Über 93 Prozent der Prüflinge im sächsischen Pflichtfachexamen haben ihre Klausuren zuletzt am Laptop geschrieben statt auf Papier. Welche Software dir beim Jurastudium hilft, entscheidet sich deshalb inzwischen auch im Prüfungssaal. Die Antwort lässt sich in acht Aufgaben sortieren: Stoff lernen, Wissen wiederholen, Gesetze nachschlagen, Rechtsprechung recherchieren, mitschreiben, Hausarbeiten bauen, Dateien sichern und tippen üben. Pro Aufgabe brauchst du genau ein Werkzeug.
Das meiste davon kostet dich nichts, weil deine Hochschule es längst bezahlt. Der Rest ist eine Frage von wenigen Euro im Monat. Teuer wird es erst, wenn du für dieselbe Aufgabe drei Programme parallel führst.
Auf einen Blick:
- Acht Aufgaben, acht Werkzeuge: mehr Software brauchst du im Jurastudium nicht, und weniger reicht selten.
- Campuslizenzen zuerst prüfen: beck-online, juris, das Office-Paket und bei vielen Hochschulen auch Citavi sind über deinen Hochschulzugang kostenfrei.
- Für Gesetze unterwegs genügt eine kostenlose App mit eigenen Markierungen, die Gesetzesänderungen übersteht.
- Karteikarten gehören in ein System mit Wiederholungsintervallen, sonst wiederholst du das Falsche zur falschen Zeit.
- Das E-Examen ist in mehreren Ländern längst Alltag: Tippen gehört damit zur Prüfungsvorbereitung.
- Zwei Kostenfallen: Abos, die im Semester untergehen, und zwei Programme für dieselbe Aufgabe.
Tipp
Werkzeuge ordnen den Stoff, liefern ihn aber nicht. Auf jurahilfe.de findest du interaktive Skripten, Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben, die aufeinander aufbauen, vom ersten Semester bis zum Examen.
Welche Software du im Jurastudium wirklich brauchst
Zu dieser Frage findest du vor allem Listen von Jura Apps. Das hilft dir wenig, solange unklar bleibt, welche Aufgabe das jeweilige Programm überhaupt löst. Sortiere deshalb zuerst die Aufgaben, dann fällt die Auswahl fast von allein.

Acht Aufgaben, für die Jurastudierende Software brauchen
Im Jurastudium fällt immer wieder dieselbe Arbeit an. Du lernst neuen Stoff, du wiederholst alten, du schlägst Normen nach, du suchst Rechtsprechung und Literatur, du schreibst in der Vorlesung mit, du baust eine Hausarbeit, du sicherst deine Dateien, und irgendwann trainierst du das Tippen unter Prüfungsbedingungen. Acht Aufgaben, und für jede gibt es eine Handvoll Programme, die sie wirklich lösen.
Als Bauplan für den Rest des Artikels dient die folgende Tabelle. Sie nennt je Aufgabe die Werkzeuge, die sich im Jurastudium bewährt haben, und was sie kosten.
| Aufgabe | Software | Kosten |
|---|---|---|
| Stoff lernen | Lernplattform (Jurahilfe.de), Skripten, Vorlesung | BGB AT dauerhaft kostenlos, Vollzugang ab 14,99 Euro im Monat |
| Wiederholen | Karteikarten mit Wiederholungssystem (Jurahilfe.de, Anki) | im Lernpfad enthalten; Anki am Rechner und unter Android kostenlos |
| Gesetze nachschlagen | gesetze.io, dejure.org, Gesetze im Internet | kostenlos |
| Recherchieren | beck-online, juris | über den Hochschulzugang kostenfrei |
| Mitschreiben | Notion, Obsidian, OneNote, GoodNotes | kostenlos bis rund fünf US-Dollar im Monat |
| Hausarbeit bauen | Zotero oder Citavi, Word | Zotero kostenlos, Citavi meist über die Campuslizenz |
| Sichern | Hochschul-Cloud, OneDrive | im Hochschulzugang enthalten |
| Tippen üben | Übungsportale der Landesjustizprüfungsämter | kostenlos |
Was deine Uni dir kostenlos gibt: der Blick in die Campuslizenz
Bevor du irgendetwas kaufst, schau in das Angebot deiner Hochschulbibliothek. Juristische Fakultäten zahlen für ihre Studierenden regelmäßig Zugänge, die einzeln vierstellig wären. beck-online und juris gehören fast überall dazu, das Office-Paket meistens, Citavi an vielen Häusern. An der Frankfurt University of Applied Sciences etwa läuft die Citavi-Campuslizenz bis Ende 2026 und kostet die Studierenden nichts.
