben, dann konsequent nur noch Beziehungen und Aufbauten zeichnen.

Tipp

Wenn du beim Zeichnen merkst, dass dir der Stoff dahinter fehlt, findest du auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen: erst verstehen, dann abrufen, dann am Fall testen. Den kompletten BGB AT kannst du dort dauerhaft kostenlos lernen.

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Vergleichsgrafik: Sketchnotes helfen bei Dreiecksverhältnissen, Prüfungsaufbauten und Kausalverläufen, versagen bei Definitionen im Wortlaut, Streitstandtiefe und Gutachtenstil
Abb. 1: Wo Sketchnotes im Jurastudium helfen und wo eine Textnotiz besser ist

Was sind Sketchnotes, und was bringen visuelle Notizen in Jura?

Sketchnotes sind Notizen, die Text und Bild mischen: Stichworte in Handschrift, dazu einfache Symbole, Rahmen und Pfeile, die zeigen, was mit was zusammenhängt. Der Begriff geht auf den Designer Mike Rohde zurück, der das Format ab 2007 in der Konferenzszene bekannt machte. Bekannt geworden ist das Format über soziale Medien. Gezeichnet wurde beim Denken allerdings schon lange vorher, von der Höhlenmalerei bis zu den Notizbüchern von Leonardo da Vinci.

Für Jura ist die Frage nicht, ob das hübsch aussieht. Sondern ob es dir Punkte bringt. Und da lautet die ehrliche Antwort: bei manchen Stoffarten deutlich, bei anderen gar nicht.

Sketchnoting, Sketchnote oder Notiz: die Abgrenzung

Eine Sketchnote ist das fertige Blatt. Sketchnoting ist die Tätigkeit, also das Mitschreiben und Verdichten in Bild und Wort. Eine klassische Notiz besteht dagegen nur aus Text, meist linear von oben nach unten.

Drei Nachbarn solltest du auseinanderhalten. Doodling ist absichtsloses Kritzeln am Rand, ohne inhaltlichen Bezug. Handlettering ist Schriftgestaltung als eigenes Hobby, für Jura Zeitverschwendung. Graphic Recording und Visual Facilitation sind die professionelle Visualisierung großer Formate in Echtzeit, etwa auf Flipcharts in einem Meeting oder bei einer Präsentation. Das Sketchnoting sitzt in der Mitte: schnell, klein, inhaltsgetrieben.

Übrigens braucht es dafür keinen Sketchnotes Kurs. Anbieter werben mit Versprechen wie endlich Sketchnotes lernen, und wer ein Reisetagebuch bunt füllen will, findet reichlich Angebote; für Jura reichen ein Fineliner oder ein dünner Filzstift, ein Farbstift und eine Handvoll Symbole.

Warum das Zeichnen das Behalten stärkt

Die Erklärung, die in fast jedem Ratgeber steht, ist die duale Kodierung nach Allan Paivio: Ein Inhalt, der bildlich und sprachlich abgelegt wird, hat zwei Abrufwege statt einem. Dazu kommt der Picture Superiority Effect, also der Befund aus der Forschung zur visuellen Wahrnehmung, dass Bilder besser erinnert werden als Wörter. Beides ist etabliert.

Wichtiger ist ein dritter Punkt, und er wird selten genannt. Zeichnen zwingt zur Entscheidung. Du kannst einen Satz mitschreiben, ohne ihn verstanden zu haben; ein Beziehungsschaubild kannst du nicht malen, ohne zu wissen, wer wem gegenüber was schuldet. Nicola Pridik, die als Diplomjuristin seit Jahren juristische Schaubilder erstellt, formuliert das so: Recht visualisieren kann man nur, wenn man zumindest glaubt, den wesentlichen Inhalt und seine Struktur verstanden zu haben.

Der Satz, das Gehirn liebt Bilder, steht ebenfalls überall. Er ist als Erklärung zu grob. Was messbar wirkt, ist die Verarbeitungstiefe beim Zeichnen, nicht die Bildhaftigkeit an sich.

Muss ich zeichnen können, um zu sketchnoten?

