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Cornell-Methode in Jura: Was gehört wirklich in deine Notizen?

Studentin schreibt mit Kugelschreiber in einen Spiralblock auf einem Hörsaaltisch

Nach neunzig Minuten Sachenrecht hast du elf Seiten vollgeschrieben und könntest trotzdem nicht sagen, welcher Meinung dein Professor beim Anwartschaftsrecht folgt. Das ist kein Fleißproblem. Die Cornell-Methode ist ein Blatt-Layout von Walter Pauk, das die Seite in Kopfzeile, zwei Spalten und Fußzeile teilt: rechts die eigentlichen Notizen, links später deine Prüfungsfragen dazu, unten eine Zusammenfassung in eigenen Worten. Der Nutzen liegt in dem, was du danach damit machst.

Für Jura ist das besonders relevant, weil in der Vorlesung zwei völlig verschiedene Dinge gesagt werden: das, was ohnehin im Skript steht, und das, was nur dein Prüfer sagt. Nur eines davon ist eine Notiz wert.

Auf einen Blick:

  • Studierende notieren im Schnitt etwa ein Drittel der wichtigen Inhalte einer Vorlesung, bei Beispielen sind es rund 13 Prozent. Genau die Beispiele sind in Jura die Fälle.
  • Das Cornell-Layout ist schnell erklärt. Wirksam wird es erst durch die Nachbereitung, und die lassen fast alle Anleitungen weg.
  • Handschriftlich schlägt Laptop nicht automatisch. Die bekannteste Studie dazu ließ sich nicht replizieren.
  • Für Streitstände, Klausurhinweise und Fallabwandlungen deines Professors ist die Methode stark. Für Prüfungsschemata ist sie das falsche Werkzeug.
  • Fertige Vorlage als PDF brauchst du nicht. Ein Lineal und dreißig Sekunden reichen.

Tipp

Wenn deine Mitschrift am Ende doch Lücken hat, findest du auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben zum selben Stoff, die aufeinander aufbauen. Der Allgemeine Teil des BGB ist dauerhaft kostenlos, ohne Zeitlimit.

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Was ist die Cornell Methode? Übersichtlich notieren beim Lernen

Die Cornell Methode ist ein festes Layout, bei dem eine Seite in vier Bereiche unterteilt wird und jeder Bereich eine andere Aufgabe bekommt. Sie ist ein systematisches Format zum Verdichten und Organisieren von Notizen, keine Merktechnik. Wer seine Notizen systematisch verdichten und organisieren will, bekommt hier das einfachste Gerüst dafür. Du schreibst während der Vorlesung nur in einen der Bereiche, die übrigen drei füllst du danach. Die Cornell-Methode strukturiert damit weniger den Stoff als deinen Umgang damit: Aufschreiben und Verdichten werden auseinandergezogen. Wer nach Cornell Methode Notizen sucht, findet meist nur den ersten Teil erklärt.

Der Aufbau: Kopfzeile, zwei Spalten, Fußzeile

Nimm ein Blatt und ein Lineal. Oben ziehst du eine Kopfzeile über die volle Breite, zwei Zentimeter reichen. Darunter teilst du den Rest senkrecht: links eine schmale Spalte von rund sechs Zentimetern, rechts der breite Block, ungefähr doppelt so breit. Unten bleiben fünf bis sieben Zeilen für die Fußzeile frei, also rund fünf bis sechs Zentimeter.

Die Aufteilung erledigt jeder Notizblock, jedes karierte Blatt und jede App gleich gut. Ein linierter Notizblock hat sogar den Vorteil, dass du die Spaltenbreite an den Zeilen abzählen kannst. Wichtig ist nur, dass die linke Spalte während der Vorlesung leer bleibt. Die rechte ist für Notizen gedacht, die linke nicht.