Diese Zugänge sind an deine Hochschulmail gebunden und laufen ab, wenn du sie nicht verlängerst. Bei beck-online musst du deinen Account an vielen Universitäten alle sechs Monate erneuern, sonst ist der Zugriff von zu Hause weg. Trag dir das ein. Sonst merkst du die abgelaufene Kennung abends um elf, wenn du eine Fundstelle brauchst.

Drei Fragen, an denen du eine gute Jura App erkennst
Drei Fragen reichen für die Vorauswahl. Läuft die Software auf allen deinen Geräten, am Handy wie am Rechner? Kommst du an deine eigenen Inhalte heran, wenn du das Programm einmal wechseln willst? Und bleibt sie nutzbar, wenn du das Abo nicht verlängerst?
Vor allem die dritte Frage lohnt sich. Ein Notizprogramm, das dir beim Kündigen den Zugriff auf deine eigenen Mitschriften nimmt, ist im fünften Semester ein Problem. Übrigens gilt dieselbe Prüfung für Lernplattformen. Für die Examensplanung zählt, ob dein Lernstand in einem Jahr noch da ist.
Lernplattform: den Stoff lernen, wiederholen und behalten
Deine wichtigste Software im Jurastudium ist die, mit der du den Stoff tatsächlich lernst. Alles andere organisiert nur drumherum. Ein Notizprogramm macht aus einer schlecht verstandenen Vorlesung keine gute Mitschrift.
Wie eine interaktive Lernplattform funktioniert
Eine Lernplattform unterscheidet sich von einem PDF-Skript durch zwei Dinge: Sie verknüpft die Inhalte untereinander, und sie prüft ab, ob du sie behalten hast. Klickst du im Text auf einen Rechtsbegriff, öffnet sich die Definition samt Begleitwissen, ohne dass du das Kapitel verlässt. Papierskripten können das nicht. Sie müssen ausschreiben, wo ein Link genügt.
Der zweite Unterschied ist der Ablauf. Auf Papier liest du und hoffst. Im Lernpfad liest du, rufst das Gelesene aktiv ab und testest es danach am kleinen Fall. Diese drei Stufen bauen aufeinander auf, sodass du nicht dreimal denselben Stoff von vorn anfängst.
Karteikarten mit Wiederholungssystem statt Stapel im Regal
Karteikarten gehören im Jurastudium zur Grundausstattung. Den Nutzen bringt das Abrufen zum richtigen Zeitpunkt, das Schreiben der Karte ist nur die Vorarbeit. Ein Algorithmus für verteilte Wiederholung rechnet für jede Karte aus, wann du sie kurz vor dem Vergessen wiedersehen solltest. Das ist der ganze Trick.
Dafür brauchst du Software mit einem Wiederholungsalgorithmus. Im Lernpfad von Jurahilfe.de steckt er schon, separat bekommst du ihn mit Anki. Wie das Prinzip genau arbeitet, erklärt unser Artikel zu Spaced Repetition und Active Recall im Jurastudium; welche fertigen Kartensätze für Jura etwas taugen, steht im Überblick zu digitalen Jura-Karteikarten.