Nein. Zeichnen lernen musst du dafür nicht. In der Studie zum Drawing Effect spielte die Qualität der Zeichnungen keine Rolle für die Erinnerungsleistung. Strichmännchen genügen, und in Jura genügen sie besonders gut, weil es im Sachverhalt auf Namen und Pfeile ankommt, nicht auf Gesichter.

Der Satz Ich kann zeichnen ist keine Voraussetzung, und ich kann nicht zeichnen ist kein Ausschluss. Was du wirklich brauchst, ist Verzicht. Kein Schattieren, kein Handlettering, keine Farbverläufe. Fünf Sekunden pro Symbol, sonst ist der Professor drei Sätze weiter.

Das visuelle Alphabet: fünf Formen für jede Sketchnote

Das visuelle Alphabet ist die Grundausstattung des Sketchnotings: Aus fünf Grundformen lässt sich praktisch jedes Symbol bauen, das du für Jura brauchst. Das Erstellen von Sketchnotes verlangt damit keine einzige Vorkenntnis, nur diese Formen und ein bisschen Disziplin. Mit diesen fünf brauchst du keine Zeichenanleitungen und keine große Symbolbibliothek mehr.

Punkt, Linie, Kreis, Dreieck und Rechteck

Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Rechteck. Das ist alles. Ein Rechteck plus Dreieck wird ein Haus, also das Grundstück im Sachenrecht. Ein Kreis, zwei Striche, und du hast eine Person. Ein Rechteck mit umgeknickter Ecke wird ein Dokument, also der Vertrag oder der Verwaltungsakt.

Aus dem visuellen Alphabet entstehen so verschiedene Symbole, ohne dass du eine einzige Vorlage nachzeichnen musst. Wenn du zwei Wochen lang einfache Symbole zeichnest, hast du deinen Vorrat.

Schaubild: Aus den fünf Grundformen Punkt, Linie, Kreis, Dreieck und Rechteck entstehen alle juristischen Sketchnote-Symbole von Person bis Anspruch
Abb. 2: Das visuelle Alphabet und die juristischen Symbole, die daraus entstehen

Container, Pfeile und Trenner: Struktur ohne Worte

Ein Container ist ein Rahmen um zusammengehörige Inhalte. Er ersetzt die Überschrift und die Einrückung gleichzeitig. In Jura ist er das wichtigste Element überhaupt, weil er Prüfungsebenen sichtbar trennt: Zulässigkeit in einen Kasten, Begründetheit in den nächsten.

Der Pfeil zeigt die Richtung. Ein durchgezogener Pfeil steht für eine wirksame Beziehung, ein gestrichelter für eine behauptete oder unwirksame, ein durchgestrichener für eine erloschene. Diese drei Varianten reichen für fast jede Anspruchsskizze aus.

Trenner sind Linien, Klammern oder Punktreihen zwischen Blöcken. Sie kosten nichts und erzeugen die Lesbarkeit, die eine reine Textnotiz erst nach dem Abtippen bekommt.

Schriftgröße, Rahmen und Farbe als Hierarchie

Drei Schriftgrößen genügen: Thema, Unterpunkt, Detail. Größe schlägt Farbe, weil sie auch in der Fotokopie funktioniert.

Für Farbe empfehle ich ein festes System, das du durchhältst, statt Buntheit nach Laune. Ein Vorschlag, der sich bewährt hat: Schwarz für Inhalt, Blau für Normen, Rot für Streitstände und Klausurfallen, Grau für Beispiele. Drei bis vier Farben sind das Maximum. Ab der fünften merkt sich niemand mehr, welche Farbe wofür steht.

Tipp

Wenn du Normen im Sketchnote nur als Nummer notierst, brauchst du beim Nacharbeiten schnellen Zugriff auf den Inhalt. Auf jurahilfe.de bekommst du Definitionen, Streitstände und Begleitwissen per Klick direkt im Text, statt in mehreren Büchern zu blättern.

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Sketchnotes lernen: so fängst du mit Jura-Stoff an

Sketchnotes lernen dauert keine Wochen. Die Technik ist in einer Stunde verstanden, der Nutzen entsteht in den vier bis sechs Wochen danach, in denen du sie an echtem Stoff einsetzt. Wichtig ist die Reihenfolge: erst das Symbolrepertoire, dann der Stoff, nie beides gleichzeitig in der Vorlesung.