BereichWannInhalt in Jura
Kopfzeilevor der VorlesungDatum, Vorlesung, Thema, Norm oder Institut
Rechte Spaltewährenddie eigentlichen Notizen: Stichwort, Pfeil, Kurzsatz
Linke SpaltedanachPrüfungsfragen zum rechten Block
FußzeiledanachZusammenfassung der Seite in eigenen Worten
Layout-Schema: Cornell-Blatt aus einer Sachenrecht-Vorlesung mit Kopfzeile, Prüfungsfragen in der linken Spalte, Notizen rechts und Zusammenfassung in der Fußzeile
Abb. 1: So sieht ein ausgefülltes Cornell-Blatt aus einer Sachenrecht-Vorlesung aus. Rechts entsteht während der Vorlesung, links und unten danach.

Woher kommt die Cornell-Methode, und was bedeutet Cornell?

Cornell ist der Name einer Universität. Die Methode wurde an der Cornell University erfunden und nach ihr benannt. Entwickelt hat sie der Universitätsprofessor Walter Pauk an der Cornell University in den Fünfzigerjahren. Was er an der Cornell University entwickelt hat, ist im Kern ein Blatt-Layout mit Arbeitsauftrag. Die Cornell-Methode wurde über sein Buch „How to Study in College“ von 1962 bekannt, das inzwischen in der elften Auflage vorliegt. Im englischen Sprachraum heißt sie bis heute Cornell Note Taking, im Deutschen sagen viele schlicht Cornell-Notizen.

Pauk beschreibt darin fünf Arbeitsschritte: Record, Reduce, Recite, Reflect, Review. Das Layout ist nur der erste davon. Übrigens findest du in deutschen Anleitungen fast immer nur die ersten beiden. Genau die hinteren drei sind aber der Teil, für den es Belege gibt.

Notiz oder Protokoll: Mitschreiben in Jura ist eine Auswahlaufgabe

Ein Professor spricht mit rund 120 bis 180 Wörtern pro Minute. Von Hand schaffst du etwa 22, tippend rund 33. Wer alles mitschreiben will, verliert also zwangsläufig, und zwar systematisch an der falschen Stelle.

Kiewra und Benton haben das ausgezählt: Von den obersten Gliederungspunkten einer Vorlesung landen 91 Prozent in den Mitschriften. Eine Ebene tiefer sind es 60 Prozent, dann 35, dann 11. Eine spätere Auswertung von Austin, Lee und Carr hat sich die Beispiele angesehen, die im Vortrag genannt werden: Nur rund 13 Prozent davon schaffen es aufs Papier.

Übertrage das auf eine Jura-Vorlesung. Die oberste Ebene ist die Überschrift, die Norm, das Institut. Die steht bereits im Skript. Die unterste Ebene sind die Argumente im Streitstand und die Fallabwandlung, die dein Professor an die Tafel wirft. Die steht nirgends. Deine Mitschriften aus den Vorlesungen dokumentieren also am zuverlässigsten das, was du ohnehin hättest. Die wichtigsten Inhalte fehlen, und zwar systematisch.

GliederungsebenenotiertIn Jura typisch
oberste91 %Norm, Institut, Überschrift
zweite60 %Tatbestandsmerkmale
dritte35 %Definitionen, Auslegungsfragen
vierte11 %Argumente im Streitstand
Beispiele13 %Fälle und Abwandlungen
Balkendiagramm: 91 Prozent der obersten Gliederungspunkte einer Vorlesung landen in den Mitschriften, von den Argumenten im Streitstand nur 11 Prozent
Abb. 2: Je klausurrelevanter der Inhalt, desto seltener steht er in der Mitschrift.

Wie funktioniert die Cornell-Methode Schritt für Schritt erklärt?

Vier Schritte, von denen einer in der Vorlesung passiert und drei danach. Die Reihenfolge ist fest. Wer die Cornell Methode schon kennt, kann direkt zu Schritt 3 springen, dort entscheidet sich alles.

Schritt 1: Kopfzeile ausfüllen, bevor die Vorlesung beginnt

Datum, Veranstaltung, Thema. Dazu die Norm oder das Institut, um das es geht, etwa „§ 929 S. 1 BGB, Übereignung beweglicher Sachen". Das kostet zwanzig Sekunden und entscheidet später darüber, ob du das Blatt in drei Monaten wiederfindest.