Jurahilfe.de: Lernpfade, Falltraining und kostenloser Einstieg ins BGB AT
Jurahilfe.de ist eine Lernplattform für Jurastudierende, die beides zusammenführt. Stufe eins sind interaktive Skripten, die du wahlweise als Kompakttext oder als ausführlichen Langtext liest. Stufe zwei sind Karteikarten, die direkt in ein Wiederholungssystem mit dem FSRS-Algorithmus laufen. Stufe drei sind Multiple-Choice-Aufgaben an kurzen Sachverhalten, mit Erläuterung und einer Abschlussnote am Ende des Lernpfads. Das ist besonders effizient, weil du dabei Signalwörter im Sachverhalt erkennen lernst, statt dich durch klassischen Fallbuch-Fließtext zu arbeiten.
Ausprobieren kannst du das ohne Zahlung: Der gesamte Allgemeine Teil des BGB ist dauerhaft kostenlos, mit über 150 Lernelementen, 500 Karteikarten und Multiple-Choice-Aufgaben. Ich empfehle, genau dort anzufangen, weil BGB AT ohnehin die Grundlage für fast jede Zivilrechtsklausur ist. Der Vollzugang über alle drei Rechtsgebiete kostet 14,99 Euro pro Monat im Jahresabo.
Tipp
Du kannst den kompletten BGB AT dauerhaft kostenlos lernen, ohne Zeitlimit und ohne Zahlungsdaten: sechs Lernpfade mit Skripten, Karteikarten, Multiple-Choice-Aufgaben und Abschlusstest.
Gesetze digital: Gesetzestexte und juristische Datenbanken
Der Schönfelder bleibt dein Arbeitsgerät für die Klausur. Für alles andere ist die digitale Fassung schneller, und bei Landesrecht ist sie oft der einzige praktikable Weg.
Gesetze unterwegs lesen und markieren
Für Bundesrecht, Europarecht und das Landesrecht aller sechzehn Bundesländer gibt es kostenlose Apps. gesetze.io läuft unter Android, iOS, macOS und Windows sowie im Browser, das Lesen geht ohne Account. Mit einem kostenlosen Konto kannst du eigene Markierungen und Notizen an einzelnen Normen anlegen, Normen thematisch in Handakten gruppieren und alles über deine Geräte synchronisieren. Praktisch ist dabei, dass deine Markierungen eine Gesetzesänderung überstehen: Bleibt die markierte Stelle unverändert, wandert die Markierung automatisch mit, sonst wird sie als verwaist angezeigt und du ordnest sie neu zu.
dejure.org ist der zweite Anlaufpunkt, den Juristen in Studium und Praxis gleichermaßen aufschlagen, vor allem wegen der Vernetzung: Zu jeder Norm findest du dort direkt die einschlägige Rechtsprechung und Fundstellen. Auf gesetze-im-internet.de stellt das Bundesamt für Justiz die konsolidierten Fassungen bereit, also die Texte mit eingearbeiteten Änderungen. Amtlich sind sie ausdrücklich nicht, das ist seit 2023 die Verkündungsplattform des Bundes. Für Zitate in der Hausarbeit reicht die konsolidierte Fassung trotzdem, weil sie der Stand ist, mit dem alle arbeiten. Wie du Normen dann korrekt anführst, steht in unserem Leitfaden zum Gesetze zitieren.
beck-online und juris über den Zugriff deiner Uni
Kommentare, Zeitschriften und Entscheidungen im Volltext bekommst du über die beiden großen juristischen Datenbanken, die auch von Juristen in der Praxis täglich genutzt werden. Der Fernzugang läuft an den meisten Hochschulen über den VPN-Client plus eine Registrierung mit der Hochschulmail. Welche Datenbank für welche Frage die richtige ist, klärt unser Vergleich der juristischen Datenbanken im Jurastudium; wie du den kostenlosen juris-Zugang über deine Uni einrichtest, steht im Artikel zu juris online.