Sketchnoting lernen in vier Schritten

Erster Schritt: Sammle 15 Symbole, die in deinem Rechtsgebiet immer wieder vorkommen. Person, Sache, Geld, Vertrag, Gericht, Frist, Norm, Streit, Problem, Ergebnis. Zeichne jedes zehnmal, bis es ohne Nachdenken kommt.

Zweiter Schritt: Nimm einen Stoff, den du schon kennst, und baue daraus eine Sketchnote. Ein bekanntes Schema, keine neue Vorlesung. So trennst du die Technik von der inhaltlichen Überforderung.

Dritter Schritt: Setze sie in einer Arbeitsgemeinschaft oder beim Fälle rechnen ein, wo du Zeit hast und der Sachverhalt vorliegt. Erst danach in der Vorlesung.

Vierter Schritt: Werte aus. Schau eine Woche später auf das Blatt und frag dich, ob du den Inhalt daraus rekonstruieren kannst. Wenn nicht, war es Dekoration.

Eine Symbol-Bibliothek für juristische Begriffe aufbauen

Juristische Begriffe lassen sich überraschend gut in Bildsprache übersetzen, weil viele von ihnen ohnehin räumlich gedacht sind. Vertretung ist ein Dreieck. Abtretung ist ein Pfeil, der eine Forderung verschiebt. Akzessorietät ist eine Kette. Subsidiarität ist ein Stapel.

Bewährt haben sich zusätzlich Kürzel in Kreisen: ein eingekreistes M für den Meinungsstreit, ein P für ein Klausurproblem, ein Ausrufezeichen für die Falle, in die alle tappen. Das ist keine Kunst, das ist ein Code. Und ein Code funktioniert nur, wenn er über Monate derselbe bleibt.

Wie du deine Sketchnotes aufbaust, entscheidet sich hier: Ein privater Symbolsatz von 20 Zeichen bringt mehr als jede fremde Sammlung mit 500. Die folgende Tabelle zeigt einen Startsatz, der in allen drei großen Rechtsgebieten funktioniert.

SymbolBedeutungEinsatz
Kreis mit zwei StrichenPersonBeteiligte im Sachverhalt
Rechteck mit EselsohrVertrag, DokumentWillenserklärung, Verwaltungsakt
Pfeil durchgezogenwirksame BeziehungAnspruch, Übereignung
Pfeil gestricheltbehauptet oder unwirksamVollmacht, Anfechtung
Pfeil durchgestrichenerloschenErfüllung, Rücktritt
RahmenPrüfungsebeneZulässigkeit, Begründetheit
M im KreisMeinungsstreithM gegen Gegenauffassung
P im KreisKlausurproblemPrüfungsschwerpunkt
AusrufezeichenFallehäufiger Fehler
KetteAkzessorietätBürgschaft, Hypothek

Übungsblätter und Vorlagen: brauchst du die?

Übungsblätter und Vorlagen gibt es massenhaft als PDF, oft kostenlos, meist mit Kaffeetassen, Glühbirnen und Wolken. Für den Einstieg in die Handbewegung sind sie brauchbar. Für Jura sind sie fast wertlos, weil dort kein einziges juristisches Symbol vorkommt.

Mein Rat: Arbeite eine Serie von Übungsblättern durch, wenn dir der Anfang schwerfällt, und wechsle danach sofort auf eigenen Stoff. Einsteigerbücher, etwa von Michael Geiß-Hein im Frechverlag oder die Anleitungen von Simone Abelmann, erklären die Grundlagen ordentlich; die juristische Übersetzung machst du selbst.

Wie viel Zeit eine Sketchnote wirklich kostet

Am Anfang zu viel. Das ist der ehrlichste Satz zu dieser Methode. Wer anfängt, Sketchnotes zu zeichnen, und das gleich in der ersten Woche in einer Vorlesung tut, verliert Inhalt, weil die Hand langsamer ist als das Ohr.

Nach zwei bis drei Wochen kippt das. Eine Beziehungsskizze zu einem mittleren Sachverhalt kostet dann zwei bis drei Minuten, ein Prüfungsaufbau auf einer halben Seite etwa zehn. Für eine Lösungsskizze vor der Klausur sind 15 Minuten gut investiert, wenn danach die Struktur steht.