Übersichtlich bleibt das Blatt nur, wenn du es nicht überlädst: Für jedes neue Thema eine neue Seite. Zwei Institute auf einem Blatt lassen sich nicht sinnvoll zusammenfassen. Die Fußzeile wird dann zur Aufzählung.

In der rechten Spalte stehen die eigentlichen Notizen. Schlagworte statt ganzer Sätze, Pfeile für Zusammenhänge, Kürzel für Wiederkehrendes. Keep it short and simple folgt hier direkt aus der Tempo-Rechnung oben.

Ein paar Kürzel, die sich im Jurastudium lohnen: hM für herrschende Meinung, aA für andere Ansicht, str für streitig, TBM für Tatbestandsmerkmal, P für Problem. So verarbeitest du Informationen effizient genug, um beim Zuhören noch mitzudenken. Wenn dein Professor sagt „das ist klausurrelevant", markierst du die Zeile. Ein Ausrufezeichen am Rand genügt.

Die linke Spalte bleibt leer. Dort steht während der Vorlesung keine einzige Notiz. Genau diese ungenutzte Fläche ist der Grund, warum die Cornell-Methode funktioniert: Sie bleibt sichtbar, bis du sie füllst.

Schritt 3: Die linke Spalte als Prüfungsfragen füllen

Kurz nach dem Aufschreiben, am besten am selben Tag, gehst du deine Notizen noch einmal durch und formulierst links potenzielle Fragen zum rechten Block. Formuliere echte Fragen. „Wann liegt ein Besitzkonstitut vor?" statt „Besitzkonstitut".

Damit wird aus jeder Notiz eine Abfrage. Decke die rechte Seite ab, lies links die Frage und beantworte sie aus dem Kopf. Das ist derselbe Mechanismus, der das aktive Abrufen beim Lernen mit Spaced Repetition so wirksam macht, nur eben mit deinem eigenen Material.

Schritt 4: Die Zusammenfassung in der Fußzeile

Eine kurze Zusammenfassung in eigenen Worten, zwei bis vier Sätze zur ganzen Seite. Gefragt ist der Kern: Worum ging es, und was ist die Aussage. Die Stichworte von oben zu wiederholen bringt nichts.

Diese knappe Zusammenfassung der aktuellen Seite ist der ehrlichste Test, den es gibt. Wenn du sie nicht hinbekommst, hast du die Vorlesung nur transkribiert. Dann weißt du wenigstens, dass du nacharbeiten musst, und zwar bevor die Klausur es dir sagt.

Tipp

Die linke Spalte ist im Kern eine selbstgebaute Karteikarte. Wenn du dir das Formulieren sparen willst, findest du auf jurahilfe.de fertige Karteikarten im intelligenten Wiederholungssystem, die genau auf die Skripten-Inhalte abgestimmt sind.

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Was gehört aus einer Jura-Vorlesung wirklich in die Notiz?

Die Faustregel erspart dir Seiten: Notiere bevorzugt das, was nirgends sonst steht. Alles, was auf der Folie steht, im Skript steht oder im Gesetz nachlesbar ist, ist bereits gespeichert. Jede Notiz kostet Aufmerksamkeit, und die ist die knappe Ressource, nicht das Papier. Überflüssige Notizen kosten dich also doppelt.

Entscheidungsbaum: Was der Professor sagt, kommt nur dann in die Notiz, wenn es nicht schon im Skript, auf der Folie oder im Gesetz steht
Abb. 3: Der Filter, den du in jeder Vorlesung anlegen kannst.

Streitstand, Argumente und die Meinung des Professors

Ein Meinungsstreit besteht aus den Ansichten, den Argumenten dafür und dem Grund, warum eine Ansicht am Ende überzeugt. Skripten liefern meist die Ansichten. Die Argumente stehen dort verkürzt, und die Gewichtung fehlt ganz.

Genau die trägt dein Professor vor. Wenn er sagt, das Wortlautargument sei hier schwach, weil der Gesetzgeber den Fall nicht bedacht habe, dann ist das ein Satz, den du in der Klausur brauchst und in keinem Skript findest. Schreib ihn auf, mit seiner Wertung. Diese eine Notiz ist mehr wert als eine halbe Seite abgeschriebener Definitionen. In die linke Spalte kommt später die Frage: „Warum überzeugt die hM beim Abhandenkommen an § 935 BGB nicht?"