Beide Anbieter haben inzwischen KI-Assistenten eingebaut. Was die im Studium taugen und wo sie danebenliegen, haben wir uns beim Beck-Chat in beck-online angesehen. Kurz gesagt: für den Einstieg in ein unbekanntes Thema brauchbar, als Beleg in der Hausarbeit ungeeignet.
Wo die Papier-Gesetzessammlung unersetzlich bleibt
In der Klausur und im Examen darfst du nur die zugelassene Gesetzessammlung benutzen, auf Papier. Daran ändert auch das E-Examen nichts. Auch am Laptop liegt der Gesetzestext als Buch daneben. Wenn du also im Studium ausschließlich digital nachschlägst, fehlt dir in der Klausur die Routine, eine Norm schnell aufzuschlagen. Schlag zwischendurch ruhig mal § 433 BGB im Buch auf. Auch Profis blättern nach Jahren noch.

Notizen und Mitschriften: digitaler Stoff statt Zettelchaos
Hier geht am meisten Zeit verloren, und zwar beim Wiederfinden. Selten geht es dabei um die schönsten Funktionen. Es geht darum, wo eine Mitschrift landet und wie du in zwei Jahren wieder drankommst.
Notion, Obsidian und OneNote im Vergleich
Alle drei sind für Studierende kostenlos nutzbar, sie arbeiten aber nach verschiedenen Prinzipien. Notion ist eine Datenbank mit Textoberfläche: Du kannst Rechtsgebiete, Lernpfade und Klausurtermine als verknüpfte Tabellen anlegen. Für den Education Plan brauchst du eine Hochschulmail als Hauptadresse deines Kontos, deine Hochschule muss in der World Higher Education Database geführt sein, und du bestätigst deinen Status einmal im Jahr. Ein Workspace ist dabei auf einen Nutzer begrenzt, und Notion AI ist in diesem kostenlosen Plan nicht enthalten.
Obsidian speichert deine Notizen als schlichte Textdateien auf deiner Festplatte. Das ist der große Vorteil: Deine Inhalte gehören dir, auch ohne Konto und ohne Internet. Privat nutzt du Obsidian dauerhaft kostenlos, eine Anmeldung gibt es gar nicht. Nur die Synchronisation über mehrere Geräte kostet etwas, nämlich fünf US-Dollar im Monat oder umgerechnet vier bei jährlicher Zahlung. OneNote wiederum ist bereits da, wenn deine Hochschule das Office-Paket stellt, und es kann als einziges der drei handschriftliche Eingabe und getippten Text auf derselben Seite mischen.
| Programm | Stärke | Grenze |
|---|---|---|
| Notion | Datenbanken, Verknüpfungen, Vorlagen | braucht Internet, Inhalte liegen beim Anbieter |
| Obsidian | lokale Textdateien, kein Konto nötig | Synchronisation kostet extra, Einarbeitung |
| OneNote | im Uni-Office enthalten, Handschrift plus Text | Suche wird bei großen Notizbüchern träge |
| GoodNotes | Handschrift auf dem Tablet, PDF-Annotation | gratis nur drei Notizbücher, iPad-lastig |
Wie ein Notion-Aufbau für Jura konkret aussieht, mit Datenbanken für Rechtsgebiete und Schemata, zeigt unser eigener Artikel zu Notion für Jura. Dort findest du auch eine Vorlage, mit der du nicht bei null anfängst.
Handschriftlich am Tablet mit GoodNotes
Denkst du besser mit dem Stift in der Hand, kommst du am Tablet weiter als an der Tastatur. GoodNotes ist dafür der Standard auf dem iPad: PDF-Skripten annotieren, Vorlesungsfolien beschriften, alles in einem Notizbuch pro Fach. Kostenlos sind drei Notizbücher und 100 MB Speicher, was für ein Semester knapp wird. Der Essential-Plan liegt bei knapp zwölf US-Dollar im Jahr, und den würde ich empfehlen, sobald du mehr als drei Notizbücher brauchst.