Was nicht kippt: Ein ganzes Skript in Sketchnotes zu übersetzen bleibt teuer und bringt selten etwas. Verdichten heißt auswählen.

Tipp

Nach dem Zeichnen kommt das Abrufen, sonst verblasst auch das schönste Blatt. Die Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem auf jurahilfe.de fragen genau die Inhalte ab, die du gerade gelesen hast, und melden dir Lücken, bevor die Klausur es tut.

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Wo Sketchnotes helfen: Jura-Stoff, der nach einem Bild verlangt

Sketchnotes helfen genau dann, wenn der Stoff eine Struktur hat, die im Text unsichtbar bleibt. Beziehungen, Reihenfolgen, Ebenen, Verzweigungen. Wo der Inhalt selbst schon eine Liste ist, bringt das Zeichnen nichts.

Dreiecksverhältnisse und Leistungsketten visualisieren

Das Bereicherungsrecht ist der Klassiker. Beim Anweisungsfall zahlt die Bank auf Anweisung ihres Kunden an einen Dritten, und die Frage nach § 812 I 1 Alt. 1 BGB hängt daran, wem die Zahlung als Leistung zuzurechnen ist. Drei Kreise, zwei durchgezogene und ein gestrichelter Pfeil, und das Zurechnungsproblem liegt offen. Rein textliche Notizen füllen dafür eine halbe Seite und zeigen am Ende weniger.

Dasselbe gilt für die Vertretung. Vertretener, Vertreter, Dritter, dazu die Frage, ob eine Anscheins- oder Duldungsvollmacht vorliegt oder ob es beim Vertreter ohne Vertretungsmacht nach § 177 BGB bleibt. Zeichne die drei Beteiligten, markiere die Vollmacht als gestrichelten Pfeil, setze ein eingekreistes R für den Rechtsschein daneben. Vertiefen kannst du das über die Wissensseite zur Vertretungsmacht kraft Rechtsschein.

Im Strafrecht funktioniert es genauso. Bei der mittelbaren Täterschaft nach § 25 I Alt. 2 StGB stehen Hintermann und Werkzeug übereinander, der Tatbeitrag läuft als Pfeil durch das Werkzeug hindurch auf das Opfer. Die Formen der Beteiligung unterscheiden sich in der Skizze auf einen Blick, während sie im Fließtext gern verschwimmen.

Beziehungsskizze zum Anweisungsfall: Die Zahlung der Bank wird als Leistung des Anweisenden an den Empfänger zugerechnet, § 812 Abs. 1 Satz 1 Alternative 1 BGB
Abb. 3: Beziehungsskizze zum Anweisungsfall, § 812 Abs. 1 Satz 1 Alternative 1 BGB

Prüfungsaufbauten und Schemata visualisieren

Prüfungsaufbauten sind Container-Aufgaben. Beim Aufbau der Prüfung eines Freiheitsgrundrechts und bei der Verfassungsbeschwerde nach Art. 93 I Nr. 4a GG trennt ein Kasten die Zulässigkeit von der Begründetheit, und innerhalb der Zulässigkeit stehen Beschwerdefähigkeit, Beschwerdegegenstand, Beschwerdebefugnis, Rechtswegerschöpfung, Form und Frist als kurze Zeilen untereinander. Die Rechtswegerschöpfung steht in § 90 II BVerfGG; der darüber hinausgehende Grundsatz der Subsidiarität ist von der Rechtsprechung entwickelt worden und bekommt einen eigenen Kasten, weil dort die Klausurpunkte liegen.

Ein Hinweis zur Redlichkeit: Eine Grundform allein macht kein gutes Schaubild. Pridik warnt ausdrücklich davor, dass es auch Strukturbilder gibt, die eher verwirren als erklären. Wenn dein Aufbau nach dem Zeichnen unklarer wirkt als vorher, war die Gliederung das Problem, nicht die Grafik.

Container-Schema der Verfassungsbeschwerde: Zulässigkeit mit sieben Prüfpunkten und Begründetheit mit Schutzbereich, Eingriff und Rechtfertigung in getrennten Kästen
Abb. 4: Die Container-Technik am Aufbau der Verfassungsbeschwerde

Wenn dir dabei die Wahl zwischen Baumstruktur und Liste schwerfällt, hilft der Vergleich mit der Mindmap fürs Jurastudium: Die Mindmap verzweigt von einem Zentrum aus, das Sketchnote bildet Abläufe und Beziehungen ab.