Und notiere, welcher Ansicht er selbst folgt. Er stellt deine Klausur. Oft korrigiert er sie auch.

Definitionen und ihre Varianten

Definitionen gehören ins Skript, nicht zwingend in deine Notiz. Eine Ausnahme lohnt sich: Wenn dein Professor eine Definition anders formuliert als das Skript, ist die Abweichung die Information. Schreib beide Fassungen nebeneinander und markiere die Stelle, an der sie auseinandergehen.

Meist steckt dort ein Problem, und Probleme sind wichtige Informationen. Ob eine Sache „beweglich" ist, klingt harmlos, bis jemand nach dem Scheunentor fragt.

Fälle und Abwandlungen, die der Professor rechnet

Der 13-Prozent-Wert von oben trifft in Jura am härtesten. Beispiele werden am seltensten notiert, und in Jura sind Beispiele der eigentliche Stoff. Ein Fall zeigt, wie ein Tatbestandsmerkmal am Sachverhalt scheitert, und genau das prüft die Klausur.

Wenn dein Professor einen Fall abwandelt („und jetzt nehmen wir an, der Käufer wusste davon"), schreib die Abwandlung mit und daneben, was sich rechtlich ändert. Diese Notiz ist zwei Zeilen lang und schlägt jede abgeschriebene Definition darüber. In der linken Spalte wird daraus später eine Frage im Format deiner Gutachtenstil-Formulierungen: Anspruch, Voraussetzung, Ergebnis.

Was schon im Skript steht und trotzdem alle abschreiben

Vier Dinge landen zuverlässig in den Mitschriften und gehören da nicht hin: der Gesetzestext, die Gliederung der Vorlesung, die Standarddefinition und das Prüfungsschema. Alle vier sind extern gespeichert und jederzeit abrufbar. Das sind irrelevante Notizen im Wortsinn. Sie enthalten keine Information, die du nicht schon hättest.

Beim Prüfungsschema ist der Reflex besonders hartnäckig. Ein Schema abzuschreiben fühlt sich nach Fortschritt an, weil am Ende etwas Ordentliches auf dem Blatt steht. Es bleibt trotzdem Kopierarbeit. Zugehört hast du dabei nicht.

Tipp

Statt Schemata abzuschreiben, kannst du sie auf jurahilfe.de im Kompakt-Modus mit verlinkten Definitionen und Streitständen nachlesen und die Vorlesungszeit für die Argumente deines Professors nutzen.

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Wofür eignet sich die Cornell-Methode in Vorlesung und Seminar?

Die Cornell-Methode eignet sich überall dort, wo jemand spricht und du hinterher wissen musst, was gesagt wurde. Sie eignet sich schlecht dort, wo der Inhalt bereits eine feste Struktur hat, die du nur übernehmen sollst.

Stark in Vorlesung, Seminar und Arbeitsgemeinschaft

Die Methode eignet sich für jede Veranstaltung, in der gesprochen und nicht nur vorgelesen wird. In der Arbeitsgemeinschaft ist sie am stärksten. Dort wird ein Fall gerechnet, es gibt Zwischenfragen, und der AG-Leiter sagt Sätze über Klausurtaktik, die in keinem Buch stehen. Rechts der Lösungsweg, links später die Fragen dazu, unten die Zusammenfassung, was der Fall eigentlich abprüft.

Im Seminar funktioniert die Cornell Methode ähnlich gut, weil die Diskussion selbst der Inhalt ist. Gerade im Seminar lohnt es sich, Einwände der anderen Teilnehmer zu notieren, denn daraus wird später die Argumentation deiner Seminararbeit. Und in der klassischen Vorlesung hängt es davon ab, wie stark dein Professor vom Skript abweicht. Weicht er kaum ab, reicht eine Notiz pro Seite, nämlich die Fußzeile.

Schwach bei Prüfungsschemata und Falllösungen

Ein Prüfungsschema ist eine Hierarchie mit Verzweigungen. Das Cornell-Layout ist eine flache Liste mit einer Fragenspalte daneben. Wer ein Schema in die rechte Spalte presst, verliert genau die Verschachtelung, auf die es ankommt.

