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Jura Quiz im Studium: Lohnen sich Multiple-Choice-Fragen?

Hände über einem Antwortbogen mit Ankreuzraster, eine Hand hält einen Bleistift über den Antwortfeldern

Vier Antworten ankreuzen fühlt sich nach Quiz-Duell an, nicht nach Jurastudium. In der Klausur schreibst du schließlich ein Gutachten, keine Kreuze.

Trotzdem lohnt sich ein Jura Quiz, und zwar für einen bestimmten Teil der Klausurleistung: das Erkennen. Multiple-Choice-Fragen zwingen dich, jede einzelne Aussage gegen dein Wissen zu halten, statt einen Text noch einmal zu lesen. Genau dieser Abruf ist der Vorgang, der Wissen festigt. Die Grenze liegt beim Formulieren, das übst du weiter an Fällen und Klausuren.

Der Ertrag hängt am Zeitpunkt und an der Qualität der Fragen. Stimmt beides nicht, entsteht am Ende nur eine Prozentzahl.

Auf einen Blick:

  • Was es trainiert: das Problem im Sachverhalt erkennen und Aussagen darüber bewerten. Nicht: Gutachtenaufbau und Formulierung.
  • Warum es wirkt: Abrufen schlägt Wiederlesen deutlich, und plausible falsche Antworten erzeugen zusätzliche Abrufvorgänge.
  • Woran du eine brauchbare Frage erkennst: Sachverhalt ohne rechtliche Wertung, Distraktoren als echte Denkfehler, keine Signalwörter wie „stets“.
  • Wo du Fragen findest: Self-Assessments der Universitäten, Redaktionsquizze, Lern-Apps mit eigenem Aufgabenbestand, oder selbst gebaut.
  • Wann im Studium: am Ende eines Themas, nicht als Aufwärmübung zwischendurch.
  • Prüfungsrecht: Antwortwahlverfahren sind nur zulässig, wenn die Prüfungsordnung sie vorsieht, und falsche Antworten dürfen keine Punkte kosten.

Tipp

Wenn du das Format an echtem Stoff ausprobieren willst, findest du auf jurahilfe.de interaktive Skripten, Karteikarten im Wiederholungssystem und Multiple-Choice-Aufgaben, die zum selben Thema aufeinander aufbauen.

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Jura Quiz starten: was Multiple-Choice-Fragen im Studium bringen

Ein Jura Quiz ist eine Sammlung von Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Du liest eine Aussage oder einen kurzen Sachverhalt, entscheidest dich und bekommst sofort die Auflösung. Der Unterschied zur Karteikarte liegt in der Bewertung. Du produzierst keine eigene Antwort. Du beurteilst eine fremde.

Bei guten Fragen ist das die anstrengendere Übung.

Vier Antworten, null bis vier davon richtig

Die verbreitete Form gibt vier Optionen vor, von denen genau eine stimmt. Blindes Raten trifft dann in einem Viertel der Fälle. Anspruchsvoller wird es, wenn jede der vier Aussagen unabhängig richtig oder falsch sein kann, wenn also keine, eine, zwei, drei oder alle vier zutreffen. Dann liegt die Rate-Quote nur noch bei gut sechs Prozent, weil du jede Aussage einzeln durchdenken musst.

Für Jura passt die zweite Bauart. Juristische Aussagen sind selten so gebaut, dass genau eine von vier stimmt; meistens trifft mehr als eine zu, und der Reiz liegt darin, sie auseinanderzuhalten.

Wofür das Format taugt und wofür nicht

Multiple-Choice trainiert das Wiedererkennen und das Bewerten. Du siehst einen Sachverhalt mit dem Satz „Der 17-jährige K bestellt“ und musst wissen, dass hier die Geschäftsfähigkeit angesprochen ist. Du liest „ohne dass B davon wusste“ und denkst an den guten Glauben. Das Lesen dieser Signale ist eine eigene Fertigkeit. Sie entwickelt sich nur an Fällen.

Was das Format nicht kann: den Gutachtenstil, den Aufbau einer Prüfung, die Zeiteinteilung über fünf Stunden, das Abwägen im Streitstand. Nach einem Semester reinem Ankreuzen erkennst du viel und schreibst wenig. Wie sich beides auseinanderentwickelt, beschreibt der Artikel dazu, warum Jura-Klausuren trotz Wissen scheitern.