Meinungsstreite und Argumentationslinien darstellen

Bei einem Meinungsstreit zeichnest du zwei Spalten, links die herrschende Meinung, rechts die Gegenauffassung, dazwischen die Streitfrage in einem Rahmen. Argumente kommen als kurze Stichworte darunter, das Ergebnis als Pfeil nach unten.

Das ist die Stelle, an der die Methode an ihre Grenze stößt. Die Argumente selbst brauchen Sprache, und zwar genaue Formulierungen. Eine Sketchnote hält fest, dass es einen Streit gibt und wie die Lager stehen. Die Begründung, die in der Klausur Punkte bringt, musst du trotzdem ausformulieren können.

Wofür Sketchnotes ungeeignet sind: Definitionen und Gutachtenstil

Für Definitionen im Wortlaut sind Sketchnotes ungeeignet. Wo jedes Wort zählt, hilft kein Symbol. Wer den Fahrlässigkeitsbegriff aus § 276 II BGB als Bild merkt, kann ihn in der Klausur nicht zitieren.

Der zweite blinde Fleck ist der Gutachtenstil. Das Examen ist eine Schreibprüfung unter Zeitdruck. Wer den Stoff nur visuell abgelegt hat, muss ihn in der Klausur erst zurückübersetzen, und das kostet die Minuten, die am Ende fehlen. Deshalb bleibt das Formulieren am Fall der Kern der Vorbereitung, ergänzt durch die Methodik der Fallbearbeitung.

Auch für sehr lange Textpassagen, Urteilsgründe etwa, taugt das Format nicht. Da hilft eher ein sauberes Exzerpt.

Tipp

Für die Struktur reicht eine Skizze, für das Verständnis brauchst du den Text dahinter. Auf jurahilfe.de kannst du dasselbe Thema als kompaktes oder als ausführliches Skript lesen: kompakt zum schnellen Wiederholen, ausführlich, wenn du es von Grund auf verstehen willst.

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Sketchnotes verwenden: von der Notiz zur Karteikarte

Sketchnotes verwenden lässt sich an drei Stellen sinnvoll: in der Vorlesung, auf Lernmaterial und in der Klausur selbst. Die drei Einsatzorte stellen unterschiedliche Anforderungen an Tempo und Sauberkeit.

Visuelle Notizen in der Vorlesung

In der Vorlesung ist Tempo alles. Deshalb funktioniert dort nur eine reduzierte Form: Stichworte wie gewohnt, aber Container um die Prüfungsebenen, Pfeile für Beziehungen und drei bis vier Kürzel. Alles andere kommt in der Nachbereitung.

Wenn du strukturiert mitschreiben willst, ist die Cornell-Methode der bessere Rahmen, und die Sketchnote-Elemente wandern in die rechte Spalte. Beide Verfahren schließen sich nicht aus.

Sketchnotes auf Karteikarten und Lernzetteln

Hier liegt der unterschätzte Gewinn. Ein einzelnes Symbol auf einer Karteikarte macht sie unterscheidbar, und Unterscheidbarkeit ist der halbe Abruf. Auf Lernzetteln ersetzt eine kleine Skizze oft drei Sätze Text.

Wie du eine Sketchnote erstellst, die auf eine Karteikarte passt, ist eine Übung im Weglassen: eine Aussage, ein Symbol, maximal zwei Pfeile. Zeichnest du die Karte statt sie abzuschreiben, verarbeitest du den Inhalt beim Erstellen schon mit.

Für das Wiederholen selbst gilt weiter, was ohne Bild gilt: Spaced Repetition und Active Recall entscheiden, was hängen bleibt, und die Vergessenskurve gilt für gezeichnete Inhalte genauso.

Die Sachverhaltsskizze in der Klausur

Die Sachverhaltsskizze ist die Form von Sketchnoting, die im Jurastudium schon lange Standard ist, nur ohne den Namen. Personen, Daten, Verträge, Ansprüche: fünf Minuten Skizze am Anfang, und der Sachverhalt sitzt.