Dafür sind eine Mindmap fürs Jurastudium oder eine eingerückte Gliederung das bessere Werkzeug. Gleiches gilt für die ausformulierte Falllösung. Beides kannst du auf einem eigenen Blatt führen und im Cornell-Blatt nur darauf verweisen.

Warum strukturierte Notizen nicht automatisch besser sind

Hier lohnt sich Ehrlichkeit, die du in den meisten Cornell-Artikeln nicht findest. Die Befundlage zur Cornell-Methode selbst ist gemischt. Es gibt Studien mit positiven Effekten, etwa im Sprachunterricht und bei Pflegestudierenden, und es gibt mehrere, die keinen signifikanten Unterschied zur normalen Mitschrift fanden.

Solide belegt ist etwas anderes, und zwar unabhängig vom Layout: Mitschreiben allein bringt einen positiven, aber bescheidenen Effekt. Eine Meta-Analyse über 57 Vergleichsstudien kommt zu diesem Ergebnis. Sobald Mitschreiben mit Wiederholen kombiniert wird, wird der Effekt deutlich größer, das zeigt eine zweite Meta-Analyse über 33 Studien.

Ich empfehle die Cornell-Methode deshalb nicht, weil das Layout magisch wäre. Sie ist die einfachste mir bekannte Bauform, die das Wiederholen erzwingt, weil eine leere Spalte auf dem Blatt sichtbar bleibt, bis du sie füllst. Werden Notizen besser, nur weil sie hübscher aussehen? Nein. Sie werden besser, wenn du sie noch einmal anfasst. Letztlich ist die Wahl des Layouts auch Geschmackssache, die Nachbereitung ist es nicht.

Digitale oder analoge Notizen: handschriftlich oder am iPad?

Die kurze Antwort: Es kommt weniger auf das Werkzeug an, als die Debatte suggeriert. Entscheidend ist, ob jede Notiz in deinen eigenen Worten steht und ob du deine eigenen Notizen später wieder anfasst. Beides geht handschriftlich und digital.

Handschriftliche Notizen und der Mythos vom besseren Gehirn

2014 erschien die Studie, auf die sich seither fast jeder Ratgeber beruft: Mueller und Oppenheimer, „The Pen Is Mightier Than the Keyboard". Ergebnis damals: Studierende mit Laptop schrieben mehr und wörtlicher mit und schnitten bei Verständnisfragen schlechter ab.

2019 haben Morehead, Dunlosky und Rawson das direkt repliziert, zusammen mit einer Zusammenschau der übrigen Replikationsversuche. Der Kernbefund hielt nicht. Im verzögerten Test nach zwei Tagen zeigte die Notizmethode überhaupt keinen Effekt, und bei den konzeptuellen Fragen, um die es Mueller und Oppenheimer ging, blieb kein Unterschied übrig. Repliziert wurde nur die Oberfläche: Laptop-Notizen sind länger und wörtlicher. Die Testleistung erklärte das nicht.

Ähnlich steht es um die EEG-Studie von 2024, die durch die Presse ging, weil Handschreiben angeblich das Gehirn stärker vernetzt. Sie hatte 36 Teilnehmer, diese schrieben einzelne bekannte Wörter, getippt wurde mit einem einzigen Zeigefinger, und Lernleistung wurde gar nicht gemessen. Ein Kommentar von Pinet und Longcamp hat genau das aufgeschrieben: Ohne Lernaufgabe sagt höhere Konnektivität nichts über Lernerfolg, sie kann schlicht bedeuten, dass das langsamere Schreiben mehr Arbeitsgedächtnis bindet.

Wann handschriftliche Notizen wirklich helfen

Der belastbare Vorteil der Handschrift ist banal. Du bist zu langsam, um wörtlich mitzuschreiben, und musst deshalb auswählen. Genau diese Auswahl ist der Lerneffekt.