FähigkeitMultiple-ChoiceÜbungsklausur
Problem im Sachverhalt erkennenstark, in hoher Frequenzstark, aber selten
Definitionen abrufenstarkmittel
Gutachtenstil formulierennicht möglichstark
Aufbau und Schwerpunktsetzungnicht möglichstark
Zeitmanagement unter Drucknicht möglichstark
Aufwand pro Durchgangzwei Minutenfünf Stunden

Aus dieser Aufteilung ergibt sich der sinnvolle Einsatz. Multiple-Choice ist das Werkzeug für die Breite, die Klausur für die Tiefe. Zehn kurze Aufgaben kosten dich zwanzig Minuten und zeigen dir zehn verschiedene Konstellationen. Eine Übungsklausur zeigt dir eine.

Warum Abrufen mehr bringt als Wiederlesen

Der Grund, warum ein Jura Quiz überhaupt etwas bringt, liegt nicht im Quiz-Charakter. Er liegt im Abruf. Du holst das Wissen aus dem Kopf, statt es noch einmal vor Augen zu haben.

Der Testing-Effekt in Zahlen

Der Testing-Effekt gehört zu den am besten belegten Befunden der Lernpsychologie. Henry Roediger und Jeffrey Karpicke zeigten 2006, dass eine Gruppe, die zwischendurch geprüft wurde, nach einer Woche im Schnitt 61 Prozent des Stoffs erinnerte. Die Vergleichsgruppe, die stattdessen mehrfach las, kam auf 40 Prozent, obwohl sie den Text deutlich häufiger gesehen hatte.

Übersetzt auf dein Studium heißt das: Die Stunde, in der du dich abfragst, ist wertvoller als die Stunde, in der du dasselbe Kapitel ein drittes Mal liest. Die Mechanik dahinter beschreibt der Artikel zu Spaced Repetition und Active Recall im Jurastudium.

Plausible falsche Antworten als Lernmotor

Jetzt kommt der Punkt, der Multiple-Choice von einem bloßen Ratespiel trennt. Jeri Little und Kollegen untersuchten 2012 in Psychological Science, was passiert, wenn die falschen Antworten wirklich konkurrenzfähig sind. Ergebnis: Die Studierenden lernten dabei auch Inhalte, die mit den falschen Optionen zusammenhingen und selbst gar nicht abgefragt wurden. Ein Test mit freier Abruffrage brachte diesen Zusatzeffekt nicht.

Der Grund leuchtet beim Lösen selbst ein. Bei einer plausiblen falschen Option prüfst du kurz, warum sie nicht stimmt, und rufst dabei das Wissen ab, das zu dieser Option gehört. Vier plausible Optionen ergeben also vier kleine Abrufvorgänge statt einem. Die Autoren sind bei ihren Befunden vorsichtig, die Stichproben waren klein.

Die Bedingung steht in derselben Studie: Der Effekt tritt nur auf, wenn die falschen Antworten ernsthaft in Frage kommen. Offensichtlich absurde Fülloptionen bringen ihn nicht. Deshalb entscheidet die Qualität der Distraktoren darüber, ob ein Quiz Lernzeit ist oder Zeitvertreib.

Die Vertrautheitsfalle beim Wiederlesen

Es gibt noch einen zweiten Effekt, und der ist im Jurastudium besonders tückisch. Ein Text, den du zum dritten Mal liest, fühlt sich vertraut an. Vertrautheit fühlt sich an wie Können. Erst der Abruf zeigt den Unterschied, und er zeigt ihn oft unangenehm deutlich.

Diese Rückmeldung erst in der Klausur zu bekommen, ist zu spät. Wie schnell ungeübtes Wissen verschwindet, beschreibt der Artikel zur Vergessenskurve nach Ebbinghaus.

Woran du eine gute Multiple-Choice-Frage erkennst

Nicht jede Frage, die vier Optionen anbietet, ist eine gute Frage. Eine schlecht gebaute Aufgabe bringt dir bei, was nicht stimmt. Das ist schlimmer als gar keine Aufgabe. Ein paar Merkmale trennen brauchbare Fragen von Zeitvertreib, und du erkennst sie in wenigen Sekunden.

Der Sachverhalt enthält keine rechtliche Wertung

Im Sachverhalt stehen Tatsachen und Begehren. Sonst nichts. Die rechtliche Einordnung ist deine Aufgabe, sie darf nicht schon in der Frage stehen. Eine brauchbare Aufgabe formuliert also „L verlangt den Widerruf einer amtlichen Warnung“ und nicht „L verlangt den Widerruf eines Realakts“. Steht die Einordnung schon im Fragetext, prüft die Aufgabe nichts mehr.