Ob sich die Anschaffung eines Tablets für dich lohnt, ist eine eigene Frage. Wir haben sie im Artikel zum iPad im Jurastudium durchgerechnet, samt dem Haken, der im Examen auf dich wartet.

Welche App dazu passt, wie du lernst
Das ist zu einem guten Teil Geschmackssache. Baust du gern Übersichten und Strukturen, macht dich Notion glücklich. Tippst du schnell und willst deine Dateien behalten, nimm Obsidian. Und mit iPad und Stift bleibst du bei GoodNotes.
Wichtiger als die Wahl ist, dass du nur ein Programm für Mitschriften führst. Zwei Systeme parallel bedeuten, dass du in beiden suchst und in keinem findest. Wie du aus Mitschriften brauchbare Zusammenfassungen machst, steht in unserem Leitfaden zu Jura-Lernzetteln.
Hausarbeit: Literatur verwalten, zitieren und formatieren
In der Hausarbeitsphase entscheidet Software über Nerven. Eine juristische Hausarbeit hat mehr Fußnoten als Fließtext, und jede davon muss stimmen. Vorbereitung zahlt sich hier aus.
Zotero oder Citavi für deine juristischen Quellen
Beide Programme verwalten Literatur und erzeugen daraus Fußnoten. Zotero ist kostenlos, läuft unter Windows, macOS und Linux und hängt an keiner Hochschule. Citavi gibt es an vielen Universitäten über die Campuslizenz gratis, hat eine Windows-Version plus eine Weboberfläche und bringt Cloudspeicher bis zur Fair-Use-Grenze von fünf Gigabyte mit. Eine eigene macOS-Version fehlt, dort arbeitest du über Citavi Web.
Für Jura gilt eine Besonderheit: Die gängigen Zitierstile beider Programme sind auf andere Fächer gemünzt. Du wirst in beiden Fällen Hand anlegen und den Stil an die Vorgaben deines Lehrstuhls anpassen. Rechne dafür einen Nachmittag ein. Einmal, am Anfang. Danach spart dir das in jeder weiteren Hausarbeit Stunden.
Mein Rat: Wenn deine Uni Citavi stellt und du unter Windows arbeitest, nimm Citavi, weil das Word-Add-In sehr direkt mit dem Text zusammenarbeitet. In allen anderen Fällen ist Zotero die bessere Wahl, schon weil es dich nach dem Examen nicht plötzlich Geld kostet.
Word einrichten, bevor du schreibst
Der teuerste Fehler in der Hausarbeit ist, die Formatierung ans Ende zu schieben. Formatvorlagen, Seitenränder mit Korrekturrand, Fußnotenzähler und automatische Gliederung richtest du einmal am Anfang ein, dann läuft der Rest von selbst. Viele Fachschaften stellen fertige Word-Vorlagen für juristische Hausarbeiten bereit, oft samt Deckblatt und Literaturverzeichnis. Frag dort zuerst, bevor du selbst bastelst.

Zur Formalia gehört mehr als das Layout. Was ins Abkürzungsverzeichnis gehört und was du dir sparen kannst, klärt unser Artikel zum Abkürzungsverzeichnis in der Jura-Hausarbeit. Und falls die Zeit schon knapp ist: Unser Sieben-Tage-Plan für die Hausarbeit ordnet die Schritte nach Dringlichkeit.
Cloud und Backup: der teuerste Fehler der Hausarbeitsphase
Jede Hochschule stellt Speicherplatz in einer eigenen Cloud, meist 30 bis 50 Gigabyte für Studierende: Sciebo in Nordrhein-Westfalen gibt 30 Gigabyte, die Hessenbox und bwSync&Share in Baden-Württemberg je 50. Nutze sie, und zwar so, dass die Hausarbeit dort liegt und von dort aus bearbeitet wird. Ein zweiter Ort schadet nicht. Ein USB-Stick in der Schreibtischschublade reicht dafür völlig.