Zwei Regeln dafür. Erstens Namen abkürzen und die Abkürzung einmal notieren, sonst verwechselst du K und V. Zweitens Zeitachse waagerecht, Beziehungen senkrecht. Wer das umdreht, verliert bei mehreren Zeitpunkten die Übersicht.

Analog oder digital: Papier, iPad und die passende App

Die Entscheidung ist weniger wichtig, als die Ratgeber tun. Entscheidend ist, dass du es überhaupt tust.

Stifte und ein Farbsystem, das du durchhältst

Analog reichen ein schwarzer Fineliner in 0,5, zwei Farbstifte und ein Graumarker. Kariertes Papier hilft bei Kästen, weißes bei Beziehungsskizzen. Mehr Ausrüstung führt zu mehr Gestaltung und weniger Inhalt.

Ein Nebeneffekt: Wer analog arbeitet, kann die Blätter ins Bullet Journal oder in einen Ordner nach Rechtsgebiet einsortieren und beim Wiederholen durchblättern. Das ist banal und funktioniert.

Sketchnotes-Apps: Notability, Concepts und Linea Sketch

Digital brauchst du ein Tablet mit Stift. Notability und GoodNotes sind die verbreiteten Notiz-Apps, Concepts arbeitet mit unendlicher Leinwand und Vektoren, Linea Sketch ist bewusst schlank. Procreate kann alles davon, ist aber ein Zeichenprogramm und verführt zum Gestalten.

Der ehrliche Vorteil des Digitalen zeigt sich beim Verschieben, Suchen und Duplizieren, nicht beim Zeichnen selbst. Legst du deine Symbolbibliothek einmal als Vorlagen an, ziehst du sie danach in jede neue Seite. Und wenn deine Notizen ohnehin digital liegen, ist die Ablage schon gebaut.

Sketchnotes mit KI erstellen: geht das?

Technisch ja, didaktisch kaum. Bildmodelle erzeugen inzwischen brauchbare grafische Übersichten, und für eine Präsentation kann das reichen. Der Lerneffekt entsteht aber beim eigenen Zeichnen, nicht beim Betrachten eines fertigen Bildes. Ein generiertes Schaubild ist ungefähr so lernwirksam wie ein fremder Lernzettel.

Tipp

Wenn du Papier und Tablet vergleichst, lohnt der Blick auf das, was danach kommt: Auf jurahilfe.de bauen Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben als Lernpfad aufeinander auf, sodass du zwischen Verstehen, Wiederholen und Testen wechseln kannst. Der komplette BGB AT ist dort ohne Zeitlimit kostenlos.

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Dazu kommt ein juristisches Risiko. Sprachmodelle erfinden Normen, Fristen und Aktenzeichen, und in einem Schaubild fällt ein falscher Pfeil weniger auf als ein falscher Satz. Wer KI einsetzt, prüft jede Angabe gegen das Gesetz. Für den Weg umgekehrt, also fremdes Material selbst zeichnen statt es sich zeichnen zu lassen, spricht dasselbe Argument wie bei der Feynman-Methode: Der Nutzen liegt in der eigenen Übersetzungsarbeit.

Was die Lernforschung zu visuellen Notizen belegt

Hier lohnt es, genau zu trennen. Drei Behauptungen kursieren gemeinsam, und sie haben sehr unterschiedliche Belegkraft. In der englischsprachigen Forschung läuft das Feld unter Note-taking, und dort ist die Lage weniger eindeutig, als Ratgeber suggerieren.

BehauptungBelegkraftQuelle
Zeichnen verbessert das ErinnernbelegtWammes, Meade, Fernandes 2016
Bild und Wort zusammen wirken besser als Wort alleinbelegtPaivio, duale Kodierung
Handschrift schlägt Laptop beim Mitschreibennicht repliziertMorehead, Dunlosky, Rawson 2019
Visuelle Lerntypen lernen visuell besserwiderlegtLernstil-Forschung

Der Drawing Effect: mehr als doppelt so viel erinnert

Jeffrey Wammes, Melissa Meade und Myra Fernandes ließen Versuchspersonen Begriffe entweder zeichnen oder aufschreiben, mit 40 Sekunden pro Begriff, später auch nur 4 Sekunden. Im freien Abruf erinnerten die Teilnehmenden mehr als doppelt so viele gezeichnete wie geschriebene Wörter (Quarterly Journal of Experimental Psychology, 2016). Die Zeichenqualität war ohne Einfluss.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Getestet wurden gut zeichenbare Einzelbegriffe wie „Apfel", nicht Streitstände. Und es ging um freien Abruf von Listen, nicht um Transferleistungen. Die Autoren haben den Effekt 2018 in einem Übersichtsbeitrag zusammengefasst und dort selbst offengelassen, wie weit er auf abstrakte Inhalte reicht.