Derselbe Grundsatz gilt für die Beteiligten. Wenn dort K, V und O stehen statt ausgeschmückter Biografien, spart das Lesezeit und hält den Blick auf dem Problem.

Distraktoren bilden echte Denkfehler ab

Die falschen Antworten heißen in der Prüfungsdidaktik Distraktoren, und sie sind der eigentliche Trainingsteil. Eine gute falsche Option bildet eine Verwechslung ab, die Studierende an genau dieser Stelle wirklich machen. Beim Irrtumsrecht sind das die üblichen Verdächtigen: Inhaltsirrtum nach § 119 I Alt. 1 BGB gegen Erklärungsirrtum nach § 119 I Alt. 2 BGB, und beides gegen den unbeachtlichen Motivirrtum.

Ein Beispiel: Wer 31 Euro statt 13 Euro tippt, hat sich vertippt, das ist ein Erklärungsirrtum. Wer 25 „Gros“ Toilettenpapier bestellt und dabei glaubt, „Gros“ bedeute große Rollen statt der Mengenangabe 144, weiß zwar, was er sagt, aber nicht, was er damit sagt: Inhaltsirrtum, nachzulesen im Toilettenpapier-Fall des LG Hanau (NJW 1979, 721), in dem aus 25 gewünschten Rollen 3.600 wurden. Wer sich schlicht verrechnet hat, ist beim Kalkulationsirrtum, und der berechtigt in der Grundform gerade nicht zur Anfechtung. Wenn eine Aufgabe genau diese drei Möglichkeiten nebeneinanderstellt, lernst du beim Aussortieren mehr als beim Ankreuzen. Vertiefend dazu die Wissensseite zu den Irrtümern als Anfechtungsgrund, §§ 119, 120 BGB.

Entscheidungsbaum zu den Irrtumsarten: Erklärungsirrtum und Inhaltsirrtum berechtigen zur Anfechtung, Motivirrtum und Kalkulationsirrtum in der Grundform nicht
Abb. 1: Genau diese vier Möglichkeiten nebeneinander ergeben brauchbare Antwortoptionen.

Warnzeichen: stets, ausnahmslos und Fülloptionen

Manche Formulierungen verraten die Lösung, bevor du nachgedacht hast. Absolutheitswörter wie „stets“, „ausnahmslos“ oder „niemals“ sind in juristischen Aussagen fast immer falsch, weil es fast immer eine Ausnahme gibt. Tauchen solche Wörter in den Optionen auf, ist die Aufgabe schwach gebaut.

Ein weiteres Warnzeichen sind unterschiedlich lange Optionen. Ist die richtige Antwort auffällig ausführlich formuliert und sind die anderen knapp, erkennst du sie am Stil statt am Inhalt. Dasselbe gilt für die Fülloption, also eine Antwort ohne jeden Bezug zum Sachverhalt. Sie kostet Zeit und bringt keinen Abrufvorgang.

Und ein Punkt, der speziell für Jura gilt: Meinungsstreite gehören nicht in die Antwortoptionen. Ansichten Buchstaben zuzuordnen sagt nichts über Verständnis. Wo ein Streit relevant ist, gehört er in die Erläuterung. Wie ein Streitstand sauber aufgebaut wird, steht im Artikel zum Meinungsstreit in Jura.

Aufbau einer Multiple-Choice-Aufgabe: Sachverhalt ohne rechtliche Wertung, vier Antwortoptionen, Distraktoren als typische Denkfehler und eine Erläuterung, dazu drei Warnzeichen für schwach gebaute Aufgaben
Abb. 2: Vier Bausteine hat eine brauchbare Aufgabe, drei Warnzeichen verraten eine schwache.

Stufe 3 bei Jurahilfe: Multiple-Choice-Aufgaben am Fall

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt Stufe 3 im Lernsystem von jurahilfe.de. Sie ist die dritte Ebene eines Lernpfads: Du hast den Stoff in Stufe 1 gelesen, ihn in Stufe 2 mit Karteikarten wiederholt, und in Stufe 3 bekommst du kleine Fälle, in denen genau dieser Stoff vorkommt, ohne dass ihn jemand für dich benennt.