Der Schaden, den ich am häufigsten höre, ist die versehentlich überschriebene Fassung drei Tage vor Abgabe. Deshalb: Versionsverlauf einschalten, wo es ihn gibt, und vor jedem größeren Umbau eine Kopie mit Datum im Dateinamen anlegen. Das kostet zehn Sekunden. Mehr nicht.
Tipp
Für die Fälle in der Hausarbeit und in der Klausur trainierst du auf jurahilfe.de mit Multiple-Choice-Aufgaben an kurzen Sachverhalten, samt ausführlicher Erläuterung: genau die Sachverhaltsarbeit, an der Punkte verloren gehen.
Am Laptop schreiben: was das Staatsexamen für deine Software bedeutet
Das ist der Abschnitt, den andere Software-Listen auslassen. Die Wahl deiner Werkzeuge hat inzwischen eine Prüfungsdimension, weil das Staatsexamen in immer mehr Ländern am Laptop geschrieben wird. Den Ablauf, die Anmeldung und die Erfahrungen aus den einzelnen Ländern behandeln wir gesondert, hier geht es allein um die Folgen für deine Software.
Wo im ersten Staatsexamen schon am Rechner geschrieben wird
Rheinland-Pfalz war 2021 mit einem Pilotprojekt der erste Anlauf, Thüringen folgte im Dezember 2022, Nordrhein-Westfalen stellte zum 1. Januar 2024 auf Wahlfreiheit um. Sachsen führte die E-Klausur im Februar 2025 erstmals in der staatlichen Pflichtfachprüfung durch, und mehr als 93 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Durchgangs entschieden sich für das elektronische Format. Bayern zieht zum Termin 2026/2 flächendeckend an allen Prüfungsorten nach.

Im zweiten Examen ist die Entwicklung noch deutlicher. In Hessen wählten 2025 über 96 Prozent der Prüflinge die digitale Klausur, in Sachsen-Anhalt und in Sachsen lagen einzelne Durchgänge bei 100 Prozent, in Schleswig-Holstein bei rund 80 Prozent. Freiwillig bleibt die Sache überall. Handschriftlich geht weiterhin. Niemand zwingt dich an die Tastatur.
Gestellt werden die Geräte von den Landesjustizprüfungsämtern, eigene Laptops sind nicht erlaubt. In Bayern sind sogar die zugelassenen Tastaturmodelle benannt, nämlich die CHERRY KC 1000 ohne den Zusatz „SC“ und die Logitech K280e. Die Programme speichern automatisch, in Sachsen alle zehn Sekunden, und bei technischen Störungen bekommst du die verlorene Zeit ausgeglichen.

Die Übungsportale der Länder und wie du sie nutzen kannst
Alle Länder mit E-Klausur stellen ein Demoportal bereit, in dem du die Prüfungssoftware von zu Hause ausprobierst. In Nordrhein-Westfalen heißt das System Q-Examiner, dasselbe Programm läuft in Rheinland-Pfalz und Sachsen. Bayern nutzt ein eigenes Demoportal, und die LMU bietet ihren Studierenden zusätzlich Übungsklausuren unter der Prüfungssoftware EDUTIEK an.
Wichtig ist, was diese Programme nicht können. Sie sind bewusst schlicht gehalten: Kopieren und Einfügen sowie einfache Formatierung ja, automatische Gliederungsnummerierung nein. Erzeugst du deine Klausurgliederung sonst per Word-Automatik, fehlt sie dir im Examen. Probier das Portal deines Landes deshalb aus, bevor du dich anmeldest, nicht erst in der Woche davor.