Wer mit Stift und Papier arbeitet, bekommt sie geschenkt. Wer tippt, muss sie sich selbst auferlegen, denn Notizen schnell zu tippen ist verführerisch einfach. Praktisch heißt das: Tippen ist in Ordnung, solange du dir verbietest, wörtlich mitzuschreiben. Notizen sollten immer kürzer sein als das Gesagte. Skizzen sind der zweite echte Vorteil, und in Jura zeichnest du oft: Dreiecksverhältnisse, Abtretungsketten, Kausalverläufe. Ein Pfeil ist schneller gezeichnet als beschrieben.

Cornell Notes am iPad und in Notiz-Apps

Die Umsetzung der Cornell Methode am Tablet ist unspektakulär: Du legst dir das Layout einmal als Hintergrund an und schreibst mit dem Stift darauf. In Microsoft OneNote, Notion oder einer beliebigen anderen App baust du es als zweispaltige Tabelle mit einer Zeile darüber und darunter. Mit einer festen Vorlage dauert das Anlegen zehn Sekunden. Die Umsetzung in Notion fürs Jurastudium ist dafür ein guter Ausgangspunkt, weil du die Fragen aus der linken Spalte direkt weiterverarbeiten kannst.

Digitale Notizen haben einen Vorteil, den Papier nicht schlägt. Die Suche. Wenn du im achten Semester wissen willst, wo dein Professor etwas zur Drittwirkung gesagt hat, findest du es in zwei Sekunden. Der Preis ist die Ablenkung. Wie stark die wiegt, hängt an deiner Umgebung, dazu gibt es konkrete Fokus-Techniken fürs Jura-Lernen.

KriteriumHandschriftDigital
Auswahl erzwungenja, durch Temponein, Disziplin nötig
Skizzensofortnur mit Stift
SuchekeineVolltext
Ablenkunggeringhoch
UmbauenNeuschreibenjederzeit

Und noch ein Wort zum Lerntyp-Argument. „Ich bin halt der visuelle Typ" ist als Begründung für eine Notizform schwach, weil die Lerntypen-Theorie empirisch nicht hält. Warum das so ist, steht ausführlich bei den Lerntypen im Jurastudium.

Cornell Notes als Vorlage als PDF: Jura-Notizen strukturieren

Du brauchst keine gekaufte Cornell-Methode-Vorlage. Zwei Striche mit dem Lineal erzeugen dasselbe Layout, und du kannst die Spaltenbreite an die Größe deiner Notiz und an deine Schrift anpassen. Wer viel unterwegs mitschreibt, für den ist die Cornell Methode genau das Richtige, weil sie ohne Technik auskommt.

Was auf ein Jura-Blatt gehört

Ein paar Anpassungen lohnen sich gegenüber der Standardvorlage. In die Kopfzeile gehört ein Feld für die Norm, nicht nur für das Thema, weil du später über die Norm suchst. Am rechten Rand hilft eine schmale Spur von zwei Zentimetern für Marker: ein Ausrufezeichen für „klausurrelevant", ein Fragezeichen für „nachlesen", ein P für ein Problem.

Die Fußzeile darf bei Fall-Vorlesungen etwas höher ausfallen, weil dort der Lösungsweg in zwei Sätzen hinein muss. Und wenn dein Professor viel diktiert, drehst du das Verhältnis: schmalere rechte Spalte, dafür mehr Platz links für die Fragen.

Die Vorlage als PDF selbst bauen

Wenn du lieber druckst: Ein Textprogramm öffnen, das Blatt in vier Bereiche unterteilen, also eine Tabelle mit zwei Spalten im Verhältnis eins zu zwei und je einer Zeile darüber und darunter, dann als PDF exportieren. Zehn Minuten einmal, dann druckst du dir den Stapel für das Semester. Notizen entstehen dann über alle Vorlesungen hinweg im selben Raster, und das hilft beim Wiederfinden.

Auf dem Tablet importierst du dieselbe PDF als Papiervorlage. Das systematisch gleiche Layout über alle Vorlesungen hinweg hat einen unterschätzten Nebeneffekt: Du findest dich in fremden Mitschriften deiner Lerngruppe sofort zurecht.

Warum die Nachbereitung der Notizen besonders effektiv ist

Wenn du von diesem Artikel eine Sache mitnimmst, dann diese: Die Nachbereitung entscheidet, ob deine Mitschrift etwas wert ist. Das Layout organisiert deine Notiz, mehr nicht.