Kurzer Sachverhalt statt langem Fallbuch-Text

Ein Fall im Falltraining ist kurz. Meist drei bis vier Sätze. Häufig unter 40 Wörtern, danach eine knappe Rechtsfrage. Vier Antwortoptionen, von denen null bis vier zutreffen können; in unserem Aufgabenbestand hat nur etwa ein Drittel der Aufgaben genau eine richtige Antwort.

Der kurze Sachverhalt ist eine bewusste Entscheidung. Ein Fallbuch-Sachverhalt über zwei Seiten trainiert Ausdauer, ein kurzer trainiert Treffsicherheit. In zwanzig Minuten gehst du zehn Konstellationen durch statt einer einzigen. Was die beiden Formate jeweils leisten, vergleicht der Artikel zum Jura-Fallbuch und interaktiven Falltraining.

Der Rückweg ins Lernelement

Nach dem Auflösen kommt die Erläuterung, meist in vier bis sechs Sätzen. Sie begründet die richtigen Antworten und sagt, warum die übrigen nicht stimmen. Darunter stehen die Lernelemente, aus denen die Aufgabe stammt, sortiert vom Speziellen zum Allgemeinen.

Ein Klick bringt dich in den Skript-Abschnitt, den du gerade nicht sicher konntest. Genau dieser Rückweg unterscheidet ein Lernsystem von einem freistehenden Quiz. Du bekommst sofort die Stelle, an der es steht, statt nur die Auskunft, dass dir etwas fehlt.

Abschlusstest und Note am Ende des Lernpfads

Am Ende eines Lernpfads bilden dieselben Aufgaben den Abschlusstest, und der wird bewertet. Du bekommst eine Note für den Lernpfad. Weil in vielen Aufgaben mehrere Aussagen einzeln zu bewerten sind, zählt jede Einschätzung mit, ein Glückstreffer über die Gesamtnote ist damit unwahrscheinlich.

Der Test lässt sich wiederholen, und ein besserer Durchgang verbessert die Note. Das ist so gebaut, weil eine feststehende Note vom Wiederholen abhalten würde. Alle Einzelheiten zum Aufbau der Aufgaben, zur Qualitätssicherung und zur Note stehen im Artikel zu Stufe 3, Falltraining und Abschlusstest.

Tipp

Du kannst das Format ohne Bezahlung ausprobieren: Der gesamte BGB AT ist auf jurahilfe.de dauerhaft kostenlos, mit Skripten, Karteikarten, Multiple-Choice-Aufgaben und Abschlusstest.

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Wo du Multiple-Choice-Fragen für Jura findest

Die Angebote im Netz verfolgen sehr unterschiedliche Zwecke, und wer das nicht auseinanderhält, übt am falschen Material. Vier Sorten lassen sich unterscheiden, und je nachdem, an welchem Punkt im Studium du stehst, ist eine andere davon die richtige.

Vier Quellen für Multiple-Choice-Fragen in Jura: Self-Assessments der Universitäten, Redaktionsquizze, Lern-Apps mit eigenem Aufgabenbestand und selbst gebaute Fragen
Abb. 3: Die vier Sorten verfolgen unterschiedliche Zwecke, nur zwei taugen zum Wiederholen.

Self-Assessments der Universitäten

Mehrere juristische Fakultäten stellen Online-Self-Assessments bereit, etwa die Universitäten Hamburg, Freiburg, Potsdam und Würzburg sowie die FernUniversität in Hagen. Sie richten sich an Studieninteressierte und fragen, ob Interessen und Fähigkeiten zum Fach passen. Das Würzburger Angebot dauert nach eigener Beschreibung rund 30 Minuten und setzt kein juristisches Vorwissen voraus. Am Ende erhalten die Teilnehmer ein persönliches Ergebnis dazu, wie gut das Fach zu ihnen passt.

Für dein Studium taugen diese Tests kaum. Sie prüfen Neigung. Stoff prüfen sie nicht. Wer schon im dritten Semester ist, findet dort wenig, was er wiederholen könnte.

Redaktions- und Spaßquizze zur Rechtswissenschaft

Die zweite Sorte kommt von juristischen Medien und Portalen: Rechtsquizze mit kuriosen Gesetzen, Fragen zur juristischen Allgemeinbildung, Wissenstests zum Angeben. Sie sind unterhaltsam und oft gut gemacht.