Was für die Handschrift spricht und wann sie dich ausbremst
Es gibt auch Gegenstimmen. Sie sind ernst zu nehmen. Thomas Lobinger von der Universität Heidelberg nennt das elektronische Examen eine „Verführung“: Am Laptop formuliert man beim Schreiben ständig um und verliert damit Zeit, die auf Papier in den Gedanken geflossen wäre. Lobinger verweist zusätzlich auf lernpsychologische Studien, nach denen handschriftliches Schreiben dem Gedächtnis hilft.
Auf der anderen Seite stehen praktische Argumente. Der Richter und Arbeitsgemeinschaftsleiter Christian Konert berichtet, dass sich gerade bei Urteilsklausuren am Dateitext schneller erkennen lässt, ob der Aufbau stimmt. Dazu kommt, dass nach fünf Stunden niemand gegen den Schreibkrampf kämpft. Meine Einschätzung: Die Entscheidung hängt weniger am Prinzip als daran, wie flüssig du tippst. Formulierst du am Rechner langsamer als mit der Hand, gewinnst du am Laptop nichts. Probier beides in einer Übungsklausur aus, dann weißt du es, statt zu raten.
Apps und Software, die du dir im Jurastudium sparen kannst
Jedes Semester tauchen neue Programme auf, die angeblich das Lernen lösen. Fast alle davon lösen eine Aufgabe, die du schon anders erledigst. Drei Muster lohnen einen nüchternen Blick.
Wenn du zwei Programme für dieselbe Aufgabe hast
Wenn du Mitschriften in OneNote führst und Zusammenfassungen in Notion, führst du zwei halbe Systeme. Dasselbe gilt für Karteikarten: Entweder du arbeitest in der Lernplattform, oder du baust eigene Karten in einem separaten Programm. Beides parallel bedeutet, dass du dieselben Definitionen zweimal erstellen musst und trotzdem nie weißt, welcher Stand aktuell ist.
Die Ausnahme ist echte Arbeitsteilung. Ein Programm für die laufende Mitschrift und eines für die verdichtete Zusammenfassung kann funktionieren, wenn du eine klare Regel hast, wann etwas von A nach B wandert. Ohne diese Regel wird es Chaos.
Abos, die im Semester untergehen
Rechne einmal zusammen, was deine laufenden Abos pro Monat kosten. Karteikarten-App, Notiz-App, Cloud, Lernplattform, KI-Werkzeug: Fünf mal fünf Euro sind 300 Euro im Jahr, und meistens nutzt du davon zwei ernsthaft. Kündige, was du seit vier Wochen nicht geöffnet hast.
Prüf außerdem, was ohnehin bezahlt ist. Zahlst du für Cloudspeicher, obwohl die Hochschule 30 bis 50 Gigabyte stellt, wirfst du Geld weg. Gleiches gilt für Datenbank-Zugänge, die es über die Uni kostenlos gibt.

Wo KI-Werkzeuge helfen und wo nicht
Sprachmodelle sind gut darin, dir ein unbekanntes Thema in einfachen Worten zu erklären oder eine Gliederung zu hinterfragen. Sie sind schlecht darin, juristisch belastbar zu arbeiten: Fundstellen werden erfunden, Rechtsprechung falsch zusammengefasst, Streitstände verkürzt. Bei Rechtsfragen ist das ein echtes Risiko, sobald du eine solche Angabe ungeprüft übernimmst.
Für Belege ist KI deshalb ungeeignet. Jede Fundstelle, die dir ein Modell nennt, prüfst du in beck-online, juris oder auf dejure.org nach. Welche Werkzeuge für Jura überhaupt taugen, haben wir im Vergleich der KI-Tools fürs Jurastudium gemessen; wie du KI sinnvoll als Tutor einsetzt, steht im Artikel zum Lernen mit KI.
So baust du dein digitales Setup im Studium in drei Schritten auf
Du musst nicht im ersten Semester alles haben. Fast jedes Programm brauchst du erst, wenn die passende Aufgabe zum ersten Mal auftaucht. Ich baue das Setup in dieser Reihenfolge auf.