Recite und Review: die fünf R, die im Blatt-Layout untergehen

Pauks fünf Schritte heißen Record, Reduce, Recite, Reflect und Review. Record ist das Mitschreiben rechts, Reduce das Verdichten zu Fragen und Stichwort links. Deutsche Anleitungen hören hier meist auf.

Recite heißt: rechte Seite abdecken, aus dem Kopf antworten, laut. Das kostet zwei Minuten pro Seite. Reflect fragt nach dem Zusammenhang, also wie das Neue zu dem passt, was du schon weißt. Bei einem Streitstand heißt das etwa: Kenne ich die Argumentationsfigur aus einem anderen Rechtsgebiet? Review ist die kurze, regelmäßige Wiederholung über die Wochen.

Wann du wiederholst, ist nicht beliebig. Die Abstände richten sich sinnvollerweise nach der Vergessenskurve nach Ebbinghaus: einmal am selben Tag, dann nach wenigen Tagen, dann nach zwei Wochen.

Ablaufgrafik: die fünf Schritte Record, Reduce, Recite, Reflect und Review nach Walter Pauk, wobei die letzten drei in deutschen Anleitungen meist fehlen
Abb. 4: Pauks fünf Schritte. Die orangen drei sind der Teil, für den es Belege gibt.

Von der Notiz zur Karteikarte

Die linke Spalte ist bereits eine Kartei, sie liegt nur auf dem falschen Medium. Aus einer Notiz wird eine Karte: eine Frage, eine Antwort, verdeckt abgefragt. Wenn du sie überträgst, hast du den Inhalt ein zweites Mal verarbeitet, und das Wiederholen lässt sich terminieren.

Wichtig ist beim Übertragen nur, den Inhalt weiter zu strukturieren statt ihn umzukopieren. Ob du das mit einem physischen Karteikasten nach dem Leitner-System machst oder digital, ist zweitrangig. Wichtig ist nur, dass auf der Karte deine eigene Formulierung steht. Die abgeschriebene aus dem Skript bringt nichts.

Strukturierte Notizen richtig wiederholen

Ein realistischer Rhythmus für ein Semester: Am Vorlesungstag füllst du linke Spalte und Fußzeile, das dauert bei einer Doppelstunde etwa zehn Minuten. So lässt sich die Notiz strukturieren, solange die Vorlesung noch frisch ist. Einmal pro Woche gehst du die Fußzeilen der Woche durch, das sind fünf Minuten pro Vorlesung. Vor der Klausur reichen die Fußzeilen als Gerüst, und du steigst nur dort in die rechte Spalte ein, wo eine Frage offen bleibt.

Was du dabei merkst: Die meisten Blätter brauchst du nie wieder. Das ist der eigentliche Gewinn daran, sparsam zu notieren und den Rest gleich richtig zu strukturieren. Das ist ein Argument dafür, sparsam mitzuschreiben.

Tipp

Wenn du im Semester merkst, dass ganze Themenblöcke in deinen Notizen fehlen, kannst du sie auf jurahilfe.de mit Multiple-Choice-Aufgaben am Fall nachprüfen, statt die Lücke erst in der Klausur zu entdecken.

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Fazit: Weniger aufschreiben, mehr nacharbeiten

Die Cornell-Methode löst kein Wissensproblem, sie löst ein Aufmerksamkeitsproblem. Jede Notiz muss sich ihren Platz verdienen, weil links eine Spalte frei bleiben muss, und unten musst du am Ende sagen können, worum es ging. Das ist der ganze Mechanismus.

Für Jura kommt eine Auswahlregel dazu, die wichtiger ist als das Layout: Was im Skript steht, brauchst du nicht abzuschreiben. Was nur dein Professor sagt, schon. Wenn du in der nächsten Vorlesung nur eine Sache änderst, dann diese. Und wenn dir hinterher auffällt, dass eine Grundlage fehlt, kannst du sie im dauerhaft kostenlosen BGB AT auf jurahilfe.de in Ruhe nachholen.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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