Als Lernmittel taugen sie kaum. Die Fragen sind nicht am Curriculum ausgerichtet, sondern an dem, was sich gut liest, und die Auflösung besteht oft aus einem Satz. Zum Festigen des BGB-Stoffs ist das der falsche Ort. Für eine Runde juristisches Allgemeinwissen an einem müden Nachmittag wirst du hier genau das finden, wonach du suchst. Gegen etwas Lust am Rätseln zwischendurch ist nichts einzuwenden.

Lern-Apps mit eigenem Aufgabenbestand

Die dritte Sorte sind Lernplattformen, die Multiple-Choice-Aufgaben als festen Teil ihres Systems führen. Hier hängen die Fragen an konkreten Lerninhalten, die Erläuterungen sind ausführlich, und der Bestand deckt den Stoff in der Breite ab statt in Stichproben. Diese Variante funktioniert zum Wiederholen.

Achte beim Vergleich möglichst genau auf zwei Dinge: Gibt es zu jeder Aufgabe eine Erläuterung, die auch die falschen Optionen behandelt? Und führt ein Weg von der Aufgabe zurück in den Lernstoff? Ohne beides bleibt es ein Quiz mit Prozentanzeige.

Selbst Fragen bauen aus dem eigenen Skript

Die vierte Möglichkeit wird unterschätzt: Du schreibst die Fragen selbst. Nimm dir nach einem Kapitel zehn Minuten und formuliere zu jedem Prüfungspunkt eine Aussage, die stimmt, und eine, die knapp danebenliegt. Genau das Formulieren der falschen Variante zwingt dich, die Grenze exakt zu bestimmen.

Der Nebeneffekt ist der Gewinn. Erklären zu können, warum eine Aussage knapp falsch ist, setzt Verständnis voraus. Die richtige Antwort zu kennen, setzt nur Gedächtnis voraus. Wie sich das in einen Semesterplan einbauen lässt, zeigt der Artikel zum Jura-Lernplan erstellen.

Multiple-Choice in deine Lernwochen einbauen

Das Format wirkt nur an der richtigen Stelle. Die häufigsten Fehler beim Einsatz haben nichts mit den Fragen zu tun, sondern mit dem Zeitpunkt.

Am Ende eines Themas statt zwischendurch

Ein Quiz vor dem Lernen ist eine Standortbestimmung. Mehr nicht. Der Ertrag entsteht, wenn du den Stoff einmal durchgearbeitet hast und ihn danach abrufst. Setze die Fragen also ans Ende einer Einheit: Kapitel gelesen, Karteikarten durch, dann testen.

Der zweite gute Zeitpunkt liegt später. Nach ein paar Tagen, wenn das Gefühl der Vertrautheit verflogen ist, zeigt derselbe Durchgang etwas anderes. Deshalb lohnt es sich, den Test nicht einmal zu machen, sondern zweimal mit Abstand. Die Systematik dahinter beschreibt das Leitner-System.

Kreislauf für die Lernwoche: Kapitel durcharbeiten, Karteikarten wiederholen, zwanzig bis dreißig Aufgaben lösen, Fehler nachbereiten und nach einigen Tagen erneut testen
Abb. 4: Der Test steht am Ende der Einheit, die Nachbereitung schließt den Kreis.

Wie viele Fragen am Stück sinnvoll sind

Zwanzig bis dreißig Aufgaben in einer Sitzung sind eine gute Größe. Danach lässt die Konzentration nach, und du fängst an zu klicken statt zu denken. Nach 200 Aufgaben am Stück bleibt eine Prozentzahl und wenig Lerneffekt.

Wichtiger als die Menge ist die Regelmäßigkeit. Zwanzig Aufgaben viermal pro Woche schlagen achtzig Aufgaben an einem Sonntag deutlich, und zwar aus demselben Grund, aus dem verteiltes Wiederholen funktioniert.

Fehler nachbereiten statt nur zählen

Hier entscheidet sich, ob die Zeit gut angelegt war. Die Regel dafür ist einfach. Die Prozentzahl am Ende ist die unwichtigste Information des ganzen Durchgangs. Interessant sind die falsch bewerteten Aussagen. Und der Grund dafür.

Nimm dir für jede falsch beantwortete Aufgabe zwei Minuten: Lies die Erläuterung, geh zurück in den Stoff, und formuliere in einem Satz, was genau du verwechselt hast. Dieser eine Satz ist mehr wert als zehn weitere Aufgaben. Ohne diesen Schritt wiederholst du beim nächsten Mal denselben Fehler, nur mit mehr Selbstvertrauen.