Visuell lernen ist keine Typfrage

Die Dual Coding Theory erklärt, warum Bild und Wort zusammen mehr bewirken als Wort allein: Informationen im Gehirn werden über zwei getrennte Kanäle abgelegt, deshalb bleiben Inhalte und Zusammenhänge besser in Erinnerung. Das ist etabliert. Die visuelle Wahrnehmung eines einzelnen Menschen spielt dabei keine Rolle, die duale Kodierung (englisch dual-coding theory) gilt für alle.

Die Begründung „ich bin visueller Typ, deshalb zeichne ich" ist dagegen schwach. Die Lerntypen-Theorie hält empirisch nicht, wie der Artikel zu den Lerntypen im Jurastudium im Detail zeigt. Dual Coding gilt für alle, nicht für eine Gruppe. Aus einer Vorliebe wird dadurch keine Wirksamkeit.

Handschrift gegen Laptop: der Mythos vom Stift-Vorteil

Die viel zitierte Studie von Mueller und Oppenheimer aus 2014, nach der handschriftliches Mitschreiben dem Laptop überlegen sei, wurde 2019 von Morehead, Dunlosky und Rawson überprüft. Der Befund hielt nicht: Im verzögerten Test nach zwei Tagen hatte die Notiz-Methode keinen Effekt, weder auf Faktenfragen noch auf konzeptuelle Fragen (Educational Psychology Review, 2019).

Was stattdessen zählte, war die Qualität der Notizen, also wie gut sie den geprüften Inhalt abdeckten. Für Sketchnotes ist das die eigentlich gute Nachricht. Entscheidend ist die Auswahl, nicht das Werkzeug. Und Auswahl ist genau das, wozu das Zeichnen zwingt.

Visual Law: Rechtsvisualisierung im Beruf

Der Nutzen endet nicht mit dem Examen. Unter Visual Law und Legal Design ist ein eigenes Feld gewachsen: Verträge mit Ablaufdiagrammen, Mandantenschreiben mit Schaubildern, Behördenbescheide mit Prüfschritten als Grafik. International, vor allem in den USA und Skandinavien, ist das weiter als im deutschsprachigen Raum. Nicola Pridik erstellt solche Schaubilder hauptberuflich, Kanzleien nutzen diese Visualisierungen in der Mandantenkommunikation.

Wer im Studium gelernt hat, juristische Strukturen zu visualisieren, kann das später erklären. Das ist ein Kompetenzvorteil, der in keiner Klausur abgefragt wird und im Beruf trotzdem sichtbar wird.

Fazit: Zeichnen als Verständnistest, nicht als Deko

Sketchnotes sind ein Werkzeug für eine bestimmte Sorte Stoff, kein Lernsystem. Bei Beziehungen, Abläufen und Prüfungsaufbauten sparen sie Zeit und schärfen das Verständnis. Bei Definitionen, Streitstandtiefe und Gutachtenstil helfen sie nicht.

Der beste Grund, es zu probieren, ist übrigens nicht das Gedächtnis. Es ist die Diagnose. Wenn du einen Fall nicht zeichnen kannst, hast du ihn nicht verstanden, und das merkst du in zwei Minuten statt in der Klausur. Sketchnotes einfach zu halten ist die Bedingung dafür, dass du sie länger als zwei Wochen durchhältst. Wenn du danach prüfen willst, ob das Verständnis wirklich sitzt, sind die Multiple-Choice-Aufgaben auf jurahilfe.de der schnellste Test: kleine Sachverhalte, ausführliche Erläuterungen und Rückverlinkung genau dorthin, wo die Lücke war.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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