Erstes Semester: das Minimum
Drei Dinge reichen: eine Gesetzes-App, ein Notizprogramm und eine Lernplattform oder ein Skript, mit dem du den Stoff das erste Mal durcharbeitest. Alles andere kannst du später nachrüsten. Richte im selben Zug deinen Hochschulzugang ein, also Mail, VPN und Cloud, weil du das ohnehin brauchst und es im Trubel sonst liegen bleibt.
Leg dir eine Ordnerstruktur nach Rechtsgebiet an, nicht nach Semester. Im dritten Semester suchst du Schuldrecht, nicht „Winter“. Wie du das Ordnen und Planen insgesamt angehst, steht ausführlich in unserem Leitfaden zum Jurastudium organisieren.
Ab der ersten Hausarbeit nachrüsten
Jetzt kommen Literaturverwaltung, Datenbankzugang und die Word-Vorlage dazu. Richte Zotero oder Citavi ein, bevor du die erste Quelle liest. Nachträglich hundert Titel einzupflegen ist eine Strafe. Die gibst du dir selbst.
Parallel lohnt es sich, das Wiederholungssystem ernst zu nehmen. Ab dem zweiten Semester wird der Stoff so viel, dass reines Nachlesen nicht mehr reicht. Wenn du Anki nutzen willst, findest du in unserer Anleitung zum Anki für Jura einrichten die Einstellungen, die für juristische Inhalte funktionieren.
Vor dem Examen: Stoff, Wiederholung und Tippen
In der Examensvorbereitung fällt fast alles weg, was nicht direkt auf die Klausur einzahlt. Dein Lernplan entscheidet, wie viel davon übrig bleibt. In der Regel sind es drei Dinge: der Stoff in einer Form, die du schnell wiederholen kannst, ein Wiederholungssystem über alle Rechtsgebiete hinweg, und die Übung am Gerät, wenn du das E-Examen schreiben willst.
Mach dabei einen Termin für das Demoportal deines Landes, früh genug, um noch umzuplanen. Und wenn du merkst, dass dir das Tippen im Weg steht, entscheide dich bewusst für Papier. Beides ist zulässig. Die falsche Entscheidung kostet dich mehr als jedes Programm.
Software ersetzt am Ende kein Verständnis. Sie sorgt dafür, dass dein Wissen dort liegt, wo du es wiederfindest, und dass die Suche danach wenig Zeit kostet. Wenn du den Stoff selbst systematisch aufbauen willst, kannst du dafür auf jurahilfe.de mit dem kostenlosen BGB AT starten und dich von dort durch die weiteren Rechtsgebiete arbeiten.
Weiterlesen
- Beste Jura App: Lernplattformen und Karteikarten-Apps im Überblick: Wenn du speziell nach Lern-Apps suchst, steht dort der ausführliche Vergleich, den dieser Artikel bewusst nur streift.
- Anki Karteikarten Jura: Welche Decks taugen wirklich?: Fertige Kartensätze für Jura im Praxistest, samt der Frage, wann sich Selberbauen lohnt.
- Zettelkasten-Methode für Jura: Wie Luhmanns System funktioniert und ob es für juristische Inhalte taugt.
- Mindmap erstellen fürs Jurastudium: Software und Vorgehen, wenn du dir Zusammenhänge lieber visuell erarbeitest.
- Hausarbeit schreiben lassen: was erlaubt ist und was nicht: Die rechtlichen Grenzen beim Einsatz fremder Hilfe und von KI in der Hausarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Über den Autor
Johannes Wainryb
Gründer von Jurahilfe.de
Jurist und Softwareentwickler mit über 10 Jahren Erfahrung
Verantwortet bei Jurahilfe.de Technik und Produkt und verbindet juristisches Verständnis mit Lerndidaktik.
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