Tipp

Fürs Nacharbeiten lohnt sich der Umschalter auf jurahilfe.de: Du liest dieselbe Stelle wahlweise als kompaktes oder als ausführliches Skript, kompakt zum schnellen Auffrischen, ausführlich, wenn der Fehler tiefer sitzt.

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Multiple-Choice in echten Jura-Prüfungen

Bleibt die Frage, die im Hintergrund mitläuft: Kommt das Format in echten Prüfungen überhaupt vor? Im deutschen Jurastudium ist die Antwort überwiegend nein, mit ein paar Ausnahmen, die rechtlich eng geregelt sind.

Wo das Antwortwahlverfahren zulässig ist

Multiple-Choice-Aufgaben heißen im Prüfungsrecht Antwort-Wahl-Verfahren. Sie sind nur zulässig, wenn die Prüfungsordnung sie ausdrücklich vorsieht, insbesondere dort, wo Aufgabensteller und Prüfer nicht dieselbe Person sind. Ohne diese Grundlage ist die Prüfung angreifbar.

In der Pflichtfachprüfung und im zweiten Examen wird nicht angekreuzt, dort schreibst du Gutachten. Begegnen kann dir das Verfahren in einzelnen Nebenfach-, Grundlagen- und Schlüsselqualifikationsklausuren, je nach Fakultät und Prüfungsordnung. Ein Blick in die eigene Studien- und Prüfungsordnung klärt das schneller als jede allgemeine Auskunft.

Kein Punktabzug für falsche Antworten

Ein Grundsatz gilt bei Antwortwahlverfahren durchgehend: Für falsche Antworten dürfen keine Punkte abgezogen werden. Sind mehrere Antworten pro Frage richtig, ist eine degressive Punktvergabe zulässig, bei der die volle Punktzahl nur bekommt, wer alle richtigen Optionen auswählt.

Wird ein Ankreuzteil mit offenen Fragen zu einer Klausur kombiniert, gelten diese Vorgaben für den Multiple-Choice-Teil weiter, und die Prüfungsordnung muss außerdem regeln, wie beide Teile verrechnet werden. Wer in einer solchen Klausur knapp durchfällt, sollte sich die Bewertungsregeln genau ansehen.

Warum die Klausur trotzdem ein Gutachten bleibt

Aus der geringen Prüfungsrelevanz folgt nicht, dass Üben mit Multiple-Choice sinnlos wäre. Du trainierst damit den Schritt, der vor dem Gutachten kommt. Erst wenn du erkannt hast, worum es im Sachverhalt geht, kannst du den ersten Obersatz formulieren.

Beides gehört zusammen. Die Fragen liefern die Menge, die Klausur die Schreibpraxis. Wie der Aufbau dann funktioniert, steht im Artikel zum Gutachtenstil vom Obersatz zur Subsumtion.

Fazit: für wen sich ein Jura Quiz lohnt

Ein Jura Quiz ist kein Ersatz für die Klausurvorbereitung und keine Spielerei. Es ist das Werkzeug für einen bestimmten Moment: Du hast ein Thema durchgearbeitet und willst wissen, ob es sitzt. Dafür schlägt es jede weitere Leserunde.

Entscheidend bleibt die Qualität der Fragen. Ein Sachverhalt ohne rechtliche Wertung, Distraktoren, die echte Denkfehler abbilden, und eine Erläuterung, die auch die falschen Optionen behandelt: Kommen diese Merkmale zusammen, lernst du in zwanzig Minuten mehr als in einer Stunde Wiederholung. Am schnellsten siehst du das selbst, wenn du die Multiple-Choice-Aufgaben im kostenlosen BGB AT auf jurahilfe.de einmal durchgehst.

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Häufig gestellte Fragen

Frieder Hammer

Über den Autor

Frieder Hammer

Repetitor, Fachautor und Gründer von Jurahilfe.de

Volljurist, Prädikatsexamen (Schwerpunkt Steuerrecht)

Hat 11 Fachbücher für die juristische Ausbildung geschrieben und ist seit 2017 als Repetitor tätig. Er hat über 400 Jurastudenten im Einzelunterricht erfolgreich auf ihre Prüfungen vorbereitet. Seine juristische und didaktische Expertise ist die DNA der Lernplattform Jurahilfe.de.

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